Die Jahresstatistiken des französischen Hundezuchtverbands SCC ermöglichen es, aktuelle Trends zu erkennen und daraus das Profil des Hundes der Zukunft abzuleiten und zu prognostizieren. Die rassespezifisch aufgeschlüsselten Geburtenzahlen zeigen einen Rückgang der bekannten Rassen zugunsten von immer ursprünglicheren Rassen.
Die Selektion auf Extreme ist eine, vor allem in den Vereinigten Staaten und in England entwickelte Zuchtmethode. Sie führt zu einer Erscheinung, die allgemein als "Übertypisierung" bezeichnet wird, wie zum Beispiel bei gewissen Bulldog-Varietäten, deren Schnauze derart platt gezüchtet wurde, dass sie ausschließlich per Kaiserschnitt zur Welt kommen und nur mit offener Schnauze atmen können. Eine ähnliche Erscheinung ist die eindeutige Tendenz des Labradors zur Fettleibigkeit, die des Dachshunds, des "Teckels", zur extremen Verlängerung des Körpers, die des Shar-Peis zur Faltenlegung der Haut, und die des Deutschen Schäferhunds zum abfallenden Rücken. Die Hunde der kleineren Rassen werden immer kleiner und werden "Toy" oder "Miniatur" genannt, die Hunde der größeren Rassen neigen zum Gigantismus. Allenfalls den Mischlingen wird noch ein gewisses Mittelmaß zugestanden und der Trend geht eindeutig in Richtung der beiden Extreme!
"Morphing" ist eine Computertechnik, die besagten Trends und den Veränderungen unseres Lebensstils Rechenschaft trägt, aber vor allem die Fortschritte der Genetik, d.h. die Möglichkeiten der Zuchtsteuerung, integriert. Unser Lebensstil ändert sich unter dem Einfluss der ständig fortschreitenden Urbanisierung der Umwelt. Die Verringerung des Bestandes der reinen Arbeitshunde zugunsten der Begleithunde ist vorhersehbar und steht mit der Entwicklung der Kommunikations- und Mediengesellschaft und der damit immer populärer werdenden Heimarbeit in engster Verbindung. Allerdings ist das Profil der zukünftigen Begleithunde schwer vorher zu sagen, da es immer von Modeerscheinungen abhängig sein wird.
Wenn die aktuellen Trends fortbestehen, könnte man von einer Vermehrung der rassischen Vielfalt ausgehen. Der Hund der Zukunft wird zweifelsohne nie ein Durchschnittshund sein! Das Wissen um die Genetik im Hinblick auf Farbe und Beschaffenheit des Fells schreitet in großen Schritten voran. Der Hund wird eines Tages sicher "genetisch gefärbt" sein, da auch die Geheimnisse der Vererbungsmechanismen langsam, aber sicher erforscht werden. Es ist davon auszugehen, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre die Kartierung des Genoms der Hunde abgeschlossen sein wird. Es wird dann zweifelsohne möglich sein, nicht nur erbliche Mängel zu beseitigen, sondern auch den Zufallsfaktor erheblich zu verringern und somit immer ausgefalleneren Wünschen Folge zu leisten.
Dank der Entwicklung der Besamungstechniken mit gekühltem oder tiefgefrorenem Samen wird man in Zukunft keine großen Entfernungen mehr überwinden müssen, um Hündin und Rüde zusammenzuführen. Grenzen und Quarantänen werden außer Kraft gesetzt, die Auswahl der Elterntiere wird per "Internetkatalog" erfolgen, und selbst die Verwendung von Samen längst verstorbener Zuchtrüden wird möglich sein. Diese Techniken werden jedoch angesichts der geringen Spermakonzentration im Ejakulat eines Hundes niemals das bei den Rindern anzutreffende Ausmaß erreichen.
Vielleicht werden in Zukunft weniger Tiere ausgesetzt werden, es ist jedoch davon auszugehen, dass der Hund von morgen, ein "Hund nach Maß", sich immer weiter von dem Profil des Wildhundes entfernen wird, der ihn ohne Zweifel nicht mehr als Artgenossen erkennen würde!