(1) Diabetes mellitus
Diabetes mellitus ist eine chronische, endokrine Erkrankung, die durch einen gestörten Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel gekennzeichnet ist. Es ist die klinische Manifestation eines absoluten oder relativen Insulinmangels. Einer oder mehrere der folgenden Faktoren können Diabetes mellitus verursachen:
Diabetes mellitus kann somit nicht als einzelne Erkrankung mit einer einzigen Krankheitsursache betrachtet werden, sondern ist vielmehr eine heterogene Gruppe von durch Hyperglykämie charakterisierten Gesundheitsstörungen. Das Wissen um die verschiedenen Arten des Diabetes mellitus beim Hund und deren Ätiologien ermöglichen für jeden einzelnen, spezifischen Fall eine gezielte Behandlung und eine exakte Prognose. Obwohl die derzeitigen Diätempfehlungen für praktisch alle häufig beim Hund vorkommenden Arten des Diabetes ähnlich lauten, sollte man bei der Zusammensetzung der Diät individuelle zusätzliche Störungen (z.B. Adipositas, chronische Niereninsuffizienz, andere konkomitante Erkrankungen) berücksichtigen.
Da beim Diabetes mellitus der Stoffwechsel der Grundnährstoffe gestört ist, spielt die Ernährung bei der Behandlung eine besondere Rolle. Die diätetische Behandlung von Diabetikern stützt sich auf die Kontrolle von Proportion und physikalischer Form der energieliefernden Nährstoffe (Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate). Besonders der Kohlenhydratstoffwechsel ist bei Diabetes chronisch gestört, und die heute übliche Therapie zielt auf die Nutzung geeigneter Kohlenhydratquellen ab.
Die mittlerweile überholte Behandlungsphilosophie der Humanmedizin, bei Diabetes mellitus eine kohlenhydratarme und fettreiche Diät zu verschreiben, basierte auf der Annahme, daß angesichts des Unvermögens der Diabetiker, ihre Blutzuckerspiegel zu regulieren, die Zuckerzufuhr mit der Nahrung zu reduzieren sei. Fett als alternativer Energielieferant kann auch vom diabetischen Organismus gut verwertet werden und stellt jenes Substrat dar, das der Körper kurzfristig (Minuten/Stunden) in Ermangelung einer entsprechenden Kohlenhydratversorgung auch auf natürlichem Weg mobilisieren würde. Auf lange Sicht jedoch (Tage/Monate) kann der kontinuierliche Transport und Stoffwechsel des mit der Nahrung zugeführten oder gespeicherten Fettes zu klinischen Komplikationen wie Fettleber oder sekundärer Pankreatitis führen. Ketoazidose ist die Folge einer Akkumulation der durch exzessiven Fettstoffwechsel in der Leber produzierten Ketonkörper. Aus diesem Grund sollte die Diät einen reduzierten Fettgehalt aufweisen. Diese Beobachtungen stammen zur Gänze aus der Humanmedizin. Angesichts der Tatsache jedoch, daß bislang keine konkreten Untersuchungsergebnisse für diabetische Hunde vorliegen und daß andererseits das Auftreten von Pankreaserkrankungen (exokrine Pankreasinsuffizienz, Pankreatitis) bei Hunden mit Diabetes mellitus bekannt ist, erscheint es als durchaus legitim und vernünftig, die Erkenntnisse der Humanmedizin auf die Tiermedizin zu extrapolieren.
Die heutigen Empfehlungen für die diätetische Therapie des Diabetes mellitus beim Hund schreiben eine schmackhafte Diät mit ausgewogenem Nährstoffprofil und den folgenden Charakteristika vor:
Der Hauptbestandteil einer solchen Diät, der das gesamte Nährstoffprofil prägt, sind die Kohlenhydrate, das bevorzugte Substrat der Säugetiere zur Energiegewinnung. Diabetiker haben beträchtliche Probleme mit der Regulierung ihrer Blutzuckerspiegel, und auch bei passend eingestellter Insulintherapie kann es während des Tages immer wieder zu großen Schwankungen der Glukosekonzentrationen im Blut, und somit zur unregelmäßigen Versorgung des metabolisierenden Gewebes kommen. Sind die Kohlenhydratquellen des Futters jedoch richtig gewählt, kann der Darm als Speicher dienen, der den Zucker langsam und über einen längeren Zeitraum an das Blut abgibt. Bei richtiger Steuerung ist dieser Effekt die optimale Ergänzung der exogenen Insulinwirkung.
Es gibt zwei Arten von Kohlenhydraten, nämlich die komplexen Kohlenhydrate und die Monosaccharide. Die Polysaccharide werden unterteilt in Stärke und die in der Nahrung enthaltene Rohfaser, die alle auf einer gemeinsamen strukturellen Einheit (üblicherweise Glukose) basieren. Die spezifischen Eigenheiten der verschiedenen Arten von Polysacchariden werden durch die Anzahl der Verknüpfungen zwischen den Einheiten (von zwanzig bis zu mehreren Tausenden), bzw. durch die Art, wie diese miteinander verbunden sind, bestimmt. Stärke und Zellulose sind z.B. langkettige Polymere, die zur Gänze aus Glukose bestehen; der einzige Unterschied in ihrer chemischen Struktur besteht im Typus der chemischen Verbindung zwischen den einzelnen Glukoseeinheiten (Abbildung 1). Säugetiere sind deshalb in der Lage, Stärke zu verdauen, weil sie das geeignete Enzym (Amylase) zur Hydrolysierung der alpha-1,4-Bindungen besitzen, während hingegen kein Säugetier die beta Zellulasen produziert, die zum Abbau der beta-1,4-Bindungen6 der Zellulose notwendig sind. Somit ist Zellulose, wie alle anderen pflanzlichen Faserstoffe, für den Dünndarm des Säugetiers unverdaulich.
Einfachzucker (z.B. Glukose, Saccharose und Laktose) werden relativ schnell aus dem Dünndarm resorbiert und können dadurch rasche Änderungen des Blutzuckerspiegels bewirken. Sie sind aus diesem Grund für Diabetiker generell kontraindiziert, obwohl es andererseits genau diese Eigenschaft der Monosaccharide ist, die man sich bei der Bekämpfung der hypoglykämischen Attacken zunutze macht.

Stärke hingegen wird relativ langsam verdaut, so daß die Glukose während eines Zeitraums von mehreren Stunden schrittweise an den Blutkreislauf abgegeben wird.
Bestimmte Formen der Rohfaser sind Diabetikern dadurch zuträglich, daß sie die Geschwindigkeit der Verdauungsaktivität im Dünndarmlumen verlangsamen und damit auch die postprandiale Nährstoffaufnahme. Dieser Effekt ergibt in Synergie mit der verzögerten Verdauung der Stärke eine optimale Verlangsamung der Zuckerausschüttung vom Darmlumen in den Kreislauf.19,21
Manche der "löslichen" Rohfasern werden durch die Hydrierung viskös, und genau von dieser Art von Rohfaser nimmt man an, daß sie für den diabetischen Humanpatienten von größtem therapeutischen Nutzen ist. Guar ist die bislang am genauesten erforschte "visköse" Faser. Untersuchungen haben gezeigt, daß Guar die postprandialen Anstiege der Plasmakonzentrationen von Glukose und Insulin sowohl bei Gesunden als auch bei Diabetikern verringert. Zusätzlich kann Guar den Plasmacholesterinspiegel bei diabetischen, gesunden und hyperlipidämischen Menschen senken. Man nimmt an, daß dieser Effekt durch die Interaktion mit dem Gallensäurekreislauf vermittelt wird, da die Fettresorption nicht direkt betroffen ist.
Auch die unlöslichen und nichtviskösen Rohfasern sind mit signifikanten Besserungen sowohl bei den durchschnittlichen Blutzuckerspiegeln als auch im 24-Stunden-Profil in Zusammenhang gebracht worden.9 Es konnte nachgewiesen werden, daß 20 g Weizenkleie, täglich auf das Futter gestreut, bei gesunden und diabetischen Hunden die Hyperglykämie während mindestens vier Stunden nach der Futteraufnahme eindämmt. Bei Verwendung von Guar kann allerdings ein noch stärkerer Effekt erzielt werden.
Um eine optimale Wirkung aus dem vermehrten Zusatz von Rohfaser zum Futter zu erzielen, scheint eine Mischung aus visköser und unlöslicher Rohfaser am geeignetsten.16 Da visköse Rohfaser eine günstigere Wirkung zeigt, werden davon geringere Mengen benötigt.
(2) Andere Anwendungsbereiche
ROYAL CANIN Diabetic ist ebenfalls indiziert bei einer Reihe von sogenannten "rohfaserreaktiven" Erkrankungen wie Dickdarmdiarrhoen und Obstipation. Eine Diät mit hohem Rohfaseranteil ist auch bei Motilitätsstörungen des Magens und unter Umständen auch beim Kolonkarzinom von therapeutischem Wert, wobei letzteres in der Humanmedizin jedoch noch umstritten ist.
Dickdarmdiarrhoen
Die Behandlung von Dickdarmdiarrhoen mit Hilfe von rohfaserreichen Diäten ist bei Hunden bis zu einem gewissen Grad wissenschaftlich untersucht worden.11,25 Der Zusatz von sowohl löslicher als auch unlöslicher Rohfaser kann bei der symptomatischen Therapie von manchen Erkrankungen des Dickdarms deshalb von Nutzen sein, weil Rohfaser zur Normalisierung der Darmpassagezeiten und des fäkalen Wassergehalts beitragen kann. Zusätzlich stellt Rohfaser im Dickdarm auch eine wichtige Nährstoffquelle dar, weil sie durch Bakterien mittels partieller Fermentation zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut wird. Diese kurzkettigen Fettsäuren wirken auf dreierlei Weise: sie werden vom Kolon resorbiert und tragen zur Energiebilanz des Tieres bei; sie säuern das Milieu im Kolon an; sie erhöhen das Kotvolumen dadurch, daß sie mittels osmotischer Wirkmechanismen Wasser in die Fäzes ziehen. Die kurzkettigen Fettsäuren, insbesondere Butyrat, werden somit von den Kolonzellen zur Energiegewinnung herangezogen10,22 und sind einem gesunden Kolon offenbar zuträglich. Theoretisch spielt die Rohfaser (besonders die lösliche, fermen-tierbare) bei der Regeneration der geschädigten Schleimhaut eine gewisse Rolle.
Abgesehen von diesen Erkenntnissen ist die exakte Zusammensetzung einer zur Behandlung von idiopathischer Kolitis beim Hund am besten geeigneten Diät in letzter Zeit viel diskutiert worden. Einige Forscher berichteten von nur minimalem Erfolg mit sämtlichen Diäten,13 während andere mit hochverdaulichen, relativ hypoallergenen Diäten erfolgreich waren.12,17,20 Wieder andere Untersuchungen beschrieben vielversprechende Wirkungen von vorwiegend auf Fleischbasis hergestelltem Diätfutter mit Rohfaserzusatz.2 Die erfolgreiche Behandlung von idiopathischer Kolitis wurde Berichten zufolge in einer Reihe von Fällen mit "Sensitivity Control" erzielt.23 In einer Vergleichsstudie wurde festgestellt, daß die mit "Sensitivity Control" gefütterten Patienten eine geringere Medikation zur Rezidivvorbeugung benötigten und daß sie außerdem längere Zeit in Remission blieben.26 Diese Aussagen sprechen dafür, daß "hypoallergene" Diäten vielleicht noch besser zur Behandlung der idiopathischen Kolitis des Hundes geeignet sind als Diäten, die nur einen hohen Rohfasergehalt aufweisen.
Dennoch hat sich die vermehrte Zufuhr von Rohfaser mit dem Futter bei vielen Formen der Dickdarmdiarrhoe als therapeutisch wertvoll erwiesen. So war bei sieben von acht Hunden mit idiopathischer Dickdarmdiarrhoe eine deutliche Besserung nach Fütterung einer Schondiät mit Rohfaserzusatz beobachtet worden.7
Neuere Studien weisen auf den therapeutischen Nutzen von rohfaserreicher Diät auch bei der Behandlung und Prävention von Diarrhoe, die von Clostridium perfringens verursacht wurde, hin. Genaue Empfehlungen hinsichtlich der am besten geeigneten Rohfaserart stehen noch aus, doch scheint die Kombination von löslicher und unlöslicher Rohfaser am günstigsten zu sein.24
Obstipation
Ein unbestrittener Erfolg wird den an unlöslicher Rohfaser reichen Diäten bei der Behandlung von Obstipationen bescheinigt. Man geht davon aus, daß die positive Wirkung in der vergrößerten Kotmenge liegt, die die Kolonmotilität durch Dehnen der Kolonmuskeln verstärkt und den Darm zu kräftigeren, aber selteneren Kontraktionen anregt. Lösliche Rohfaser trägt dadurch, daß sie Wasser im Darmlumen zurückhält, zusätzlich zur Bildung größerer Kotvolumina bei. Eine Kombination von löslicher und unlöslicher Rohfaser erscheint somit auch zur Prävention einer Obstipation optimal.
Erkrankungen des Magens
Normalerweise sind rohfaserreiche Diäten bei Magenerkrankungen nicht indiziert. Eine Ausnahme stellt das Krankheitsbild der ungewöhnlich raschen Magenentleerung dar. Man vermutet, daß bei dieser Krankheit Diäten mit hohem Gehalt an Rohfaser durch die Gelbildung und die dadurch verzögerte Magenentleerung wirksam sind. Empfehlungen hinsichtlich Faserart und -menge liegen jedoch noch nicht vor.4
Weitere Anwendungsbereiche
Die Fütterung von rohfaserreicher Diät wird auch bei einer Reihe von an sich nicht pathologischen Verdauungsproblemen als prophylaktisch wirksam erachtet. Tiere mit "empfindlicher Verdauung" oder schlechter Kotqualität profitieren oftmals von der erhöhten Aufnahme von Rohfaser. Die Fermentation von Rohfaser im Dickdarm erzeugt Metaboliten, die vorwiegend von der Kolonschleimhaut verstoffwechselt werden und die die Gesundheit bzw. Regeneration des Gewebes fördern.
Kohlenhydrate
Die Diät sollte reich an komplexen Kohlenhydraten sein und keine Einfachzucker enthalten
Der hohe Rohfaseranteil des Futters beschleunigt die Darmpassagezeiten und verlangsamt die Verdauung im Dünndarm, wodurch die Geschwindigkeit der postprandialen Aufnahme von Nährstoffen verzögert wird. Dies trägt zur Glättung der postprandialen glykämischen Spitzen bei und ermöglicht eine bessere Steuerung des Blutzuckerspiegels beim diabetischen Hund.
Die Normalisierung der Darmpassagezeiten ist bei einer Vielzahl von Gastrointestinal-erkrankungen, einschließlich Obstipation und Dickdarmdiarrhoen, von Vorteil.
Der Rohfasergehalt des Futters ist von positiver Wirkung auf die Gesundheit des gesamten Magen-Darm-Traktes und für die Prävention und Therapie einer Reihe von chronischen Gastrointestinalkrankheiten von Bedeutung. Der enzymatische Abbau der löslichen Rohfaser im Dickdarm erzeugt Metaboliten, die der Gesundheit und Regeneration der Kolonzellen förderlich sind. Die physikalische Aktivierung des Kolons durch die Rohfaser trägt unter Umständen dazu bei, die Schleimhaut des Kolons "entwickeln" zu helfen.
Für viele Krankheiten ist die Kombination aus löslicher (insbesondere solcher mit viskösen Eigenschaften) und unlöslicher Rohfaser die wirksamste Anwendungsweise.16
Stärke verlangt der Verdauungsfähigkeit des Dünndarms eine beträchtliche Leistung ab. Aus diesem Grund verläuft die Verdauung relativ langsam und die Glukoseabgabe an das Blut erfolgt ebenfalls langsam über einen ausgedehnten Zeitraum nach der Nahrungsaufnahme.
Einfachzucker sind mit abrupten Änderungen des Blutzuckerspiegels in Zusammenhang gebracht worden und gefährden jede Behandlung von Diabetes.
Fett
Ein hoher Fettgehalt kann Komplikationen verursachen und sollte vermieden werden
Der Hund braucht Fett in der Nahrung nur als Lieferant von essenziellen Fettsäuren und als Transportmedium für fettlösliche Vitamine. Obwohl die Schmackhaftigkeit durch Fett in der Nahrung erheblich gesteigert wird, sollte Fett dennoch nur in beschränkter Menge im Futter enthalten sein, weil – wie die Humanmedizin bestätigt – Diabetiker zur Entwicklung von Hyperlipidämie und anderen fettinduzierten Komplikationen neigen. Solange Untersuchungen am Hund keine anderslautenden Ergebnisse bringen, sollte die Fettrestriktion auch für diabetische Hunde empfohlen werden.
Eiweiß
Hinsichtlich des Eiweißgehaltes der Diät bestehen derzeit weder in der Human- noch in der Veterinärmedizin begründete Indikationen für eine spezielle Veränderung des Proteingehaltes der Ernährung von Diabetikern.
Antioxidanzien
Freie Radikale sind chemisch instabile Verbindungen, die vom Sauerstoff stammen und bei normalen Stoffwechselprozessen entstehen. Antioxidanzien helfen dem Organismus, freie Radikale abzuwehren, doch kann es in Phasen von übermäßigem oxidativen Streß zur Fettperoxidation, zur Schädigung der DNA und zum Zelltod kommen. Zu den Antioxidanzien zählen einerseits endogene Enzyme (z.B. Glutathionperoxidase, Superoxiddismutase) sowie andererseits Vitamine und Mineralstoffe.
In der Humanmedizin hat man bei Diabetikern festgestellt, daß bestimmte Parameter auf erhöhten oxidativen Streß hinweisen und bei Diabetikern im Vergleich zu gesunden Menschen erhöht sind, wie z.B. verringerte Aktivität der endogenen antioxidativen Enzymsysteme, verminderte Plasmakon-zentrationen an exogenen Antioxidanzien (Vitamin E und C, sowie Taurin), erhöhte TBAR-Spiegel (Indikatoren der Lipidperoxidation) und vermehrte Strangbrüche in der DNA von Lymphozyten.3,4,14,18 Obwohl keinerlei diesbezügliche Studien an diabetischen Hunden bekannt sind, kann man davon ausgehen, daß es auch bei an Diabetes erkrankten Kleintieren zu vermehrtem oxidativen Streß kommt.
Mineralstoffe und Vitamine
Der Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen sollte ausreichend hoch sein, um eventuelle Defizite abzudecken
Chrom
Wie Untersuchungen gezeigt haben, stellt Chrom sowohl bei Menschen wie auch bei Nagern mit Diabetes und Chrommangel einen wichtigen Faktor für die Kontrolle der Glykämie dar. Bei Hunden konnte ein Chrommangel bislang nicht festgestellt werden, weil praktisch alle handelsüblichen Futtermittel für Hunde Chrom in ausreichender Menge enthalten. Eine zusätzliche Chromsupplementierung der Diät für diabetische Hunde brachte hinsichtlich der Glykämiekontrolle keine Verbesserung. Die verminderte Bioverfügbarkeit einiger Mineralstoffe und Vitamine kann mit dem erhöhten Rohfasergehalt in Zusammenhang stehen.
Um eventuellen sich daraus ergebenden Defiziten vorzubeugen, enthält ROYAL CANIN Diabetic von allen Mineralstoffen und Vitaminen mindestens die eineinhalbfache Menge der NRC-Mindestwerte.
(1) Der Zusatz von behandelter und unbehandelter Rohfaser zu einer Diät mit hohem Stärkegehalt und die Wirkung dieser angereicherten Diät auf die postprandiale Glykämie und die Insulinämie bei gesunden Labrador Retrievern.
Gegenstand dieser wissenschaftlichen Studie war die Hypothese, daß die während des Herstellungsprozesses von Dosennahrung behandelte Rohfaser von geringerer physiologischer Aktivität sein könnte als ein der fertigen Ration beigemengter Rohfaserzusatz in Pulverform.15 Die Wirkung von drei Varianten einer Feuchtfutter-Diät mit hohem Stärkegehalt auf den postprandialen Glukose- und Insulingehalt im Blut wurde bei gesunden, nichtdiabetischen Labrador Retrievern untersucht. Die drei Diätvarianten waren folgendermaßen zusammengesetzt:
NF (Normal Fibre) – kein Rohfaserzusatz
NF + F – Rohfaserzusatz in Pulverform, der fertigen Ration vor dem Fressen
beigemengt
HF (High Fibre) – Rohfaser vor der Verarbeitung zu Dosenfutter beigemengt ("Diabetic", Feuchtnahrung)
Jede Diät wurde an vier Hunde nach dem Versuchsplan eines modifizierten Lateinischen Quadrats gefüttert, so daß jeder Hund jede Diät vier Wochen lang erhielt. Plasmaglukose- und Seruminsulinspiegel wurden jeweils am ersten und letzten Tag von jeder der vier verschiedenen Diätphasen gemessen, und zwar vor der Futteraufnahme und danach in Intervallen bis zu 240 Minuten nach dem Füttern. Die Ergebnisse sind in Abbildung 2a und 2b dargestellt. Es waren keine signifikanten Unterschiede in den postprandialen Plasmaglukosespiegeln zwischen den einzelnen Diäten zu beobachten, obwohl sich nach 4 Wochen eine gewisse Gewöhnung an die Diäten mit Rohfaserzusatz zeigte (d.h. die postprandialen Glukosespiegel stiegen leicht an). Die postprandialen Seruminsulinspiegel waren 20, 30 und 60 Minuten nach der Futteraufnahme bei NF signifikant (p<0,05) erhöht im Vergleich zu NF + F oder HF. Diese Ergebnisse zeigen, daß eine Diät mit hohem Stärke- bzw. Rohfasergehalt den für die Plasmaglukosehomöostase notwendigen Insulinbedarf reduziert und daß der Herstellungsprozeß von Diätnahrung in Dosen die physiologische Wirksamkeit der Rohfaser nicht mindert. Überträgt man diese Erkenntnisse auf diabetische Hunde, würde dies bedeuten, daß weniger exogenes Insulin erforderlich ist, um die Glykämie gut unter Kontrolle zu halten.


(2) Wirkung einer handelsüblichen Fertigdiät mit hohem Rohfasergehalt auf die postprandiale Glykämie bei natürlich an Diabetes erkrankten Hunden
Bei acht diabetischen Hunden, die "Diabetic" erhielten, wurde die Wirkung dieser Diät auf die postprandiale Glykämie untersucht.5 Diese Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Department of Veterinary Medicine der Universität Glasgow durchgeführt.
Bei jedem der diabetischen Hunde wurden die postprandialen Plasmaglukosespiegel überwacht, und zwar sowohl während der Fütterung mit dem gewohnten Futter als auch eine Woche nach der Umstellung auf eine kommerzielle Diät mit hohem Anteil an komplexen Kohlenhydraten ("Diabetic"). Die Tagesration eines jeden Hundes wurde in zwei Portionen aufgeteilt; die erste Portion wurde gleichzeitig mit der einmaligen täglichen Insulininjektion verabreicht, die zweite Mahlzeit sechs Stunden danach.
Plasmaglukosekonzentrationen wurden vor der Fütterung, sowie danach in Intervallen von bis zu 8 Stunden nach der zweiten Fütterung gemessen. Die zweite Mahlzeit wurde deshalb bevorzugt zur Untersuchung herangezogen, weil man davon ausging, daß die Plasmainsulinspiegel zu diesem Zeitpunkt weniger Streuung zeigten.
Die Ergebnisse zeigen (Abbildung 3a), daß mit der Fütterung von"Diabetic" der Blutglukosespiegel deutlich reduziert werden konnte und daß es zu glatteren und weniger unregelmäßigen post-prandialen Glykämiekurven kam.
Abbildung 3b zeigt die Veränderungen der 24-Stunden-Plasmaglukosekurve bei einem der diabetischen Hunde nach Übergang auf die Testdiät. Die Autoren schließen daraus, daß diese Diät aufgrund ihrer Zusammensetzung wertvolle Eigenschaften besitzt und bei der Behandlung von Hunden mit Diabetes mellitus über einen entscheidenden therapeutischen Wert verfügt.


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