Anatomie
Der Verdauungstrakt
Die Mundhöhle oder Maul genannt, wird von den Lippen begrenzt: Eine Oberlippe mit starken Barthaaren (Sinnes- oder Schnurrhaare) und einer fast geradlinigen Unterlippe. Auf dem Gaumen bildet die Schleimhaut wenige gewölbte Zackenquerleisten. Die Zunge ist kurz, breit und ohne Mittelfurche. Verhornte und rachenwärts gerichtete Papillen auf der Zunge dienen der Körperpflege. Das Gebiss ist durch die stark entwickelten Eckzähne, die verkleinerten Schneidezähne und die funktionelle Anpassung der Backenzähne, deren vordere (Prämolare) dem Schneiden und die hinteren (Molare) dem Zerkleinern dienen, gekennzeichnet.
Zwei aufeinanderfolgende Zahnungen:
Das sind:

Gebiss der ausgewachsenen Katze
A obere Schneidezähne
B untere Schneidezähne
4+5 Eckzähne (obene und unten)
6-8 Prämolare (P2, P3, P4)
9 Molare (M1 oben)
10+11 Prömoare (P3)
12 Molare (M1 unten)
8+12 Reißzähne
Die Schneidezähne sind sehr klein und eng nebeneinanderliegend. Die Eckzähne sind spitz und haben eine gleichmäßig konische Form. Unter den Backenzähnen dient der letzte vordere Backenzahn oben (P3) und der einzige Backenzahn unten (M1) als Reißzahn. Der Rachen verbindet das Maul mit der Speiseröhre und mit den Nasenhöhlen. Die Speiseröhre ist lang, breit und sehr dehnbar. Der Magen hat ein Volumen von 300 bis 350 ml. Kennzeichnend ist der kurze Darm. Der Dünndarm misst zwischen 1m und 1,7m und der sehr kurze Dickdarm zwischen 20 und 40 cm. Sein durchschnittliches Gesamtfassungsvermögen beträgt 250 ml. Am Dickdarmeingang befindet sich der gekrümmte Blinddarm. Der Grimmdarm endet in einem kurzen Mastdarm und einem Anus mit zwei Analdrüsen, deren Sekret der territorialen Markierung dient.

Gaumen der Katze
2 Mundwinkel
3 Schneidezahnpapillen
4 Oberlippe

Katzenzunge
4 Tonsillen
6 Papillae foliatae
7 Papillae vallatae
14 Papillae conicae
16 Papillae filiformes
Anhangsorgane
Die voluminöse Leber (89 g bis 150 g) ist in 7 Lappen geteilt. Die aus der Leber hervorgehenden Gallenwege (=Ductuli biliteri) vereinigen sich schließlich zu eunem Gallengang, dem Ductus choledochus. Dieser mündet genauso wie der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm Die Bauchspeicheldrüse ist ein Anhangsorgan der Bauchspeicheldrüse (1. Abschnitt des Dünndarms), das aus der Verschmelzung von zwei verschiedenen Drüsengeweben gebildet wird:
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Die Milz
Die Milz liegt als langes, schmales, weinrotes Organ zwischen der Bauchwand und dem Magen. Sie wiegt 5 g. Sie ist sowohl Speicher als auch „Entsorger" für die roten Blutkörperchen.

Transversalschnitt des Bauches der Katze
1 – rechte Niere
2 – Leber
3 – Bauchspeicheldrüse
4 – Colon ascendens
5 – Duodenum descendens
6 – Omentum majus (Großes Netz)
7 – Jejenum
8 – Duodenum ascendens
9 – Milz
10 – Colon descendens
11 – linke Niere
Physiologie: Die Verdauung
Jedes Lebewesen nimmt Elemente aus der Umwelt zu sich, die es ihm ermöglichen, seinen Energiebedarf zu decken, um seine Lebensfunktionen sowohl zu entwickeln als auch aufrechtzuerhalten. Die in Abständen aufgenommenen Nährstoffe sind komplexe, heterogene und oft wasserunlösliche Strukturen, die nicht direkt assimilierbar sind. Der Verdauungsprozess entspricht also einer gründlichen Umwandlung dieser Nahrungsmittel in resorbierbare Nährstoffe.
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Die Funktion des Verdauungskanals
Zunächst hat der Verdauungskanal die Aufgabe, die aufgenommenen Futterbestandteile in immer kleinere Partikel zu zerkleinern. Im zweiten Schritt wird die Nahrung durch Enzyme (=Spaltstoffe) weiter zerkleinert. So entstehen Nährstoffe, die ohne Probleme aus dem Darm ins Blut aufgenommen und verwertet werden können. Dieser mechanische und enzymatische Doppelprozess setzt verschiedene Elementarfunktionen des Verdauungskanals voraus:
Der Verdauungskanal übt auch nachfolgende Funktionen aus:

1 – linke Niere.
2 – colon descendes.
3 – Jejunum umgeben vom Omentum majus.
4 – Blase
5 – Milz
6 – Magen
7 – Leber
Rolle der verschiedenen Bestandteile
Schematisch gesehen teilt sich der Verdauungskanal in drei Abschnitte:
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Der Kopfdarm
Durch die geballte und ihre spezielle Schädelform entwickelt die Katze eine optimale Kauleistung. Wie bei allen Fleischfressern macht ihr Gebiss nur vertikale Bewegungen, die von allem zum Zermahlen und Zerschneiden ihrer Beute mithilfe der Schneide- und Eckzähne dienen. Das eigentliche Zerkauen (die Benutzung der Backenzähne) findet kaum statt. Der Speichel ermöglicht ein anfängliches Anfeuchten der aufgenommenen Nahrung und kleidet die Speiseröhre aus. Der Magen liegt zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm und wird durch zwei Schließmuskeln, die Kardia und den Pförtner verschlossen. Er passt sich in der Größe an die aufgenommene Nahrungsmenge an und kann ein maximales Volumen von 400 ml fassen. Dieses Volumen macht mehr als 65 % des gesamten Verdauungsvolumens aus. Die Nahrung wird dann mittels einer kräftigen Motorik und vor allem durch eine stark saure Verdauungstätigkeit, die zur Auflösung und der Zerkleinerung der Nahrungspartikel führt, zu einer flüssigen Masse, dem Speisebrei, verarbeitet. Ein Enzym, das Pepsin, beginnt nun die ihm zugänglichen Proteine zu zerkleinern.
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Der Mitteldarm
Der Dünndarm (zwischen 1 und 1,7 m lang) ist das wichtigste Segment im Verdauungs- und Resorptionsprozess, insbesondere in seinen ersten Abschnitten (Zwölffingerdarm und Leerdarm). Hier sind die Enzymprozesse am aktivsten. Die dabei wirkenden Hauptenzyme sind das Trypsin und das Chymotry354t ihrer natürlichen Nahrung gut angepasst. Die Proteine und die Fette werden im Gegensatz zu den Kohlenhydraten sehr gut verdaut. Der Zwölffingerdarm ist der Hauptproduzent für die erforderlichen Enzyme. Die Galle hat eine Emulgatorfunktion für die Fette im Zwölffingerdarm. Dies ist eine notwendige Vorbedingung für die Zersetzung derselben durch die Lipase. Die Beweglichkeit des Dünndarms zeichnet sich durch eine Aufeinanderfolge verschiedener Kontraktionsmöglichkeiten aus. Die nicht örtlich begrenzten Lokalkontraktionen oder Segmentkontraktionen, ermöglichen die Vermischung und Vermengung der Substrate mit den Enzymen. Andere, koordinierte und über mehrere lange Abschnitte sich erstreckende Kontraktionen, Peristaltik genannt, dienen dem abwärts gerichteten Transport des Speisebreis.
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Der Enddarm
Der Blinddarm ist bei den Fleischfressern nur wenig entwickelt. Der Grimmdarm, 20 bis 40 cm lang, hat die Aufgabe, dem Kot Wasser zu entziehen und ihn so zu formen. Auch hier erfolgen einige Enzymprozesse, sie sind aber im Wesentlichen auf die hier beheimatete Mikroflora zurückzuführen. Die hier angesiedelten Bakterien sind nicht gefährlich für das Tier. Sie begrenzen im Gegenteil die Vermehrung von anderen, krankmachenden (pathogenen) Bakterien, die Verdauungsstörungen hervorrufen können. Die Exkremente werden bis zu ihrer Ausscheidung im Dickdarm gesammelt. Hat das Tier den geeigneten Ort und die entsprechende Position gefunden, erfolgt die Ausscheidung durch eine unbewusste und vom Mastdarm koordinierte Kontraktion, die mit einer Erschlaffung des Afterschließmuskels verbunden ist.
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Die Leber
Die Leber hat mehrer Funktionen. Durch die Absonderung der Galle nimmt sie an der Verdauung teil: Sie ist mittels der Gallensalze vor allem für die Emulgierung der Lipide zuständig. Die Farbe der Galle lässt sich auf die vorhandenen Pigmente zurückführen, diese stammen aus dem Stoffwechsel des in den roten Blutkörperchen enthaltenen Hämoglobins entstehen. Die Leber hat auch eine antitoxische Funktion: Sie baut einen großen Teil von Substanzen um, z.B. Medikamente und ermöglicht ihre Ausscheidung. Bei der Katze ist diese Funktion weniger effizient als bei den anderen Arten, da die Ausscheidung zahlreicher Medikamente bei ihr viel langsamer erfolgt als beim Hund oder beim Menschen. Mitunter werden die Medikamente in bestimmte Unterprodukte, die Metaboliten, umgewandelt, die bei anderen Arten nicht zu finden sind. So wird zum Beispiel das Paracetamol, das in zahlreichen schmerzstillenden Medikamenten enthalten ist, bei der Katze in toxische Komponenten umgeformt. Eine einzige Tablette von 500 mg kann zum Tode führen! Die Leber hat nicht zuletzt auch zahlreiche Stoffwechselfunktionen. Sie kann die aus der Verdauung stammenden Elemente speichern, umformen und freisetzen. Sie nimmt aktiv Kohlenhydrate aus der Nahrung auf, die in Form von Glykogenen gespeichert und im Bedarfsfall abgegeben werden. Ebenso formt sie Lipide aus dem Dünndarm um und bringt sie in entsprechender Form in den Kreislauf. Diese Bereitstellungsfunktion kann bei der Katze „rasch aus der Bahn" geraten, wenn die Leber zu große Mengen Fette eingelagert hat. Man spricht dann von Leberlipidose oder Leberverfettung. Der Leber kommt ebenfalls eine Schlüsselrolle in der Verarbeitung von Eiweißen und Vitaminen zu.

Leber der Katze
(Facies visceralis)
1 – rechter lateraler Lappen
2 – rechter medialer Lappen
3 – linker lateraler Lappen
5 – linker medialer Lappen
6 – proc. Caudatus des kaudalen Leberlappens
8 – Gallenblase