Verwendung der Katze in der Geschichte

Die Katze, als Glücksbringer geschätzt, lebt im Einklang mit der Natur, jagt Nagetiere und bietet sich als Gefährte an.

Die magische Katze

Sie regeneriert und düngt die Erde und macht sie fruchtbar.


Die Katze als Allheilmittel

Sie löst Krankheiten aus oder heilt von Leiden.

Der schweizerische Mediziner und Autor der Historia animalium (1551) Conrad Gesner sieht in der Katze die Ursache für schwere Atembeschwerden. Verschluckt man aus Versehen ihre Haare, droht man daran zu ersticken. Außerdem kann ihr schädlicher Atem den Tod derer verursachen, welche die Unvorsichtigkeit begehen, neben ihr zu schlafen. Auch andere Mediziner (Ambroise Paré Matthiol) raten dazu, die von Hunden und Katzen verbrauchte Luft nicht einzuatmen. Der bloße Anblick einer Katze reicht aus, um Panikattacken bei Patienten auszulösen. Um all diesen Leiden zu begegnen, bedient sich die Medizin spezieller Präparate. Die Heilmittel werden auf der Basis von Katzenfleisch, -leber oder -exkrementen hergestellt. Sie werden bei der Behandlung von Hämorrhoiden, Krampfadern, Hexenschüssen, Gicht, Fieber, Nierensteinen und einigen Augenleiden empfohlen.

Die Geldkatze

Sie kann ihren Halter einen reichen Mann werden lassen.

Die Legende verknüpft die Katze, das Haustier der Armen, mit einem plötzlichen und unerwartetem Wohlstand. Dies wird in dem bekannten Märchen Der gestiefelte Kater deutlich, in dem Charles Perrault die Armut des Müllers schildert, der seinem Sohn als einziges Erbe einen Kater vermacht. Ein weiteres Beispiel ist die in den Annalen von Albert de Statd erzählte Legende der Gründung Venedigs Ende des 12. Jahrhunderts. Die von den Horden des Hunnenkönigs Attila verfolgten Einwohner Aquilees, flüchten sich auf die Insel, auf der später Venedig entstehen wird. Kurz vor der Überfahrt auf dieses Eiland bietet ein reicher Mann einem Armen an, sich ihm anzuschließen. Letzterer jedoch verfügt nicht über ausreichend Kapital, das er zu dieser Verbindung beisteuern könnte: sein ganzes Vermögen besteht aus zwei Katzen. Doch kaum überlässt er diese seinem Partner entpuppen sie sich als wahre Glücksbringer: sie dezimieren die Ratten, von denen es auf der venezianischen Insel nur so wimmelt. Deshalb werden sie später zu einem stolzen Preis verkauft, während die von ihrer Plage befreite Stadt Venedig erblüht. Auch die Geschichte des Engländers Richard Whitington, der im 14. Jahrhundert lebte, beleuchtet den Wohlstand verheißenden Aspekt der Katze. Der Abenteurer bricht mit nichts als einer Katze im Gepäck nach Indien auf. Nachdem er Schiffbruch erlitten hat, kann er sich und die Katze an die Küste retten. Kaum an jenem von einer Rattenplage heimgesuchten Landstrich gestrandet, beginnt die Katze ununterbrochen zu jagen. Der Herrscher belohnt sowohl Katze als auch Halter, ernennt sie zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte, und macht ihn zu seinem Berater. Richard Whitington, der fortan die Beinamen "mylord Cat" sowie "lord Pussy" trägt, wird Oberbürgermeister von London, wo er den prächtigen Bau, der die Börse beherbergt, errichten lässt. Auch in ländlichen Überlieferungen stößt man häufig auf die Verbindung von Katze und Geld. Dort weiß man, dass es, um reich zu werden, genügt, vor dem Schlafengehen eine mäßig gefüllte Geldbörse neben eine Katze zu legen und dem Tier ins Ohr zu flüstern: "Tue Deine Pflicht!" Am nächsten Morgen ist die Geldbörse dann voller Goldmünzen. Nun muss man die Katze nur noch mit einem fetthaltigen Brei belohnen. Der Nachteil ist, dass die reich machende Katze neun verschiedenen Haltern dienen muss. Sobald sie dem neunten sein Seelenheil geschenkt hat, fährt sie geradewegs zur Hölle. Sie wird in dieser Geschichte zu einem Opfer hoch stilisiert, da ihre Besitzer nur einen Wunsch hegen: sich der Katze, gleich nachdem sie ihren Reichtum erlangt haben, zu entledigen.

 

DIE ZAUBERKATZE
Die Katze ist ein Liebesglücksbringer. Im Mittelalter muss eine Frau, die ihren Mann zur Treue anhalten will ein Ritual vollziehen: die Katze zwei Tage lang unter einem umgestülpten Kessel einsperren, ihr in Urin eingeweichtes Brot zu riechen geben, ihre Pfoten einsalben usw. Die deutsche Volkskunde besagt, dass ein Mädchen, dem eine Katze bis zur Schwelle der Kirche nachläuft, Glück in der Liebe finden wird. Einer anderen Überzeugung zufolge wird eine vom Tanz heimkehrende Jungfrau nicht mehr lange auf den Mann ihres Lebens warten müssen, wenn sie das Glück hat, dass ihr eine gesprenkelte Katze über den Weg läuft. Für den Mann jedoch ist eine Katze weniger günstig: ist ein männliches Wesen den Katzen zugetan, wird er keine Ehefrau finden.


Die Katze der Erde

Sie wird mit tellurischen Kräften in Verbindung gebracht.

Die Anwesenheit von Katzen wirkt sich günstig auf die Landwirtschaft aus. Sie schenkt den Wurzeln, Kräutern und Schößlingen neue Lebenskraft. In der französischen Region Béan glaubt man, dass eine in einem Feld lebendig begrabene Katze das Unkraut eingehen lässt. Dieses Phänomen wird der ansteckenden Natur der Katze zugeschrieben: ihre Lebenskraft erfasst und stärkt das Saatgut und hilft ihm so, sich gegen unerwünschte Pflanzen durchzusetzen. Einer anderen Überzeugung zufolge, lässt eine neben dem Stamm eines kranken Baumes vergrabene Katze diesen wieder gesunden. Und schließlich ist der vergrabene oder in eine Wand eingemauerte Katzenkörper ein Garant für die Solidität des ganzen Gebäudes. Die in zeremoniellem Rahmen geopferten Katzen werden für Geister der Pflanzenwelt gehalten. Ihr Tod verspricht der Allgemeinheit ein fruchtbares und günstiges Jahr. Die Katze wird häufig eng mit der Pflanzenwelt in Verbindung gebracht. In der französischen Region Franche-Comté deutet der am Ende der Erntezeit verwendete Ausdruck "die Katze töten", dass nun die letzte Garbe eingebracht wird. Doch wird die Katze wegen ihres Einflusses auf die Natur auch oft genug verflucht. Man gibt ihr die Schuld am Frost, am frühen Wintereinbruch oder auch am Ungezieferbefall und an anderen schädlichen Einflüssen, welche die Herbst- sowie die Frühjahrssaat gefährden.

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