Die Katzenliebhaberei und die heutigen Rassen Erstmals machten Katzenliebhaber in Europa auf sich aufmerksam. Die ersten Katzenzüchter fanden sich zusammen und organisierten die ersten Katzenausstellungen. Im Jahre 1910 entsteht in Großbritannien unter dem Namen Governing Council of the Cat Fancy (G.C.C.F.) die erste Dachorganisation der Katzenclubs und 1949 wird die "Féderation internationale féline d`Europe" (F.I.Fe)1 gegründet. Heutzutage wacht eine Vielzahl von nationalen und internationalen Vereinigungen über die Weiterentwicklung der Katzenrassen mit ihren vielfältigen Unterarten.
Die wichtigsten Katzenvereinigungen der Welt
Der Fération internationale féline d`Europe waren in der ersten Zeit nach ihrer Gründung im Jahre 1949 folgende Länder angeschlossen: Frankreich, Belgien, die Niederlande, die Schweiz, Dänemark, Schweden, Norwegen, Italien, Österreich und Deutschland. Heute existiert sie in vierzig Ländern, wovon ihr etwa 30 angeschlossen sind. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Aufstellung einheitlicher Vorschriften für Ausstellungen, die Formulierung alleingültiger Standards, die Verwaltung von Zuchtüchern und die Auswahl der Richter. Es entstanden noch andere Dachverbände, wie die World Cat Federation in Europe (W.C.F.E). Die Cat Fancy Association (C.F.A.), 1906 gegründet, ist die wichtigste Vereinigung von Katzenliebhabern in den USA und vielleicht weltweit. Eine andere amerikanische Vereinigung, The International Cat Association (T.I.C.A), wurde 1979 gegründet. Von den mehr als 40 Millionen in Europa lebenden Katzen sind schätzungsweise lediglich etwa 8 % reinrassig.
Die Katze im Wettbewerb
Auf der ersten Katzenausstellung im Jahre 1871 in London wurden wenig mehr als 300 Katzen zur Schau gestellt, in der Hauptsache handelte es sich um Perser, Siamkatzen und Birmakatzen. Die erste Katzenausstellung in Frankreich wurde 1946 von dem der F.I.Fe. angehörenden Cat Club in Paris veranstaltet. Seine Katze(n) an einem Wettbewerb teilnehmen zu lassen, bedeutet, dass man sich, bevor der eigentliche Wettbewerb überhaupt begonnen hat, um einiges kümmern muss. Die Katze wird meist abhängig von ihrem Gesundheitszustand und der ihr täglich zuteil gewordenen Pflege frisiert, es sind verschiedene verwaltungstechnische und tierärztliche Formalitäten wie die Anmeldung und das Entrichten der Nenngebühr zu erledigen. Nach der Ankunft am Ausstellungsort kontrolliert der Tierarzt zunächst die Identität der Katze anhand der Tätowierungsnachweise und ihre Gesundheit anhand des Impfbuches, bevor er das Tier selbst untersucht. Katzen, die nicht tierärztlich untersucht wurden, dürfen weder in den Ausstellungskäfig gebracht, noch ausgestellt werden.
Der Ausstellungsveranstalter stellt jedem Aussteller einen Käfig zur Verfügung. Diese Käfige werden von den Haltern oft dekoriert, um ihre Katze besser zur Geltung zu bringen.

Die ideale Katze
Die Katze muss laut Vorschrift der Fération internationale féline folgende Anforderungen erfüllen:
Die tierärztliche Untersuchung, die vorgenommen wird, bevor Ausstellungsbesucher eingelassen werden, soll sicherstellen, dass nur gesunde Tiere ausgestellt werden, um jegliche Ansteckung zu vermeiden.
Das Impfbuch und der Tätowierungsnachweis sind zwei unverzichtbare Dokumente: Laut Vorschrift müssen die Tiere gegen Tollwut, Typhus und Katzenschnupfen geimpft sein. Die Impfung gegen Leukose wird empfohlen. Der Tierarzt bestätigt, dass das Tier nicht an Hautkrankheiten leidet (Ohrenabszess, Verkrustungen), er kontrolliert darüber hinaus Augen und Nase sowie die Sauberkeit im Afterbereich.

Das Richten
Es gibt zwei Methoden zu richten, nämlich die traditionelle und die amerikanische Art (T.I.C.A. oder C.F.A.). Eines der Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen diesen beiden Methoden des Richtens besteht in der Anzahl der Richter, die zur Beurteilung jedes einzelnen Tiers hinzugezogen werden. Beim amerikanischen Richten wird jede an der Ausstellung teilnehmende Katze von allen Richtern, ganz gleich wie viele es sind, beurteilt. Jeder Richter bekommt also alle Teilnehmer jeden Geschlechts, jeden Alters und jeder Rasse zu Gesicht. Eine weitere Besonderheit des amerikanischen Richtens ist, dass die Beurteilungen öffentlich sind und jeder Richter Kommentare zu seinen Bewertungen abgibt, wohingegen beim traditionellen Richten mehr Wert auf Diskretion gelegt wird. Bei der amerikanischen Art zu richten werden die Katzen in sechs Klassen ausgestellt:
Die Gestalt, die Merkmale, die Präsentation der Katze, für den Richter ist alles von Bedeutung, da über den Gesamteindruck der Katze im Vergleich zum Standard ihrer Rasse befunden wird. Der Farbschlag einer Katze wird von Rasse zu Rasse unterschiedlich bewertet. Die verschiedenen Teilnehmer ein- und desselben Farbschlags erhalten ein "flat", ein kleines Papierkärtchen, das an ihrem Käfig befestigt wird und dessen Farbe über die jeweilige Einstufung Auskunft gibt : blau für den Erstplatzierten, rot für den Zweiten, gelb für den Dritten, grün für den Vierten und weiß für den Fünften. Für Katzen gleicher Rasse gibt es auch die Teilbewertung: die drei Robustesten, die drei schönsten Tabby-Zeichnungen, die drei besten Schildpatt-Zeichnungen usw. Schließlich werden die drei besten Katzen jeder Rasse gekürt: die Best of Breed. Jeder Richter wählt die 10 Besten jeder Klasse (in denen jeweils alle Rassen vertreten sind). Diese Tiere werden mit einer Rosette ausgezeichnet. Beim amerikanischen Richten erhält jede Katze Punkte. Jeder Richter notiert alle Ergebnisse in sein "Richterheft", was anschließend in die USA geschickt wird, damit dort über alle vom Mai eines Jahres bis zum Mai des Folgejahres vergebenen Punkte Buch geführt werden kann. Die zwanzig punktbesten Katzen jeder Klasse, in denen alle Rassen aus aller Herren Länder zusammengefasst sind, werden auf einer jährlichen Veranstaltung gekürt. Der Züchter seinerseits notiert sich die im Wettkampf erhaltenen Punkte in das Stammbuch. Beim traditionellen Richten wird die Katze vorgestellt, um einen Titel zu erlangen, welcher nach dem Kriterium der Erfüllung des Standards vergeben wird. Die Katze wird von einem einzigen Richter beurteilt, dem Züchter werden die Ergebnisse aller Bewertungen mitgeteilt. Der Richter nimmt zuerst den Körper, den Farbschlag und den Allgemeinzustand der Katze in Augenschein. Er beginnt häufig damit, den Kopf mehrmals zu untersuchen (Kopfform, Nase, Augen, Ohren, Kinn), bevor er sich dem Körper und dem Schwanz widmet. Anschließend begutachtet er das Fell, die Qualität des Farbschlags und die Anordnung der Zeichnung. Zum Schluss beurteilt er noch den Gesamteindruck der Katze. Die Tätigkeit des Richters ist, was die gewöhnliche Katze oder Hauskatze anbetrifft, etwas anders geartet. Da hier kein eigentlicher Standard existiert, ist die Sympathie des Richters ausschlaggebend. Abhängig davon, in welchem Maße die geforderten Kriterien erfüllt werden, kann der Richter den Titel an die ihm vorgestellten Tiere verleihen.
Die verschiedenen Titel lauten:
C.A.C.:
Certificat d'Aptitude au Championnat. Zertifikat einer Siegeranwartschaft. Eine Katze muss drei dieser Auszeichnungen aufweisen, um Champion zu werden.
C.A.C.I.B.:
Certificat d'Aptitude au Championnat International de Beauté. Internationales Zertifikat einer Schonheit Siegeranwartschaft. Erringt eine Katze drei dieser Urkunden, eine davon im Ausland, unter drei verschiedenen Richtern, gilt sie als Internationaler Champion.
C.A.G.C.I.B.:
Certificat d'Aptitude au Grand Championnat International de Beauté. Internationales Zertifikat einer Schönheits- Siegeranwartschaft. Um als Internationaler Schönheits-Champion zu gelten, muss eine Katze drei dieser Auszeichnungen, zwei davon unter verschiedenen Richtern im Ausland errungen haben.
C.A.C.E.:
Certificat d'Aptitude au Championnat d'Europe. Europäisches Zertifikat einer Siegeranwartschaft. Diese Auszeichnung muss einer Katze von drei verschiedenen Richtern in drei verschiedenen L䮤ern verliehen worden sein, bevor sie als Europ䩳cher Champion gilt.
Classe d'honneur:
nachdem eine Katze all diese Titel errungen hat, kann sie in dieser Klasse, in der ein Ehrentitel vergeben wird, weiterhin antreten und somit jüngeren Katzen das Feld überlassen. Außerdem können ausgestellte Katzen noch weitere Auszeichnungen, die verschiedenen "Best of", erringen: Bester Farbschlag seiner Rasse oder Best in Show: der jeweils Beste einer Klasse.
Aus dem Kreise der Best in Show wird in den folgenden drei Kategorien der Best of Best gewählt: Kurzhaar, Semi-Kurzhaar und Langhaar. Es ist während der Präsentation der Tiere sehr wichtig, die Katze durch Zureden und Liebkosungen zu beruhigen, um zu vermeiden, dass sie in Stress gerät.
Die Punkteskala
Die Punkteskala ist ein nach verschiedenen Körpermerkmalen aufgeschlüsseltes Bewertungssystem der Katze, mit dem Ziel, die Katze einschätzen und sie in Wettbewerben und Ausstellungen beurteilen zu können. Die Standards geben eine Punkteskala vor. Es sind maximal 100 Punkte zu vergeben, was der perfekten Katze entspricht. Für jeden Körperteil wird, je nach seiner Bedeutung für die jeweilige Rasse, eine Punktzahl vergeben. Die Punkteskala variiert jedoch nicht nur von Rasse zu Rasse, sondern auch für die gleiche Rasse von einer Katzenzüchtervereinigung zur nächsten. Die folgende Tabelle veranschaulicht die unterschiedliche Bewertung der in diesem Buch beschriebenen Rassen.