Ursachen für Hauterkrankungen

Wenn's juckt und kratzt, wollen Vierbeiner am liebsten aus der Haut fahren. 

Auch Tiere sollen sich in ihrer Haut wohlfühlen

Das Haarkleid, ein typisches Merkmal unserer Heimtiere, ist wichtig für die Wärmeisolation und die Sinneswahrnehmung. Das Fell dient auch als Barriere gegen Schädigungen der Haut. Diese schützt den Körper vor mechanischen Einwirkungen sowie körperfremden Substanzen und unterstützt die Temperaturregulation des Körpers. Dass alle Aufgaben der Haut richtig funktionieren, um Gesundheit und Wohlbefinden des Tieres zu gewährleisten, ist also sehr wichtig.

Hier finden Sie alle Informationen zum Thema Haut und Haar - Spiegel der Gesundheit!

Allerdings ist jeder vierte Vierbeiner, der von seinem Halter zum Tierarzt gebracht wird, ein dermatologischer Patient! Die Ursachen sind so vielfältig wie die Beschwerden: Juckreiz, Haarausfall, Entzündungen, nässende oder eitrige Stellen. Dadurch wird die veterinärmedizinische Diagnose erschwert, die Behandlung ist meist langwierig und erfordert von allen Beteiligten Konsequenz und Geduld.

Ursachen und Begriffserklärung

  1. Futtermittelunverträglichkeit: Dabei handelt es sich um kein Geschehen mit immunologischer Basis. Der Körper verträgt ein bestimmtes Futtermittel nicht, da ihm meist ein Enzym zur Verdauung fehlt. Die häufigste und bekannteste Unverträglichkeit ist die Lactoseintoleranz. Das Enzym Lactase im Dünndarm ist hier nicht ausreichend vorhanden. Dies ist ein häufiger Befund bei erwachsenen Patienten, die nach dem Absetzen die Lactaseproduktion einstellen.

  2. Futtermittelallergie: Hier kommt es zur Aufnahme von bestimmten Proteinen oder Kohlenhydraten, welche dann von der Abwehr als ‚feindlich‘ eingestuft werden. Wie bei einer Impfung nehmen Abwehrzellen diese Stoffe auf und werden zu Antigen Presenting Cells (APC). Es werden sogenannte Memorycells gebildet, welche bei weiterem Kontakt die Antigene erkennen und eine Abwehrreaktion auslösen. Man sieht anhand des Mechanismus schon, dass Allergien nicht angeboren sind wie so oft behauptet. Auch ist es unwahrscheinlich, schon bei Welpen eine ‚echte Allergie‘ zu finden.

  3. Atopie: Dies ist auch eine immunologische Abwehrreaktion, nur findet diese auf der äußeren Körperoberfläche der Haut statt. Die Antigene kommen über die Hautoberfläche in den Körper. Typisch ist die Flohspeichelatopie oder auch die Überempfindlichkeit gegen Gräser.

  4. Ein Sonderfall, der auch zu den Allergien gehört, wäre das feline Asthma bei der Katze

Eliminationsdiät

Um diese Krankheitsbilder, die fast immer die gleichen Symptome wie Juckreiz, Ohrenentzündung und/oder Durchfall zeigen, unterscheiden zu können, muss eine Eliminationsdiät gefüttert werden.

Die Fütterung einer Eliminationsdiät, also die Vermeidung der relevanten Allergene, ist nach wie vor der Goldstandard in der Diagnose und Therapie der Futtermittelallergie bei Hund und Katze. Ziel ist es, die auslösenden Allergene im Futter dauerhaft zu vermeiden. Bei einer echten Futtermittelallergie ist dies lebenslang notwendig.

Die Diagnose wird mittels einer zunächst mindestens 8 bis 10 Wochen ausschließlich gefütterten Eliminationsdiät gestellt.

In der Theorie klingt dies einfacher, als es in der Praxis umzusetzen ist. Ausschließliche Fütterung bedeutet nicht nur, dass in den Futternapf kein anderes Futter kommt. Man braucht auch detektivischen Spürsinn, um andere Quellen zu identifizieren und zu vermeiden.

Beispiele

  • Der liebe Nachbar, der ohne unser Wissen durch den Zaun füttert.

  • Der verlockende Komposthaufen.

  • Überhaupt ist vor allem bei Katzen der Freigang gestrichen.

  • Die geliebten Leckerlis.

  • Unsere Medikamente ‚mit Geschmack‘ die in letzter Zeit mehr werden.

Hier ist der Tierarzt gefordert, dies dem Besitzer und allen anderen Kontaktpersonen zu verdeutlichen und sie zu unterstützen. Dabei sollten die Besitzer genauso viel und intensiv wie die Tiere behandelt werden.

Wenn all diese Klippen umschifft wurden und es kommt zu einer Besserung der Symptomatik, sind wir trotz freudiger Gesichter lege artis nicht am Ziel! Mithilfe eines Provokationstests sollte die Diagnose abgesichert werden. Letzterer kann entweder mit dem alten Futter oder – spezifischer - durch Zulage ausgewählter Einzelfuttermittel (jeweils nur eins pro Woche) durchgeführt werden. Nur so finden wir den Auslöser auch heraus.

Theoretisch könnte ja die endlich korrekte Flohprophylaxe oder der einsetzende Winter den Patienten ‚geheilt‘ haben…


Unterstützung über die richtige Ernährung

Eliminationsdiäten auf der Basis seltener Rohstoffe

Das Prinzip besteht darin, dass das betroffene Tier eine Ration aus nur einer Protein- und einer Kohlenhydratquelle, die bisher noch nie gefüttert wurden, erhält. Dabei handelt es sich um Alleinfutter, die bereits so mit Mineralstoffen und Vitaminen ergänzt sind, dass sie den gesamten Nährstoffbedarf der Zieltierart und -altersgruppe vollständig abdecken. Der Tierbesitzer kann also beruhigt zu seiner Eliminationsdiät greifen, ohne sich Sorgen bezüglich der Ausgewogenheit zu machen. Viele dieser Produkte sind sogar für wachsende oder tragende und säugende Tiere geeignet, dies sollte aber zur Sicherheit beim Hersteller erfragt werden. Als gängige Kombinationen sind z. B. Huhn und Reis, Ente und Tapioka oder Fisch und Reis auf dem Markt. 

Hydrolysierte Proteinquellen

Seit gut 10 Jahren wird die Palette der kommerziellen Single-Source-Allergiediäten (mit einer Eiweißquelle) ergänzt durch Allergiediäten auf der Basis von hydrolysierten Proteinen. Hierfür wird das Futtereiweiß enzymatisch zerkleinert. Ziel ist es, kleine Bruchstücke mit einer so geringen Molekülgröße zu erhalten, dass eine allergische Reaktion vom Soforttyp nicht mehr stattfindet.

Hydrolysate stellen also eine gute therapeutische Option dar, wenn die Fütterungsanamnese nicht lückenlos durchgeführt werden kann, da eine Proteinquelle in hydrolysierter Form mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von einem gegen das intakte Protein allergischen Tier vertragen wird.

Anallergenic für Hunde

Beim Vorliegen mehrerer Allergien auf verschiedene Futtermittel kann sich die Suche nach einer geeigneten Diät durchaus schwierig gestalten. Oft werden Tiere mit Futtermittelallergie innerhalb von ein bis zwei Jahren gegen weitere Nahrungsbestandteile sensibilisiert, so dass ein Wechsel der Diät erforderlich wird. Dies liegt in der Natur des Allergiemechanismus. Je länger und öfter ein Allergen verabreicht wird, umso größer ist die Chance, eine Allergie zu entwickeln.

Futtermilben

Bei allergischen Tieren, die mit Trockennahrung ernährt wurden, stehen manchmal Futtermilben als Auslöser im Verdacht. Eine Kontamination kommerzieller originalverpackter Tiernahrung mit Futtermilben, die auf einen Befall beim Hersteller hinweisen würde, kommt jedoch in der Praxis so gut wie nicht vor. Ein Milbenbefall kann jedoch unter „günstigen“ klimatischen Bedingungen (hohe Umgebungstemperatur, hohe Luftfeuchte) bei unsachgemäßer Lagerung des geöffneten Futtersacks auftreten. Die Milben wandern dabei von außen in das Futter ein, wenn dies nicht in einem dicht schließenden Behälter aufbewahrt wird. Normaler Hausstaub in den Industrieländern der gemäßigten Klimazone enthält neben Hausstaubmilben auch bis zu 8 % Futtermilben. Am sichersten ist die Lagerung in fest verschließbaren Plastikboxen/Futtereimern. Futter sollte möglichst nicht im gleichen Raum gelagert werden, in dem sich der Hundekorb bzw. die Hundedecke befindet, da das Hundebett eine ergiebige Milbenquelle darstellt. Die alleinige Vermeidung einer Futtermilbenexposition dürfte daher bei Hunden mit Milbenallergie in vielen Fällen nicht den erwünschten Erfolg bringen, wenn nicht gleichzeitig auch ein Kontakt mit Hausstaubmilben vermieden werden kann.

Das manchmal empfohlene Tiefkühlen des Futters bringt keinen Erfolg. Der ‚Erfolg‘ ist wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass es im Tiefkühlfach keine Kontaminationsmöglichkeit mit Hausstaub gibt. Die angebliche ‚Abtötung‘ der Milben ist

  1. nicht notwendig, da im Auslieferungszustand keine Milben vorhanden sind, und

  2. auch tote Milben Allergene darstellen würden.

Die Hausstaubmilbenallergie ist genauer betrachtet eine Atopie. Bei Atopien (die wahrscheinlich häufiger als echte Allergien sind) kann eine Kombination mit einer Futtermittelallergie häufig vorhanden sein. Daher kommt es durch eine Eliminationsdiät häufig zu einem Verschwinden der Symptome. Auch aus diesem Grund ist eine Eliminationsdiät der erste Schritt. Wenn die Atopie dadurch kaum oder nicht positiv beeinflusst wird, dann gibt es spezielle Diäten, die darauf abzielen, die Dichtheit der Haut zu erhöhen. Dazu werden verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe wie Kurkuma oder Aloe Vera verwendet (z. B. ROYAL CANIN Skin Support), besonders wichtig sind aber die Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA.