Die Katze im Comic

Zwischen den Figuren aus Comics und Zeichentrickfilmen besteht ein ständiger Austausch. So entstehen einige Katzen in Comics, um später in Zeichentrickfilmen zu erscheinen (zum Beispiel die Figuren von Walt Disney), während andere zuerst auf der Leinwand und erst später auch in gedruckter Form existieren (Felix, der Kater). George Herriman, der Autor eines von 1911-1944 im New York Journal erscheinenden Comic-Strips, schrieb die Beziehung zwischen Katze und Irrsinn bis in alle Ewigkeit fest. Man sagt, dass Präsident Wilson diesen Comic seinen Kabinettsmitgliedern vorlas. Die lispelnde Katze (oder Kater, das Geschlecht steht nicht eindeutig fest) mit dem sprechenden Namen Krazy Kat ist in die Maus Ignatz verliebt. Diese Maus heißblütigen Temperaments steht deren Avancen jedoch gleichgültig gegenüber und verbringt ihre Zeit damit, unter Beobachtung des seinerseits unsterblich in die Katze verliebten Hunde-Polizisten Offissa Pupp, alle Welt mit Steinen zu bewerfen. In diesem Universum regieren schon die Poesie und die Logik des Absurden, die Otto Messmer und Pat Sullivan zweifellos dazu inspirierten, den Abenteuer liebenden Kater Felix zunächst auf der Leinwand und später auch im Comic zu erschaffen. Die Katzen bei Walt Disney sind im Allgemeinen vom Hund Pluto verfolgte, streunende Katzen. Ausnahmen bilden die Katze Nip, ständig darauf aus, Mickey zu quälen, und vor allem der große schwarze Kater Karlo, ein Gangster, dessen üble Pläne von Mickey durchkreuzt werden. In den Geschichten von Hanna und Barbera verteidigt die Katze Tom das Haus gegen die Attacken zweier spöttischer Mäuse, die in einem Loch in der Mauer leben. Wie nicht anders zu erwarten verbringen sie ihre Zeit damit, Nahrung zu suchen und Tom zu ärgern. So entspinnen sich völlig entfesselte Jagden, bei denen alles erlaubt ist. Die Geschichten haben einen dermaßen großen Erfolg, dass die Zeitschrift Our Gang, welche die Geschichten veröffentlichte, 1942 in Tom & Jerry umbenannt wird. Im Kino sind diese Abenteuer ein ähnlich großer Erfolg. Gleiches gilt für das Paar Sylvester und Tweetie. Die Helden der Nachkriegscomics sind meist Menschen, die sich einen Hund als Gefährten erwählt haben (Struppi, Idefix, Rantanplan). Eine Katze tritt nur auf, um den Hund zur Geltung zu bringen (Pif und Herkules) oder um Katastrophen zu verursachen. In Gaston wird die Katze als Dieb, Meckerfritze und Auslöser von Verheerungen dargestellt. Der Gefährte des Zauberers Gargamel, Asrael (die Schlümpfe von Peyo), ist ein niederträchtiger Kater, der genauso arglistig und grausam ist wie sein Halter. Er entspricht dem teuflischen Bild, das man sich im Mittelalter gern von der Katze gemacht hat. Fritz the Cat erscheint in den Heften von Crumb erstmals im Jahr 1959, doch veröffentlicht wurden die Comicstrips erst 1965. Sein Zeichner definiert Fritz wie folgt: „ein junger Kater, ein gebildeter Student, der mit der neuesten Mode geht und gemeinsam mit Millionen von anderen Tieren in einer modernen Mega-Stadt lebt". Dieser Kater ist so skrupellos, zynisch, ehrgeizig und selbstbewusst wie ein junger Mann. Seine Abenteuer enden stets gut. In den Siebziger Jahren entsteht in Europa eine mit dem amerikanischen Underground (Fatty Fredy) vergleichbare, kulturelle Gegenbewegung und mit ihr die Katze Squeak the Mouse von Matiolli, eine Art verzerrtes Tom & Jerry. 1978 schuf Jim Davis für die Herald Tribune den unwiderstehlichen Garfield, eine dicke, orange-schwarz getigerte Katze. Dieser jähzornige, verlogene, faule und autoritäre Kater macht seinem Halter John das Leben schwer. Dennoch kommen beide nicht ohne den anderen aus und verstehen sich gut. Hier erkannten die Amerikaner das Verhältnis zwischen Mensch und Tier wieder, wie es tatsächlich in vielen Haushalten existiert. Garfields Devise lautet: „Katzen sind unschlagbar".

Im Comic werden der Katze die gleichen Eigenschaften und Symbole zugeschrieben wie in anderen Kunstbereichen auch:

  • Haustier (Felix, Garfield...);
  • Tier mit erotischer Ausstrahlung (Fritz von Matiolli oder die Katzen bei Edika);
  • Grausames und heuchlerisches Tier (Rasputin und Erste Untersuchungen von Sokal);
  • verschwiegenes, durchtriebenes Tier (Chevalier und Gheebrant, Chaminou von Macherot, Stanislas, Superkater, Die Katze alias Jacques Bertrand von Greg);
  • Verfluchtes Tier (Fatty Freddy, Maido und Maildur);
  • Verkörperung des Übernatürlichen (die Katzen in Mandrake, die telepathische Katze von Gogol in Die Geschäfte der Unsterblichen, die Viele Leben des Felix, Pussy und Krazy, Ottag von Rebuffi, die Acht Tage des Teufels von Convard.
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