Die diätetische Behandlung von Herzerkrankungen sollte sich nicht auf eine Reduzierung der Natriumzufuhr beschränken. Neueste Forschungsergebnisse zeigen den Nutzen von Nährstoffen wie L-Carnitin, Taurin, Antioxidanzien, essenziellen Fettsäuren sowie die Vorteile der Flavanole, pflanzliche Verbindungen aus der Familie der Polyphenole.
Herzerkrankungen treten häufig auf: Mehr als ein Hund von zehn ist betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Herzerkrankung zu entwickeln steigt mit dem Alter, einige Herzprobleme können jedoch auch früher auftreten, insbesondere bei Hunden großer Rassen.
Zwei Herzerkrankungen repräsentieren die große Mehrzahl der kardiologischen Fälle beim Hund: die Mitralklappenendokardiose (chronische Mitralklappeninsuffizienz) und die dilatative Kardiomyopathie (DKM).

Mitralisendokardiose
Häufigkeit : 75 % der herzkranken Hunde
häufiger bei kleinen Rassen
Dilatative Kardiomyopathie
Häufigkeit : 10 % der herzkranken Hunde
große Rassen und Riesenrassen
Prävalenz der DKM (% der neuen Fälle)
Unter den Hunden geringer Größe gehören der Pekinese, der Lhasa Apso und der Pudel zu den am häufigsten mit Herzerkrankungen vorgestellten Rassen.
84 % der unter (kongestiver) Herzinsuffizienz leidenden Hunde entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine Anorexie.FREEMAN 2002 Mögliche Ursachen sind der schlechte Allgemeinzustand, die angestrengte Atmung oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
In 68 % aller Euthanasiefälle bei Hunden mit (kongestiver) Herzinsuffizienz trägt die Anorexie zur Entscheidung bei. Für die Aufrechterhaltung eines optimalen Körpergewichts und für die Versorgung des Organismus mit allen für den Stoffwechsel erforderlichen Nährstoffen ist daher eine Diät von hoher Schmackhaftigkeit von zentraler Bedeutung.
2/3 aller Hunde mit Herzkrankheiten leiden unter begleitenden Erkrankungen, die unter Umständen bestimmte zusätzliche diätetische Maßnahmen notwendig machen. So leiden beispielweise einige Hunde mit (kongestiver) Herzinsuffizienz zusätzlich unter einer chronischen Niereninsuffizienz, die eine Phosphorrestriktion erforderlich macht.
Eine geeignete Therapie, eine spezifische Diät und ein ausgewogenes, körperliches Training sind die Voraussetzungen für einen wirksamen Kampf gegen die Herzinsuffizienz.
Warum sollte ein Patient, der unter einer Herzerkrankung leidet, mit einer Spezialdiät ernährt werden? Wenn das Herz nicht mehr normal arbeitet, werden die Gewebe nicht mehr richtig durchblutet. Die Nieren reagieren auf diese Abnahme der Durchblutung mit einem physiologischen Kompensationsmechanismus (Renin-Angiotensin-System) und halten Natrium, Chlorid und Wasser zurück. Das Blutvolumen und das extrazelluläre Flüssigkeitsvolumen steigen, um eine bessere Gewebedurchblutung zu ermöglichen.
Mit der Zeit kann eine übermäßige Wasserretention Ödeme und eine Hypertonie hervorrufen. Die Belastung des geschwächten Herzens steigt weiter an.
Durch eine Diät mit reduziertem Natriumgehalt, begleitend zu einer medikamentösen Behandlung, kann diese Flüssigkeitsansammlung im Organismus vermieden und damit die Arbeit des Herzens erleichtert werden. Darüber hinaus ermöglicht die Natriumrestriktion eine Potenzierung der Wirksamkeit von Diuretika.

Abbildung 2 : Hormonelle Reaktionsmechanismen und Volumenexpansion zur Wiederherstellung des Blutdrucks bei Herzinsuffizienz
Verminderte Durchblutung der Niere infolge von Vasokonstriktion
Verminderte glomeruläre Filtrationsrate
Erhöhte Natrium- und Wasserreabsorption
Expansion des Blutvolumens
Wiederherstellung des normalen Blutdrucks
Vermehrte Aldosteronausschüttung
gesteigerte Natriumreabsorption durch die Niere
Zunahme des Durstes
Steigerung der peripheren Vasokonstriktion
Angiotensin I
Angiotensin II
ß-adrenerge Stimulation
verminderter Natriumspiegel
gesteigerte Reninfreisetzung
Angiotensinogen im Blutkreislauf
Angiotensin converting enzyme in der Lunge
1/ Metabolisierbare (umsetzbare) Energie
Die Energiezufuhr muss dem körperlichen Zustand des einzelnen Tieres angepasst werden. Eine übermäßige Energieaufnahme führt zu einer Gewichtszunahme und steigert die Belastung des Herzens, während eine energetische Unterversorgung das Risiko einer kardialen Kachexie erhöht.
2/ Elektrolyte
Die Restriktion des Natriums hängt vom Grad der klinischen Symptome der Herzerkrankung ab. Bestimmte Diäten für Herzpatienten enthalten zuwenig Natrium. Die strenge Natriumrestriktion eignet sich nicht für Hunde in der Anfangsphase der Erkrankung. Sie bleibt nicht ohne negative Auswirkungen (siehe Kapitel klinische Studien).
Die Zufuhr von Kalium muss angepasst werden; Hypokaliämie und Hyperkaliämie sind verantwortlich für Herzrhythmusstörungen.
Die Zufuhr von Magnesium muss erhöht werden, da Hypomagnesämie bei Hunden mit Herzerkrankungen häufig auftritt. Magnesium ist an der Energieproduktion im Myokard beteiligt.
Echokardiographische Untersuchungen bei Hunden mit Herzerkrankungen, die eine natriumreduzierte Diät erhalten
In einer randomisierten Doppelblind- und Cross-Over-Studie erhielten neun Hunde mit stabiler chronischer Herzinsuffizienz (chronische Herzklappenerkrankung) über vier Wochen eine Diät mit reduziertem Natriumgehalt (<0,20 bzw="" eine="" kontrolldit="" mit="" migem="" natriumgehalt=""> 0,30 %). RUSH 2000 An den Tagen 0, 28 und 56 erfolgten echokardiographische Untersuchungen, Thoraxröntgenaufnahmen und Blutentnahmen für eine Elektrolytbestimmung.
Ergebnisse:
Die Natrium- und Chloridkonzentrationen sanken bei den Hunden mit der natriumreduzierten Diät signifikant ab.
Die Maximal- und Standarddimensionen des linken Vorhofs zeigten in der Gruppe, die die natriumreduzierte Diät erhielt, eine Tendenz zur Abnahme. Der diastolische linksventrikuläre Diameter, die Standarddimension des linken Vorhofs, die Maximaldimension des linken Vorhofs, der enddiastolische Volumenindex und der endsystolische Volumenindex verringerten sich bei den Hunden mit der natriumreduzierten Diät im Vergleich zu den Werten, die bei Fütterung der Kontrolldiät festgestellt wurden.

Abbildung 3 : Echokardiographische Veränderungen bei neun Hunden mit chronischer Herzklappenerkrankung, bei Fütterung einer Diät mit geringem Natriumgehalt (LS = low sodium) bzw. einer Diät mit mäßigem Natriumgehalt (MS = moderate sodium).
*P<0,05 zwischen LS und MS
LA = Standarddimensionen des linken Vorhofs ; Max LA = Maximaldimensionen des linken Vorhofs LVId/s diastolischer/systolische linksventrikulärer Diameter
Für Hunde mit Herzinsuffizienz wird deshalb eine Diät mit einem Natriumgehalt unter 0,20 % empfohlen.
1/ Proteine
Die normale Proteinzufuhr muss aufrechterhalten werden. Eine übermäßige Proteinrestriktion trägt zur Kachexie bei und verringert die Abwehrkapazität und die Widerstandskraft des Herzpatienten.
2/ Synergistischer Antioxidanzien-Komplex
Ein Patient mit Herzinsuffizienz unterliegt massivem oxidativem Stress (siehe Kapitel 1).
3/ Taurin
Taurin befindet sich in hoher Konzentration im Herzmuskel. Eine dilatative Kardiomyopathie geht häufig mit einer im Vergleich zum gesunden Hund verringerten Taurinkonzentration im Plasma einher. BIOURGE 2001, KITTLESON 1997
Die Mechanismen sind zwar noch nicht vollständig aufgeklärt, Taurin hat jedoch multiple Wirkungen am Herzen:

4/ L-Carnitin
L-Carnitin ist ein alimentärer Co-Faktor, der den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien sicherstellt, wo diese der Beta-Oxidation unterliegen und die Zelle mit Energie versorgen. Das Herz produziert etwa 60 % seiner Energie durch die Oxidation von Fettsäuren.
Ein L-Carnitinmangel wurde mit der dilatativen Kardiomyopathie beim Cocker Spaniel KITTLESON 1997 und Boxer KEENE 1991 in Zusammenhang gebracht.
Eine Supplementierung mit L-Carnitin verbessert die Energieproduktion durch das Myokard.
5/ L-Arginin & Flavanole
L-Arginin ist eine essenzielle Aminosäure und ein Vorläufer von Stickoxid (NO).
L-Arginin + O2 -> NO (Stickoxid) + L-Citrullin
Stickoxid ist ein « endothelrelaxierender » Faktor: es führt zu Vasodilatation und verbessert die Gewebedurchblutung.
In der Humanmedizin verbessert eine Supplementierung mit Arginin die Belastungstoleranz bei Herzpatienten.
Flavanole repräsentieren eine besondere Kategorie von Polyphenolen mit starker antioxidativer Wirkung. Hauptquellen für Flavanole sind der grüne Tee und die Weintraube.
Tiere, die unter einer Herzerkrankung leiden, sind einem erhöhten oxidativen Stress aufgrund von freien Radikalen ausgesetzt. Freie Radikale sind zytotoxisch und haben eine negativ inotrope Wirkung. Indem sie freie Radikale « fangen », begrenzen Flavanole ihre schädlichen Wirkungen beträchtlich.
Neben ihren antioxidativen Eigenschaften haben Flavanole eine blutdrucksenkende Wirkung, DUARTE 2001 indem sie vor allem die endogene Bildung von Stickoxid (NO) stimulieren.
Die synergistische Wirkung von L-Arginin und Flavanolen führt zu einer Verbesserung der Funktion des kardiovaskulären Systems.
6/ Essenzielle Fettsäuren der Omega-3-Reihe
Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA (Eicosapentensäure) und DHA (Docosahexensäure) kommen in großen Mengen in Fischöl vor. Sie tragen dazu bei, die Produktion der für Anorexie, Kachexie und Herzrhythmusstörungen verantwortlichen entzündlichen Zytokine zu verringern.
Überlebensdauer (Monate)
[IL-1] ng/ml
Bei der Mehrzahl der Hunde mit Herzkrankheiten erfolgt in den frühen Stadien der Erkrankung keine Behandlung. Eine geeignete vorbeugende Diät ist deshalb von zentraler Bedeutung. Sie stellt nicht nur die Versorgung des Tieres mit allen für seinen Stoffwechsel essenziellen Nährstoffen sicher, sondern verzögert vor allem die Entwicklung der Herzerkrankung von den asymptomatischen zu den symptomatischen Phasen.
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