Kastration

Ungefähr 70 % aller Katzen und 30 % der Hunde in Österreich sind kastriert. Die Ernährung des Tieres spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, da durch eine rechtzeitige Futterumstellung möglichen Folgeerkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Durch den tierärztlichen Eingriff können Sie vor allem die Lebenserwartung Ihres vierbeinigen Lieblings verlängern!

Fortpflanzungskontrolle

Zur Vermeidung von unerwünschtem Nachwuchs stehen dem Tierhalter verschiedene Möglichkeiten wie

  • medikamentöse Zyklusunterdrückung (Hormonspritze oder -tabletten),

  • Sterilisation (Abbinden/Durchtrennen der Ei- bzw. Samenleiter – dieser Eingriff wird in der Praxis kaum durchgeführt; die Katze wird weiterhin rollig bzw. die Hündin läufig) oder

  • Kastration (Entfernung der Eierstöcke bzw. Hoden)

zur Verfügung.

Warum kastrieren?

Die Lebenserwartung einer kastrierten Katze kann sich im Vergleich zum intakten Tier verdoppeln, denn insbesondere paarungsfähige Kater durchstreifen auf der Partnersuche ein riesiges Territorium. Durch etwaige Verletzungen bei Revierkämpfen, Infektionskrankheiten, Auto- oder Jagdunfälle ist eine Katze mit erweitertem Zugang ins Freie gefährdeter als ein kastriertes Tier, das eher die Nähe des Hauses sucht. Erhöhter Stress bei herumstreifenden Katzen beansprucht außerdem das Immunsystem stärker.

Geschlechtsreife Tiere hinterlassen penetrante Duftmarken in Form von Urinspritzern, um „ihr“ Gebiet für Rivalen zu begrenzen – nicht nur draußen! Eine Kastration ermöglicht zudem ein Zusammenleben mit Artgenossen frei von der Gefahr einer unerwünschten Trächtigkeit.

Außerdem gilt folgende Vorschrift gem. Tierhaltungsverordnung ("Mindestanforderungen für die Haltung von Katzen"): Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, so sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern diese Tiere nicht zur kontrollierten Zucht verwendet werden oder in bäuerlicher Haltung leben.

Medizinische Gründe

Manchmal ist eine Kastration v. a. bei Hunden auch medizinisch angezeigt, wie im Falle einer eitrigen Gebärmutterentzündung sowie bei Prostatabeschwerden oder als Vorbeugung von Gesäuge- oder Hodentumoren.

Allerdings sollte die Behandlung von Verhaltensproblemen wie z. B. Aggressivität oder Ängstlichkeit von einem spezialisierten Tiermediziner oder Tierpsychologen vorgenommen werden – eine Kastration stellt keinerlei Ersatz für die sorgfältige Hundeerziehung und kein „Wundermittel“ gegen „Fehlverhalten“ dar.

Wann kastrieren?

Meistens erfolgt die Operation bei Katzen nach dem Eintritt der Geschlechtsreife bzw. nach der ersten Rolligkeit, spätestens jedoch mit dem Einsetzen des Urinmarkierens. Mit ca. 6 bis 8 Lebensmonaten sollten Sie einen Kastrationstermin für Ihre Katze bei Ihrem Tierarzt vereinbaren.

Rüden sollten das erste Lebensjahr vollendet haben, Hündinnen können vor der ersten Läufigkeit kastriert werden. Dies senkt das Entstehungsrisiko von Gesäugetumoren auf nahezu null und verringert die Gefahr von Inkontinenz. Befürchtet man eine mangelhafte körperliche wie auch soziale Reife, sollten zwei Läufigkeitsphasen bzw. der Abschluss des Wachstums abgewartet werden.

Risiko Übergewicht

Kastrierte Tiere haben ein größeres Risiko zur Entwicklung von Adipositas: Kater noch mehr als Katzen, Hündinnen stärker als Rüden. Durch die hormonelle Veränderung fressen Kastraten deutlich mehr – die Energieaufnahme steigt an. Innerhalb von 48 Stunden nach der Operation kann die gefressene Futtermenge um bis zu 26 % steigen.

Da gleichzeitig der Energiebedarf um bis zu 30 % sinkt, sollten Sie durch eine spezielle Ernährung Vorsorge leisten. Denn Übergewicht ist nicht nur ein „Schönheitsfehler“, sondern es erhöht auch deutlich das Risiko von Gelenks- und Verdauungserkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Harnsteinen.

Spezielles Futter für kastrierte Hunde

Es empfiehlt sich, das Tier bereits in der Woche vor dem operativen Eingriff langsam auf die neue Nahrung umzustellen, denn v. a. viele Katzen sind in der postoperativen Phase heikel. Mischen Sie eine Woche lang das bekannte Futter mit steigenden Mengen des neuen Produktes. Dadurch werden eventuelle Verdauungsprobleme wie Durchfall aufgrund eines allzu abrupten Futterwechsels vermieden.

Wiegen Sie die tägliche Futterration ab und vermeiden Sie kalorienreiche „Leckerlis“, um der Bildung von Übergewicht entgegenzuwirken.

Eigens entwickelte Spezialnahrung für kastrierte Tiere weist einen reduzierten Energiegehalt auf, einen erhöhten Gehalt an hochverdaulichen Proteinen sowie den Zusatz von L-Carnitin für die Fettverbrennung. Pflanzenfasern unterstützen die Darmgesundheit, der Bildung von Harnsteinen wird vorgebeugt.

Bei Hunden gibt es Differenzierungen nach dem Körpergewicht (kleine, mittelgroße oder große/Riesenrassen), da bei kleinen Tieren unter 10 kg Körpergewicht im Erwachsenenalter die Zahnhygiene besonders unterstützt werden sollte. Bei großen und Riesenrassen über 25 kg Körpergewicht können hingegen oft Gelenksprobleme auftreten.

Spezielle STERILISED oder NEUTERED Produkte erhalten Sie bei Ihrem Fachhändler oder Tierarzt. 

Spiel und Beschäftigung

Neben der Auswahl der geeigneten Nahrung sollten Sie durch die Gestaltung eines artgerechten Zuhauses, aktives Spielen und ausreichend Bewegung (Tipp: ein Futterball beschäftigt Ihr Tier beim Fressen) dazu beitragen, dass Ihr vierbeiniger Liebling noch lange gesund, fit und agil bleibt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durch den Tierarzt gehören ebenfalls zur optimalen Fürsorge.