Das Ziel der Ernährung von Hunden und Katzen bestand früher lediglich in einer angemessenen Versorgung mit Energie, Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen. Im Laufe der Zeit haben Wissenschaftler jedoch herausgefunden, dass die Ernährung auch bei der Behandlung von Krankheiten einschließlich Herzerkrankungen bedeutsam sein kann. So liegen heute genauere Erkenntnisse darüber vor, welche Nährstoffe und in welchen Mengen diese bei Herzerkrankungen erforderlich sind. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde für die Ernährung von Hunden mit kongestiver Herzinsuffizienz, unabhängig vom Stadium dieser Erkrankung, eine natriumarme und proteinreduzierte Diät unter Zusatz von Vitamin B empfohlen.1 In den 70er Jahren wurden diese Anweisungen nur wenig modifiziert.2 Die Frage, zu welchem Zeitpunkt mit der Natriumrestriktion begonnen werden sollte, wurde erstmals in den 80er Jahren gestellt.3 In dieser Zeit wurden außerdem eine Proteinrestriktion und eine Kalium- und Vitamin-B-Supplementierung empfohlen, und das Krankheitsbild der kardialen Kachexie wurde erstmals erwähnt.3 Auch die Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen einem Taurinmangel und einer dilatativen Kardiomyopathie (DKMP) der Katze wurden erstmals in den späten 80er Jahren veröffentlicht.4 Heutzutage profitieren wir von neuen, wirksameren Herzmedikamenten und vom neu erwachten Interesse an der Erforschung von Möglichkeiten zur diätetischen Beeinflussung von Herzerkrankungen. Jüngste Forschungsarbeiten belegen den Einfluss: So kann das Fortschreiten der Erkrankung verzögert, der Medikamentenbedarf gesenkt, die Lebensqualität des Patienten verbessert und in seltenen Fällen sogar eine Heilung der Erkrankung erreicht werden. Obwohl diese Forschungsarbeiten erst am Anfang stehen, zeigt sich bereits jetzt das große Potenzial der Ernährung als wichtige Ergänzung der medikamentösen Therapie bei Patienten mit Herzerkrankungen. Herzerkrankungen treten in verschiedenen Formen mit unterschiedlichen Schweregraden bei den verschiedenen Tierarten und zusätzlich mit individuellen Unterschieden auf. Die Entscheidung, in welchen Fällen eine Restriktion oder eine Supplementierung von Nährstoffen eingeleitet werden soll, muss deshalb für jedes erkrankte Tier individuell getroffen werden. Unabhängig davon gilt für alle Tiere mit Herzerkrankungen, dass ein optimales Körpergewicht für den Behandlungserfolg von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Wenn wir uns mit der Ernährung von Patienten mit Herzerkrankungen beschäftigen, denken wir gewöhnlich entweder an eine Nährstoffüberversorgung (z.B. Natrium) oder an eine Nährstoffunterversorgung (z.B. Taurin). Das häufigste Ernährungsproblem bei diesen Patienten wird auch wirklich durch einen Mangel oder eine Überversorgung verursacht, allerdings von Kalorien. Das Ziel einer optimalen Behandlung von Herzerkrankungen ist deshalb die Aufrechterhaltung eines Normalgewichtes, da der Zustand des Herzpatienten durch ein Übergewicht oder ein Untergewicht negativ beeinflusst werden kann.
A. Adipositas
Eine Adipositas, also ein um 20 % über dem Idealgewicht liegendes Körpergewicht, tritt bei etwa 30–40% aller Hunde und Katzen in den USA auf. Es ist deshalb schon aus statistischen Gründen sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Patienten mit Herzerkrankungen adipös ist (Abb. 1). Bei diesen Patienten müssen zunächst endokrine Erkrankungen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden, aber bei den meisten Tieren wird eine Adipositas durch eine Überernährung verursacht. Die Auswirkungen einer Adipositas bei Hunden und Katzen mit Herzerkrankungen fanden bis jetzt nur sehr wenig wissenschaftliches Interesse. Für einen schädlichen Einfluss spricht jedoch, dass eine Adipositas beim Menschen und im Tiermodell nachweislich negative Auswirkungen auf Herzzeitvolumen, Lungenfunktion, neurohumorale Aktivität, Blutdruck und Herzfrequenz hat.5 Tierhalter stellen oft fest, dass stark übergewichtige Hunde und Katzen mit Herzerkrankungen nach einer Gewichtsreduktion weniger unter Dyspnoe leiden und insgesamt aktiver werden.
Eine erfolgreiche Gewichtsreduzierung ist eine große Herausforderung, die nicht selten scheitert. Entscheidend für den Erfolg sind:

B. Kachexie
Als Kachexie bezeichnet man die häufig bei Patienten mit Herzinsuffizienz zu beobachtende allgemeine Auszehrung des Körpers. In einer Studie über Hunde mit DKMP litten über 50% der Patienten unter Kachexie unterschiedlichen Grades.6 Der bei diesen Patienten auftretende Gewichtsverlust unterscheidet sich deutlich vom Gewichtsverlust gesunder Hunde oder Katzen, die aufgrund vermehrter körperlicher Aktivität oder einer zu geringen Kalorienzufuhr abnehmen (Abb. 2). Jedes Tier, das zu wenig Kalorien zur Deckung seines Energiebedarfes erhält, wird zur Energiegewinnung zunächst Aminosäuren aus dem Abbau fettfreier Körpermasse verwerten, unabhängig davon, ob es gesund oder krank ist. Dieser Prozess hält über mehrere Tage an, bis das gesunde Tier seine Energiegewinnung schließlich auf die Verwertung von Fett umstellt, um seine fettfreie Körpermasse zu schonen. Ein gesundes Tier verliert bei zu geringer Kalorienzufuhr also primär Fettgewebe. Tiere mit akuten oder chronischen Krankheiten, wie z.B. einer Herzerkrankung, sind nicht zu dieser Anpassung in der Lage und bauen zur Energiegewinnung weiterhin fettfreie Körpermasse ab. Der entscheidende Unterschied bei einer Kachexie besteht also im Verlust fettfreier Körpermasse anstelle eines Abbaus von Fettgewebe. Dieser Verlust an fettfreier Körpermasse hat unmittelbar schädliche Auswirkungen auf die Widerstandskraft, die Immunfunktion und letztlich das Überleben des Patienten.7 Historisch galt Kachexie als eine Art Endstadium chronischer Auszehrung eines Hundes oder einer Katze (Abb. 3). Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen langsam fortschreitenden Prozess, der sich anfangs sehr unauffällig vollziehen kann (Abb. 4). Je früher wir diesen Prozess erkennen, desto vielfältiger und aussichtsreicher sind unsere therapeutischen Möglichkeiten.



Der Verlust fettfreier Körpermasse im Rahmen einer kardialen Kachexie ist ein multifaktorieller Prozess, dessen Ursachen vor allem in den negativen Auswirkungen der Anorexie sowie eines erhöhten Energiebedarfs und weiterer metabolischer Veränderungen liegen.7 Die Anorexie kann eine sekundäre Folge der häufig bei herzkranken Patienten zu beobachtenden allgemeinen Erschöpfung oder Dyspnoe sein oder aber das Resultat toxischer Medikamentennebenwirkungen. Eine weitere Anorexieursache ist nicht zuletzt die Fütterung eines wenig schmackhaften Futters.7 In einer Studie über Hunde mit DKMP lag die Kalorienaufnahme nur bei 72–84% des erwarteten Energiebedarfs.6 Auch ein gesteigerter Energiebedarf kann zu einer Kachexie führen. So wurde bei Menschen mit kongestiver Herzinsuffizienz ein bis zu 30% höherer Energiebedarf festgestellt.8 Anorexie und ein höherer Energiebedarf allein können indessen nicht für einen signifikanten Verlust an fettfreier Körpermasse verantwortlich sein. Diese beiden Faktoren spielen zwar eine nicht unwichtige Rolle, der entscheidende Punkt ist jedoch die bei Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz auftretende Konzentrationserhöhung der beiden Zytokine Tumornekrosefaktor und Interleukin-1.7 Diese Entzündungsmediatoren verursachen auf direktem Wege eine Anorexie, erhöhen den Energiebedarf und steigern den Abbau fettfreier Körpermasse. Darüber hinaus haben die genannten Zytokine eine negativ inotrope Wirkung und führen zu einer Herzhypertrophie und zur Fibrose (Abb. 5).7 In der Regel kommt es bei Herzpatienten erst dann zu einer kardialen Kachexie, wenn sich eine kongestive Herzinsuffizienz entwickelt. Eine Kachexie kann grundsätzlich im Rahmen sämtlicher Herzerkrankungen auftreten (z.B. bei chronischer Herzklappeninsuffizienz oder kongenitalen Herzerkrankungen), am häufigsten wird sie jedoch bei Hunden mit DKMP festgestellt, und hier insbesondere bei Patienten mit Rechtsherzinsuffizienz. Bei Katzen wird eine Kachexie seltener beobachtet als bei Hunden. Der Verlust fettfreier Körpermasse fällt in der Regel zuerst im Bereich der Muskulatur von Hals, Schultern und in der Glutealregion sowie an der temporalen Muskulatur auf und kann anfangs kaum sichtbar ausgeprägt sein. Die Autorin bewertet bei allen Patienten mit Herzerkrankung das Ausmaß einer Kachexie anhand einer Skala von 0 bis 4 (Abb. 6). Wenn wir uns die große Bedeutung des Problems der Kachexie bewusst machen und bei Patienten mit Herzerkrankungen gezielt darauf achten, wird uns eine Diagnose bereits im Frühstadium gelingen.



Zurzeit beschränkt sich die diätetische Behandlung der kardialen Kachexie auf eine Beseitigung der Appetitlosigkeit und auf eine Beeinflussung der Zytokinproduktion. Eine entschlossene Bekämpfung der Anorexie ist wichtig, da sie einer der häufigsten Gründe für die Entscheidung des Besitzers zur Euthanasie seines Tieres ist.9 Leitlinien für eine diätetische Behandlung der Anorexie werden in Tabelle 1 zusammengefasst.
Zur Behandlung der kardialen Kachexie wird auch der Weg über die Modifikation der Zytokinproduktion gewählt. Durch eine Ergänzung der Nahrung mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (siehe unten) lässt sich die Zytokinbildung und deren Auswirkungen verringern. Bei Hunden mit kongestiver Herzinsuffizienz wurde durch eine Supplementierung der Nahrung mit Fischöl, das reich an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren ist, eine Verringerung der Zytokinproduktion und eine Verbesserung der Kachexie erreicht, und zwischen der Zytokinreduktion und der Überlebenszeit der getesteten Hunde besteht eine positive Korrelation.6
Abb. 6: Die subjektive Kachexiebewertung der Autorin
(a) Dieser Hund ist in optimaler körperlicher Verfassung, er hat einen guten Muskeltonus und zeigt keinerlei Anzeichen einer Muskelatrophie (Kachexiebewertung = 0).
(b) Frühstadium einer geringgradigen Muskelatrophie, insbesondere im Bereich der Hinterhand und in der Lendenregion (Kachexiebewertung = 1).
(c) Mittelgradige Muskelatrophie in sämtlichen Muskelgruppen. Zu beachten ist insbesondere die Atrophie der Muskeln im Bereich der Schläfen und der Schulter (Kachexiebewertung = 2).
(d) Ausgeprägter Muskelschwund, erkennbar anhand der Atrophie sämtlicher Muskelgruppen (Kachexiebewertung = 3).
(e) Deutliche Muskelatrophie höchsten Grades (Kachexiebewertung = 4).
Früher wurden Herzerkrankungen beim Menschen häufig durch einen Mangel an wichtigen Nährstoffen verursacht. Auch wenn diese Mangelzustände heute eher selten sind, können wir dennoch einige Beispiele dafür bei Hunden und Katzen finden. Ein Nährstoffmangel kann sich auch sekundär als Folge einer Erkrankung oder deren Behandlung entwickeln. Ein neues Gebiet der Ernähungswissenschaft ist die so genannte Ernährungspharmakologie, und es wird angenommen, dass eine Supplementierung mit bestimmten Nährstoffen über ihre reine Ernährungsfunktion hinaus vorteilhaft sein kann. Im folgenden Abschnitt werden die am häufigsten zur Anwendung bei Hunden und Katzen mit Herzerkrankungen empfohlenen Nährstoffe beschrieben.
A. Proteine und Aminosäuren
Proteine
Bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts empfahlen verschiedene Autoren bei Hunden mit kongestiver Herzinsuffizienz eine restriktive Proteinzufuhr, um eine „metabolische Belastung“ der Nieren und der Leber zu verhindern. 1 Es gibt jedoch keinen Beweis dafür, dass eine Proteinrestriktion bei diesen Hunden tatsächlich erforderlich ist, sondern es besteht die Gefahr, dass dies für Patienten, die für einen Verlust fettfreier Körpermasse prädisponiert sind, eher schädliche Auswirkungen hat. Außer in Fällen hochgradiger Nierenfunktionsstörungen sollten Hunde und Katzen deshalb qualitativ hochwertiges Protein in einer zur Deckung ihres Erhaltungsbedarfes ausreichenden Menge erhalten.
Taurin
Taurin ist eine Aminosulfonsäure, die in hohen Konzentrationen im Myokard vorkommt. Die Bedeutung eines Taurinmangels für die DKMP der Katze ist bekannt, aber bei einer kleinen Anzahl von Katzen wird diese Form der Herzerkrankung immer noch festgestellt.4 Die meisten dieser heute auftretenden Fälle sind jedoch taurinunabhängig. Dennoch muss ein Taurinmangel in allen Fällen einer DKMP bei der Katze differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. Wichtig ist dabei vor allem, über eine sorgfältige Ernährungsanamnese in Zusammenarbeit mit dem Tierhalter herauszufinden, ob die Katze qualitativ minderwertiges, selbst hergestelltes, vegetarisches oder aus anderen Gründen unausgewogenes Futter erhielt. Nach Feststellung eines niedrigen Taurinspiegels im Plasma und im Vollblut sollte zusammen mit der medikamentösen Therapie der Herzerkrankung eine Behandlung mit Taurin (125–250mg per os, 2x täglich) erfolgen. Hat sich die Taurinkonzentration normalisiert, kann die Supplementierung wieder entfallen. Im Gegensatz zur Katze ist der Hund zu einer körpereigenen Biosynthese von ausreichenden Taurinmengen befähigt, und die meisten Hunde mit DKMP haben keinen Taurinmangel. Aber bei bestimmten Hunderassen, insbesondere beim American Cocker- Spaniel, hat man im Zusammenhang mit dieser Erkrankung niedrige Taurinkonzentrationen gemessen.10 In einer kleinen Studie konnte gezeigt werden, dass es bei Cocker-Spaniels unter der Supplementierung mit Taurin und Carnitin zu einer Besserung der klinischen und echokardiographischen Befunde kommt.11 Ob eine ähnliche Antwort bei ausschließlicher Gabe von Taurin oder Carnitin auftritt, ist unbekannt. Nach den Erfahrungen der Autorin zeigen Hunderassen, für die eine DKMP eher untypisch ist, keine dramatischen Reaktionen auf eine Taurin- oder Carnitinsupplementierung. Aber eine Bestimmung der Taurinkonzentration im Plasma und im Vollblut ist sowohl beim Cocker-Spaniel als auch bei anderen nicht typischen Rassen bei einer bestehenden DKMP zu empfehlen. Bis weitere Forschungsergebnisse vorliegen, wird bei Hunden mit dokumentiertem Taurinmangel eine Supplementierung mit Taurin (500mg per os, 2–3x täglich) und Carnitin (1g per os, 2-3x täglich) empfohlen.
Einige der Vorteile der Taurinsupplementierung bei Hunden mit niedrigen Taurinspiegeln können auf pharmakologische Effekte dieser Aminosulfonsäure zurückgeführt werden. Taurin besitzt eine gewisse positiv inotrope Wirkung und wurde mit einigem Erfolg bei Tieren mit experimentell induzierter Herzinsuffizienz und in klinischen Studien (keine Blindstudien) beim Menschen eingesetzt.12, 13 Auch wenn hier sicherlich noch weitere Untersuchungen notwendig sind, können wir sagen, dass eine Taurinsupplementierung bei Herzpatienten vorteilhaft sein kann, selbst wenn kein Taurinmangel vorliegt.

Arginin
Im Gegensatz zu den meisten anderen Spezies benötigen Hunde und Katzen Arginin in ihrer Nahrung, da sie dieses nicht in ausreichender Menge durch körpereigene Biosynthese ersetzen können. Die Katze hat durch ihre Entwicklung zum obligaten Karnivoren einen besonders hohen Argininbedarf. Zusätzlich zu seiner nutritiven Bedeutung dient Arginin als Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO), das die Thrombozytenaggregation und -adhäsion hemmt, die Proliferation glatter Gefäßmuskulatur verringert und den physiologischen vasodilatatorischen Tonus aufrechterhält.14 Eine neuere Studie zeigt, dass Katzen mit einer arteriellen Thromboembolie infolge einer Kardiomyopathie niedrigere Konzentrationen an zirkulierendem Arginin aufweisen als Katzen mit Kardiomyopathie ohne Thromboembolie oder gesunde Katzen.15 Möglicherweise spiegeln diese Ergebnisse lediglich die Folge eines Verbrauchsprozesses im Zusammenhang mit der Thrombusbildung oder Ischämie wider, und deshalb sind zum besseren Verständnis der Bedeutung dieser Aminosäure bei der arteriellen Thromboembolie der Katze noch weitere Untersuchungen erforderlich.
B. Fette
In der Vergangenheit wurde Fett in der Nahrung hauptsächlich als Energielieferant angesehen und zur Geschmacksverbesserung des Futters eingesetzt. Heute wissen wir, dass der Fetttyp einen großen Einfluss auf immunologische, entzündliche und hämodynamische Parameter haben kann. Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (Omega-3-MUFS) Eicosapentensäure (EPS) und Docosahexensäure (DHS) sind langkettige Fettsäuren, deren erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom vom Methylende aus sitzt (im Gegensatz zu den Omega-6-MUFS wie Linolsäure, Gamma-Linolensäure und Arachidonsäure, deren erste Doppelbindung am sechsten Kohlenstoffatom sitzt). Dieser Unterschied führt zu unterschiedlichen Strukturen und Eigenschaften der Fettsäuren. Plasmamembranen enthalten in der Regel nur sehr niedrige Konzentrationen an Omega-3-MUFS, die durch ein mit Omega- 3-MUFS angereichertes Futter erhöht werden können. Bei Hunden mit kongestiver Herzinsuffizienz zeigten Untersuchungen der Fettsäuren im Plasma im Vergleich zu gesunden Hunden Unterschiede, unter anderem verringerte Konzentrationen an EPS und DHS.6 In einer Studie über Hunde mit DKMP und kongestiver Herzinsuffizienz normalisierte sich der Plasmaspiegel dieser Fettsäuren nach einer Fischölsupplementierung in einer Dosierung von 25mg EPS/kgKG und 18mg DHS/kgKG.6 Die Ergänzung von Omega-3-MUFS ist auch deshalb vorteilhaft, weil ihre Abbauprodukte (3ω- und 5ω-Eicosanoide) im Allgemeinen weniger potente Entzündungsmediatoren sind als die von den Omega-6-Eicosanoiden (2ω- und 4ω-Eicosanoide). Dies führt zu einer Abnahme der Zytokinproduktion und anderer Entzündungsmediatoren und damit unter Umständen zu einem Rückgang der Kachexie.6, 16 Nicht alle Hunde und Katzen mit kongestiver Herzinsuffizienz werden von Fischöl profitieren, die Autorin empfiehlt jedoch generell eine Dosierung von 40 mg EPS/kgKG und 25 mg DHS/kgKG bei Hunden mit Anorexie oder Kachexie. Da der Gehalt an EPS und DHS in verschiedenen Fischölsupplementen erheblich variieren kann, sollte man genaue Information über die im verwendeten Produkt vorhandenen Mengen einholen. Kapseln mit etwa 180mg EPS und 120mg DHS sind in der Regel in Apotheken und Drogerien rezeptfrei erhältlich. Die für größere Hunde besser geeigneten höher dosierten Präparate sind über den pharmazeutischen Großhandel zu beziehen. Fischöl sollte Vitamin E als Antioxidans enthalten, andere Nährstoffe sollten aufgrund möglicher toxischer Wirkungen indessen nicht enthalten sein.
C. Mineralstoffe
Natrium
Während gesunde Tiere überschüssiges, mit der Nahrung zugeführtes Natrium problemlos über den Harn ausscheiden können, ist dies bei Tieren mit Herzerkrankungen nur eingeschränkt möglich.17 Auf der Grundlage der Pathogenese empfahlen Autoren in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine strikte Reduzierung des Natriumgehaltes der Nahrung bereits nach der ersten Diagnose eines Herzgeräusches, selbst wenn noch keine klinischen Symptome vorhanden waren. In diesem frühen Stadium ist eine streng natriumarme Diät jedoch nicht erforderlich. Mit dem weiteren Fortschreiten der Herzerkrankung und der Entstehung einer kongestiven Herzinsuffizienz gewinnt die Natriumrestriktion indessen zunehmend an Bedeutung, aber durch den Einsatz neuerer und wirksamerer Medikamente ist sie bei vielen Patienten nicht mehr so strikt erforderlich. Kürzlich haben wir eine placebokontrollierte Doppelblindstudie über eine natriumreduzierte Diät bei Hunden mit kongestiver Herzinsuffizienz abgeschlossen. Die Ergebnisse dieser und zukünftiger Studien werden zum besseren Verständnis beitragen über Vor- und Nachteile der Natriumrestriktion und den besten Zeitpunkt zu ihrer Einleitung. Da diese Informationen im Moment noch nicht vorliegen, gibt die Autorin die in Tabelle 2 aufgelisteten Empfehlungen für eine Natriumrestriktion. Den Besitzern eines Tieres mit Herzerkrankung ohne kongestive Herzinsuffizienz (z. B. ein Hund mit chronischer Klappeninsuffizienz ohne klinische Symptome oder eine asymptomatische Katze mit hypertropher Kardiomyopathie) rät die Autorin, natriumreiche Futtermittel, Leckerchen oder Tischreste zu vermeiden. Die meisten Besitzer wissen jedoch nur wenig über den Natriumgehalt von Tierfuttermitteln und Nahrungsmitteln für den Menschen und müssen deshalb entsprechend ausführlich über geeignete Futtermittel beraten werden. Dazu gehören auch Empfehlungen über akzeptable salzarme Leckerchen (Gemüse, Obst, salzarme kommerzielle Produkte). Wenn die ersten Symptome einer kongestiven Herzinsuffizienz auftreten, ist eine weiter gehende Natriumrestriktion erforderlich. Dazu ist nicht unbedingt eine besondere therapeutische Diät notwendig, jedes einzelne Futtermittel muss jedoch auf seinen Salzgehalt hin überprüft werden, damit die geforderte Restriktion eingehalten wird. Diäten für Tiere mit Nierenerkrankungen werden für die meisten Herzpatienten wegen ihres niedrigen Proteingehaltes nur bei schweren Nierenfunktionsstörungen empfohlen. Wird die kongestive Herzinsuffizienz zunehmend hochgradiger, kann durch eine noch größere Kochsalzeinschränkung unter Umständen die zur Kontrolle der klinischen Symptome notwendige Diuretikadosis gesenkt werden. Um diese strikte Natriumchloridrestriktion zu erreichen, wird eine Fütterung mit kommerziellen Diäten für Tiere mit Herzerkrankungen erforderlich. In diesen Produkten ist der Gehalt sowohl an Natrium als auch an Chlorid strikt reduziert; der Gehalt an anderen Nährstoffen kann aber je nach Produkt variieren.

Kalium
Die Anwendung von Furosemid kann zu einem vermehrten Kaliumverlust über den Harn und zur Entwicklung einer Hypokaliämie führen, die ihrerseits direkt oder über eine Verstärkung der arrhythmogenen Wirkungen bei einer Digitalisintoxikation zu Herzarrhythmien beiträgt. Während eine Hypokaliämie bei Menschen unter Furosemidbehandlung relativ häufig auftritt, kommt sie bei Hunden und Katzen nur selten vor. Die heute weit verbreitete Anwendung von Angiotensin Converting Enzyme(ACE)-Hemmern verringert die Kaliumausscheidung und kann sogar zu Hyperkaliämie führen. Eine klinisch relevante Hyperkaliämie wird zwar nur selten gesehen, eine Kaliumsupplementierung oder die Fütterung kaliumreicher Futtermittel kann jedoch bei Tieren, die ACE-Hemmer bekommen, das Risiko einer Hyperkaliämie zusätzlich erhöhen. Viele kommerzielle Diäten für Tiere mit Herzerkrankungen haben einen erhöhten Kaliumgehalt, sodass die Kaliumkonzentrationen im Serum unbedingt überwacht werden müssen, damit sowohl zu hohe als auch zu niedrige Kaliumspiegel vermieden werden.
Magnesium
Ebenso wie bei Kalium kann Furosemid auch bei Magnesium zu einer vermehrten Ausscheidung über den Harn führen. Die entstehende Hypomagnesiämie kann Arrhythmien verstärken und zu einer herabgesetzten Kontraktionsfähigkeit des Myokards und zu allgemeiner Muskelschwäche beitragen. In Studien mit Hunden wurde eine Hypomagnesiämie nicht häufig festgestellt, möglicherweise weil die Magnesiumkonzentration im Blut nur schlecht die Gesamtmenge des im Körper gespeicherten Magnesiums widerspiegelt.18, 19 Wird jedoch eine Hypomagnesiämie diagnostiziert, sollte besonders bei Patienten mit Arrhythmien eine Supplementierung eingeleitet werden.
D. Vitamine
Vitamin B
Ein Thiaminmangel als Ursache von Kardiomyopathien beim Menschen ist bekannt. Kenntnisse über die Bedeutung eines Vitamin-B-Mangels als Krankheitsursache bei Hunden und Katzen liegen dagegen bis jetzt kaum vor. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass Vitamin-B12-Serumwerte bei Katzen mit Kardiomyopathie signifikant niedriger sind als die von gesunden Katzen – ein Effekt, der offenbar unabhängig von der Ernährung auftritt.15 Unklar bleibt, ob es sich dabei um eine Ursache oder um eine Folge der Erkrankung handelt. Bei Ratten konnte indessen gezeigt werden, dass ein Vitamin-B12-Mangel eine ausgeprägte Herzhypertrophie und Myokardfibrose verursacht.20 Bei Hunden und Katzen unter Furosemidbehandlung besteht die Gefahr eines vermehrten Verlustes an wasserlöslichen Vitaminen über den Harn. Die Ergebnisse einer Studie über Katzen mit Kardiomyopathie zeigen jedoch, dass die BVitaminspiegel bei Katzen unter Furosemidbehandlung nicht niedriger liegen als die von unbehandelten Katzen.15 Dagegen entwickeln Menschen mit kongestiver Herzinsuffizienz unter einer Furosemidtherapie häufig einen Thiaminmangel. In Anbetracht dieser Informationen scheint eine Vitamin-B-Supplementierung bei Katzen und Hunden unter diuretischer Behandlung empfehlenswert. Die meisten kommerziellen Diäten für Tiere mit Herzerkrankungen haben einen erhöhten Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen, um die Verluste über den Harn auszugleichen.
E. Andere Nährstoffe
Carnitin
L-Carnitin kommt überwiegend in der Skelett- und Herzmuskulatur vor und ist sehr wichtig für den Stoffwechsel der Fettsäuren und für die Energieproduktion. Ein Carnitinmangel wird im Zusammenhang mit primären Herzmuskelerkrankungen bei verschiedenen Spezies, einschließlich einer Familie von Boxern21 gefunden. Einzelfallberichte über die Wirksamkeit von Carnitin bei der DKMP beim Hund liegen vor, bis jetzt wurden allerdings noch keine prospektiven Blindstudien durchgeführt und der wissenschaftliche Wirkungsnachweis einer kausalen Therapie mit Carnitin steht weiterhin aus. Der bei einigen Hunden mit DKMP festzustellende Carnitinmangel ist wahrscheinlich eher sekundärer Natur. Eine Carnitinsupplementierung hat nur wenige Nebenwirkungen, die hohen Kosten schrecken jedoch manche Tierhalter ab. Zurzeit bieten wir Besitzern von Hunden mit DKMP die Option einer Carnitinsupplementierung (50–100mg/kgKG per os, alle 8 Stunden) an, schätzen diese allerdings nicht als obligatorisch ein. Untersuchungen in der Humanmedizin weisen darauf hin, dass Patienten ohne Carnitinmangel nicht von einer Ergänzung profitieren.
Coenzym Q10
Coenzym Q10 ist wie das Carnitin ein Cofaktor bei zahlreichen zur Energieproduktion notwendigen Reaktionen und besitzt darüber hinaus eine stark antioxidative Wirkung. Coenzym- Q10-Mangel wird als mögliche Ursache der DKMP vermutet, bis jetzt liegt jedoch kein Nachweis über diesen Zusammenhang vor. Von einigen humanmedizinischen Untersuchungen, die unkontrolliert durchgeführt wurden, liegen vielversprechende Resultate vor. Berichte über Erfolge mit Coenzym Q10 bei Hunden mit DKMP existieren nur aus Einzelfallberichten. Zur genauen Beurteilung der Wirksamkeit dieser Substanz müssen kontrollierte prospektive Studien durchgeführt werden. Die aktuell empfohlene Dosierung liegt bei 30mg per os zweimal täglich, bei großen Hunden werden bis zu 90mg per os zweimal täglich empfohlen. Unklar ist, ob die positiven Wirkungen der Supplementierung auf die Korrektur eines Mangels oder auf pharmakologische Effekte des Coenzyms Q10 zurückzuführen sind.
Antioxidantien
In den Medien wird Antioxidantien wegen ihrer potenziellen Rolle in der Prävention und Therapie von Herzerkrankungen beim Menschen große Aufmerksamkeit geschenkt. Reaktive Sauerstoffradikale sind ein Nebenprodukt des Sauerstoffumsatzes, die der Körper normalerweise mit Hilfe endogener Antioxidantien bekämpft. In bestimmten Situationen kann jedoch ein Ungleichgewicht zwischen der Oxidantienbildung und den antioxidativen Schutzmechanismen des Körpers entstehen. Antioxidantien können endogen gebildet werden, sie können aber auch zugeführt werden. Die wichtigsten Vertreter sind enzymatische Antioxidantien (z.B. Superoxiddismutase, Katalase, Glutathionperoxidase) und Radikalfänger (z. B. Vitamin C, Vitamin E, Glutathion und β-Carotin). In der Humanmedizin ist die kardiologische Forschung am umfangreichsten auf dem Gebiet der koronaren Herzerkrankungen erfolgt. Jüngste Untersuchungen an Hunden mit DKMP weisen auf einen erhöhten oxidativen Stress im Vergleich zu gesunden Artgenossen hin und zeigen, dass die Vitamin-E-Konzen-trationen mit dem Fortschreiten der Erkrankung absinken.22 Eine Supplementierung mit Antioxidantien scheint also eine viel versprechende Behandlungsmöglichkeit für Hunde und Katzen mit Herzerkrankungen zu sein, wenngleich noch weitere umfangreiche Untersuchungen notwendig sind.
Die zunehmende Anzahl der angebotenen Tierfuttermittel ist heute so groß wie nie zuvor und erschwert unsere Entscheidung für das richtige Produkt im Einzelfall. Für Hunde und Katzen mit Herzerkrankungen stehen therapeutische Diäten mit stark reduziertem Natriumgehalt zur Verfügung. Daneben gibt es zahlreiche Produkte mit moderat verringertem Natriumgehalt, die für Patienten mit Herzerkrankungen im frühen bis mittleren Stadium prinzipiell geeignet sind. Problematisch ist jedoch, dass ihr Gehalt an Protein, Fett, Magnesium, Kalium, Fettsäuren und anderen Nährstoffen zum Teil sehr unterschiedlich ist, sodass eine sorgfältige Auswahl des richtigen Produktes erforderlich ist. Die Wahl der geeigneten Diät für den einzelnen Patienten hängt vom Stadium der Erkrankung, den klinischen Symptomen, labordiagnostischen Befunden und nicht zuletzt von der Akzeptanz des Produktes und dem Appetit des Tieres ab. Einige Diäten haben zwar den gewünschten Natriumgehalt, sind aber zu proteinarm für einen kachektischen Patienten, zu fettreich für ein adipöses Tier oder zu kaliumhaltig für einen Patienten, der mit einem ACE-Hemmer behandelt wird. Eine Grundvoraussetzung für jede Diät ist jedoch, dass sie ausreichend schmackhaft ist und vom Patienten akzeptiert wird. Futtermittelsupplemente besitzen ein enormes Potenzial bei der Behandlung von Patienten mit Herzerkrankungen, entweder, in dem sie einen bestehenden Mangel korrigieren oder aufgrund ihrer pharmakologischen Wirkungen. Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass noch umfangreiche Untersuchungen und zusätzliche Informationen erforderlich sind, damit beantwortet werden kann, welche Bedeutung diese Substanzen für Herzerkrankungen haben, in welchen Fällen sie angewendet werden sollen oder in welchen nicht und welches die optimalen Dosierungen sind. Umfangreiche Erkenntnisse über die diätetische Behandlung von Krankheiten wurden im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte und werden mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren gewonnen. Wir können deshalb gespannt sein auf die neuen Informationen und Entwicklungen auf dem Gebiet der diätetischen Beeinflussung von Herzerkrankungen bei Hunden und Katzen.
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