WALTHAM Standpunkt


Ernährungsphysiologie

Bei der Behandlung von Futtermittelüberempfindlichkeit, Futtermittelintoleranz und Diarrhoen anderer Genese kann eine Diätnahrung indiziert sein, die eine begrenzte Anzahl nicht reizender Futterkomponenten enthält.

 


(1) Futtermittelüberempfindlichkeit, Futtermittelintoleranz

 

"Empfindlichkeit" oder "allergische Reaktion auf Futter" sind zwei der gängigen Bezeichnungen für eine klinisch abnorme Reaktion auf die Aufnahme eines bestimmten Futtermittels. Echte Allergien oder Überempfindlichkeiten sind immunologische Phänomene, die entweder durch Antikörper oder Immunkomplexe vermittelt werden oder eine zellvermittelte Reaktion darstellen. Wo ein immunologischer Mechanismus nicht nachgewiesen werden kann, ist die Bezeichnung "Futtermittelunverträglichkeit" oder "Futtermittelintoleranz" passender. Futtermittelintoleranz kann aus der Unfähigkeit (oft durch Enzymmangel bedingt), ein bestimmtes Futtermittel entsprechend zu verdauen, resultieren. Möglicherweise handelt es sich aber auch um Reaktionen auf pharmakologische, metabolische oder toxische Einflüsse.

Beim Hund manifestiert sich eine solche Unverträglichkeit üblicherweise als Hauterkrankung oder gastrointestinale Störung. In manchen Fällen ist sowohl Haut als auch Darm betroffen. Das am häufigsten beobachtete Symptom ist Pruritus, begleitet von anderen, unterschiedlich schweren klinischen Krankheitszeichen, die durch Selbsttrauma entstehen. Otitis externa kann ebenfalls durch eine Futtermittelintoleranz verursacht werden.

Es sei an dieser Stelle festgehalten, daß Hauterkrankungen oft multifaktoriell bedingt sind und die auftretenden Symptome die Manifestation einer Kombination aus mehreren zugrundeliegenden Mechanismen darstellen. Die Eliminierung auch nur eines einzelnen dieser kausalen Faktoren kann bereits dazu führen, daß die klinische Schwelle unterschritten wird und das Tier symptomfrei wird.

Die meisten der Hauptinhaltsstoffe von Hundefutter bergen ein gewisses Potential für allergische Reaktionen in sich. Dazu zählen unter anderem Proteine, Lipoproteine, Glykoproteine, Lipopolysaccharide und Kohlenhydrate.1 Dennoch sind es am häufigsten Proteine, die als Allergene identifiziert werden können. Kuhmilch, Rindfleisch und Getreide (allein oder in Kombination) sind für mehr als die Hälfte aller Überempfindlichkeitsreaktionen beim Hund verantwortlich.4 Es ist tatsächlich bemerkenswert, daß die Mehrheit der betroffenen Tiere auf eine Hauptkomponente des Futters und nicht auf Zusatzstoffe überempfindlich reagiert.

In vielen Fällen liegt die Ursache der Futtermittelintoleranz in einer Idiosynkrasie, bei der das Tier aufgrund eines Enzymdefekts nicht in der Lage ist, eine bestimmte Nahrungskomponente zu verdauen bzw. zu verarbeiten. Es können jedoch auch andere Mechanismen beteiligt sein. So enthalten manche Produkte eine pharmakologisch aktive Substanz oder einen Stoff, der die Sekretion eines Entzündungsmediators wie z.B. Histamin auslöst (Schalentiere, Schokolade, Eiklar).

Laktoseintoleranz ist eine häufig beobachtete Form der Futtermittelintoleranz, die bei jenen Hunden auftritt, deren Laktaseaktivität im Dünndarm nur gering ist und die daher nur begrenzt in der Lage sind, Laktose in der Milch oder in Milchprodukten zu hydrolysieren. Dies führt normalerweise zu Durchfall, wobei sich jedoch das klinische Erscheinungbild bei manchen Hunden durch eine zusätzlich bestehende Allergie gegen Kasein oder ein anderes Milcheiweiß noch verwirrender darstellen kann.

Die Gluten-Enteropathie der Irish Setter ist ein Malabsorptionssyndrom, dessen Therapie in der Fütterung von glutenfreien Rationen besteht. Bei betroffenen Tieren wurde eine Schädigung der Schleimhautbarriere beobachtet, wobei allerdings nicht vollständig geklärt ist, ob dem eine immunologische Ursache zugrundeliegt oder ob primär andere Mechanismen der Futtermittelintoleranz dafür verantwortlich sind.

Erstes Ziel der Behandlung von Futtermittelüberempfindlichkeit und -intoleranz ist es, eine ausgewogene Diät zusammenzustellen, bei der das Tier symptomfrei ist. Dies setzt voraus, daß das verantwortliche Allergen identifiziert wird und bei der Gestaltung der Ration weggelassen wird.

Liegt bei einem Hund der Verdacht auf eine alimentär bedingte Überempfindlichkeitsreaktion vor, ist als erstes eine genaue Liste aller dem Tier gefütterten Nahrungskomponenten zu erstellen. Darin sollte, wenn möglich, alles, was der Hund in den vorangegangenen vier Wochen zu sich genommen hat, enthalten sein. Eine generelle Information über die Art von Futter, das der Patient bislang in seinem Leben erhalten hat, sollte ebenfalls eingeholt werden. Aufgrund dieser Aufstellung ist es unter Umständen bereits möglich, eine oder mehrere Futterkomponenten zu identifizieren, die in letzter Zeit neu hinzugekommen sind. Auf dieser Basis kann für den einzelnen Patienten unter Weglassung der verdächtigen Komponenten bereits eine "hypoallergene" Eliminationsdiät zusammengestellt werden. Ist dies nicht möglich, sollte eine Diät gefüttert werden, die nur ein oder zwei potenzielle "Allergene" enthält, wobei dies vorzugsweise solche sein sollten, die der Hund im vorangegangenen Monat nicht zu sich genommen hat.

Ist das die Überempfindlichkeitsreaktion auslösende Allergen erst identifiziert, so sind die meisten Fälle von Futtermittelintoleranz letztendlich dadurch in den Griff zu bekommen, daß eine handelsübliche Fertigdiät verabreicht wird, die jene Komponente nicht enthält. Es sei allerdings vermerkt, daß einige wenige Tiere auf hypoallergene Fertigdiäten in der Dose sehr wohl reagieren, nicht jedoch auf eine selbst zubereitete Diät gleicher Inhaltsstoffe. Dies legt die Empfehlung nahe, in der Anfangsphase der Therapie das Diätfutter selbst zuzubereiten. Ist dies erfolgreich, kann langsam auf ROYAL CANIN Sensitivity Control als geeignete Alternative umgestiegen werden.

 


(2) Gastrointestinalerkrankungen

 

Gastrointestinale Symptome einschließlich Erbrechen und Diarrhoe können bei Hunden mit Futtermittelüberempfindlichkeit entweder zusammen mit Hautläsionen oder als separates Krankheitsbild auftreten. Bestimmte Arten der Futtermittelintoleranz, besonders die Laktoseintoleranz und die Gluten-Enteropathie, manifestieren sich normalerweise als Diarrhoe. Daneben gibt es eine Vielzahl chronischer Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, bei denen eine alimentär bedingte Überempfindlichkeitsreaktion beteiligt sein könnte.

Die idiopathische chronisch Kolitis (ICC) des Hundes wird als die häufigste Ursache von chronischer Diarrhoe beim Hund angesehen.3 Wie schon der Name sagt, ist die dieser entzündlichen Dickdarmerkrankung zugrundeliegende Ätiologie bislang unklar. Obwohl viele verschiedene Mechanismen als Ursache vermutet worden sind, scheint doch immer mehr dafür zu sprechen, daß eine Beteiligung von Nahrungsmittelüberempfindlichkeit vorliegt.

Üblicherweise wird eine symptomatische Therapie durchgeführt. Antiphlogistika, Motilitätsregulatoren, Antibiotika und diverse Diäten sind bisher mit wechselndem Erfolg eingesetzt worden.10,11,14 Von diesen Behandlungsformen stellt die diätetische Therapie eine Langzeitbehandlung ohne Einsatz von Medikamenten dar, obwohl eine medikamentelle Versorgung der Patienten anfänglich sehr wohl erforderlich sein kann.

Die spezifische Zusammensetzung einer geeigneten Diät ist oftmals Gegenstand wissenschaftlicher Debatten gewesen. Manche Forscher haben von minimalen Erfolgen mit Diäten berichtet.8 Andere erzielten einen gewissen Erfolg mit hoch verdaulichen, relativ hypoallergenen Diäten,6,10,11 während wieder andere bestimmten Diäten auf Fleischbasis und mit hohem Rohfaseranteil eine vielversprechende Wirkung zuschreiben.2 Fest steht in jedem Fall, daß der Ernährung bei der Pathogenese dieser Erkrankungen eine wesentliche Rolle zukommt, und daß sowohl die Verdaulichkeit als auch die allergene Komponente Schlüsselfaktoren der erfolgreichen diätetischen Behandlung darstellen.

Die wichtigsten ernährungsphysiologischen Aspekte einer hoch verdaulichen, "hypoallergenen" Diät basieren auf folgenden drei Kriterien:

  • Die hohe Verdaulichkeit von Grundnährstoffen vermindert die digestive Belastung des Enddarms. Das Kolon kann z.B. durch rauhe Rohfaserpartikel mechanisch irritiert werden.
  • Ein niedriger Antigengehalt reduziert die Möglichkeiten der Auslösung einer immunologischen Reaktion.
  • Das Risiko, daß Nahrungsantigene in das Kolon gelangen, wird dadurch minimiert, daß aufgrund der hohen Verdaulichkeit der Großteil der Verdauungsarbeit bereits im Dünndarm erfolgt.

Die ernährungsphysiologische Argumentation für den Einsatz von rohfaserreicher Diät basiert primär auf der Tatsache, daß manche Arten von Rohfaser von den im Kolon vorhandenen Bakterien fermentiert werden können. Dies führt zu einer Veränderung der Bakterienflora im Kolon und zur Produktion von kurzkettigen Fettsäuren. Eine dieser kurzkettigen Fettsäuren, nämlich Butyrat, trägt entscheidend zur Ernährung und somit zur Funktionsfähigkeit der Zellen des Darmepithels bei. Eine mangelhafte Energieversorgung des Darmepithels aber ist, wie vermutet wird, zumindest teilweise für die Entwicklung bzw. Progression einer Kolitis verantwortlich.5,12,13 Bislang haben sich allerdings rohfaserreiche Diäten bei der Behandlung der idiopathischen chronischen Kolitis des Hundes weit weniger bewährt als "hypoallergene" Diäten.

Eine möglichst reizfreie Diät mit einer minimalen Anzahl von potenziellen Allergenquellen ist daher zur Diagnosefindung und Therapie bei Futtermittelüberempfindlichkeit und Futterintoleranz indiziert. Der Schlüssel zu einer adäquaten Diät liegt somit weniger in der Änderung des Nährstoffprofils als in der richtigen Wahl der Inhaltsstoffe. Das Nährstoffprofil der ROYAL CANIN Sensitivity Control wurde nicht wesentlich geändert und die Gehalte an Hauptnährstoffen sind denen eines hochwertigen "Premium"-Futters ähnlich.

Dank ihrer "hypoallergenen" Charakteristika bietet sich ROYAL CANIN Sensitivity Control als therapeutisches Mittel zur Behandlung jener Gastrointestinalerkrankungen (einschließlich der idiopathischen chronischen Kolitis) an, bei denen Überempfindlichkeit einer bestimmten Futterkomponente gegenüber unter Umständen einen ätiologischen Faktor darstellt. Die gute Verdaulichkeit aller Inhaltsstoffe dieser Diät ist für die Behandlung der Diarrhoe des Hundes von besonderer Bedeutung. Dadurch ist die maximale Verwertung der zugeführten Nährstoffe und somit die Förderung eines optimalen Ernährungszustandes gewährleistet.

 


Protein

Als Eiweißlieferanten sollte eine möglichst geringe Anzahl von Inhaltsstoffen gewählt werden, die äußerst selten eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen.

 

Von allen Hauptbestandteilen der Nahrung sind es die Proteine, die am häufigsten als Allergene an Futtermittelüberempfindlichkeit beteiligt sind. Eiweiß aus Kuhmilch, Rindfleisch und Getreide ist nachweislich für mehr als die Hälfte aller Fälle von Futtermittelallergie beim Hund verantwortlich.

  • Der Proteingehalt von ROYAL CANIN Sensitivity Control stammt ausschließlich aus Huhn oder Ente und Reis.

Diese Proteine werden nur sehr selten mit Überempfindlichkeitsreaktionen beim Hund in Zusammenhang gebracht.

  • ROYAL CANIN Sensitivity Control enthält kein Gluten.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sollten hoch verdaulich sein und aus nur wenigen Quellen stammen.

 

Reaktionen auf die mit der Nahrung zugeführten Kohlenhydrate, insbesondere Laktose, sind eine häufige Ursache von Futtermittelintoleranz beim Hund. Dazu kommt, daß Kohlenhydratmoleküle in manchen Fällen als Allergene wirken.

  • Reis stellt eine Quelle hochverdaulicher Kohlenhydrate dar und ist die einzige Kohlenhydratquelle der ROYAL CANIN Sensitivity Control.

Reis ist selten an Futtermittelüberempfindlichkeitsreaktionen beteiligt.

ROYAL CANIN Sensitivity Control enthält keine Milchprodukte und ist daher laktosefrei.

 


Klinische Studien


(1) Futtermittelallergie und Futtermittelintoleranz beim Hund

 

In einer wissenschaftlichen Untersuchung an Hunden, die als Patienten an eine Hautklinik überwiesen worden waren, konnte die Wirkung von "Sensitivity Control" bei der Behandlung klinischer Fälle von Futtermittelüberempfindlichkeit festgestellt werden. Nach einer eingehenden Allgemeinuntersuchung, die etwaige andere Ursachen der Hauterkrankung ausschließen sollte, wurden die Tiere auf eine selbst zubereitete, "hypoallergene" Diät gesetzt, die entweder aus Hühnerfleisch und Reis oder aus Truthahnfleisch und Reis bestand. Bei allen Hunden war nach drei Wochen einer Besserung der Symptome zu beobachten. Eine Diagnosebestätigung erfolgte durch Provokation mit dem vorherigen Futter. Danach wurden die Hunde auf "Sensitivity Control" umgestellt. Um herauszufinden, auf welchen Bestandteil des Futters die Patienten jeweils empfindlich reagierten, wurden weitere Provokationsstudien durchgeführt. Die diätetische Therapie mit "Sensitivity Control" war bei 12 von 16 klinischen Fällen (75 %) erfolgreich. Die Ergebnisse der Studie sind in Tabelle 1 zusammengefaßt.

 


(2) Klinische Anwendung einer Diät mit ausgewählten Eiweißquellen zur Behandlung der Kolitis beim Hund

 

An der Royal (Dick) School of Veterinary Studies, Großbritannien, wurde die therapeutische Wirkung der "Sensitivity Control" bei Hunden mit idiopathischer chronischer Kolitis untersucht.16Von den Hunden, die mit chronischer Diarrhoe an die gastroenterologische Kleintierklinik der Hochschule überwiesen worden waren, wurden elf Tiere für die Studie ausgewählt. Bei jedem dieser Patienten war die Diagnose der idiopathischen chronischen Kolitis durch klinische Untersuchungsergebnisse und eine endoskopische Untersuchung (einschließlich Kolonbiopsie) bestätigt worden. Hunde mit Dünndarmerkrankungen wurden von der Studie ausgeschlossen.

Hunde mit eindeutig diagnostizierter idiopathischer chronischer Kolitis wurden schrittweise im Laufe mehrerer Tage von ihrer gewohnten Ration auf "Sensitivity Control" umgestellt und erhielten in der Folge ausschließlich diese Diät.

 


Zusätzlich wurde zu Beginn der Therapie Sulfasalazin, ein entzündungshemmendes Medikament mit besonderer Wirkung im Kolon, in einer Dosierung von 20-40 mg/kg/Tag verabreicht. Nach Abklingen der klinischen Krankheitszeichen wurde die medikamentelle Therapie beendet. Die Hunde erhielten weiterhin "Sensitivity Control" und wurden vier Monate lang durch regelmäßige monatliche Untersuchungen überwacht. Sowohl bei der ersten Allgemeinuntersuchung vor Beginn der Studie als auch bei den Nachuntersuchungen wurden jeweils Allgemeinzustand und Behandlungsfortschritt bewertet.

Eine signifikante Besserung (mind. p<0,002) der vier Schlüsselsymptome einer Kolitis, nämlich schmerzhafter Kotdrang, Blut und Schleim im Kot sowie Kotkonsistenz, zeigte sich bereits innerhalb des ersten Monats und hielt auch während der restlichen drei Monate an (Abb. 3). 60 % der Hunde kamen innerhalb der ersten vier Therapiewochen mit weniger oder ganz ohne Sulfasalazin aus. Bei 90 % der Patienten konnte eine Stabilisierung ohne medikamentelle Therapie in den ersten beiden Monaten erreicht werden.

 


Acht Monate nach Beendigung der Studie berichteten die Tierbesitzer, daß die Hunde noch immer symptomfrei waren und daß keinerlei Medikamente verabreicht wurden. Von den elf Hunden erhielten acht immer noch ausschließlich "Sensitivity Control", die restlichen drei Tierbesitzer probierten verschiedene andere Diäten aus.

Die deutliche und anhaltende Besserung der vier für die Kolitis typischen Symptome (Abb. 3) zeigt in beeindruckender Weise, welche guten Behandlungserfolge sich mit der Kombination aus "hypoallergener" Diät mit anfänglicher medikamenteller Therapie erzielen lassen. Normalerweise ist die Prognose bei der idiopathischen chronischen Kolitis eher vorsichtig zu stellen, da es nach Absetzen der anfänglich erfolgreichen, medikamentellen Therapie mit entzündungshemmenden Mitteln häufig zu Rückfällen kommt. Dies war auch bei den diversen Therapieversuchen der zu dieser Studie herangezogenen Hunde der Fall gewesen; manche der Patienten waren schon zwei Jahre lang erfolglos mit Medikamenten und verschiedenen Diäten behandelt worden.

Wie bei vielen klinischen Studien war es auch hier nicht leicht, den Behandlungserfolg der Diät von dem der verabreichten Medikamente zu trennen, da beide Therapien ja parallel durchgeführt worden waren. Dennoch belegen die Ergebnisse, daß die Verabreichung von entsprechenden Medikamenten zwar in der Anfangsphase zur Behandlung der bestehenden Symptome von Nutzen ist, daß aber eine Stabilisierung des Patienten innerhalb relativ kurzer Zeit in den meisten Fällen ohne medikamentelle Therapie möglich ist.

In jedem Fall scheint für die Behandlung der Kolitis beim Hund eine hochverdauliche, "hypoallergene" Diät mit den Charakteristika von "Sensitivity Control" ganz generell von besonderem Nutzen. Eine bestehende Medikation so rasch wie möglich reduzieren oder gar absetzen zu können und das Tier auf lange Sicht von allen klinischen Krankheitszeichen zu befreien, scheint in den meisten Fällen ein realistisches Ziel und zeigt, daß es gelungen ist, zumindest eine wichtige Komponente der zugrundeliegenden Ätiologie in den Griff zu bekommen.

 


(3) Der Einsatz von Diäten mit begrenzter Anzahl von Eiweißquellen zur Behandlung von atopischen Hunden

 

Zwölf chronisch an Atopie erkrankte Hunde, die mittels Prednisolontherapie (niedrig dosierte orale Prednisolongabe an jedem zweiten Tag) in klinischer Remission gehalten werden konnten, wurden in eine 6-monatige, offene Cross-over-Studie aufgenommen.9 Während der zwei Monate vor Beginn der Studie war die Prednisolondosis weitgehend konstant gewesen und die Hunde erhielten unterschiedliche kommerzielle Diäten. Neun Hunde hatten nach einer dreiwöchigen Versuchsdiät mit selbst zubereitetem Futter aus Huhn, Reis und Wasser eine Besserung der Symptome gezeigt. Die 12 Hunde wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt "Sensitivity Control" (Huhn & Reis), während die andere mit einem Feuchtfutter auf der Basis von Fisch, Mais und Weizen gefüttert wurde. Nach drei Monaten erfolgte ein Wechsel und jede Gruppe erhielt entsprechend das Futter der anderen Gruppe. Alle vier Wochen wurden die Hunde dahingehend untersucht, ob sich die Prednisolondosis, die zur Kontrolle der Symptome der Atopie erforderlich war, verändert hatte. Gleichzeitig wurden Pruritus, Erythem, Interdigitalödem, Alopezie, Automutilation und Zustand des Haarkleides nach einem bestimmten Punktebewertungssystem untersucht und beurteilt. Zur Halbzeit der Studie war es bei den Hunden, die "Sensitivity Control" erhalten hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe und im Vergleich zu den Basisdaten zu Beginn der Studie zu einer Reduzierung der Prednisolondosis (Abb. 4) und zu signifikant (p<0,05) niedrigeren Gesamtpunktezahlen im Bewertungsschema gekommen. Die Tatsache, daß diese atopischen Hunde im Laufe der Studie zunehmend geringere Dosen an entzündungshemmenden Präparaten benötigten, um symptomfrei zu bleiben, belegt, daß "Sensitivity Control" bei der Behandlung atopischer Hunde von deutlichem therapeutischen Nutzen ist. Dennoch ist es der Studie nicht gelungen, den bzw. die Nährstoffe zu identifizieren, die für diesen positiven klinischen Effekt verantwortlich waren.

 


(4) Doppelblindstudie zur Bewertung von "Sensitivity Control" bei der Diagnose und Therapie von Futtermittelüberempfindlichkeit beim Hund

 

Ziel dieser prospektiven Studie war es einerseits, jenen Anteil an Hunden mit Futtermittelüberempfindlichkeit herauszufinden, die mit Hilfe der Diät mit einer der drei Varietäten von "Sensitivity Control" symptomfrei gehalten werden konnten, und andererseits festzustellen, ob "Sensitivity Control" besser als eine selbst hergestellte Eliminationsdiät in der Lage ist, als diagnostisches Mittel der Wahl zur Abklärung von Futtermittelüberempfindlichkeiten zu dienen. Die Studie wurde anhand von 51 Hunden mit persistierendem nichtsaisonalen Pruritus durchgeführt. Die Hunde erhielten so lange eine hausgemachte Eliminationsdiät (aus Zutaten, die auf der Basis der Anamnese ausgewählt wurden), bis die Symptome verschwanden.

Danach erfolgte eine Provokation mit dem ursprünglichen Futter. Aufgrund rezidivierender Symptome konnte so bei 40 von 51 Hunden eine Futtermittelüberempfindlichkeit bestätigt werden. Im Anschluß daran wurde erneut und bis zur vollständigen Remission die selbst hergestellte Eliminationsdiät gefüttert.

Danach wurde mit den 40 Hunden eine dreiwöchige Provokationsstudie mit "Sensitivity Control" durchgeführt. Die drei hier verwendeten Varietäten der Diät (Huhn & Reis, Wild & Reis, Catfish & Reis) wurden nach dem Zufallsprinzip zugeteilt. Bei 38 von 40 Hunden (95 %) kam es bei mindestens einer Varietät zu keinem Wiederaufflackern der Symptome. Ein Drittel der 40 Tiere blieb bei einer Varietät der "Sensitivity Control" symptomfrei, während acht Hunde zwei Varietäten hervorragend vertrugen. Keiner der Patienten blieb bei jeder der drei Varietäten symptomfrei. Die in diesem Zusammenhang erfolgreichste Varietät war Catfish & Reis (wurde von 21 Hunden gut vertragen), gefolgt von Huhn & Reis (19 Hunde) und Wild & Reis (nur 8 Hunde symptomfrei).

Diese Untersuchungsergebnisse belegen, daß "Sensitivity Control" in der Mehrheit der Fälle von Futtermittelüberempfindlichkeit mit Hautsymptomen gut für die diätetische Langzeittherapie geeignet ist. Wichtig dabei ist, daß der Tierarzt die Möglichkeit hat, unter mehreren Varietäten zu wählen und somit die Diät individuell an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen.

Warum die Varietät Wild & Reis nur von einer geringen Zahl von Hunden gut toleriert wurde, obwohl es sich auch hier um eine sicher für die meisten Hunde neue Proteinquelle handelt, ging aus der Studie nicht hervor. Denkbar ist eine Kreuzreaktivität der Antigene. In vielen Untersuchungen zur Futtermittel-überempfindlichkeit bei Hunden wurde Rindfleisch als häufiges Allergen identifiziert; da Rinder taxonomisch in der Nähe von Wild anzusiedeln sind, kann bei einigen der Hunde dieser Studie durchaus eine Kreuzreaktivität vorgelegen haben.

Die Studie bestätigt aber auch, daß eine korrekt zusammengesetzte, selbst zubereitete Eliminationsdiät die Diagnosemethode der Wahl ist, da auch bei konsekutiver Verwendung der drei Varietäten von "Sensitivity Control" nur bei 95 % der Hunde dieser Studie eine Futtermittelüberempfindlichkeit diagnostiziert worden wäre.

 


Literatur

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