Sie beseitigt der Ernte schadende Bestände von Nagetieren, außerdem schätzt man ihre Gesellschaft.
Die Katze als Jäger
Sie ersetzt Frettchen und Zibetkatzen.
Duldet der Mensch die Katze in seinem Haushalt, so will er dafür eine Gegenleistung sehen. Er verlangt, dass dieses Raubtier, dieser begnadete Jäger, der Nagerplage vom Keller bis unter das Dach ein Ende macht. Auf demselben Übereinkommen beruht auch die Anwesenheit von Katzen auf Schiffen, mit denen sie lange Reisen, von einem Kontinent zum anderen, unternehmen, was sowohl zur heutigen Verbreitung der Katze als auch zu ihrer Rassenvielfalt beigetragen hat. Im 10. Jahrhundert legen die unter der Herrschaft von Howel Dda eingeführten walisischen Gesetze den Wert einer Katze in Abhängigkeit ihres Alters und ihrer Jagdeigenschaften fest: im Norden des Landes kostet sie zum Zeitpunkt, an dem sie nach der Geburt ihre Augen öffnet, einen Pence, bis sie ihre ersten Mäuse gefangen hat, zwei Pence und vier Pence, wenn sie ausgewachsen ist. In jedem Fall aber muss sie "die Mäuse sehen, hören und töten". Im Mittelalter ersetzt sie Zibetkatzen und Frettchen. Die getigerte Katze, in Italien auch syrische Katze genannt, gilt als der beste Jäger. Soderini von Florenz (1526-1597) preist ihr Jagdtalent in dem Land, in dem die getigerte Katze sich anzusiedeln begann. Die Katzen wachen in Behausungen und Klöstern über die Vorräte in den Getreidespeichern. In den Häusern verweigert man ihnen die Nahrung, damit sie noch wirkungsvoller jagen. Doch ab dem Jahr 1730 verdrängt die Wanderratte die Katzen allmählich aus den Speichern. Im 19. Jahrhundert kommt die Katze gegen die Ratten nicht mehr an.

Das Familientier Katze
Die Schmusekatze löst die Rattenfängerin ab.
Die Frage nach dem Ort, an dem die Domestizierung der Katze ihren Anfang nahm, bleibt unbeantwortet. War es in Persien oder in Ägypten? Die Zweifel bleiben, da an zwei verschiedenen Orten Knochenfunde getätigt wurden: in einer aus dem Jahre 6 700 v.Chr. stemmenden archäologischen Ausgrabungsstätte bei Jericho, und im Industal bei Harappa, wo ihr Alter auf etwa 2 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschätzt wird. Doch obwohl die Überreste auch in Wohnstätten gefunden wurden, weiß man nicht genau, ob es sich um domestizierte Katzen im eigentlichen Sinne gehandelt hat.
Es scheint jedoch wahrscheinlicher, die Domestizierung der Katze um das Jahr 4 000 vor unserer Zeitrechnung anzusetzen. In Ägypten locken die Sesshaftwerdung des Menschen und der Beginn der Landwirtschaft entlang der Ufer des Nils die Wildkatze in die Nähe der Siedlungen. Die in den Feldern und Getreidespeichern aufzustöbernde Beute ziehen das Tier an.
Allmählich toleriert sie die menschliche Spezies und versucht, an der Seite des Menschen zu leben. Es gelingt ihr, ihre Angst immer besser zu bezwingen, später verändert sie ihre körperliche Erscheinung, indem sie ihre weitab der Savanne unnütz gewordene Tarnfärbung ablegt. Sie lebt von nun an in den Häusern, um dort mit ihren scharfen Fangzähnen und ihren blitzartigen Pfotenhieben sowohl Nagetiere als auch die auf dem Boden kriechenden Vipern und Kobras auszumerzen.
WOHER KOMMT DAS WORT KATZE?
Unter Sprachwissenschaftlern besteht keine Einigkeit bezüglich des Ursprungs des Wortes Katze. Die alten Ägypter bezeichneten die Katze lautmalerisch als miou oder myeou. Dies entspricht der phonetischen Transkription der Hieroglyphe für Katze. Die Kopten verwenden den Begriff chau. Man sollte erwähnen, dass das Wort matou ein Anagramm zu Atoum, dem mit der Katze in Verbindung gebrachten Sonnengott, ist.
Die Griechen nannten die Katze ailuros, was sich aus den Wörtern aiol und ouros zusammensetzt und mit "Balance Schwanz" übersetzt werden könnte. Im Lateinischen bezeichnet felis zunächst die Wildkatze, später den Marder und schließlich bei Cicero (I. Jahrhundert n.Chr.) die Katze. Das Wort cattus soll felis abgelöst haben, als die domestizierte Katze aus dem Orient nach Rom eingeführt wurde. Erstmalig wurde es in einem wissenschaftlichen Text, der agronomischen Abhandlung De re rustica, von Palladius im 5. Jahrhundert 4. Jahrhundert n.Chr. verwendet. Nichtsdestotrotz kommt catus auch in der Bibel, im Buch Baruch, vor, bezeichnet dort aber einen Nachtvogel. Isidor von Sevilla zufolge kommt catus von captare, nehmen, oder von cattare, einen scharfen Blick haben. Im 7. Jahrhundert werden die Ausdrücke musio, murilegus oder muriceps (Mäusefänger) benutzt, als Bezeichnung für die Katze verwendelt.
Auf diese Weise beginnt das Zeitalter der Domestizierung der Katze. Die Hieroglyphen von El-Licht beschreiben ihre allmähliche Eingliederung in die ägyptischen Haushalte. Seit dieser Zeit betört die Katze auch die hochstehenden Persönlichkeiten. Der Durchbruch gelingt ihnen in Ägypten in der 11. Dynastie 2134-1991 v.Chr.), als eine Katze der bevorzugte Gefährte des Königs von Theben, Mentouhotep II., war. Doch auch andere Persönlichkeiten dieser Epoche lieben die Katze: die Königin Tiyi, Gattin des Amenophis III. (1400-1362); der Prinz Thoutmosis, ältester Bruder des Königs Amenophis IV. (1363-1346). In den Privatgräbern wird die Katze unter dem Stuhl ihres Halters schlafend dargestellt, was bereits auf ihre Rolle als Haustier schließen lässt. Man findet auch Abbildungen, des begnadeten Jägers, wie er in Papyrusstauden den Wasservögeln auflauert. Viel später, als die Katze die Möglichkeit hat, die Grenzen dieser heiligen Welt zu überschreiten, tritt sie im Laufe der Entdeckungen und Kolonisation auf Schiffen allmählich ihre Weltreise an. Nachdem sie um 500 v.Chr. in Indien und später in verschiedenen Ländern des Orients "in Japan erst im Jahr 999" angekommen war, kommt sie mit einiger Verspätung auch nach Europa. Die Römer brachten sie 100 Jahre nach Christi Geburt gleichzeitig sowohl nach Südrussland als auch nach Nordeuropa. Zur gleichen Zeit landet die Katze, an der Seite der aus Byzanz zurückgekehrten Söldner, in Norwegen. 400 Jahre später erreicht sie Lettland. Ihr Aufbruch in die Neue Welt lässt noch etliche Jahre auf sich warten. Französische Jesuiten bringen sie um das Jahr 1500 nach Quebec. Sie reist auch 162 mit den Pilgervätern auf der Mayflower in Richtung Amerika. Auf dem neuen Kontinent wird sie dermaßen geschätzt, dass man ihr zu Ehren dort die Library Cat Society (Gesellschaft der Bibliothekskatze) gründet. Nach ihrer das ganze Mittelalter hindurch andauernden Reise in die Hölle, weckt die Katze wieder tiefe Gefühle. Daniel Defoe, dem Autor von Robinson Crusoe, zufolge, besitzen im Jahr 1630 in England nur wenige Londoner Familien keine Katze. Im Jahr 1700 spielt sie in den Haushalten der Türken, die von den Katzen sehr angetan sind, eine immer bedeutender werdende Rolle. Während der Herrschaft Ludwigs XIV. sowie Ludwigs XV. gibt es in Europa unzählige Frauen, die gerne in Gesellschaft von Katzen sind: Maria Leszczynski, die Ehefrau Ludwigs XV.; die Herzogin von Maine, Schwiegertochter Ludwigs XIV.; die Marquise Montespan; Liselotte von der Pfalz, Ehefrau des Herzogs Philipp I. von Orléans; die Marquise von Deffand.
Die Intellektuellen wenden sich von Descartes ab, dessen mechanistische Lehre des rationalen Tieres ihnen antiquiert und unangemessen erscheint. Die Katzen sind dank des französischen Schriftstellers François-Augustin Paradis de Moncrif, der eine Monographie über sie verfasst (1727), wieder rehabilitiert. Neben anderen Literaten, wie Chateaubriand, Victor Hugo, Théophile Gautier, Honoré Balzac, Alexandre Dumas, Charles Baudelaire, ist es der zu den Realisten zählende Autor Champfleury, der seiner Leidenschaft für Katzen in dem 1869 erschienenen Werk Die Katzen Ausdruck verleiht. Der Schweizer Zeichner Steinlen kreiert in seinem Album Katzen, Bilder ohne Worte (1897) ein neues Katzenbild. Émile Zola, Francois Coppée Pierre Loti, Stéphane Mallarmé, Paul Léautaud, Jean Giraudoux, Colette gesellen sich zu der großen Zahl der Katzenliebhaber. Als Freundin findet die Katze auch unter den Politikern, von Richelieu bis Churchill, über Poincaré Clemenceau, de Gaulle, ihre Anhängerschaft. Die amerikanischen Präsidenten erliegen der Reihe nach dem Charme dieser idealen Vertrauten. Abraham Lincoln (1809-1865) nimmt drei abgemagerte, ausgehungerte Katzen bei sich auf. Die Galaabende im Weißen Haus sind ohne die Anwesenheit von Slippers, der Katze des Präsidenten Roosevelt (1858-1919), undenkbar. John F. Kennedy (1917-1963) liebkost seine Katze Tom Kitten. Unserer Tage berichtet die Presse auch über Socks, die Katze von Bill Clinton. In Großbritannien hat Sir Winston Churchill (1874-1964) einen Teil seines Vermögens seiner Katze Jock vermacht. Von ihren Bewunderern, die das weiche Fell lieben, lässt sich die sanfte und beruhigende Katze gerne streicheln. Sie zerstreut die Kinder. Die Katze erobert schließlich einen komfortablen Platz in den Herzen und in den Häusern. Doch auch wenn ihre Unterkunft und ihre Verpflegung gesichert sind, bewahrt sie sich nichtsdestotrotz ihre Unabhängigkeit, womit sie zweifellos das einzige Tier ist, dem man diese Ansprüche gerne erfüllt, obwohl es einem manchmal nichts weiter als eine distanzierte Freundschaft einbringt.