In seiner Phantasie idealisiert und verwandelt der Mensch die Katze, macht sie zu etwas Anderem: bald zu einer Weisen, bald zur Mutter, bald zur Frau.
Die Katze und ihr Körper
Ihre Gaben, Kinder zu gebären und sich aufreizend zu verhalten, machen die Katze zur Entsprechung des weiblichen Menschen.![]()
Die Mutterkatze
Die vorbildliche Mutterrolle der Katze ist zu einem Mythos geworden.
Trotz aller Schwierigkeiten, Katzen aus Ägypten herauszuholen, wird Bastet, die ägyptische Göttin mit dem Katzenkopf von den Griechen schon seit dem IV. Jahrhundert v.Chr. verehrt. Als Göttin der Musik, des Tanzes und der Lebenslust war sie zunächst Schutzpatronin und Pflegemutter der Königskinder, bevor sie zur Göttin der Mutterschaft mit der Obliegenheit wurde, alle Schwangeren und Neugeborenen zu beschützen. Nachdem sie ihre Aufgabe im Großen Schloss von Ra erfüllt hatte, wurde sie sehr beliebt und dehnte ihren Schutz auf alle Kinder Ägyptens aus. Zahlreiche Talismane und Amulette zeigen eine von Kätzchen umringte Katze mit Frauenkopf und geschwollenen Zitzen. Sie wird mit dem für die Geburt und das Säugen zuständigen Gott Bes in Verbindung gebracht. Während der Geburten sind beide mit rituellen Aufgaben betraut. Bastet wacht über den guten Verlauf der Schwangerschaft, hilft bei der Geburt, nährt die Säuglinge und kümmert sich um sie. Auf Statuetten ist die Katze bald hingestreckt, ihre Jungen säugend und deren Spiele beobachtend, bald aufrecht abgebildet, drei ihrer Attribute haltend: das Sistrum, mit dessen Hilfe böse Geister vom Bett der jungen Mütter fern gehalten werden sollen; der Weidenkorb, bei Niederkünften von Priesterinnen vonnöten; der Schutz, ein Medaillon mit einem Löwen- oder Katzenbildnis, das die Schutzwirkung verstärken soll. Die Fruchtbarkeit und die vorbildliche Fürsorge der Katzenmutter waren zweifellos die ausschlaggebenden Faktoren für die Herausbildung dieser Schutzfunktionen bei Bastet.
Die Katze in der Frau
Das Verhalten und der Charme der Katze erinnern an die Frau.
Die Verbindung der Göttin Bastet mit der Katze, auf welche das Klischee der Mutterkatze zurückgeht, führte zu einer Überlagerung von Frau und Katze, welche die Ähnlichkeit zwischen beiden noch verstärkt hat. Seine volle Bedeutung entfaltet dieser Vergleich im Mittelalter, einer Zeit, in der Frauenhass an der Tagesordnung ist, was die negativen Vorzeichen dieses Vergleichs schon erahnen lässt. In den fabliaux (altfranzösische Verserzählungen) und anderen satirischen Schriften hat diese Ähnlichkeit zwischen Katze und Frau einen stark sexuellen Beiklang. Dem Dit de Chaste-Musart zufolge, kann die Frau mit drei Raubtieren verglichen werden: mit der herumschnüffelnden Katze, mit der auf der Lauer liegenden Füchsin und mit der ihre Beute wegschleppenden Wölfin. Das aus dem 11. Jahrhundert stammende Gedicht des Troubadours Guillaume X schildert, wie zwei Frauen ihr männliches Opfer mit einer Katze traktieren. Die Geschichte erzählt eine Begegnung des Dichters auf einer Straße in der Auvergne. Zwei Frauen mit lockeren Sitten halten den Troubadour für einen Pilger. Guillaume fühlt sich geschmeichelt, weshalb er vorgibt, stumm zu sein. Obwohl Ermesent und Agnes glauben, den idealen Mann gefunden zu haben, mit dem sie ihre Lüste ausleben können, ohne ihren guten Ruf zu gefährden, geben sie sich sehr zugeknöpft. Um sich von der Stummheit des Dichters zu überzeugen, setzen sie dem Unglücklichen eine Katze auf den Rücken, der bald bis aufs Blut zerkratzt ist. Trotz seiner Verletzungen besteht Guillaume den Test erfolgreich und seine Heldenhaftigkeit lässt ihn seinen Schmerz nicht spüren. Die sich in eine Frau verwandelnde Katze ist ein von der Antike bis ins Mittelalter in vielen literarischen Gattungen anzutreffendes Motiv. Die Katze und Aphrodite von Äsop erzählt von einer in einen Jüngling verliebten Katze. Sie fleht die Göttin an, sie in eine Frau zu verwandeln, um ihre Liebe verwirklichen zu können. Nachdem sie jedoch ihre neue Gestalt außer Acht gelassen hatte und einer Maus hinterher gejagt war, findet sie sich erneut in ihrem Katzenkörper wieder. Diese Erzählung inspirierte La Fontaine zu seiner Erzählung Die in eine Katze verwandelte Frau, in der die Katzenhaftigkeit der Frau und die Weiblichkeit der Katze vermischt und ineinander verwoben werden.
Die Intelligenz der Katze
Ihre Intelligenz und ihre übersinnlichen Fähigkeiten heben sie auf eine höheres Niveau.
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Die Katze und die Religion
Obwohl der Klerus sie verabscheute, inspirierte sie doch die Architekten einiger Kathedralen.
Um das Jahr 700 sind unter den Buchmalereien der irischen Lindisfarne Gospels auch Katzen zu sehen. In den Illustrationen des Book of Kells, das die in einem Kloster um 800 angefertigten Kunstwerke enthält, sind etliche Katzen abgebildet. Ein von einem irischen Mönch Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhundert geschriebenes Gedicht, das 1953 von Samuel Barber vertont wurde, schildert den Charme des Klosterlebens, wenn die Mönche durch die Anwesenheit einer Katze Zerstreuung finden.Zwei Jahrhunderte später sind auf dem Fuß des aus dem 10. Jahrhundert stammenden keltischen Kreuzes von Muireadach in Monasterboice zwei liegende Katzen abgebildet, die einen Vogel, beziehungsweise ein Kätzchen in ihren Pfoten halten.In einem englischen Bestiarium aus dem 12. Jahrhundert findet sich eine Darstellung des Moments, in dem Jesus Christus der Schöpfung seinen Segen gibt. Darauf zeigt sich die zwischen dem Hasen und dem Eichhörnchen abgebildete Katze sehr an ihrer Umwelt interessiert. Dieses im Bibeltext überaupt nicht erwähnte Tier kommt in jüngeren Werken wieder zu Ehren. In Frankreich sind im Gesangsbuch der Psalmen von Jean Pucelle im 12. und 13. Jahrhundert ein Kater und ein Greis dargestellt, die sich an einem Kamin wärmen (Livre de priéres aus Bonne in Luxemburg um 1345). Das Stundenbuch (Livre d'heures) von Jeanne d'Évereux von 1325 zeigt eine mit dem Garn einer spinnenden Frau spielende Katze. Das im 16. Jahrhundert vollendete Stundenbuch Heures á l'usage de Paris, das die jeden Tag zu rezitierenden Gebete sowie Tierillustrationen enthält, wird die Katze mit gefalteten Pfoten als Gefangene zweier Ratten dargestellt, die sie zu einem Boot abführen. Ebenfalls in dieser Bilderserie zu sehen ist ein riesiger Molch, der die Katze an ihrem Nackenfell in die Höhe hebt und mit seinem Schwanz bedroht.
DIE KATZE IN DER HÖLLE
Wenn es darum geht, die Grausamkeit des Teufels zu beschreiben, wird die Katze oft genannt. So besteht die dreiköpfige Gestalt des Dämons Baal im 1863 von einem gewissen Collin de Plancy verfassten "höllischen Wörterbuch" aus drei Höllentieren: der Kröte, der Spinne und nicht zu vergessen... der Katze.
Die Katze als Hellseherin
Sei sie nun Hexe oder Zauberin, man versucht, ihre Gebärden zu deuten.
Die Katze offenbart je nach Körperhaltung die Zukunft, kündigt gebetene oder ungebetene Gäste an. Die Haltung der Pfote, mit der sich die Katze putzt, zeigt die Richtung an, aus welcher der Besuch kommt, das Körperteil, das sie leckt und säubert, verrät, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Außerdem vermag die Katze, lange Krankheiten vorherzusagen. Verlässt sie das Haus des Kranken oder das Bett des zu Pflegenden, sieht sie den genauen Todeszeitpunkt voraus. Schließlich ist sie auch eine echte Wettervorhersage. Wenn sie ihre Tatze beim Putzen über ihr Ohr hinaus hebt, kündigt sie Regen an.