Die Antike
Zu den Schriftstellern der Antike, die über die Katze geschrieben haben, zählen Homer, Plutarch, Äsop, Virgil und Ovid. Äsop erzählt, wie Venus dem Wunsch einer in einen schönen Jüngling verliebten Katze nachgibt, und sie in eine Frau verwandelt (La Fontaine wird diese Erzählung später in Die in eine Frau verwandelte Katze aufgreifen). Doch die Katze blieb Katze und konnte trotz ihrer Verwandlung nicht anders als einer durch das Zimmer laufenden Maus nachzustellen. Ovid beschreibt in seinen Metamorphosen die Verwandlung Dianas, der Schwester Apollos, in eine Katze.
Das Mittelalter
Im 12. Jahrhundert findet man die Katze in Farcen und Fabeln, so zum Beispiel im Roman de Renart, wo die Katze Tibert, genau wie der Fuchs, die Betrügerei, die Grausamkeit und die Durchtriebenheit verkörpert. Auch in Hexengeschichten wimmelt es nur so von Katzen.
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Die Renaissance
Auch im 16. Jahrhundert herrscht über die Katze noch keine Einigkeit. Ronsard und Rabelais empfinden eine starke Abneigung gegen das Tier, während es Montaigne (in seinen Essais) und Du Bellay eifrig in Schutz nehmen. Letzterer verfasste sogar ein 200 Verse umfassendes Epitaph in Gedenken an seine Katze Belaud.

Der Klassiszismus
Im 17. Jahrhundert behaupten Schriftsteller (Scarron), Frauen würden sensibler auf Katzen reagiren. Fabeldichter schließen sich der öffentlichen Verurteilung der Katze an und tragen zur Verbreitung ihres schlechten Rufs bei. Für La Fontaine war die Katze immer noch ein selbstverliebtes, schöntuerisches und spitzbübisches Tier. Mit ihrer Hilfe karikiert er den Kanonikus. Die Katze ist sechzehn Mal in seinem Werk zu finden, ohne dass sie auch nur einmal ungeschoren davonkäme. Sie ist der „Attila der Nagetiere", pflegt einen hinterlistigen, verschlagenen und grausamen Jagdstil (Die Katze, der Iltis und der kleine Hase) und verleugnet ihre Freunde aus Eigennutz (Die Katze und die zwei Spatzen). Der Schriftsteller Rabelais stellt seine „chats fourrez" (etwa: „gefüllte Katzen") mit einem heuchlerischen Äußeren dar und benutzt sie als Vehikel für eine Satire auf die Justiz. Der Gestiefelte Kater, Teil der Märchensammlung Histoires ou Contes du temps passé, Geschichten und Erzählungen aus vergangenen Zeiten (1697) von Charles Perrault, gibt der zwar durchtriebenen aber ihrem Halter treuen Katze ihre Eigenschaft als Glücksbringer zurück. Wie in allen seinen Geschichten lässt sich der Autor von volkstümlichen Überlieferungen inspirieren, und beschreibt in dieser Geschichte wie das Eingreifen des Katers einem armen und verlassenen Jungen zur Genugtuung verhilft. Das Werk ist voller Sinnbilder, so steht die in der Magie des Katers verkörperte Kraft des Mondes der königlichem Macht der Sonne gegenüber. Auch in der von Madame d'Aulnoy verfassten Erzählung Die Weiße Katze aus der Geschichtensammlung Contes nouveaux ou les Fées de la mode, (Neue Erzählungen oder moderne Feen, 1698), erscheint die Katze als wunderbarer und beschützender Ratgeber (Schutzgeist), der seinem Halter Glück bringt. Hier ist erneut eine Vielzahl von Symbolen anzutreffen, das antike Gleichgewicht ist jedoch wieder hergestellt: drei Königreiche der Sonne stehen drei Königreichen des Mondes gegenüber. M.-L. von Franz stellte fest, dass der Held der Geschichte in beiden Fällen seinen Schatten (seine Katze) wieder finden, das heißt seine Seele in sein bewusstes Ich integrieren muss. Bruno Bettelheim erklärte dazu, der Freudschen Interpretation folgend, der Mensch müsse lernen, dem Unterbewussten zu vertrauen und es zu akzeptieren.
18. Jahrhundert
1727 erschien das erste, wahrhaft den Ruhm der Katze begründende Werk, Die Katzen von François Augustin Paradis de Moncrif. Er beschreibt sie darin als unabhängig und heiter, behauptet, sie bildeten eine Art Republik und wären dem Menschen aus reiner Zuneigung, und nicht wie die Hunde aus Servilität, zugetan. Sowohl ihre Empfindungen als auch ihr Körper seien Inbegriffe von Anmut. Doch dieses überschwängliche Werk brachte seinem Autor den Spott Voltaires ein. Buffon seinerseits nimmt in seiner Naturgeschichte (1749-1804) die Aufrichtigkeit des Hundes gegen die Durchtriebenheit der Katze in Schutz. Von der Unabhängigkeit dieses Tieres begeistert, empörte sich Chateaubriand (1768-1848) über Buffon. Er kam zu der Überzeugung, an der Rehabilitation der Katze arbeiten zu müssen und beschrieb sie mit Wohlwollen (so den Micetto in den Memoiren von Jenseits des Grabes).
19. Jahrhundert
In seinen Herzensqualen einer englischen Katze verwendet Balzac das Tier als Sprachrohr, um den britischen Puritanismus und seine Heuchelei zu geißeln. Es wurde festgestellt, dass sich der Autor mit diesem Werk in die Domäne der vergleichenden Psychologie begeben hat. Genau wie La Fontaine, inspirierte Die in eine Frau verwandelte Katze wohl auch Balzac. Viele Schriftsteller des 19. Jahrhunderts begeisterten sich für die Doppeldeutigkeit, die geheimnisvolle Art und den Individualismus der Katze sowie für ihre Affinität zu okkulten Mächten. Die Katze wird im XIX. Jahrhundert für die gleichen Gründe geliebt, wegen derer sie im 17. Jahrhundert vernichtet wurde. „Geheimnisvolle Katze, seraphische Katze, wunderliche Katze", die zwei Gedichte Die Katze und Die Katzen von Baudelaire veranschaulichen diese Sicht bestens. Der geschmeidige und biegsame Körper sowie das Fell der Katze haben eine wichtige aphrodisierende Wirkung. So wird im modernen erotischen Wortschatz das Geschlecht der Frau mit dem Wort „Muschi" bezeichnet. Die Romantiker sind Feuer und Flamme für die Geheimnisse und die Magie, die mit der Katze verbunden sind. Auch Verlaine preist diese Tugenden in Die Frau und die Katze. In der Tat dreht sich die Literatur zur Katze im XIX. und XX. Jahrhundert um das Geheimnisvolle und das Wundersame. Die außergewöhnliche Katze von Alice im Wunderland (Lewis Carroll, 1865) veranschaulicht bestens, mit welcher Absurdität, welchem Nonsens dieses rätselhafte Tier verknüpft wird. Die Katzen des Dichters und Meisters des Nonsens, Edward Lear, waren gleichzeitig sowohl seine Lebensgefährten als auch seine literarischen Figuren. Das Absurde bildet den Gegensatz zum Normalen und so beweist die Katze einmal mehr ihre Unabhängigkeit des Geistes und ihre geheimnisvolle Art. Ist die schwarze Katze für Émile Zola ein Symbol dafür, dass etwas Schlimmes geschehen ist (in Thérèse Raquin ist sie Zeugin eines Mordes), empfindet Edgar A. Poe eben der schwarzen Katze gegenüber ein Schwindelgefühl, das ihn Böses ahnen lässt. Das Tier scheint im Gefolge dunkler Mächte sündige Lüsternheit und Sexualität zu entfesseln. Rudyard Kipling beschreibt in Die Katze, die ganz alleine geht ein zur Wahrung seiner Freiheit ausreichend durchtriebenes Tier. Der volkstümlichen Tradition der Bestiarien folgend, geht er bei der Beschreibung des Tieres von der Natur des Menschen aus und steht damit im Gegensatz zu den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, wie Louis Pergaud oder Maurice Genevoix, die um eine objektive Betrachtungsweise des Tieres in seiner natürlichen Umgebung bemüht sind.
20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert fährt man fort, die Katze zu rühmen, geht jedoch über jegliche Romantisierung hinaus und versucht zunächst, das Tier zu verstehen und zu erforschen. Pierre Loti versucht, „durch das sonderbare Fenster dieser Augen bis in das Unbekannte dieses Gehirns vorzudringen". In der zeitgenössischen Literatur wird die Katze häufig als diktatorisch geschildert. Die Katze bettelt nicht. Sie kann in diesem Sinne ihre Freiheit ausleben und so fühlt sich der Schriftsteller jeden Tag von neuem erwählt. Robert Sabatier hat das Gefühl, bei seiner Katze zu wohnen. Die Katze Graf Bouby (Jean Blot) nennt ihre Halter ihre Sklaven. Paul Morand gesteht in l'Homme pressé (Der verführte Mann): „Ich hatte hundert Katzen, oder vielmehr: hundert Katzen hatten mich." Denen, die sich der Liebe ihrer Katze sicher wähnen, stehen diejenigen gegenüber, die davon überzeugt sind, dass das Tier lediglich die ihm vom Menschen gebotenen hauptsächlich häuslichen Vorteile liebt. Dies hindert weder Cocteau, in der Katze die sichtbare Seele des Hauses zu sehen, noch Baudelaire, sie für eine Art „Familiengeist" zu halten, der den Dingen Leben einhaucht. Michel Tournier prägte den Begriff „übermäßige Anpassung", um die Fähigkeit der Katze zu beschreiben, in einem Haushalt zu verschwinden und wieder zu erscheinen. Renée Massip zufolge „gibt es Haushalte, die eine Katze benötigen", so die prächtige, zwischen den Freuden der Freiheit und denen der Häuslichkeit hin- und her gerissene, Katze Rou von Maurice Genevoix, oder Finette von Remo Forlani. Wieder andere Schriftsteller, wie zum Beispiel Christopher Simon und Anne Frank glauben, dass die Katze sowohl ihr Heim als auch ihren Halter liebt, und für Letzteren bereit ist, auch Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Colette hat die Tierwelt realistisch beschrieben; sie fällt jedoch in das Vermenschlichen zurück, sobald es um die Katzen One and Only, Letzte Katze, Kapok, Mini-Mini etc. geht. Colette veranschaulicht, dass der Katze die Scham fehlt (Mein Elternhaus: „Sie rollt sich, kriecht auf dem Rücken und dem Bauch, besudelt ihr Fell, während die Kater ihren Vorwärtsbewegungen folgen und gemeinsam wieder zurückweichen"). Hatte die Katze im 15. Jahrhundert noch den Ruf, Garant für den Erfolg in der Liebe zu sein, entwickelte sie sich in der Folgezeit zu einem Symbol für die Wollust, die Sinnlichkeit und die Sexualität (Chat beauté, Katzenschönheit, von Paul Guth, Graf Bouby von Jean Blot, Blues für eine schwarze Katze von Boris Vian, Ein Katzenleben von Yves Navarre). In der Literatur werden Katze und Frau so eng miteinander verknüpft, dass sie bisweilen verschmelzen (Frau und Katze von Paul Verlaine, Die Katze auf dem heißen Blechdach von Tenessee Williams, Die Frau des Bäckers von Marcel Pagnol). Verwandelt sich die Katze manchmal in eine Frau, wird sie anderenorts zur Rivalin der Frau (Der Kater von Simenon oder Die Katze von Colette). Doris Lessing schreibt in Mein Katzenbuch, Die Katzen im Besonderen, über eine Frau, die sich ihrer Siamkatze entledigen muss, um ihren Ehemann zu halten. Schon die Menschen am Ufer des Nils nannten die Katzen „Kummerfresser", für Paul Léautaud ist dieses Tier gar ein Zufluchtsort und ein wahrer Freund, wovon sein mit Reflexionen über und Anekdoten von Katzen gespicktes Literarisches Tagebuch zeugt. In unserer Zeit ist die Katze dem Autor Quelle der Inspiration und spielt eine Rolle in seinen Gedanken (Ein Katzenleben von Yves Navarre oder Graf Bouby von Jean Blot). Boris Simon glaubt, dass man dank der Katze zu einem besseren Menschen werden kann: in seinem Roman Passage de l'homme-chat, (Übergang Mensch-Katze), erfährt der brutale Bandenchef die Liebe, Zuneigung und Verletzlichkeit der Katzen und schafft es, auf Grund dieser Erfahrung, auch seine Mitmenschen respektvoll zu behandeln. Die Katze kann auch zu einem Spiegelbild des Schriftstellers werden. Auffallende Übereinstimmungen zwischen dem Verhalten des Autors und seiner Katze Bébert treten beispielsweise in der deutschen Trilogie von Louis-Ferdinand Céline (Norden, Von einem Schloss zum nächsten, Rigodon) zu Tage. Der Tod des Tieres löst somit ein durch Schuldgefühle noch verstärktes Drama aus (le Chat des Briarres von Renée Massip, Zeit der Reife von Jean-Paul Sartre). Jules Laforgue und François Maynard haben Grabreden für ihre Katze verfasst (nach dem Epitaph von Du Bellay). Jean Cocteau veranschaulicht den rätselhaften Charakter in Die Schöne und das Biest (das Biest entpuppt sich im Film als ein Furcht erregendes, aber zärtliches Katzen-Monstrum). Dennoch verknüpft auch die zeitgenössische Literatur noch häufig Hexen und den Teufel mit der, natürlich schwarzen, Katze. Tennessee Williams beschreibt in der Novelle Der Fluch, aus der Geschichtensammlung Das verstümmelte Standbild, das unbarmherzige Schicksal einer untrennbar mit einem Menschen verbundenen Katze. Eine Katze kann, im Gegensatz dazu, aber auch günstige Auswirkungen haben: Marcel Aymé greift in seiner Erzählung la Patte du chat (Die Katzenpfote), einen alten Glauben wieder auf, der besagt, dass eine sich mit ihrer Hinterpfote am Ohr kratzende Katze Regen ankündigt. René Barjavel ist einer der zahlreichen, an die Seelenwanderung glaubenden Schriftsteller, weshalb für ihn Katzen reinkarnierte Menschen sind. In den literarischen Schilderungen der Katze gibt es einige Motive, welche die Zeit überdauert haben: die Katze und das Schreiben; die Katze und die Wollust, Sexualität; die Katze und die Frau; die Katze und die Absurdität; die heilige oder teuflische Katze und stets das ewige Geheimnis der Katze.