1911 schuf G. Harriman Krazy Kat, eine der poetischsten Figuren des Zeichentrickfilms überhaupt, deren Charakteristika wir oben schon kennen gelernt haben. Der von Otto Messmer im Jahre 1920 geschaffene Felix, einer der ersten Stars des vertonten Zeichentrickfilms, war ein immenser Erfolg. Eine Zeichnung von Felix, die ihn bei einigen seiner Späße zeigt, wird von 1928-1930 sogar zum offiziellen Testbild des Senders NBC. Außerdem machte Lindbergh Felix zum Maskottchen seiner Luftfahrtversuche. Für den französischen Autor fantastischer Geschichten, Marcel Brion „ist Felix nicht nur eine Katze, sondern DIE Katze." Der berühmte Kater bewegt sich in einer Welt, in der Alles möglich ist: er füllt einen Kohlenkeller mit aus einem Saxofon ausströmenden Noten, er bietet die über seinem Kopf zwitschernden Vögel zwei kleinen Alten an, mit denen er zusammengestoßen ist und die den Verlust ihres Kanarienvogels beklagen. Ständig gerät er ins Staunen. Er nimmt die Welt mittels zweier aus seinem Körper hervorgehender Zeichen wahr: dem Ausrufungszeichen und dem Fragezeichen. Mit seinem heiteren Gemüt findet er Gefallen daran, sich über das Dasein lustig zu machen und ist stolz darauf, selbst zurechtzukommen. Er ist ebenso wagemutig wie schelmisch und hat ebenso viel Glück wie Einfälle. Während des Zweiten Weltkriegs entwarfen Fritz Freleny und Chuck Jones die Figuren Sylvester und Tweetie für das Filmstudio Warner Bros., das mehr am Ulk als an der Darstellung der Realität interessiert war. Hauptdarsteller der Geschichte ist die Miezekatze Sylvester, die sich ständig neue Methoden ausdenkt, um den kleinen Vogel zu fangen, für den sie aber auch Zuneigung empfindet. Das Duo erinnert an die von Fred Quinky, William Hanna und Joseph Barbera für Metro Goldwyn Mayer geschaffenen Figuren Tom und Jerry. Die trickreiche Maus triumphiert jedes Mal über den Tollpatsch Tom. Im Laufe der Jahre entwickelt sich die große Katze zu einem sanftmütigen Stubenhocker, der von der quirligen Jerry ausgescholten wird. Die Figuren vermenschlichen zusehends. Beide Katzen, sei es nun Sylvester oder Tom, sind darauf versessen, ihre Beute zu verfolgen, mit der sie sich jedoch unter Aufbietung all ihrer Kräfte verbrüdern, sobald ein äußerer Feind auftritt. Fritz the Cat ist aus einem Comic hervorgegangen. Die Abenteuer dieses Helden von Crumb wurden von Ralph Bakshi 1971 verfilmt. Fritz hätte auch jedes andere Tier sein können, ist aber eine lasterhafte Katze. In der Welt von Walt Disney sind die Katzen, denen eine Nebenrolle zukommt, meist hinterhältig. Die zwei Siamkatzen aus Susi und Strolch sind haarsträubende Lügner, die Katze aus Aschenputtel ist gar der Teufel persönlich. Gepetto umsorgt in Pinocchio eine heitere und bewundernswerte Katze, während Pinocchio von einer betrügerischen und heuchlerischen, der Komplizin des Fuchses, hintergangen wird. Viel sympathischer sind die Katzen hingegen, wenn sie, wie in Spion auf Samtpfoten oder Aristocats, die Hauptrolle spielen. Der zuletzt genannte Film ist im Übrigen eine treffliche Darstellung der Welt der Katzen (oder besser der Menschen?), in der adlige Katzen (Duchesse...) mit dem gleichen Wohlwollen wie proletarische (Thomas...) geschildert sind. Walt Disney widmete der Katze noch weitere Filme, so zum Beispiel F.B.I. Operation Katze und Die Katze aus dem All.