Koprophagie - asoziales Verhalten oder begründetes Symptom?

Koprophagie, d. h. das Fressen des eigenen oder eines fremden Kotes ist ein nicht selten zu beobachtendes Symptom in unserer Hundepopulation. Der Besitzer eines solchen Hundes hat sich mit Sicherheit schon oft gefragt: „Warum zeigt gerade mein Hund dieses Verhalten?“ Auf diesen Seiten wird Ihnen Koprophagie und ihre Ursachen erklärt.

Natürliches Verhalten?

Wo liegen die Ursachen dieses für den Menschen in der Regel schwer verständlichen und oft auch ekelerregenden Verhaltens? Koprophagie stellt ein viel diskutiertes Thema der Wissenschaftler und Tierärzte dar. Es gibt viele, aber bisher keine einheitlichen Erklärungsansätze.

Grundsätzlich kann man Koprophagie als natürliches Verhalten bei Hündinnen beobachten, die geworfen haben. In den ersten Tagen nach der Geburt der Welpen fressen sie die Ausscheidungen der Jungtiere aus dem Lager und dessen Umgebung. Bei Welpen scheint dieses Verhalten dem Aufbau der eigenen Darmflora zu dienen.

Außerdem empfindet unser Hund die eigenen Ausscheidungen sowie die anderer Tiere nicht als übelriechend, sondern eher als „attraktiv“. Dies ist auf flüchtige Fettsäuren zurückzuführen, die bei den bakteriellen Verdauungsprozessen entstehen und mit dem Kot ausgeschieden werden.

Man erkennt also, dass Koprophagie ein ganz ursprüngliches Verhalten ist.

 

Es gibt trotzdem Situationen, in denen diese ein ernst zu nehmendes Symptom darstellt:

  • Koprophagie tritt häufig in Zwingern mit schlechten Hygieneverhältnissen auf. Die Tiere fressen ihren eigenen Kot, vermutlich aus Frustration über die gegebenen Lebensumstände oder aus einem „Reinigungszwang“ heraus.

  • Des Weiteren beobachtet man Koprophagie bei Hunden, die oft allein sind, und solchen, die sich ihrer sozialen Stellung im Familienverbund nicht bewusst sind. Hunde lernen sehr schnell, dass das Fressen ihres eigenen Kotes in Gegenwart des Besitzers dessen Unmut weckt. Sie bekommen auf diese Weise, was ihnen sonst fehlt: Aufmerksamkeit.

  • Bei Hunden im Hochleistungssport, wie Schlittenhunden oder Rennhunden, beobachtet man Koprophagie häufig nach extremen Belastungen. Offenbar bedingt ein absoluter Energiemangel dieses Verhalten.

  • Neben diesen Aspekten gibt es auch einige Erkrankungen, die zum „Kotfressen“ führen können. Hierzu zählt die Pankreasinsuffizienz (= Bauchspeicheldrüsen-Unterfunktion). Sie kommt häufig beim Deutschen Schäferhund vor und bedingt eine ungenügende Produktion von Verdauungsenzymen, wie Trypsin und Chymotrypsin für die Proteinspaltung, Lipasen für den Fettabbau und Amylase für die Kohlenhydratspaltung. Die Hunde sind heißhungrig und magern trotzdem stetig ab. Sie sind nicht in der Lage, die Nährstoffe der Nahrung zu nutzen. Der Kot ist voluminös, breiig, graugelb und enthält unverdaute Nahrungspartikel.

  • Ein starker Wurmbefall kann die Verdauungsvorgänge eines Hundes erheblich stören und dadurch auslösender Faktor für Koprophagie sein.

  • Außerdem können Fehler in der Ernährung zu Koprophagie führen. Fragen Sie dazu am besten Ihren Tierarzt.

Tipps zur Bekämpfung:

  1. Reinigen Sie die Hundezwinger mehrmals täglich.

  2. Hunde, die zu Koprophagie neigen, sind von anderen Hunden des Zwingers zu trennen. So vermeidet man die Gefahr, dass sich die anderen Tiere dieses Verhalten aneignen.

  3. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Hund. Bauen Sie ein Vertrauensverhältnis auf und sorgen Sie seinem Alter und seiner Rasse entsprechend für eine ausreichende Bewegung.

  4. Hunde mit einer Pankreasinsuffizienz gehören zum Tierarzt. Die fehlenden Verdauungsenzyme müssen den Tieren mit dem Futter zugeführt werden und es muss eine spezielle hochverdauliche Nahrung verordnet werden.

  5.  Denken Sie bitte auch an regelmäßige Entwurmungen.

  6. Überprüfen Sie die Fütterung Ihres Hundes. Wählen Sie ein vollwertiges und hochverdauliches Futter. Außerdem muss das Futter den Bedürfnissen der einzelnen Lebensabschnitte und dem Grad der Aktivität angepasst sein. Nur so können Sie vor Mangelsituationen sicher sein.

  7. Vermeiden Sie eine Überfütterung Ihres Hundes. Diese kann zu einem übermäßigen Bakterienwachstum im Dickdarm führen und dadurch die Verdauungsvorgänge stören. Es werden dann unverdaute Nahrungsbestandteile ausgeschieden, die den Kot des Hundes „ganz besonders gut riechen lassen“.