Die Katze und Kunst und Kommunkation

Im Laufe der Jahrhunderte schrieb man der Katze viele verschiedene Charaktere zu, unter anderen war sie Teufel, Gott, Jägerin, Begleitier; oder lediglich ein Symbol für Schönheit und Anmut. Maler hingegen zählten, wie Christabel Aberconway in einer Studie zeigt, im Laufe der Zeit nur sehr selten zu den "cats lovers". 

Die Katze in der Malerei und der Bildhauerei

Die Frühgeschichte

Aus dieser Epoche sind uns ein aus einem Knochen geschnitztes Katzenprofil (Seepyrenäen) und eine in der Dordogne (Gabillou) entdeckte und scheinbar einen Katzenkopf darstellende Felsmalerei erhalten geblieben. 

Ägypten

Ägypten weist die erste größere Ansammlung von Bildnissen auf. Außer auf heiligen Darstellungen, ist die Katze auch auf kleinen Tonscherben, den so genannten „Ostraka" zu sehen. Auf diesen Vorläufern des Notizblocks, hielten die Ägypter ihre Gedanken fest, machten sich Notizen oder fertigten Zeichnungen an. Diese Schreib- und Malunterlage ermöglichte die Karikatur der Katze, wobei sie häufig in menschlicher Haltung abgebildet wurde: als Gänsehirtin oder einer Maus dienend. Man kann annehmen, dass diese Tonscherben die Vorläufer der Tierfabeln sind. Für die Ägypter hatte die Natur etwas Mystisches. Aus diesem Grunde ist die Katze so häufig auf Amuletten abgebildet. Über lange Zeit hinweg war das Motiv „Katze unter einem Stuhl" der Archetyp des Bas-Reliefs (das eine sexuelle Anspielung beinhaltete, wenn eine Frau auf dem Stuhl saß). Auf einem aus dem Jahre 3 200 v.Chr. stammenden,Papyrus des Totenbuchs ist zu sehen, wie eine Katze den Schlangendämon der Finsternis, Apophis, den Feind der Sonne (Ra), tötet. Im Allgemeinen ist abgebildet, wie die Katze mit einer ihrer Vorderpfoten Apophis in die Höhe, mit der anderen das Messer hält, mit dem sie ihr Opfer enthaupten wird. Diese Szene symbolisiert den Sieg der Sonne über die Nacht, womit ihre Himmelswanderung von Neuem beginnen kann. Während des Neuen Reiches (1560-1080 v.Chr.) ist die Katze ein beliebtes Motiv in königlichen Grabmalereien. Ein Beispiel dafür ist im Besitz des British Museum: die Malereien im Grab von Nebamum, auf denen eine Katze abgebildet ist, die statt eines Vorstehhundes bei der Vogeljagd Verwendung findet. Ein anderes Beispiel wurde im Tal der Könige, im Grab des Schreibers Nakht entdeckt. Dort ist eine unter dem Tisch kauernde Katze dargestellt, die einen Fisch frisst. Ende des zweiten Jahrtausends v.Chr. war die Göttin Bastet die Hauptgottheit der Stadt Bubastis. Sie war ein Symbol für Fruchtbarkeit und außerdem Schutzpatronin der Familie und der Ernten. Zunächst als Löwenfrau dargestellt, wurde sie allmählich zur Katzenfrau oder zur Katze (wie auch andere Göttinnen in Löwengestalt zeitweise die Gestalt einer Katze annehmen: Pakhet, Nut etc.). Mit der Zeit verliert die Katze, was die Sonne betrifft, jedoch ihre Symbolkraft, und wird ein die Weiblichkeit beeinflussendes Symbol für den Mond.

Die griechisch-römische Epoche

Von den wenigen Darstellungen von Katzen in der griechisch-römischen Welt seien das berühmte Mosaik aus Pompeji, auf dem eine Katze auf Entenjagd abgebildet ist, sowie das Bas-Relief aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hervorgehoben, das eine einem Hund gegenüberstehende Katze zeigt. Im Bereich Bildhauerei sind auf einer im Archäologischen Museum von Athen ausgestellten griechischen Grabstele zwei junge Griechen zu sehen, die an der gegenseitigen Abneigung zwischen Hund und Katze Belustigung finden. Auf einer aus der Zeit der römischen Besetzung Galliens stammenden, bei Alise-Sainte-Reine im französischen Département Côte-d'Or gefundenen Stele ist ein Mann dargestellt, der eine Katze hält. In einen Grabstein, der im Besitz des Museums der Stadt Bordeaux ist, sind ein kleines Mädchen, ihre Katze und ihr Hahn gehauen. Das Chorgestühl der im Mittelalter errichteten Kathedrale von Saint-Pierre zeigt eine Katze mit ihrer Beute, einer Maus.

Das Mittelalter

Im Mittelalter finden sich nur wenige Darstellungen, die den schlechten Ruf der Katze Lügen strafen. Ausnahmen bilden die, in Anspielung auf die Tierdichtung Roman de Renart, Tibert genannte Katze im Straßburger Münster, die Rattenfängerskulptur in der Pariser Kirche Saint-Germain-l'Auxerrois und das Gemälde einer zu Füßen ihrer Halter liegenden Katze im Monat Februar des Kalendergebetbuches Très Riches Heures du duc de Berry von Pol de Limbourg. Hingegen finden sich unzählige Abbildungen, meist späteren Datums, auf denen die von der Kirche lancierte Komplizenschaft der Katze mit Gedanken fest, machten sich Notizen oder fertigten Zeichnungen an. Diese Schreib- und Malunterlage ermöglichte die Karikatur der Katze, wobei sie häufig in menschlicher Haltung abgebildet wurde: als Gänsehirtin oder einer Maus dienend. Man kann annehmen, dass diese Tonscherben die Vorläufer der Tierfabeln sind. der Hexerei dargestellt wird. Als Beispiele seien die Lithographie Die Hexe (1870) von Hans Thoma, der Holzschnitt gleichen Titels von Hermann Vogel (1890), sowie le Départ pour le Sabbat (Der Aufbruch zum Sabbat) von Queverdo genannt. Vor dem 15. Jahrhundert wurde die Katze auf Gemälden nur äußerst selten und meist als Randerscheinung dargestellt: "Abrahams Opfer" (1468-1484) von Benozzo Gozzoli, "Esau tritt sein Erstgeburtsrecht an Jakob ab" von Michel Corneille oder Luca Giordano. Auf der Skulptur "Verkündigung der Jungfrau" von Jan de Beer (1475-1518) ist eine Katze zu sehen, doch kommen sie in der Bildhauerei ansonsten so gut wie gar nicht vor.

16. Jahrhundert

Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint mit fortschreitender Rehabilitierung der Katze ihr Bild wieder auf einigen Gemälden. Auf Albrecht Dürers Adam und Eva (1504) ist sie, im Gegensatz zur Schlange, friedfertig und sanft dargestellt. Auf diesem Gemälde fühlt sich die Katze weder durch die Anwesenheit des Hundes noch durch die der Maus beeindruckt, da die irdische Harmonie noch nicht vom menschlichen Sündenfall zerstört wurde. Die Darstellung der zu Füßen des Paares schlafenden Katze ist vor allem bei flämischen Meistern wie Franz Pourbus, dem Älteren (1570) und Pietr Jansz Seanredam (1797) beinahe klassisch geworden. In allen drei Fällen ist die Katze nur als ein Tier unter vielen dargestellt, was als Anspielung auf Adams Aufgabe, allen Tieren einen Namen zu geben, zu verstehen ist. Auch Leonardo da Vinci hat die Katze einige Male in verschiedenen realistischen Studien mit Hingabe gezeichnet.

17. Jahrhundert

Die Gemälde von Philippe de Champaigne (Die Jünger von Emmaus, 1602-1674) und Charles de Brun (Schlafendes Jesuskind, 1655) rücken die Katze erstmals in den Mittelpunkt der Komposition. Ein beliebtes Motiv, die Katze darzustellen, ist die Verkündigung. Jedoch legt die Katze ein demonstratives Desinteresse an diesem großen Ereignis an den Tag und scheint von Mächten des Bösen eingenommen. Tintoretto muss diese Ansicht in Bezug auf die Katze geteilt haben, denn in seiner Verkündigung stellt er sie mit einem feindseligen Blick dar. Hieronymus Bosch verknüpft in seinem Garten der Lüste die Katze ebenfalls mit den Übeln der Hölle, doch auf eine sehr anekdotische und natürliche Weise, denn auch den Teufel malte er in Katzengestalt. Eine bedrohliche Rolle kommt der Katze auch häufig in Darstellungen der Heiligen Familie zu, so bei Baroccio (1563) oder dem Familienportrait von Georg Pencz (1541), auf dem die Katze einem Distelfink auflauert. Da dieser Vogel dafür bekannt war, Disteln besonders zu mögen, wird dies als Anspielung auf die Dornenkrone Christi gewertet. Indem nun die Katze dem Vogel auflauert, dem Symbol für den Erlöser Christus, repräsentiert sie die das Heil der Menschheit bedrohenden bösen Mächte. Auch bei vielen anderen Malern weist die Darstellung der Heiligen Familie eine Katze auf, wenn auch ohne Distelfink: Leonardo da Vinci, Giulio Romano, Vermeyen, Murillo, Rem-brandt, Frans Floris de Vriendt. Außerdem ist die Katze auf Darstellungen festlicher Szenen aus dem Leben Jesu zu sehen: Die Hochzeit zu Kana von Giuseppe Mazzuoli, Gastmahl im Hause des Levi von Veronese. Ganz im Sinne der Tradition wird die Katze auch als Komplizin des Bösen, nämlich während der letzten Abendmahls zu Judas Füßen schlafend, dargestellt. Auf zahlreichen Gemälden sind die als Anspielung auf den Kampf zwischen Gut und Böse gedachten Auseinandersetzungen zwischen Hund und Katze anzutreffen. Hierzu zählt auch die Wandmalerei Das Abendmahl von Cosimo Roselli in der Sixtinischen Kapelle. Ist die Katze auf Szenen nach der Auferstehung zu sehen, symbolisiert sie den auferstandenen und fortan ewigen Christus. Valeriano zufolge verkörpert dieses Tier den Mond und versinnbildliche demnach Anfang und Ende aller Dinge. Auch das Leben der Jungfrau Maria bietet Anlass für die Abbildung von Katzen (la Visitation, Die Heimsuchung, von Theodor van Loon). In Gemälden mit religiösen Motiven wurden die Katzen selten als Gefährten dargestellt, mit Ausnahme des Tiers in der Zelle des Heiligen Hieronymus. Im Bereich des Schönes, symbolisiert die Katze den ästhetischen Blick. Zu dieser Bedeutung gesellten sich die Metaphern der weiblichen Schönheit und der irdischen Liebe (Allegorie der Ästhetik, 1616 von Jan Saenredam; – Die Ästhetik, 1666 von Barent Fabritius; Porträt einer jungen Frau mit Katze von Bacchiacca (1525); oder Vanitas, Pietr Wtewael zugeschrieben). Das Motiv des „Pfotenhiebs" veranschaulicht das Dahineilen der Zeit und kündigt von der Vergänglichkeit der irdischen Freuden (Mit Katze spielende Kinder, von Jan Miense Molenaer; Der Pfotenhieb der Katze, von Proudhon; Barmherzigkeit von Cornelis van Haarlem). Parallel dazu bringt eine auf die Bestiarien des Mittelalters zurückgehende Weltanschauung Konzerte hervor, auf denen Tiere parodiert werden. Vor allem die flämischen Maler begeisterten dafür: Katzenkonzert von David Teniers II., Radierung von Jan Brueghel: die Noten einer Musikpartitur sind durch Katzen ersetzt. Im Barockzeitalter ist die Katze nur auf dem Gemälde Werkzeug des Tischlers, von Rembrandt zu sehen, Die sogar in den mittleren Schichten zum Haustier gewordene Katze erscheint nun jedoch auf Darstellungen des ländlichen Lebens bei Jacques Callot, Abraham Bosse oder David Teniers II. (Katzenkonzert). Der Maler Jordaens bildet sie gar auf seinen Darstellungen von Saufgelagen ab. Gerard Terborch malt sie im Kreise der Familie des Scherenschleifers und Velàzquez zusammen mit seinen Teppichwirkerinnen. Einige sehen darin ein Symbol für die Freiheit. Die auf dem Salon von 1798 ausgestellte Radierung Pierre-Paul Prudhons zeigt eine mit einem Prankenhieb ihre Ketten sprengende große Katze.

18. Jahrhundert

Im Zeitalter der Aufklärung malt Watteau die Katzen voller Anmut und Sanftheit. Chardin malt die Katze in liebenswerter Weise auf seiner Blanchisseuse (Wäscherin), stellt sie in seinen anderen Werken jedoch grausamer, diebisch und durchtrieben dar. Im 18. Jahrhundert wird die Katze als Raubtier, an der Seite des Jagdwildes, wieder entdeckt (François Desportes, Jean-Baptiste Oudry oder Gilles Colson). Louis le Nain malt sie in friedlicher Stellung neben dem Feuer zusammengerollt. Der Schweizer Gottfried Mind (1768-1814), auch Katzenraffael genannt, fertigte unzählige Katzenbilder an, da er diese Tiere anbetete. Er schnitzte sie sogar in Kastanien. Hingegen ist die Katze in den Gemälden von François Boucher, Jean-Honoré Fragonard oder Maurice Quentin de la Tour nur schmückendes Beiwerk ohne hervorgehoben zu werden. Mit wenigen Ausnahmen wurde die Katze in der europäischen Kunst auf konventionelle Weise thematisiert. Traditionell wird sie als Feinschmeckerin, Diebin, auf einem Sessel zusammengerollt oder in den Armen ihrer Halterin dargestellt.

19. Jahrhundert

Die Malerei des 19. Jahrhunderts weist zahlreiche Darstellungen von Katzen auf, so zum Beispiel die Gemälde Julie Manet von Pierre Auguste Renoir, la Mort du cochon (Der Tod des Schweins), von Louis Leopold Boilly, Miss May Belfort von Toulouse-Lautrec, Das Interieur des Ateliers von Gustave Courbet. Neben seiner berühmten Olympia mit ihrer schwarzen Katze hat Édouard Manet noch eine herrliche Zweisamkeit zwischen einer weißen und einer schwarzen Katze auf einem Dach im Mondschein komponiert: Die Katzen von Champfleury. Géricault malte eine weiße Katze voller Sanftheit und Melancholie. Die zwei Kätzchen in der Mitte des Gemäldes Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? von Gauguin sollen die Unschuld symbolisieren. Auch auf den Gemälden von Maurice Denis, wie etwa le Goûter, (Die Vesper) (1919), oder Hommage à Cézanne sind Katzen zu sehen. Einige, als „bürgerlich" bezeichnete Maler des 19. Jahrhunderts haben sich fast ausschließlich der Katze gewidmet. Einer Zählung zufolge malten 182 Maler Katzen, unter ihnen die Franzosen Philippe Rousseau (l'Importun, der Aufdringliche, 1850) und Louis-Eugène Lambert (Katzenfamilie, 1887), sowie der Belgier Charles van den Eycken.

20. Jahrhundert

Diese Bildfülle setzt sich im 20. Jahrhundert fort. Und dennoch vermitteln Werke wie Die karierte Bluse, Weiße Katze und Kleines Mädchen mit Katze von Pierre Bonnard neue Sichtweisen und sind bisher einzigartige Darstellungen der Katze. Die zahlreichen Katzen in der Welt des Malers Balthus (Mitsou, Vierzig Bilder, Die Mittel meerkatze) tragen zur erotischen Atmosphäre bei, die dem Maler so viel bedeutet. Ein anderes erstaunliches Gemälde ist das Portrait de Pierre Loti (oder eher von Edmond Achille Frank?) und seiner Katze von Douanier Rousseau, eines der wenigen nicht naiven Bilder des Malers. Der uneingeschränkte Katzenliebhaber Théophile Alexandre Steinlein (1859-1923) hat Tausende von Katzen aller Rassen an allen nur erdenklichen Orten porträtiert. Außerdem beteiligte er sich an der Inneneinrichtung des Nachtclubs „Schwarze Katze". Der Japaner Fujita (1886-1968) fertigte etliche Selbstporträts mit Katze auf der Schulter an (Selbstporträt, 1928, Museum für Moderne Kunst im Centre Pompidou, Paris) und seine fernöstliche Kalligrafie passt in bewundernswerter Weise zu seinen Radierungen. Der moderne Maler Fernand Léger ordnete für seine Frau mit Katze (1921) Katzen und Bücher um seine Geliebte an. Francis Picabia, Marc Chagall (Paris par la fenêtre, Paris aus dem Fenster betrachtet), Salvador Dali oder Pablo Picasso (Chat dévorant un oiseau,Vogel fressende Katze) haben allesamt Katzen gemalt. Doch erst im 20. Jahrhundert erscheinen die Katzen unter ihrem eigenen Namen auf den Gemälden: Rapinou von Suzanne Valadon, Lulu von Vollard, Sita von Cecilia Beaux etc. Die große Katzenliebhaberin Léonor Fini zeigt Katzen als „eigenständige Persönlichkeiten", schön, magisch, natürlich, unschuldig, sehr sinnlich oder widerspenstig in einer Welt, in der sich die Grenzen zwischen Mensch und Tier verwischen. Sie war der Auffassung, dass ihre Faszination für diese Tiere mysteriöser Ursache habe, sondern, dass sie sich zu einem „perfekten Wesen, das schöner als alle anderen ist", hingezogen fühlt. Viele ihrer Gemälde zeigen Sphingen, also Frauen mit Katzenkörpern. Sie schuf von ihrem Fetisch inspirierte Masken, Kostüme, Theater- und Ballettkulissen (Les Demoiselles de la nuit (Die Fräuleins der Nacht), Ballett von Roland Petit, 1948). Ihren Freund Stanislao Lepri (Liebe auf den ersten Blick, 1972, Vater unbekannt, 1975) hat sie mit ihrer Katzenliebe angesteckt. Heutzutage findet man in der zeitgenössischen fantastischen Malerei häufig Darstellungen von schwarzen Panthern oder Katzen, die Weiblichkeit symbolisieren sollen, so das Katzenporträt des Deutschen Carl Rohring (1980), auf dem ein Katzenkopf von Federn und getrockneten Blumen umringt ist, die eine phantastische und feminine Haarpracht bilden.

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