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Was tun im Notfall?

Erste Hilfe für Hund und Katze! Unerwartet tritt er ein: der medizinische Notfall. Lesen Sie hier, was Sie tun können, um Ihr Tier erstzuversorgen, bis Sie beim Tierarzt angekommen sind.

Gefahren lauern überall, Katastrophen kommen unerwartet. Ob Ihr Tier angefahren wurde, mit schädlichen Substanzen in Kontakt gekommen ist, eine schwere Schnittverletzung erlitten hat oder von einem giftigen Insekt attackiert wurde: Jetzt ist Ihre Reaktion gefragt. Gleich zu Beginn gilt es zu beachten: Bringen Sie sich und das Tier sofort aus dem Gefahrenbereich! Achten Sie aber auch darauf, sich dabei nicht selbst zu gefährden: Verletzte Tiere, die unter Schock stehen und unter großen Schmerzen zu leiden haben, können mit Beißen oder anderen heftigen Abwehrreaktionen auf Ihre Maßnahmen antworten.

Speziell beim Hund empfiehlt es sich, das Tier - nach Möglichkeit und wenn notwendig - anzubinden (so, dass dem Kopf möglichst wenig Spielraum für Bewegungen bleibt) bzw. das Maul zuzubinden.

Nachstehend finden Sie eine Aufzählung an medizinischen Notfällen und Anweisungen, um schnell und effizient die richtigen Maßnahmen in Sachen Erste Hilfe setzen zu können. Das Wichtigste, wenn auch nicht immer das Einfachste: Bewahren Sie Ruhe und sprechen Sie leise mit dem verletzten Tier!

Tierärztin Dr. Karin Holler von der Tierklinik Leonding im Einsatz. Tiere, die unter Schock stehen, beißen möglicherweise ihren Besitzer. Binden Sie dem Tier daher vorsichtig die Schnauze zu, bevor Sie mit der Maßnahme beginnen.

Atem- oder Herzstillstand

Bei der Mund-zu-Schnauze-Beatmung wird Luft in die Nasenlöcher geblasen.

Kontrollieren Sie den Herzschlag, der an der seitlichen Brustwand fühlbar sein sollte. Sollte er am Brustkorb nicht spürbar sein, versuchen Sie, den Puls an der Innenseite der Oberschenkel zu fühlen. Ist auch hier nichts zu spüren, müssen die Reflexe getestet werden. Zwicken Sie das Tier in die Haut zwischen den Zehen und leuchten Sie ihm mit einer Taschenlampe in die Augen, um festzustellen, ob sich die Pupillen verengen.

Wurden Lebenszeichen festgestellt, stellen Sie sicher, dass das Tier ungehindert atmen kann: Öffnen Sie das Maul und ziehen Sie die Zunge heraus. Atmet das Tier nicht, beatmen Sie es: Das Maul des Tieres bleibt geschlossen. Sie atmen etwas alle drei Sekunden in die Nase des Patienten (beim Hund zehn bis 40 Atemzüge pro Minute, bei der Katze 20 bis 40 Atemzüge pro Minute).

Nicht so leicht gestaltet sich eine Herzmassage des Tieres, da der richtige Druckpunkt je nach Größe des Tieres an unterschiedlichen Stellen liegt. Empfohlen wird grundsätzlich, sich die Technik von einem Tierarzt erklären zu lassen.

Tipp

Die Telefonnummer Ihres Tierarztes sollte jederzeit griffbereit sein. Bitte nicht vergessen: Falls dieser auf Fortbildung, im Urlaub oder Ähnliches sein sollte, müssen Sie eine alternative Telefonnummer bzw. Adresse parat haben bzw. muss eine andere Notfallversorgung gesichert sein!

Tanja Tomek von der Tierklinik Leonding zeigt, wie man die Schnauze eines Hundes korrekt zubindet.

Schnitt- und Rissverletzungen

Arbeiten Sie auf keinen Fall mit Wundsalben, Sprays oder Desinfektionsmittel, solange vom Tierarzt nicht festgestellt wurde, ob ein chirurgischer Eingriff notwendig ist. Stark blutende Wunden müssen mit einem sterilen "Polster" (Verbandwatte bzw. mehrere Papiertaschentücher) abgedeckt werden und mit einem Druckverband versorgt werden. Lässt sich kein Druckverband anlegen, muss der sterile "Polster" händisch angedrückt werden. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um die Blutung zu stoppen bzw. einzudämmen, muss abgebunden werden. 

Sogenannte "Staubindungen" sollten nur an Körperstellen angelegt werden, die mit Muskelmasse gepolstert sind. Verwenden Sie am besten eine breite elastische Binde oder z. B. eine Leine, einen Gürtel oder eine Krawatte. Die richtige Stelle befindet sich herzwärts über der Wunde. Falls die Fahrt zum Tierarzt länger dauern sollte, den Stau alle 15 Minuten für ca. ein bis zwei Minuten lösen, um beim abgebundenen Körperteil die Blutzufuhr nicht komplett zu unterbrechen.

Bissverletzungen

In jedem Fall muss eine Bissverletzung als infiziert betrachtet werden. Somit ist eine fachgerechte Desinfektion durch den Tierarzt vonnöten. Selbst wenn die Wunde nicht oder kaum blutet: Suchen Sie auf jeden Fall einen Spezialisten auf, denn das Ausmaß der Verletzung ist für einen Laien nicht erkennbar. So können beispielsweise große Wundhöhlen entstehen, wenn die Haut von ihrer Unterlage abgerissen wurde.

Verletzungen durch Fremdkörper

Kleine Fremdkörper wie Glasscherben oder Dornen können vorsichtig mit einer Pinzette entfernt werden. Handelt es sich jedoch um einen großen Fremdkörper, so sollte dieser unbedingt in der Wunde gelassen werden, da er möglicherweise verletzte Blutgefäße verschließt. Wenn Sie den Gegenstand (z. B. einen Ast) aus der Wunde ziehen, könnten lebensgefährliche und uneindämmbare Blutungen die Folge sein. Blutet die Wunde stark, sollte sie mit Wundkompressen abgedeckt werden und mit einer breiten elastischen Binde oder Ähnlichem nicht zu fest verbunden werden. Dabei sollte der Fremdkörper so wenig wie möglich bewegt werden.

Spezialfall Auge: Handelt es sich um einen losen Fremdkörper, kann er mit warmem Wasser ausgespült oder mit einem Taschentuch vorsichtig herausgewischt werden. Steckt der Fremdkörper im Auge, darf er nie eigenmächtig entfernt werden. Suchen Sie sofort den Tierarzt auf und hindern Sie das Tier am Kratzen des Auges.

Verletzungen an der Pfote

Verletzt sich das Tier an der Pfote, ist mit starken Blutungen zu rechnen, die aber in den seltensten Fällen lebensbedrohlich sind. Hier ist das Wissen um eine korrekte Verbinde-Technik vonnöten. Bei extrem starken Blutungen sollte allerdings auf jeden Fall abgebunden werden, da es sonst zu einem übermäßigen Blutverlust kommt.

So werden professionelle Verbände angelegt.
In puncto Verbände geht es nicht um die Optik, sondern primär um eine effektive Notfallversorgung.

Verätzungen

Verätzungen am Auge

Kommt das Auge des Tieres mit einer reizenden Substanz in Berührung, muss sofort eine Augenspülung durchgeführt werden. Dies funktioniert am besten zu zweit: Eine Person hält das Tier am Kopf fest, die andere Person spreizt mit Daumen und Zeigefinger das Lid auf und spült das Auge mindestens drei- bis viermal mit klarem handwarmem Wasser aus. Anschließend müssen Sie das Tier unbedingt am Kratzen hindern und sofort den Tierarzt aufsuchen.

Verätzungen der Maulhöhle

Wenn das Tier Schleimhaut-reizende Substanzen ins Maul bekommen hat, fängt es meist zu schmatzen und zu speicheln an und macht eigentümliche Kopfbewegungen. Nun muss sofort eine Mundspülung mit lauwarmem Wasser vorgenommen werden. Der Kopf des Tieres sollte leicht gesenkt sein, damit das Wasser aus dem Maul laufen kann. Anschließend bitte sofot zum Tierarzt!

Augapfelvorfall & Augenverletzungen

Bei Verletzungen um und am Auge muss in jedem Fall der Tierarzt aufgesucht werden. Manchmal kann es passieren, dass nach einer Bissverletzung der Augapfel aus der Augenhöhle nach vorne tritt. Legen Sie sofort ein nasses sauberes Tuch auf das Auge und fahren Sie zum Tierarzt.

Tipp

Der Erste-Hilfe-Koffer: Falls Sie zu Hause keinen Erste-Hilfe-Koffer haben sollten, lassen Sie sich individuell ein Exemplar von Ihrem Tierarzt zusammenstellen. So können Sie gewährleisten, dass Sie im Falle des Falles über die nötigen Utensilien verfügen, um eine Notfallversorgung durchführen zu können.

Hitzschlag

Schon ab 20° C Außentemperatur können bei Tieren Kreislaufbeschwerden eintreten. Die Tiere beginnen zu hecheln, eine große Menge an Flüssigkeit verdunstet dadurch, das Blut wird dicker, es kann die Gefahr von Organschäden entstehen oder es kann sogar zu Bewusstseinsstörungen bzw. Bewusstlosigkeit kommen. Kühlen Sie das Tier so weit wie möglich und suchen Sie sofort den Tierarzt auf! Legen Sie ihm während der Fahrt bzw. am Weg einen Kühlbeutel in den Nacken und halten Sie Wasser bereit!

Unterkühlung

Unterkühlungen bei Tieren können sich oft nach Unfällen auf Grund eines Schockereignisses einstellen. Möglicherweise verlieren die unterkühlten Patienten das Bewusstsein oder machen einen teilnahmslosen Eindruck. Das Tier muss unbedingt warm gehalten werden. Hüllen Sie es daher am besten in eine wärmende Decke oder holen Sie eine Wärmeflasche, die Sie - mit einer Stoffschicht dazwischen - auf den Bauch des Tieres legen. Wenn Sie dem Tier die Decke über die Nase ziehen (genug Raum zum Atmen lassen), kann es die erwärmte Atemluft einatmen. Ist das Tier bei Bewusstsein, sollten Sie ihm warme Flüssigkeit anbieten.

Im Falle einer Unterkühlung oder eines Schocks muss das Tier unbedingt warm gehalten werden.

Magendrehung beim Hund

Die Magendrehung gilt als absoluter Notfall! Dreht sich der Magen des Hundes, entsteht ein kurzer aber heftiger Schmerz, der den Hund veranlassen kann, kurz aufzujaulen. Das Tier steht auf, legt sich nieder, steht wieder auf usw.

Möglicherweise versucht es auch zu erbrechen. Der Bauch wird hart und bläht sich auf, der Kreislauf wird schwach. Jetzt heißt es, keine Zeit zu verlieren und sofort den Tierarzt aufzusuchen. Jede Minute kann über das Leben oder den Tod des Hundes entscheiden.

Tipp für die Zukunft: Füttern Sie Ihren Liebling lieber drei- bis viermal am Tag mit moderaten Mengen und geben Sie ihm speziell am Abend eher wenig zu fressen!

Ersticken/Ertrinken

Untersuchen Sie vorsichtig Mundhöhle und Rachenraum und stellen Sie sicher, dass das Tier frei atmen kann. Ziehen Sie die Zunge heraus und befreien Sie die Maulhöhle von Erbrochenem oder Ähnlichem. Haben Sie ein bewusstloses Tier aus dem Wasser gerettet, halten Sie es für ca. 20 Sekunden an den Hinterbeinen nach oben, damit das Wasser aus der Lunge abfließen kann.

Sind Sie zu zweit vor Ort, kann ein leichtes Klopfen auf den Brustkorb helfen, den Flüssigkeitsablauf zu beschleunigen. Jetzt wird das Tier in die rechte Seitenlage gebracht, der Herzschlag und die Atmung werden kontrolliert. Falls Sie keine Tätigkeit feststellen können, verfahren Sie bitte wie bei Punkt Atem- oder Herzstillstand.

Insektenstiche

Schwellungen auf Grund von Insektenstichen im Maul- oder Rachenraum können schlimmstenfalls zum Ersticken führen. Suchen Sie deshalb sofort einen Tierarzt auf! 

Erfolgte der Insektenstich in den Körper und steckt der Stachel noch in der Haut des Tieres, kann er mit einer Pinzette vorsichtig entfernt werden.

Wichtig: Kühlen Sie die Einstichstelle sofort mit einem Eisbeutel!

Krämpfe und Anfälle

Anfälle und Krämpfe können vielfältige Ursachen haben, die unbedingt vom Tierarzt abgeklärt werden müssen. Anfälle dauern verschieden lange - wenige Sekunden bis Minuten.

Berühren Sie das Tier mit äußerster Vorsicht und schieben Sie ihm auch nichts zwischen die Zähne! Versuchen Sie, es vor Verletzungen zu schützen, indem Sie das Anstoßen an Möbeln bzw. scharfkantigen Gegenständen verhindern. Dazu ziehen Sie es, wenn notwendig, von der Gefahrenquelle weg. Rufen Sie sofort den Tierarzt. Wenn der Krampfanfall nach zehn Minuten immer noch nicht endet, wickeln Sie das Tier in eine Decke ein und fahren Sie zum Tierarzt.

Transport bei Verletzung/Unfall

Der Transport von Hunden sollte immer auf einer stabilen Unterlage erfolgen. Bitte nicht auf eine gute Sicherung im Auto vergessen! Katzen sollten in eine Schachtel oder einen Transporter gelegt werden. Auch hier wird nicht auf die nötige Sicherung vergessen!

So basteln Sie eine stabile Unterlage für den sicheren Transport Ihres Tieres: Ärmel einer Jacke nach innen stülpen, Regenschirme durchstecken, fertig.
So schienen Sie das Bein Ihres Hundes korrekt.

Checkliste für Notfälle

In diesen Situationen ist ein Besuch beim Tierarzt unbedingt notwendig!

  • Atemnot

  • Gleichgewichtsstörungen

  • ballonartig aufgetriebener Bauch

  • Verbrennungen

  • Blutungen

  • Vergiftungen: speicheln, krampfen

  • Blut im Harn

  • Geburtsstörungen

  • unstillbares Erbrechen mit/ohne Durchfall

  • Verletzungen

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