Jedes Individuum ist durch eine Vielzahl von Merkmalen bestimmt, die zusammengefasst den sogenannten Phänotyp darstellen . Für eine Katze sind das Merkmale der Morphologie (Größe, Kopf- und Körperform, Augenform usw.), der Färbung ( Fell und Augen), aber auch der Physiologie (Auftreten der Läufigkeit, durchschnittliche Größe der Würfe) sowie psychologische Aspekte.
Verantwortlich für all diese Merkmale sind Proteine, das können entweder Strukturproteine oder Enzyme sein. Jedes Protein wird mit Hilfe eines Gens von den Zellen des Organismus produziert. Alle Gene zusammen sind in jedem Zellkern in Form von langen DNS-Ketten (Desoxyribonukleinsäure) eingeschlossen, die die Chromosomen darstellen. Bei den sogenannten „höheren" Lebewesen, zu denen auch die Katze gehört, sind in jeder Körperzelle sämtliche Chromosomen, das heißt sämtliche Gene doppelt vorhanden. Die Katze besitzt 19 identische Chromosomenpaare, das sind insgesamt 38 Chromosomen. Genau genommen trifft das so nur für die weibliche Katze zu. Denn ein Chromosomenpaar, und zwar das der Geschlechtschromosomen, weist eine Besonderheit auf. Die weibliche Katze besitzt zwei identische X-Chromosomen, der Kater dagegen 2 verschiedene Geschlechtschromosomen, ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom. Das Y-Chromosom entscheidet über die Entwicklung des Embryos zum männlichen Geschlecht. In der Pubertät produziert die Katze Fortpflanzungszellen, Gameten genannt (Eizellen für das Weibchen, Spermien für das Männchen). Eine Besonderheit der Gameten besteht darin, dass sie nur ein Exemplar von jedem Chromosomenpaar einschließen, also ein Exemplar von jedem der vom Reproduzenten in doppelter Ausführung besessenen Gene. Während der Befruchtung bildet das Sperma mit dem Ei eine Zelle, das künftige Kätzchen, das wiederum 38 Chromosomen besitzt, 19 von seiner Mutter und 19 von seinem Vater. Auf diese Weise übertragen also die Eltern die Hälfte ihrer genetischen Erbmasse auf ihre Nachkommen. Diese Nachkommenschaft wird sich durch einen Phänotyp auszeichnen, der das Ergebnis einer Kombination aller von beiden Elternteilen gelieferten Gene ist, woraus sich eine bestimmte Ähnlichkeit mit ihren Erzeugern erklären lässt. Zu den Freuden und Zielen der Züchter von Rassekatzen gehören die genetische Vervollkommnung ihrer Tiere. Dazu müssen sie ermitteln, welche Gene die Gesamtheit der Tiere einer gegebenen Rasse besitzen, um in der Zucht die interessantesten Gene zu begünstigen. Das wird Selektion genannt. Anschließend paart der Züchter die hinsichtlich ihrer Gene komplementären Tiere, um eine Nachkommenschaft hervorzubringen, die die ästhetischen Qualitäten der Rasse verbessert. Das bezeichnet man als zweckgerichtete Paarung, und der Wissenschaftszweig, der sich mit derartigen Methoden beschäftigt, ist die Genetik. Wir wollen uns nun der Frage zuwenden, wie die Züchter arbeiten und welchen Gesetzen die Genetik folgt. Damit die Thematik für alle verständlich ist, möchten wir uns stark vereinfachter Darstellungen bedienen: wir werden uns auf Gene beschränken, die für die Länge der Haare und die Farbe des Fells verantwortlich sind, und werden die Genetik der Farbgebung des Katzefells in ein Kartenspiel umwandeln! Möchte der Leser dennoch zwischen den hier und den in der Genetik verwendeten Begriffen vergleichen, lohnt sich ein Blick auf nebenstehende Tabelle.

