Ernährung und Gesundheit

Wir haben bis jetzt die verschiedenen Situationen bei der gesunden Katze erläutert und wollen uns jetzt der Rolle der Ernährung in der Vorbeugung und Behandlung einiger Krankheiten zuwenden. Bestimmte Verhaltensweisen in der Ernährung sind gefährlich und sollten unterbleiben. Bei einer jungen, gesunden Katze führen zu hohe Fettkonzentrationen im Futter zu Übergewicht. Die ausschließliche Ernährung mit Leber (sehr beliebt bei Katzen) führt durch die Überversorgung mit Vitamin A unvermeidlich zu Knochen- und Gelenkschäden und kann schließlich die Wirbelsäule vollständig versteifen lassen. Wenn man eine fettleibige Katze fasten lässt, selbst wenn dies nur in Maßen geschieht, kann dies zu Leberlipidose führen. Häufige Veränderungen in der Ernährung schaffen die Grundlage für Verdauungsstörungen, Erbrechen und Durchfall.

Die Leberlipidose

Bei der Katzenleberlipidose häuft sich in der Leber eine so gewaltige Menge an Fett an, dass die Funktion dieses Organs zum Erliegen kommt. Diese Erkrankung wird auch "Fettlebersyndrom" genannt. In den USA, dem Land mit der höchsten Rate an fettleibigen Katzen, ist dies die häufigste Lebererkrankung. Sie kommt meist bei Tieren im Alter von 4 bis 12 Jahren, öfter bei kastrierten als bei intakten und öfter bei Weibchen als bei Männchen vor. Diese Zielgruppe leidet auch am häufigsten unter Fettleibigkeit. Interessanterweise entwickelt sich die Krankheit dann, wenn eine übergewichtige Katze nicht mehr frisst. Eine solche Appetitlosigkeit ist vielleicht mit der psychisch bedingten Appetitlosigkeit des Menschen vergleichbar und kann durch Stress ausgelöst werden. Als Ursachen hierfür kommen verschiedene Erkrankungen, Änderungen in Gewohnheiten oder des Wohnortes, die Aufnahme eines anderen Tieres oder einer anderen Person in den Haushalt und auch ein plötzlicher Futterwechsel in Frage. Eine Katze ist durchaus fähig, Futter, das sie nicht mag, einfach nicht zu fressen und neben einem vollen Napf zu verhungern, im Gegensatz zum Hund. Wenn sich mehrere Tiere im Haushalt befinden, bemerkt man dieses Verhalten vielleicht gar nicht, besonders deshalb, weil die Katze trotzdem ihre gute Laune behält. Manchmal bemerkt die Halterin oder der Halter eine leichte Gewichtsabnahme und ist froh darüber. Dieser Gewichtsverlust entspricht zwar einerseits dem Verbrauch von Fettreserven, andererseits wird jedoch auch Muskelgewebe abgebaut, da die Erneuerung der körpereigenen Proteine nicht durch Zufuhr mit der Nahrung wettgemacht werden kann. Wenn die Katze nicht mehr frisst, kann die Leber plötzlich ihre Arbeit einstellen, manchmal nach Wochen, möglicherweise jedoch auch schon nach einigen Tagen, und die Anzeichen der Leberlipidose treten auf: Gelbsucht und Schädigungen des Gehirns (leerer Blick, übermäßige Speichelbildung), die nach einigen Tagen zum Koma und dann zum Tode des Tieres führen. Da diese Symptome auch bei anderen Krankheiten, insbesondere bei Leberversagen aus anderen Gründen, zu beobachten sind, muss für eine sichere Diagnose eine Leberprobe analysiert werden. Die Behandlung muss durch den Tierarzt erfolgen. Es handelt sich hauptsächlich um diätetische Maßnahmen. Das Tier wird mittels einer Spritze oder einer Magensonde und einer speziellen Flüssignahrung zwangsernährt, bis sein natürlicher Appetit wieder hergestellt ist. Meist frisst die Katze nach zwei oder drei Wochen von selbst wieder. Der Wechsel zur selbstständigen Nahrungsaufnahme muss langsam mit sehr kleinen Mahlzeiten eingeleitet werden. Wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird und eine geeignete Behandlung erfolgt, ist die Prognose günstig. Wenn man möchte, dass eine übergewichtige Katze abnimmt, sollte man zur Vorbeugung der Leberlipidose genau das Verhalten des Tieres beobachten. Insbesondere muss der Appetit der Katze bei der Umstellung auf das neue Futter überwacht werden. In jedem Falle sollte eine Nahrungsumstellung nach und nach erfolgen. Hierzu ersetzt man am besten während eines Zeitraumes von etwa zwei Wochen das alte Futter stufenweise durch das neue.

Lebensmittelalergien

Eine Lebensmittelallergie ist eine Unverträglichkeit von einem, vom Körper als fremd eingestuften Stoff, der von einer gesunden Katze problemlos verdaut wird. Einige Nahrungsmittel werden vom Immunsystem nicht "erkannt" und lösen daher eine Folge von Abwehrreaktionen aus. Meistens handelt es sich bei diesen Verbindungen um Proteine. Lebensmittelallergien verursachen hauptsächlich einen starken Juckreiz, der meist die Hautpartien des Kopfes, der Ohren, des Halses und der Vorderläufe betrifft. Begleitend können Verdauungsstörungen (Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen) auftreten Diese Allergien sind sehr selten und bei der Katze nur zu 1 % an Hautkrankheiten beteiligt. Man darf sie nicht mit solche Unverträglichkeitsreaktionen gegen Lebensmittel verwechseln, die nichts mit dem Immunsystem zu tun haben (Unverträglichkeit von Milch oder von Histamin in minderwertigem Futter, übermäßige Gärungsprozesse im Dickdarm usw.). Die Diagnose der Lebensmittelallergie ist übrigens sehr schwer zu stellen. Die auftretenden Symptome müssen mit der Aufnahme eines bestimmten Lebensmittels in Verbindung gebracht werden. Hierzu bedient man sich einer sogenannten Eliminationsdiät, die sich aus einer begrenzten Anzahl von Inhaltsstoffen zusammensetzt, die nicht zu den üblicherweise verspeisten Zutaten gehören. Diese Diäten umfassen oft Lamm- oder Pferdefleisch, da diese Lebensmittel selten im Katzenfutter verwendet werden. Wenn die Symptome verschwinden (dies kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern), wird eine Provokationsprobe durchgeführt, bei dem das zuvor gegebene Futter verwendet wird. Wenn sich daraufhin die Symptome wieder einstellen (im Zeitraum von höchstens einer Woche), kann man sicher von einer Lebensmittelallergie ausgehen. Zur Behandlung wird dann ein allergenarmes Futter eingesetzt.

Ernährung und Harnsteine

Lassen Sie uns gleich zu Beginn etwas klarstellen: Harnsteine werden nicht durch Kroketten verursacht ! Es stimmt aber, dass Katzen öfter als andere Tierarten an Harnsteinen leiden, die Häufigkeit ist aber dennoch gering (1 %). Die Kenntnisse über dieses Thema haben sich in den letzten Jahren sehr vertieft. So wissen wir heute, dass es bei der Katze verschiedene Sorten von Harnsteinen gibt, und die ernährungswissenschaftliche Herangehensweise ist je nach Zusammensetzung dieser Steine verschieden. Es sei bemerkt, dass Harnwegstörungen nicht mit Harnsteinbildung gleichzusetzen sind. Nierenerkrankungen, Blasen- entzündungen (durch Bakterien oder Tumoren) sind andere, ebenfalls häufige Ursachen. Die Symptome, die durch Harnsteinbildung hervorgerufen werden, führen zur Ausbildung eines "urologischen Syndroms der Katze". Dies ist ein ungenauer Ausdruck, der in die übernommen wurde, doch man sollte besser von einer Erkrankung des unteren Harnweges sprechen. Die beobachteten Symptome sind recht typisch: Die Katze muss häufig urinieren, zeigt dabei Schwierigkeiten und Schmerzen, und der Harn enthält Blut. Der Transport der Harnsteine durch die unteren Harnwege kann zu einer Verstopfung der Harnleiter führen, was zur Folge hat, dass die Katze nicht mehr urinieren kann. Ohne medizinische Hilfe stirbt das Tier dann 24 bis 48 Stunden später.

 

Die Struviturolithiase (Struvitharnsteinkrankheit):

Bevor in den 90ger Jahren die meisten Futtermittelhersteller die Zusammenstellung des Futters verbesserten, waren die Harnsteine aus Ammoniak-Magnesiumphosphaten oder Struvitharnsteine die weitaus häufigsten. Sie treten bei relativ jungen Katzen (zwischen 1 und 6 Jahren) auf. Weibliche und männliche Tiere sind gleichermaßen betroffen, die Steine können bei den Männchen jedoch schwerer ausgeschieden werden, denn der anatomische Bau ihrer Harnwege ist hierfür ungeeigneter als bei den Weibchen. Kastrierte, übergewichtige und wenig aktive Hauskatzen urinieren in der Regel seltener und sind durch die lange Verweildauer des Harnes eher von Harnsteinbildung betroffen. Der pH-Wert des Urins ist bei weitem der einflussreichste Faktor bei der Entstehung von Struvitharnsteinen. Es ist heute bekannt, dass leicht saurer Urin (pH-Wert unter 6,5) die Bildung der Steine verhindert. Basischer Urin dagegen, besonders wenn er viel Magnesium enthält, begünstigt die Ablagerung von Mineralien. Was das für die Ernährung bedeutet, ist klar: Das Futter sollte den Harn saurer machen und nur begrenzt Magnesium enthalten (weniger als 400 mg/1.000 kcal). Durch die Auswahl der Proteine kann man den pH-Wert verändern: Tierische Proteine säuern im allgemeinen den Harn im Gegensatz zu den meisten pflanzlichen. Man kann sich auch mit Säuerungsmitteln, wie beispielsweise Methionin, Ammoniumchlorid oder Phosphorsäure behelfen, wobei letztere am erfolgsversprechendsten ist. Der Harn darf aber auch nicht zu sauer werden ("Azidose"), denn eine chronische Azidose kann bei erwachsenen Katzen zu Kaliumverlusten führen. Schließlich ist auch bei sehr jungen und sehr alten Katzen von einer Säuerung des Harnes abzuraten. Das Wachstum der Jungen kann hierdurch verzögert und die Knochen können entmineralisiert werden. Katzen, die über 10 Jahre alt sind, leiden an anderen Arten von Harnsteinen, bei denen im Gegenteil ein wenig saurer Harn vorteilhaft ist.

Die Oxalaturolithiase (Oxalatharnsteinkrankheit):

Früher waren Harnsteine aus Oxalat sehr selten, doch durch die oben genannten Vorbeugungsmassnahmen ist ihre Häufigkeit stark angestiegen. Meist sind recht alte Katzen betroffen. In der Regel handelt es sich um Kater, kastrierte oder intakte, und auch einige Rassen (Burmakatze, Colourpoint(Himalayan), Perserkatze) sind anfälliger als andere. Die Steine bilden sich in basischem (alkalischem), stark oxalat- und kalziumhaltigem Urin. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten begünstigen die Bildung der Oxalatharnsteine. Hierzu gehören ein hoher Anteil von Natrium, Vitamin D und/oder Laktose (Milchzucker) im Futter, sowie eine ballaststoff- und phosphorarme Nahrung, da diese die Aufnahme von Kalzium im Darm erhöht. Das ideale Futter sollte den Harn nicht säuern, viel Magnesium und wenig Kalzium enthalten. Das Gegensätzliche vereinen: Wir können sehen, dass die Empfehlungen zur Ernährung im Sinne der Vorbeugung von Harnsteinbildung bei Struvit- und Oxalatharnsteinen gegensätzlich sind. Wir müssen also einen Mittelweg finden. Wenn das Futter selbst schon säuernd wirkt, sollten keine Säuerungsmittel zugegeben werden. Der pH-Wert des Urins sollte bei etwa 6,5 gehalten werden, doch im Falle von Struvitsteinen kann der Harn gesäuert werden, um die Steine aufzulösen (bevor solche Maßnahmen ergriffen werden, müssen die Steine analysiert werden). Säuernde Futter sollten nicht an sehr junge oder sehr alte Tiere verfüttert werden. Einfluss der Ernährungsweise: Abgesehen von der Futterzusammensetzung ist auch die Art und Weise der Fütterung von Bedeutung. Da die Konzentration der Mineralien im Urin bei der Ablagerung in Steinform eine Rolle spielt, ist es sinnvoll, den Harn so stark wie möglich zu verdünnen, damit häufig uriniert werden kann. Deswegen muss die Katze stets frisches Wasser zu ihrer freien Verfügung haben. Der eigentliche Wert der Nahrung spielt auch eine Rolle, d.h. wenn das Futter sehr gut verdaulich und energiehaltig ist, werden Wasserverluste mit dem Kot vermieden. Es konnte gezeigt werden, dass der saure Magensaft bei der Verdauung den Urin alkalischer macht, und zwar umso mehr, je mehr gefressen wurde. Aus diesem Grunde empfehlen wir kleine, häufige Mahlzeiten. Wenn die Katze sich selbst mit Trockenfutter bedienen kann (im Rahmen der empfohlenen Tagesration), trinkt sie von selbst so viel, wie sie braucht. Dies hilft, den pH-Wert des Harns zu halten. Bei sehr heißem Wetter muss die Katze sich an einen kühlen Ort zurückziehen können, denn der pH-Wert des Urins verändert sich deutlich bei extremen klimatischen Bedingungen.

Man sollte Acht geben, dass die Tiere ihr Idealgewicht behalten. Die Neigung zum Dickwerden ist am stärksten im Alter von etwa 7 Jahren, Katzen, die älter als 10 Jahre sind, wiegen dagegen eher zu wenig. Für sie kann der Fettgehalt im Futter ohne Bedenken angehoben werden, wobei der Proteinanteil angemessen bleiben muss.

zur Hundeweltzur Katzenwelt