Ähnlich wie in der Humanmedizin wird auch in der Veterinärmedizin geschätzt, dass bis zu etwa 50 % aller hospitalisierten Kleintierpatienten eine Mangelernährung aufweisen. Dazu kann es kommen, wenn die Tiere inappetent sind, durch Verletzungen oder ähnliches nicht in der Lage sind zu fressen, oder an Malabsorption oder Hypermetabolismus leiden. Der Nutzen einer frühzeitig einsetzenden diätetischen Unterstützung wurde bei Humanpatienten auf Intensivstationen nachgewiesen und sollte – obwohl eindeutige klinische Studien hierüber bislang fehlen – auch bei unseren Kleintierpatienten nicht unterschätzt werden (Heyland). Darüber hinaus kann ein guter Ernährungszustand vor einer Operation die Genesung des Patienten nach dem Eingriff beträchtlich beschleunigen. Eine gezielte diätetische Unterstützung sollte bei einem Patienten dann in Betracht gezogen werden, wenn
Kurze Perioden einer Mangelernährung oder Nahrungskarenz werden vom gesunden Menschen wie auch von der gesunden Katze ohne größere Beeinträchtigung von Wohlbefinden und Gesundheit toleriert, da der Organismus eine Reihe metabolischer Veränderungen vornimmt, die alle einen Gewichtsverlust vermeiden und das funktionelle Gewebe bewahren sollen.11 Bei der Katze kann prolongierte Anorexie jedoch unter Umständen zur Entwicklung einer hepatischen Lipidose führen.6
Ist ein Tier besonderen Belastungen wie Streß, Trauma oder Krankheit ausgesetzt, dann reagiert der Organismus mit verschiedenen Veränderungen im Stoffwechsel, welche die schon bestehenden Ernährungsmängel noch verstärken oder mit diesen zusammen eine echte Gesundheitsstörung hervorrufen.28 So kann es z.B. zu einer Steigerung der Stoffwechselrate kommen (Hypermetabolismus) und zu persistierendem, deutlichem Stickstoffverlust verbunden mit einer negativen Stickstoffbilanz.11 Die Heftigkeit solcher Reaktionen ist abhängig von der Art des Insults, wobei es zusätzlich zu weiteren Beeinträchtigungen des Stoffwechsels kommen kann.
Die Auswirkungen des Protein-Energie-Mangelsyndroms (PEM) auf das traumatisierte Individuum sind eingehend erforscht worden.11,12,28,35,36 Während diese Auswirkungen im frühen Stadium der Mangelernährung eher gewebsspezifisch sind, kommt es bei länger andauernder PEM zu progredienter Generalisierung.
Die Reaktion des Stoffwechsels auf Streß oder Trauma wird in zwei Phasen eingeteilt: a) eine hypometabole "Ebbe"- oder Schockphase, gefolgt von b) einer hypermetabolen, katabolen "Flut"-Phase.14 Obwohl durch weitere Erkenntnisse eine weitgehende Modifizierung dieser Definition notwendig wurde,17 ist doch die Grundaussage der zwei verschiedenen Phasen der Stoffwechselreaktion auf Traumata und Verletzungen nach wie vor gültig.
Die Dauer dieser Ebbe- und Flut-Phasen ist abhängig von der Art und vom Schweregrad des Insults. Die Ebbe-Phase ist normalerweise kurz und dauert zwischen einigen Stunden bis zu zwei Tagen.9Sie ist charakterisiert durch intravaskuläre Flüssigkeitsverluste oder Hypovolämie.9,17 Die weitverbreitete Ansicht, dass es in dieser Phase zu einer Verringerung der Stoffwechselrate oder Hypometabolismus kommt,9,15,16 konnte durch die klinischen Studien nicht untermauert werden.17
Die Flut-Phase ist gekennzeichnet durch einen hypermetabolen, hyperkatabolen Streßzustand, der einige Tage bis mehrere Wochen dauern kann. Der Energieverbrauch kann je nach Schweregrad des Insults um 10-100 % gesteigert sein.9 Diese Phase ist nochmals unterteilt worden, und zwar in eine katabole Phase, die in eine anabole Genesungsphase übergeht, in der eine vermehrte Nahrungsaufnahme dazu dient, das während der katabolen Phase verlorene Gewebe wiederaufzubauen.2
Die therapeutische Strategie während der anfänglichen Ebbe-Phase konzentriert sich auf lebenserhaltende Maßnahmen. Den Überlegungen hinsichtlich des Nährstoffbedarfs kommt in diesem Stadium nur geringe Priorität zu, und eine diätetische Therapie ist beim instabilen Patienten sogar ausgesprochen ungeeignet.34 Erst in der Folge ist darauf zu achten, dass dem Tier alle erforderlichen Nährstoffe in ausreichender Menge zugeführt werden, um das Wiederherstellungs- und Immungeschehen im Körper zu unterstützen und um die schlimmsten Auswirkungen der hypermetabolen-hyperkatabolen Flut-Phase so gering wie möglich zu halten.
Langfristige Unterernährung mit den daraus resultierenden, zunehmenden Verlusten aus den Körperdepots ist für hospitalisierte Patienten eindeutig schädlich, und die Wichtigkeit einer ausreichenden Energieversorgung dieser Patienten kann nicht genug betont werden. Andererseits ist die Wirkung einer Überernährung beim hypermetabolischen Patienten gleichermaßen schädlich. Die im Zusammenhang mit Überernährung oder Hyperalimentation von Intensivpatienten aufgetretenen Komplikationen sind unter anderem Fettleber, erhöhter Energieverbrauch und erhöhte Atemfrequenz.2,10,13,28
Eine rasche Gewichtszunahme ist bei hospitalisierten Patienten eindeutig nicht anzustreben, es sei denn, es besteht schwerste Unterernährung.1 In solchen Fällen sollte eine Gewichtszunahme schrittweise über einige Wochen erfolgen.
Obwohl viele Kleintiere, wenn sie sich in Intensivbehandlung befinden, einen erhöhten Energiebedarf haben, leiden sie doch meist an Anorexie und Appetitlosigkeit.11 Normale, freiwillige Futteraufnahme durch das Tier ist die einfachste aller Fütterungsmethoden und daher auch beim kranken Tier zu fördern. Dies ist umso leichter, je schmackhafter das angebotene Futter ist. Hohe Energiedichte und beste Verdaulichkeit sind zwei weitere grundlegend wichtige Voraussetzungen für eine solche Diät, da die Futtermengen gering zu halten sind und dennoch eine adäquate Nährstoffversorgung gewährleistet sein muß. ROYAL CANIN Convalescence Support erfüllt alle diese Kriterien.
Ist der Patient nicht in der Lage zu fressen, oder verweigert er die Nahrungsaufnahme, sollte die enterale Fütterung (durch Intubation des Gastrointestinaltrakts) oder die parenterale Ernährung (auf intravenösem Weg) erwogen werden. Die Sondenernährung wird meist deshalb bevorzugt,4,35 weil sie im Vergleich zur parenteralen Fütterungsmethode folgende Vorteile hat:
Bei der enteralen Sondenfütterung bleibt die Integrität des Darmepithels durch die direkte Stimulierung von Pankreas-, Gallen- und trophischen Gastrointestinalhormonen gewahrt.3,18 Man ist der Ansicht, dass die Erhaltung eines intakten Darmlumenepithels beim hospitalisierten Patienten wichtig ist, um das Infektionsrisiko durch bakterielle Translokation zu reduzieren.11,36
Auch ROYAL CANIN Convalescence Support als Feuchtfutter kann, mit Wasser vermischt, als Flüssigbrei zur Sondenernährung verwendet werden, sofern Sonden mit größerem Durchmesser eingesetzt werden (Pharyngostomie-, Oesophagostomie- oder Gastrostomiesonden). Allerdings bewirkt die Verdünnung der Feuchtfutter-Diät eine Verminderung der Energiedichte, wodurch größere Mengen zugeführt werden müssen, um gleiche Energiezufuhr zu gewährleisten.
Die vorübergehende diätetische Unterstützung mit ROYAL CANIN Convalescence Support kann auch dann nützlich sein, wenn eine Katze besonderer physiologischer Belastung ausgesetzt ist. Dazu zählen Wachstum, Trächtigkeit und Laktation. In all diesen Fällen ist der Nährstoffbedarf der Tiere physiologischerweise höher als der normale Erhaltungsbedarf ausgewachsener Katzen.
Fett sollte der Hauptenergielieferant sein.
Generell ist bei der Katze kein ausdrücklicher Bedarf an Kohlenhydraten bekannt, und unter der Voraussetzung, dass die mit der Nahrung zugeführten Eiweißmengen genügend Vorstufen zur Glukoneogenese enthalten, ist die Katze normalerweise immer in der Lage, ihren Glukosebedarf – auch während Trächtigkeit und Laktation – durch die endogene Glukoseproduktion zu decken.7,26
Abgesehen davon liefert Fett etwa doppelt soviel Energie pro Gewichtseinheit als Kohlenhydrate. Beim gestreßten oder traumatisierten Patienten kann die Zufuhr geringer Futtermengen, die jedoch eine besonders hohe Energiedichte aufweisen, von entscheidender Bedeutung sein. Dies, sowie die bevorzugte Verwertung von Fett als Brennstoff 9,30 und der proteinsparende Effekt dieses Nährstoffs28 sprechen dafür, Fett als Hauptenergielieferanten zu wählen.

Der Proteingehalt sollte ausreichend hoch sein, um normales Wachstum zu unterstützen.
Der gesteigerte Eiweißkatabolismus als Reaktion auf Traumen zeigt deutlich, dass in solchen Fällen ein erhöhter Proteinbedarf besteht. Um der Entwicklung einer negativen Stickstoffbilanz beim schwer hypermetabolen und hyperkatabolen Tier vorzubeugen, ist es notwendig, Energie und Eiweiß in Mengen zuzuführen, die weit über dem normalen Erhaltungsbedarf liegen.8 Dies ist allerdings wegen des Risikos eine Hyperalimentation des hospitalisierten Intensivpatienten nicht empfehlenswert.8 Die für solche Fälle entwickelte Strategie ist etwas pragmatischer und defensiv, und besteht in der Zufuhr optimaler Eiweißmengen, bei der es jedoch immer noch kurzfristig zu einer – wenn auch reduzierten – negativen Stickstoffbilanz kommen kann.
Der exakte Eiweißbedarf von Heimtieren, die unter besonders starker Belastung stehen, ist noch nicht bestimmt worden, doch scheint klar, dass dieser eher nicht unter dem normalen Erhaltungsbedarf liegt,3 sondern vielmehr höher ist, es sei denn, eine gleichzeitig bestehende Niereninsuffizienz verlangt die Restriktion der Proteinzufuhr. Die heute üblichen Empfehlungen für hospitalisierte Heimtiere lauten dahingehend, dass die Eiweißzufuhr ausreichend groß sein sollte, um den minimalen Wachstumsan-forderungen zu entsprechen.3,12,34
Arginin ist eine für Katzen essenzielle Aminosäure.26 Der Bedarf an Arginin erhöht sich, wenn das Tier belastet oder traumatisiert ist. Da Arginin ein essenzielles Element beim Harnstoffzyklus darstellt, kann es bei Argininmangel besonders bei der Katze, die nicht in der Lage ist, die Leberenzymmechanismen im Zustand der Protein-Energie-Malnutrition herunterzuregulieren, zu Hyperammonämie kommen. Arginin ist außerdem eine Vorstufe von Stickstoffmonoxid, einem Mediator mit wichtigen kardiovaskulären und immunologischen Wirkungen.24 Beim Menschen vermutet man, dass Arginin eine positive Wirkung auf Immunsystem und Wundheilung hat.5
Freie Radikale sind chemisch instabile Verbindungen, die vom Sauerstoff stammen und bei normalen Stoffwechselprozessen entstehen. Schwere Krankheit und Trauma führen zu einer drastischen Erhöhung der Produktion von freien Radikalen; dies trifft besonders bei pathogenen Vorgängen wie Hypovolämie, Ischämie oder Reperfusionssyndrom zu.27 Antioxidanzien wie einerseits bestimmte endogene Enzyme (z.B. Glutathionperoxidase, Superoxiddismutase) und andererseits Vitamine und Mineralstoffe, helfen dem Organismus, freie Radikale abzuwehren, doch kann es in Phasen von übermäßigem oxidativen Streß zur Fettperoxidation, zur Schädigung der DNA und zum Zelltod kommen.19,24,27
Diese besonderen Inhaltsstoffe tragen dazu bei, den erhöhten oxidativen Streß und die vermehrte Produktion von freien Radikalen bei Katzen zu verringern, die kritisch krank sind und z.B. unter Trauma, Sepsis, Organversagen, entzündlichen oder immunvermittelten Krankheiten leiden, oder aber durch Trächtigkeit und Laktation unter einer besonderen physischen Belastung stehen.
Der Vitamin- und Mineralstoffgehalt sollte ausreichend hoch sein, um das Wachstum zu unterstützen und eventuelle Defizite abzudecken
Der Bedarf, den Schwerstkranke an Mineralstoffen, Vitaminen und essenziellen Fettsäuren haben, ist bislang noch nicht definiert worden. Es gibt jedoch keinen Grund anzunehmen, dass dieser niedriger ist als der normale Erhaltungsbedarf. Man vermutet, dass etwa gleiche Mengen wie während des Wachstums benötigt werden.3
Es gibt derzeit keine besonderen Empfehlungen hinsichtlich der Notwendigkeit von Vitamin-zusätzen zur Nahrung von Schwerstkranken. Es ist jedoch denkbar, dass aufgrund der Flüssigkeitsverluste ein erhöhter Bedarf an den wasserlöslichen Vitaminen des B-Komplexes besteht, der durch den vermehrten Energie-verbrauch des hypermetabolen Patienten und die Rolle der B-Vitamine beim Energiestoffwechsel noch zusätzlich gesteigert werden kann.
Zink spielt beim Eiweiß- und Nukleinsäurestoffwechsel eine wichtige Rolle und ist auch an der Förderung der Wundheilung beteiligt. Man vermutet, dass der Zinkbedarf bei hospitalisierten Tieren erhöht ist.22
(1) Bewertung von "Convalescence Support"(Feuchtnahrung) als postoperative Ernährung von Katzen.
Ziel dieser Studie war es herauszufinden, inwieweit sich "Convalescence Support" (Feuchtnahrung) als Diätfutter für Katzen nach operativen Eingriffen (geplante Operationen und Notfalloperationen) eignet. Eine Gruppe von 54 frisch operierten Katzen erhielt während 14 Tagen nach dem operativen Eingriff wahlweise "Convalescence Support" oder herkömmliches Futter. Die Tierhalter berichteten, dass die Akzeptanz von "Convalescence Support" überdurchschnittlich gut war, was deutlich die hohe Schmackhaftigkeit dieser Diät bewies.
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