Die Katze begleitete schon den Urmenschen. Von den ersten Anzeichen ihrer Domestizierung bis ins 18. Jahrhundert hat sich die zugleich geliebte, gehasste, gejagte und verehrte Katze an das Leben mit den Menschen gewöhnt. Sie wird häufig als das wildeste der vom Menschen gezähmten Tiere bezeichnet. Wäre es ihr nicht in der Tat möglich, wieder wild zu leben? Und ist nicht die freieste aller Katzen die Hauskatze? Ihre Geschichte ist über die Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tag zu einem Bestandteil der Geschichte der Katze geworden. Wenn "zähmen" "weniger wild und gefährlich werden" bedeutet, und man unter einem "domestizierten" Tier ein ehemalig wildes Tier versteht, das nun "an der Seite des Menschen [lebt], um ihm zu helfen oder ihn zu zerstreuen, [das sich] im Falle schon lange andauernder Zähmung unter den vom Menschen bestimmten Bedingungen fort[pflanzt]", dann ist die Katze also in dem Moment, in dem der Mensch begann, in ihre Zucht und Fortpflanzung einzugreifen, zur Hauskatze geworden. Und tatsächlich erscheine, trotz der langen Vorgeschichte ihrer Art an der Seite des Menschen Katzen mit Stammbau erst ab Ende des 19. Jahrhunderts. Seither ist die Katze ein immer bedeutender Bestandteil des Lebens und der Umgebung des Menschen geworden.
Eine gelungene Integration
Die vollkommen zahme und zu einem echten Familienmitglied gewordene Katze hat eine anerkannte Position als Mitgeschöpf in unserer Gesellschaft erreicht. Durch Tätowierungen und Impfungen wird ein Großteil der Population erfasst und in den Augen ihrer Besitzer erlangt jede Katze, reinrassig oder nicht, eine gewisse Wichtigkeit und vor allem Wertgigkeit. Sie behauptet sich in der reglementierten Welt der Menschen. Der Mensch, die Katze durch genaue Beobachtung ihrer Stimmungen und Reaktionen besser kennen lernt, respektiert ihr wahres Wesen. Die neuen Erkenntnisse der Vorsorge und Therapie im Bereich Tiermedizin bzw. Katzenfütterung waren im 20. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung für das Leben der Katze. Die jetzt besser gepflegten und versorgten Tiere sind nicht mehr so anfällig für Krankheiten. Das hieraus erfolgende Wohlbefinden macht das Leben der Katze ausgeglichener, leichter und angenehmer. Das vergangene Jahrhundert hat neue Beziehungen zwischen Katze und Mensch hervorgebracht. Die Katze ist dem Menschen auf Dauer verbunden, die einstige Distanz zwischen ihnen sind wie ausradiert. Sie hat Vertrauen zu den Menschen gefasst. Da die Katze nunmehr, nachdem sie sich an den ständigen Halbschlaf des Jägers gewöhnt hatte, viel weniger auf der Hut sein muss, lässt ihre Anspannung nach, sie kann sich von ihr befreien. Von den materiellen Sorgen um das überleben befreit steht ihr mehr Zeit in Gesellschaft des Menschen zur Verfügung. Sie kann sich also vor allem der Gesellschaft widmen und sich streicheln, liebkosen und kraulen lassen... Die Katze hat den Menschen als Freund akzeptiert, und deshalb quält sie die Einsamkeit umso mehr. Diesen Schmerz sollte man der Katze von heute besser ersparen. Die Katze erfindet eine neue Sprache: beschränkte sie sich seinerzeit darauf, auf die Liebkosungen zu reagieren, so ruft sie heute nach ihrem Halter, fordert ihr Futter und verlangt, dass man ihr die Türe öffnet. Ihre Möglichkeiten erweitern sich und sie variiert auch die Tonlagen, um sich besser verständlich zu machen. Durch die Bewegungen ihrer Ohren weiß man, was sie empfindet. Katzentüren, Geschirr, Transportbehälter, Katzenbäume, Katzenhäuser, Automaten, alle diese für sie gemachten Erfindungen beweisen, dass man das Verhalten und die Bedürfnisse der kleinen Katze erforscht hat, um ihr den Alltag zu erleichtern.

Klassifikation der Rassen und Standards für Katzen
Ob sie nun Liebe zu Katzen oder aus einer spontanen Mutation hervorgegangen sind: die Rassen wären ohne den Eingriff des Menschen nicht das, was sie heute sind. Im Jahr 1871 wurden auf der ersten Katzenausstellung im Londoner Kristallpalast 25 Katzenklassen (noch handelte es sich nicht um Rassen im eigentlichen Sinn) öffentlich ausgestellt, wobei Europäisch Kurzhaar- und Perser mit verschiedenen Zeichnungen gekreuzt wurden. Anfang des Jahrhunderts waren 16 Rassen offiziell anerkannt. Seitdem ist die Entwicklung weit fortgeschritten. 54 Katzenrassen sind heute klassifiziert, hinzu kommen noch Dutzende Perser- und orientalische Unter-arten. Dieses weite Rassenspektrum verschiedener Katzenarten weltweit spiegelt die Vielfalt ihrer physischen Erscheinungen aber auch ihres Verhaltens wider. Die vorgenommenen Kreuzungen haben zu einer Vielzahl an Rassen und einer Fülle von verschiedenen Merkmalen geführt.

Gestalt und Färbung
Runde oder dreieckige Kopfform, schlanker oder gedrungener Körperbau... die Erscheinungsform der Katze hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Der Standard beschreibt 5 Erscheinungsformen. Neben dem Cobby, das heißt kurz und gedrungen, wie Perser, Colourpoint, Manx, Burmakatze und Cymric, und dem Semi-Cobby (länger und langgliedriger) wie die Norwegische Waldkatze oder die Ragdoll, gibt es noch die Orientalisch Kurzhaar (foreign), langgliedrig wie die Abessinier, die semi-foreign, auch langgliedrig, jedoch mit relativ robustem Knochenbau, wie die Devon Rex, die ägyptische Mau, die Singapura, sowie die Orientalen, sehr langgliedrig und schlank, wie die Siamkatze.
Die Kopfform (rundlich bei der Europäisch Kurzhaar, dreieckig bei der Siamkatze) ist, ebenso wie die Augenfarbe, die Länge des Schwanzes (lang bei der Skogkatt, nicht vorhanden bei den Manx), sowie das Fell Teil der Beschreibung des Standards. Das Fell kann bis zu 15 cm lang (Perser, Colourpoints), halblang (Türkisch Angora) oder kurz (Europäisch Kurzhaar, Kartäuser) sein. Die erlaubten Farbschläge für jede Rasse werden erwähnt. Die Farbpalette ist reich. Einfarbig, Bicolor, Teilfärbungen (Schildpatt, Smoke), Silber (wie die Persische Chinchilla) existieren neben den gezeichneten Haarkleidern: Colourpoint wie die Siamkatzen, Tabby, das heißt eine durch Tupfen, Flecken oder sogar breite und schmale Streifen ergänzte Tigerzeichnung, wie sie die Europäisch Kurzhaar besitzt.
Lebhaft, ausgeglichen, verspielt: welche soll es sein?
Von den lebhaften Katzen sind folgende Rassen eher wild und mitteilsam, toben sich im Haus und im eingezäunten Garten aus und lassen keine Gelegenheit zur Jagd aus: Amerikanisch Bobtail, Amerikanisch Kurzhaar, Amerikanisch Drahthaar, Bengalkatze, Bombaykatze, Colourpoint, Cornish Rex, Chartreux, LaPerm, Manx, Munchkin, Ocicat, Orientalisch Kurzhaar, Selkirk Rex, Singapura, Snowshoe. Zu dieser energiegeladenen Gruppe gehören auch die verspielten Katzen, die sich mit ihrem fröhlichen Naturell an Kinderspielen beteiligen oder im Kreise ihrer Geschwister selbst welche erfinden: Amerikanisch Curl Kurzhaar, Bombaykatze, Burmakatze, Chinchilla-Perser, Cornish Rex, Devon Rex, Exotisch Kurzhaar, Japanisch Bobtail Kurzhaar, Ocicat, Schottische Faltohrkatze, Sibirische Katze, Türkisch Angora. Die unabhängigen Katzen zählen ebenfalls zu dieser Gruppe, da sie zwar ihre Zeiteinteilung selbst vornehmen, sich aber keine ruhige Minute mehr gönnen, wenn sie ihre Siesta einmal beendet haben: California Spangled, Cymric, Europäisch Kurzhaar, Sibirische Katze. Auf der Gegenseite gibt es anhängliche, einnehmende Katzen, die stark an ihren Halter gebunden sind, den sie zutiefst bewundern: Abessinier, Chinchilla-Perser, Havana, Koratkatze, Manx, Ojos Azules, Orientalisch Kurzhaar, Russisch Blau, Russisch Schwarz, Selkirk Rex, Somali, Sphinx, Tonkanese, Türkisch Angora. Andere Katzen erweitern ihren Freundeskreis auf den ganzen Haushalt, wozu sowohl die Familie als auch die anderen Haustiere gehören: Balinesen, Burmakatze, Cymric, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Schottische Faltohrkatze, Snowshoe. Nicht selten teilen sich diese sehr geselligen Katzen durch ihre Stimme mit und rufen ihre Halter oft nur, um eine Unterhaltung zu beginnen. Die geschwätzigsten ihrer Art sind die Balinesen, die Burmilla, die Mandarin-Katze, die Norwegische Waldkatze, die Orientalisch Kurzhaar und die Siamkatze. Doch gibt es auch Katzen, die es vorziehen, sich in sich selbst zurückzuziehen und in eine tiefe Meditation zu verfallen, was sie umso geheimnisvoller macht: Abessinier, ägyptische Mau, Amerikanisch Curl Langhaar, Somali. Schließlich gibt es die friedliebenden Katzen, die jegliche Aufregung und Konflikte verabscheuen: Birmakatze, Japanisch Bobtail Langhaar, Perser, Russisch Schwarz. Man könnte noch viele weitere Merkmale aufzählen, um Katzen je nach Gewandtheit, Neugier, Ausgeglichenheit, Humor, Unternehmungslust, Aufmerksamkeit usw. einzuteilen.
Die Unterscheidung der Rassen und das Verhalten der Katze
Die erst ziemlich spät in der Geschichte der Domestizierung vorgenommene Unterscheidung der Rassen geht mit einer Änderung des Verhaltens der Kleinkatze einher. Auch wenn der Charakter des Tieres nicht in die von den Katzenverbänden aufgestellten Standards aufgenommen ist, so ist er dennoch kein nebensächliches Detail. Während einer Ausstellung kann das Verhalten einer Katze der Grund für ihre Disqualifikation sein. Wenn sich der betreffende Kandidat auflehnend und aggressiv zeigt, sinken seine Chancen, eine Auszeichnung zu erlangen. Im Alltag ist das Verhalten einer Katze genauso von Bedeutung wie ihre Schönheit. Es handelt sich also um ein sehr wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Katze.
Der Weg zu einer Verhaltensklassifikation
Unter den Katzenliebhabern zeichnet sich eine mehr oder weniger umstrittene Klassifikation der Rassen ab. Dies erleichtert es dem Halter, eine Katze zu wählen, welche den Erwartungen an ihren Charakter besser entspricht. Die hierbei angesetzten Kriterien sind vielfältig und beschreiben mehr oder minder ausgeprägte Eigenschaften der Katzen. Geht es um das Verhalten einer Katze, sind häufig die Geselligkeit sowie der Gegensatz Lebhaftigkeit/Ausgeglichenheit von ausschlaggebender Bedeutung. Die Meinungen der Fachleute gehen bei der Frage nach einem Zusammenhang zwischen Rasse und Charakter weit auseinander. Ursache dafür ist, dass die Katzenrasse nicht als eine genetische Besonderheit, sondern als Ergebnis einer von den Züchtern vorgenommenen Selektion angesehen wird. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass zum Beispiel die Siamkatze einenspezifischen Charakter besitzt. Mit der Geschwätzigkeit einer Elster und ihrer heiseren Stimme passt sie am besten zu einem mitteilsamen Halter. Für allein stehende oder ältere Menschen ist sie auch ein Gesprächspartner. Die eher sensible und widerstandsfähige Norwegische Waldkatze weckt die Naturliebe. Sie findet vor allem bei Städtern Gefallen, deren Hobby die Gartenarbeit ist. Die Ragdoll ist mit ihrem friedliebenden Charakter der ideale Gefährte für Kinder und bei ruhigen, Konflikte meidenden Menschen beliebt.
Die Katze wählt ihren Halter
Die Katze besitzt einen freien Willen. Innerhalb einer Familie sind ihre Sympathien verteilt. Beim Züchter kann es vorkommen, dass ein Kätzchen auf seinen zukünftigen Halter zuläuft, als ob es niemals wieder von ihm getrennt werden möchte. Auf diese Weise kommt es zu absolut perfekten Paaren, bei denen ein vollkommenes Verständnis zwischen Halter und Tier herrscht. Die Katze schätzt den Menschen auf sehr intuitive Weise ein und nimmt die mögliche Wesensverwandtschaft zwischen sich und ihrem Beschützer wahr. Es kommt auch vor, dass die Katze einen gewissen Einfluss auf den Menschen ausübt und ihn in ihren Einflussbereich zieht.
Im Gegensatz zum Sprichwort "Wie der Halter so der Hund" könnte man sagen: "Wie die Katze, so der Halter".Man weiß, dass die Katze lernfähig ist, dass sie sich merkt, was man ihr beibringt und dass sie sich leidenschaftlich für die menschlichen Tätigkeiten interessiert: sie liebt die Musik, es gibt für sie sogar eigene CDs, die sie zur "interaktiven" Jagd anregen sollen! Wie um ihren Jagdinstinkt zu wecken.
Eine vollständige Persönlichkeit
Eine elegante und reife Rassekatze nötigt einem Bewunderung ab. Mit einem Abstammungsnachweis und einem originellen sowie imposanten Namen ausgestattet, dazu auserkoren neben den Champions der Katzengesellschaft auf dem Podium zu stehen, erfährt sie Respekt von ihrem Halter. Als Sinnbild für einen gewissen finanziellen Wert, wird die Rassekatze unter Dach gehalten, vor allen Gefahren geschützt und mit Bedacht behandelt. Mit gepflegtem Fell und gesundem Körper erfreut sie sich einer erlesenen Ernährung. Nichts ist gut genug für sie, die unter schmeichlerischen Liebkosungen aufblüht. Die Katze ist die Königin. Ehrenbezeigungen sind ihr genehm. Im Gegensatz zum Hund jedoch weiß die Katze den Dingen Rechnung zu tragen. Ihre Freiheit bleibt ihr erhalten, da sie durch die gedankliche Flucht in ihre Vorstellungswelt den nötigen Abstand zu wahren vermag, ohne ihren Beschützer allzu sehr zu kränken.

Die gewöhnliche Katze, unumgänglich und ewig
Hier ist sie, die beliebteste und verbreitetste aller Katzen! Stellen Sie sich vor: nur 2 – 3 % der schätzungsweise 6 Millionen in Deutschland lebenden Katzen- das sind ungefähr 150 000 Tiere- sind reinrassig (Perser, Siamkatzen, Birmakatzen). Die gewöhnliche Katze macht den Löwenanteil Tiergattung aus. Doch dieses zahlenmäßige Übergewicht der gewöhnlichen Katze allein bedeutet noch keineswegs, dass ihr besondere Zuwendung von Seiten der Menschen widerfährt, ganz im Gegenteil. Die gewöhnliche Katze verdankt ihre Vormachtstellung ihrer ausgeprägten Widerstandsfähigkeit- sie musste im Laufe ihrer Geschichte bis zum heutigen Tag viele Heimsuchungen überstehen- und vor allem der ungeregelten Fortpflanzung.
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Frei und ohne finanziellen Wert
Die gewöhnliche Katze ist die freieste aller Katzen. Doch diese Freiheit bezahlt sie teuer: sie ist nämlich im Gegensatz zu den Rassekatzen und überhaupt weltweit das Tier, das infolge des mangelnden Interesses ihrer Besitzer (im Gegensatz zu Halter) am wenigsten vom Fortschritt der Veterinärforschung, sei es im Bereich der Gesundheit oder der Ernährung profitiert. Ist sie denn nicht seit Jahrhunderten daran gewöhnt, selbst zurechtzukommen und sich mit den Resten zufrieden zu geben? Die gewöhnliche Katze hat keinen finanziellen Wert. Sie wird nicht gekauft, sondern abgegeben oder angenommen, wenn nicht sie selbst diejenige ist, die sich spontan entscheidet, bei jemandem zu leben. Für viele ihrer Besitzer stellt sie keine echte Investition dar, weswegen sie sich kaum um Impfungen, Tätowierungen oder Gesundheitspflege kümmern, von der Kastration des Männchens oder der Sterilisation des Weibchens ganz zu schweigen.
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Und dennoch liebt man sie
Paradoxerweise weckt die gewöhnliche Katze bei echten Haltern oft eine einzigartige Leidenschaft. "Ich ziehe die gewöhnlichen Katzen den Rassekatzen vor, weil ich auch den normalen Menschen den Vorzug vor den Models von Chanel gebe", versichert der Schriftsteller Remo Forlani mit gnadenlosem Humor. Und er ist nicht der Einzige!
Eine gewöhnliche Katze zu Hause zu halten, ist eine Familientradition, der sich viele nicht entziehen können. Sie schätzen deren Unabhängigkeit, ihre sagenhafte Pfiffigkeit, ihre robuste und widerstandsfähige Konstitution. Sie schätzen auch ihre Einzigartigkeit, da keine gewöhnliche Katze einer anderen gleicht. Sie ist die Katze par excellence und sowohl in ihrem Äußeren als auch ihrem Charakter ungekünstelt und ohne doppelten Boden. Wenn man diesen Begleiter also eines Tages verliert, hat man den Wunsch, sich einen Nachfolger unter den Exemplaren seiner Rasse zu suchen.
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Ein in Vergessenheit geratener Erzeuger?
Mit dem Aufkommen der ersten Katzenausstellungen am Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien, und später in Frankreich, bei denen hauptsächlich Perser (die den Angorakatzen ihren Rang abgelaufen hatten), Siamkatzen, einige wilde Arten, wie der Margay, aber auch auf Grund ihrer Schönheit ausgewählte Hauskatzen versammelt waren, veränderten sich die Einstellungen. Dabei sollte man bedenken, dass nur wenige Großbürger(innen) Gefallen daran fanden, ihre Katze öffentlich zur Schau zu stellen. Von diesen mondänen Veranstaltungen wurde die Hauskatze unbekannter Abstammung, also ohne Papiere, in der Folgezeit allmählich zu Gunsten neuer, exotischerer und wertvollerer Rassen ausgeschlossen. Aber hätten Sie gewusst, dass man, ließe sich der Abstammungsnachweis dieser noblen kleinen Katzen bis ins letzte Glied, oder sogar in einige Zwischenverästelungen hinein zurückverfolgen, sicherlich auf die eine oder andere Straßenkatze stoßen würde, welche hier einen Farbschlag, dort eine Zeichnung vererbt hat?
Solch sonderbare Rassen wie die Rex oder die Schottische Faltohrkatze sind auf dem Land das erste Mal in Würfen gewöhnlicher Katzen aufgetreten! Die "Tabby Point" genannte Tabby-Zeichnung der Siam- oder der Birmakatze stammt von der gewöhnlichen Katze! Der bei Perser so hübsch anzusehende Schildpatt-Farbschlag, stammt ebenfalls vom gemeinen Volk! Die Bicolor-Zeichnung auch. Was aber bleibt der gewöhnlichen Katze? Die nicht ausreichend gewürdigte Tatsache, an der Entstehung oder Verbesserung der meisten Katzenrassen, allen voran die direkt aus ihr hervorgegangene Europäisch Kurzhaar, mitgewirkt zu haben.
Über einen wichtigen Punkt sollte man sich im Klaren sein: die Rasse der europäischen Katze, die Europäisch Kurzhaar, ist nicht die gewöhnliche Katze, es ist also nicht korrekt, die Europäisch Kurzhaar als gewöhnliche Katze zu bezeichnen.
Was für ein Charakter!
Es fällt schwer, das Temperament einer gewöhnlichen Katze zu bestimmen, da es ebenso unkonventionell ist, wie ihr Aussehen. Einige sind sanft, andere extrovertiert, es gibt ruhige aber auch geschwätzige, gesellige und scheue, mehr oder weniger verschmuste. Ihre Devise lautet: "Liebe mich so, wie ich bin, denn ich bin unvorhersehbar!" Dass sie das Jagen lieben wird, dessen können Sie sicher sein: hier zeigt sich ihre wahre Katzennatur. Einige meinen, dass sich diegewöhnliche Hauskatze in der Wohnung nicht wohl fühlt. Sofern sie nie etwas anderes gekannt hat, fühlt Sie sich aber nicht weniger wohl als jede Katze anderer Rasse. Denken Sie daran, Ihre Inneneinrichtung den Bedürfnissen der Katze anzupassen: Katzen lieben es, zu klettern, ebenfalls sollten Sie, um Ihre Möbel zu schonen, der Katze einen Katzenbaum und viel Zeit zum Spielen in Ihrer Gesellschaft zu bieten haben.
Ihre Hauskatze ausstellen
Natürlich, warum nicht einmal Ihre gewöhnliche Katze inmitten ihrer noblen Artgenossen ausstellen? Ihr ist sogar eine eigene Kategorie reserviert: die Kategorie "Hauskatzen". Um am Wettbewerb teilnehmen zu können, muss die Katze kastriert, gesund, umgänglich (von angenehmem Charakter) und schön anzusehen sein. Probieren Sie ihr Glück, denn mit Ihrer Hauskatze können Sie genauso viel Gefallen an Siegerehrungen finden wie mit einer vornehmeren Katze.
Sternstunden
Im Jahre 1935 gründete der Tierarzt Dr. Adrien Loir aus Le Havre den Club der Rattenfängerkatzen mit dem Ziel, die positiven Merkmale der Frankreich-Katze, seinerzeit auch französische Katze genannt, zu verbessern und zu erhalten. Diese Rattenfängerkatze war berühmt für die Bissigkeit, mit der sie die Docks des Hafens von Le Havre von Schädlingen befreite, was sehr viel Geld sparen half. Auch an anderen Orten und in anderen Institutionen, wie dem französischen Eisenbahnnetz, großen Warenhäusern, den Lyoner Seidenfabriken, dem Palais Bourbon in Paris, dem Museum für Naturgeschichte von Le Havre, setzte man Rattenfängerkatzen mit großem Erfolg ein. Dr. Loir erwartete, dass man ihre großen Taten würdigte: "Wäre es nicht eine Anerkennung des Verdienstes der Katze", schrieb er, "wenn man ihre Nützlichkeit für das Allgemeinwohl heute noch stärker hervorheben würde." Dieser Traum ist leider nicht in Erfüllung gegangen.
Europäische Kurzhaar und gewöhnliche Katze
Auf der Grundlage der bei der Hauskatze am häufigsten anzutreffenden Merkmale wurde der Standard für die Europäisch Kurzhaar aufgestellt, und bei der Fédération internationale féline (F.I.Fe) heißt es dazu wörtlich: "Die ideale Europäisch Kurzhaar werde nie mit einer anderen Rasse gekreuzt. Ihre Zucht sollte die Tatsache berücksichtigen, dass sie eine robuste, geschmeidige Katze ist, die aus anatomischer Sicht nichts von der europäischen Hauskatze unterscheidet." Man muss also wissen, dass die gewöhnliche Katze, im Gegensatz zur Europäisch Kurzhaar, keinem Standard entspricht, dass sie keinerlei präzise formulierte Kriterien erfüllen muss und dass ihre Reinrassigkeit, vor allem in der heutigen Zeit der Rassenvielfalt, nur schwerlich nachweisbar ist. Aus diesem Grunde hängen Halter einer Katze mit halblangen Haaren, vor allem wenn ihr Fell getigert ist, manchmal dem Irrglauben an, eine reinrassige Norwegische Waldkatze oder eine Maine Coon zu besitzen. Ist das Fell aber einfarbig, könnte es sich ja bei ihrem Tier auch um eine Türkisch Angora handeln. Man trifft häufig auf gewöhnliche Katzen mit der typischen Siam-Zeichnung (oft mit weißen Markierungen gemischt), was dann wahrscheinlich ist, wenn beide Eltern der Katze auch von Siamkatzen abstammen. Trotzdem handelt es sich nicht um Siamkatzen.


Die älteste Rasse der Welt
Gibt es demnach überhaupt keinen Grund, Stolz angesichts der Tatsache zu empfinden lediglich eine gute und schöne gewöhnliche Katze zu besitzen, wo sie doch der ältesten Rasse der Welt angehört? Den Amerikanern und Briten ist es gelungen, das Problem zu lösen. Das amerikanische Pendant zur Europäisch Kurzhaar heißt American Shorthair (Amerikanisch Kurzhaar), das britische ist die British Shorthair (Britisch Kurzhaar). Sie gehen beide, wie auch die Europäisch Kurzhaar (eine im übrigen ziemlich ungenaue Bezeichnung), auf die gewöhnliche Katze zurück. Doch sowohl Briten als auch Amerikaner züchten beide Katzenrassen, ohne dass es deswegen zu ähnlich vielen Missverständnissen wie in Europa kommen würde. Tatsache ist, dass sowohl American Shorthair als auch British Shorthair in ihrer heutigen Erscheinung mit ihrem Vorläufer überhaupt nichts mehr gemein haben. Das Problem der Europäisch Kurzhaar ist zweifellos, ihrem Vorläufer immer noch zu ähnlich zu sein. Warum sollte man sich also nicht ausmalen, dass die Rasse der Europäisch Kurzhaar, vorausgesetzt, sie geht keine Kreuzung mit neu entstehenden Rassen ein, uns eines Tages der ursprünglichen gewöhnlichen Katze näher bringen könnte! Durch ihren Anblick könnte sie uns in die Zeit zurückversetzen, in der die gewöhnliche Katze der einzige und so unverzichtbare Vertreter der ganzen Art der Katzen war!