Obwohl man in der ägyptischen Paläontologie die Beschreibung von "Windhunden" oder in der assyrischen Geschichte Erzählungen von "Molosserhunden" findet, die in Wirklichkeit nur Unterarten des Canis familiaris waren, ist das Auftreten der Hunderassen, so wie wir sie heute kennen, ein viel jüngeres Phänomen als die Domestikation, da sie erst seit dem Altertum bekannt sind.

Abgesehen von einigen Hunderassen wie dem Malteser, dessen rassische Identität in einem begrenzten Gebiet erhalten werden konnte, sind die meisten Hunderassen im Zuge der rom Menschen vorgenommenen Zuchtauswahl entstanden, die durch die Domestikation und gezielte Paarungen ermöglicht wurde.

 

Die Versuche, Tiere zu domestizieren sind im Laufe der Geschichte des Menschen in der Regel misslungen. So haben in den meisten Fällen die von den alten Ägyptern an Hyänen, Gazellen, Wildkatzen oder Füchsen vorgenommenen Versuche nur zur Zähmung einzelner Individuen geführt. In jüngerer Zeit sind dieselben Versuche an Wilddingos ebenfalls fehlgeschlagen. Auch die Domestikation der Katze kann manchmal unter vielen Aspekten als unabgeschlossen gelten.

 

Anpassungen der Spezies Hund im Verlauf der Zivilisationen

Somit hat sich im Gegensatz zu anderen nicht domestizierten Spezies, wie etwa den Krokodilen, die sich seit 200 Millionen Jahren kaum weiterentwickelt haben, die Spezies Hund, so wie wir sie heute kennen, in Rekordzeit an alle Klimas, Zivilisationen und geographischen Zonen angepasst (oder ist an sie angepasst worden): vom Husky Sibiriens zum Nackten Hund Mexikos, vom Pekinesen zur deutschen Dogge, über den Boxer oder den Teckel. Die 400 heute vom Internationalen Kynologischen Verband (FCI) zugelassenen Rassen gehören alle trotz ihrer Vielfalt der Art Canis familiaris an, unterstreichen aber kurioserweise die Unabhängigkeit der morphologischen Umwandlungen des Kopfes, der Glieder und der Wirbelsäule im Verlauf der Evolution des Hundes.

 

Diese Diversifizierung hat ebenfalls mit dem Sesshaftwerden des Menschen begonnen, als er im Neolithikum vom Stadium des Verbrauchers zum Stadium des Produzenten übergegangen ist. In dieser Epoche musste der Hund ohne Zweifel von mittlerer Statur sein und den von Van den Driesch beschriebenen "Loulou des tourbi貥s" in England ähneln, das heißt einem Hund, der dem heutigen Typ Spitz ähnelte.

Auftreten verschiedener Hundetypen

Im 3. Jahrtausend v. Chr. treten in Mesopotamien Hunde auf, die sich in zwei großen Typen voneinander abheben. Es sind die mit dem Schutz der Viehherden gegen Raubtiere (Bär und, ironischerweise, sein Vorfahre der Wolf!) betrauten Molossoiden, "Fleischerhunde", und der an Rennen und wüstenartigen Regionen angepasste Typ des "Windhunds", der sich als wertvoller Gehilfe des Menschen bei der Jagd erweist.

Neben diesen beiden Grundtypen gab es ohne Zweifel bereits die Hundetypen, die heute den von dem Kynologischen Verband erfassten Hauptgruppen entsprechen würden...

Der Hund an der Seite des Menschen

Seit dem Altertum übernimmt der Hund zahlreiche Funktionen und erfüllt Aufgaben, die so vielfältig sind wie der Kampf, die Fleischproduktion, das Ziehen von Schlitten in arktischen Regionen und selbst die heiligen Riten der Mythologie. Später wird das Römische Reich zum Pionier der Hundezucht, und verwies stolz auf den Titel "Vaterland der 1.000 Hunde", der auf die Mannigfaltigkeit der Hunderassen hinwies, die hauptsächlich als Haushunde, als Wachhunde auf den Bauernhöfen, als Hirtenhunde und für die Jagd eingesetzt wurden.

Jagdhunde und erste Standards

Im Mittelalter wurden verschiedene Hundearten entsprechend ihren Fähigkeiten für die verschiedenen Formen der Jagd ausgewählt. Spürhunde und Bracken wurden eingesetzt, um die Jagdbeute aufzuspüren, ohne sie zu verbellen, Laufhunde, um die Hirsche zu ermüden, und Vogeljagdhunde, um das Federwild aufzuschrecken. Auch Bellhunde für die Verfolgung von Räubern und sogar Bassets für die Jagd in Erdhöhlen werden beschrieben. Selbst wenn es jedoch heute unmöglich ist, eine Rasse aufgrund des Skeletts mit Gewissheit zu identifizieren, so sind doch einige Rassen ohne Zweifel ausgestorben.

 

Die "Festlegung" von Merkmalen, unlösbar verbunden mit dem Begriff des Standards, also der Rassenbeschreibung, ist tatsächlich erst ab dem 16. Jahrhundert für Jagdhunde entstanden. Sie setzt sich im 17. und 18. Jahrhundert mit einem Essay über den Stammbaum der Buffonrassen, und vor allem im 19. Jahrhundert mit dem Aufblühen der durch die ersten Hundeausstellungen in London im Jahre 1861 und in Paris 1863 geprägten Kynophilie fort.

 

Man bemüht sich seitdem darum, ausgehend von den zuvor bestehenden Rassen, neue morphologische Typen zu schaffen, und jeder Rassehundeclub kann in seiner Geschichte das präzise Datum der Ausstellung finden, auf der Individuen, die zuvor nur eine "Züchtung" bildeten, offiziell zur "Rasse" erklärt wurden.

 

 

Der vom Menschen ausgeübte Selektionsdruck kann beträchtlich sein, wenn man zum Beispiel weiß, dass in Argentinien ein Jahrhundert ausgereicht hat, um aus normalen Pferden Pferde mit 40 Zentimeter Stockmaß zu züchten, und dass die Auswahl in der Spezies Hund aufgrund seiner schnelleren Vermehrung und seiner kurzen Tragzeit noch schneller vonstatten gehen kann.

 

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