Der Urogenitalapparat – Reproduktion

Anatomie

Der Genitalapparat sichert die Funktion der Reproduktion und ermöglicht so die Arterhaltung.

Der männliche Genitalapparat

Er umfasst alle für die Bildung der Spermien und ihrer Absonderung in die Genitalwege des Weibchens verantwortlichen Organe:

  • 2 Geschlechtsdrüsen: die Hoden, die zwei verschiedene Funktionen erfüllen; eine äußere, gametogene Sekretion (Spermatogenese oder Spermaproduktion); eine endokrine, homogenetische Funktion (Sekretion des männlichen Hormons, des Testosterons, von der der sekundäre Sexualcharakter abhängt, die Spermatogenese und die sexuelle Aktivität des Männchens);
  • die Spermienwege oder Ausscheidungskanäle der Geschlechtsdrüsen (Samenleiter und Harnröhre), die vor allem durch die Sekretionen der Anhangsdrüse (Prostata) das Sperma nähren, speichern und zum Begattungsapparat weiterleiten (Spermien und Samenmilieu);
  • Begattungsapparat (Penis oder männliches Glied) ermöglicht während der Begattung oder des Koitus die Abgabe des Sperma in die weiblichen Genitalorgane (Besamung).

Hoden: sie sind kugelförmig, subanal (2 g). Die Prostata, gelblich, zweilappig, umgibt den Harnleiter. Die Katze weist keine Samenblase auf. Der Penis ist kurz, nach hinten gerichtet, besitzt eine konische, mit kleinen erektilen verhornten Papillen ausgestattete Eichel, die während der Ejakulation anschwellen und nach der Kastration verschwinden.

Offener Teil des Penis
Offener Teil des Penis

Offener Teil des Penis

1 – Harnröhrenöffnung
2 – Eichel
3 – Penisknochen
4 – Vorhaut (Präputium)

Urogenitalapparat des Katers
Urogenitalapparat des Katers

Urogenitalapparat des Katers

 

1 – Samenleiter
2 – Samenstrang
3 – Nebenhoden
4 – Eichel
5 – Cowpersche bulbus glandis
6 – Musculus ischiocavernosus
7 – Prostata
8 – Penis
9 – Vorhaut
10 – Hoden
11 – Harnleiter
12 – Harnröhre
13 – Harnblase
14 – Blutgefäße des Hodens
(nach Crouch, J.E., 1969)

Der weibliche Genitalapparat

Er besitzt:

  • zwei Keimdrüsen: die im Bauch gelegenen Eierstöcke sichern einerseits die Bildung (Ovogenese), die Freisetzung der Eizellen (Ovulation) und andererseits die Sekretion von Sexualhormonen (u.a. Östradiol, Progesteron);
  • die Eileiter, die die Eizellen aufnehmen, sie sind der Ort der Befruchtung; der Uterus (Gebärmutter), empfängt die Eier, ermöglicht ihre Einnistung und Trächtigkeit; die Scheidenregion mit Vagina und Vulva, die den Penis bei der Begattung aufnimmt und als Gedurtskanal für die Neugeborenen dient.

Die Eierstöcke liegen weit vorne, unweit der Nieren. Die Eileiter sind kurz, schmal, wenig gewunden. Der Uterus hat zwei lange Hörner und ist fast geradlinig. Die Vagina ist lang und breit. Die Brustdrüsen oder Milchdrüsen: vier Milchdrüsenpaare (1 Brust-, 2 Bauch-, 1 Leistendrüsenpaar).

Genitalapparat des Weibchens
Genitalapparat des Weibchens

Genitalapparat des Weibchens

1 – Eierstock
2 – Eileiter
3 – Gebärmutterhorn (rechts geöffnet)
4 – Gebärmutterhals
5 – Vagina
6 – Öffnung der Harnröhre
7 – Vulva
8 – Harnröhre
9 – Harnleiter
10 – Harnblase
11 – Fettgewebe
(P. Eckstein und S. Zuckermann, 1960)

Physiologie: die Reproduktion

Sexualverhalten des Männchens

Pubertät: 7-12 Monate,  Sexualverhalten

Es umfasst mehrere Phasen:

  • Partnersuche: vom Weibchen abgesonderte Signalstoffe geben Auskunft über seine Empfänglichkeit und ziehen das Männchen an. Das Weibchen nimmt das Männchen nur während der Rolligkeit, an.
  • Verhaltenskoordinierung: bei der Katze dauert die Vorbereitungsphase zur Begattung recht lange. Körperhaltung und Mimik haben in den Spielen und Kämpfen, die der Bedeckung vorausgehen eine gewisse symbolhafte Bedeutung.

Der Geschlechtsakt: Der Kater springt auf das Weibchen, packt ihr Nackenfell mit seinen Zähnen und besteigt sie. Die Katze legt ihren Schwanz zur Seite und drückt sich platt auf den Boden. Dann führt das Männchen Suchbewegungen aus und führt den Penis solange gegen die Vulva des Weibchens, bis dieser begleitet von ihrem („Begattungsschrei" ) in die Vagina eintritt. Der Koitus dauert 5 bis 10 Sekunden

Das Sperma setzt sich aus 2 Teilen zusammen:

  • Aus den in den Hoden produzierten Samenzellen oder Spermien;
  • und einem flüssigen Medium, dem Prostatasekret.

Volumen einer Ejakulation: 0,01-0,4 ml; pH: 7 – 8.

Zahl der Spermien pro Ejakulation: ungefähr 60 Millionen.

Länge der Spermien: 55 Mikrometer.

 

Künstliche Besamung:

Sie ist bei der Katze insofern sehr aufwendig, als das Spermium des Katers nur mittels Elektroejakulation gewonnen werden kann. Dazu wird das Tier in Vollnarkose gelegt und durch kurz hintereinander folgende Stimuli zur Ejakulation gebracht. Die nur sehr geringen Mengen werden dann auf ihre Qualität überprüft und mittels geeigneter Instrumente innerhalb 48 Stunden nach dem Eisprung der weiblichen Katze insaminiert. Im Allgemeinen werden dann zwei Besamungen mit einem Intervall von 24 h durchgeführt.

Sexualverhalten des Weibchens

Pubertät: sie tritt im Alter zwischen 4 und 12 Monaten ein. Die Kurzhaarrassen sind früher geschlechtsreif (Abessinier, Birma, Siamkatze: 4 bis 6 Monate) als die Langhaarkatzen (Perserkatzen: 1 Jahr). In den meisten Fällen tritt im Frühjahr, um den 7. Lebensmonat, die erste Rolligkeit auf. Der Geschlechtszyklus erlischt spät (15. Lebensjahr und später).

 

Sexualzyklus:

Der weibliche Genitalapparat zeigt über den gesamten Zeitraum der Geschlechtsaktivität strukturelle Veränderungen, die jedes Mal in der gleichen Reihenfolge und in den gleichen Zeitabständen und für eine jeweilige Rasse in einem genau festgelegten Rhythmus erfolgen. Diese Zyklen werden nur durch die Trächtigkeit unterbrochen. Die Katze ist eine Gattung, die dem Zyklus der Jahreszeiten unterliegt: Die Zyklen werden nur in einem bestimmten Zeitraum des Jahres ausgelöst (Sexualsaison: hauptsächlich von Januar bis Oktober). Aber einige Katzen, insbesondere in der Wohnung lebende Kurzhaarkatzen, Typ Siamkatze) haben praktisch keine sexuelle Ruheperiode während der Herbst- und Wintermonate. Durch die Verlängerung der Tageslichtlänge kann die sexuelle Ruhephase im Frühjahr wieder unterbrochen werden. Der Sexualzyklus der Katze dauert durchschnittlich 15 bis 28 Tage. Er kann in vier Perioden unterteilt werden, die verschiedenen Phasen der Eierstockaktivität entsprechen:

  • Proöstrus: Periode der Eireifung (Der Follikel enthält die künftige Eizelle). Dauer: 1 bis 4 Tage.
  • Rolligkeit: Periode, in der die Katze die Paarung sucht, welche dann den Eisprung auslöst. In den meisten Fällen spricht man bei der Katze vom sogenannten provozierten Eisprung, d.h. ohne Deckung kein Eisprung. Die Zahl der gesprungenen Eizellen (2 bis 11) hängt von der Zahl der Bedeckungen und vor allem von ihrer Häufigkeit ab (3 Mal bei 3-4 h Zeitabstand). Die Eisprünge finden zwischen 24 h und 30 h nach den Begattungen statt. Während der Rolligkeit vollführt die Katze eine regelrechte sexuelle Parade (Miauen, Reiben an Gegenständen, unrhythmischer Gang der Hinterbeine, Rückgratkrümmung). Die Rolligkeit dauert 4 bis 10 Tage.
  • Der Metöstrus: diese Phase schließt sich an die Ovulation an
  • Der Anöstrus: sexuelle Ruheperiode, je nach Rasse und Umweltbedingungen von unterschiedlicher Dauer (Helligkeit, Isolierung ohne Männchen usw.).

 

Befruchtung: Zeugung eines neuen Wesens durch die in der oberen Hälfte des Eileiters erfolgte Verschmelzung von 2 Gameten. Bei der Katze lassen sich zwei besondere Phänomene beobachten:

  • Die Überschwängerung: Befruchtung verschiedener Eizellen während des gleichen Eisprungs durch Spermien verschiedener Väter. Ein Wurf kann demzufolge Kätzchen von verschiedenen Vätern hervorbringen.
  • Überfruchtung: bei 10 % der trächtigen Katzen tritt eine weitere Rolligkeit ein und sie akzeptieren (zwischen dem 21. und dem 24. Tag der Trächtigkeit) eine weitere Begattung. Daher gibt es in einem gleichen Wurf verschiedene Föten unterschiedlichen Trächtigkeitsalters. 4-6 Tage nach dem Eisprung gelangen die Eizellen in den Uterus.

 

Nidation oder Einnistung: Das ist die Fixierung der Eizellen im Uterus, das heißt, das aktive Eingehen der Eizellen in die eigens dafür vorbereitete Uterusschleimwand. Die Nidation erfolgt 13 bis 14 Tage nach dem Eisprung.

 

Trächtigkeit: Ihre Dauer schwankt zwischen 63 und 68 Tagen.

 

Trächtigkeitsdiagnose: Da Hormontests bei der Katze nicht brauchbar sind, wird die Diagnose nach klinischen, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen erstellt:

  • Klinische Untersuchung: Durch Abtasten des Unterleibes kann der Fötus im Allgemeinen ab der 3. Woche ertastet werden und kann dann per Röntgenaufnahme dargestellt werden.
  • Röntgenuntersuchung: Das Skelett der Kätzchen erscheint am 36. Tag und wird ab dem 40. Tag deutlich sichtbar.
  • Ultraschall: Die Diagnose lässt sich ab dem 18. Tag erstellen.

Fütterung und Vorbereitung der trächtigen Katze: die Kätzin hat während der Trächtigkeit einen erhöhten Futterbedarf und benötigt so eine energiereichere Nahrung. Vor der Trächtigkeit sollte die Kätzin nochmals entwurmt werden, um zu vermeiden, dass die Welpen über die Muttermilch angesteckt werden. An einem ruhigen und warmen Ort sollte eine geräumige, mit einer Decke ausgestattete Kiste bereitgestellt werden, um die Mutter und ihre Jungen unterzubringen.

 

Werfen (Geburt):

Austreiben der Fruchtanlagen und der Fruchthüllen am Ende der Trächtigkeit durch die Wehen. Vorzeichen: vorübergehender rektaler Temperaturabfall. Die Milchsekretion beginnt einige Tage vor der Geburt. Das Weibchen wird nervös und zieht sich häufig in das vorbereitete Nest zurück. Die Geburt dauert ungefähr 6 h mit jeweils 10 bis 60 Minuten Abstand zwischen zwei Austreibungen. Durchschnittlich gibt es 3 bis 5 Junge pro Wurf. Das Geburtsgewicht der Katzenjungen beträgt zwischen 100 und 125 g. Innerhalb von 2 Jahren kann mit 5 Würfen gerechnet werden. Das Muttertier trennt die Nabelschnur durch und leckt ihre Katzenjungen ausgiebig.

 

Säugen

In den ersten 48 Stunden verlässt die Katze ihre Jungen wenig. Sie stillt häufig, circa alle 20 Minuten ungefähr mit jeweils 2 bis 3 ml Milch. Die Jungen nehmen rasch an Gewicht zu, es sollte sich in den ersten 7 Tagen verdoppeln. Nach dem Stillen werden sie von der Mutter geleckt, insbesondere im anogenitalen Bereich. Die Nahrungsaufnahme und die Stimulierung durch die Zunge der Mutter lösen Urin- und Kotausscheidungen aus, die von der Katze gefressen werden. Die Kleinen bewegen sich in der ersten Zeit wenig und ihre Augen bleiben geschlossen. Zwischen dem 10. und 14. Tag öffnen sie die Augenlider. Ungefähr ab der 3. Woche beginnt sich ihr Entdeckerdrang zu entwickeln und sie lernen rasch, ihre Notdurft außerhalb des Nestes zu verrichten. Genießbares Futter wird sofort konsumiert. Nach und nach wird durch den Verzehr festen Futters der Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten größer. Das Abstillen erfolgt im Allgemeinen zwischen der 6. und 8. Woche nach der Geburt. Die Milchproduktion des Weibchens versiegt langsam, da die Milchsekretion von der Stimulierung der Brustwarzen abhängt.

 

Kontrolle über die Reproduktion

Kastration:

  • Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) vor der Pubertät (6 bis 7 Monate) oder während der Sexualpause;
  • Hodenentfernung zwischen dem 6. und 10. Monat.

Medikamentelle Zyklusunterdrückung:

  • Verhütung der Rolligkeit: Verabreichung von synthetischen Gestagenen (Medroxyprogesteronacetat oder Megestrolacetat). Die Nutzung dieser Produkte ist nicht ungefährlich (Pyometra, Diabetis, Fettleibigkeit, Brustwarzenstörungen);
  • Unterbrechung der Rolligkeit: Gestagene;
  • Unterbrechung der Trächtigkeit: durch Aglepreston (Alizine") einen Rezeptorenblocker des Trächtigkeitsschutzhormons Progesteron.

Stellungen der Katze vor der Begattung
1. Rückenkrümmung
2. Präsentation der Geschlechtsorgane

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