Alle Tiermediziner werden mit Erkrankungen von Hunden konfrontiert, auch wenn sie in ländlichen Gegenden praktizieren: 43% der Hunde leben auf dem Land, 19% in einer Wohnung, 69% in einem Einfamilienhaus (davon 65% mit Garten) und 12% auf einem Bauernhof. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass manche Tierärzte ihre Arbeit ausschließlich auf Hunde und Katzen beschränken, sei es in Form einer allgemeinen Ausrichtung ihrer Praxis auf diese Tiere, sei es durch eine fachliche Spezialisierung auf typische Hunde- und Katzenkrankheiten.
Die größte Zahl allgemeinbehandelnder Tierärzte findet man im Bereich der Hunde. Aufgesucht werden sie meist von privaten Hundehaltern oder auch von kleinen Züchtern. Ihre Rolle ist dieselbe wie die eines Humanmediziners: sich der Gesundheit der Tiere zu widmen, wo immer sie auch leben. Die Aufgaben sind:
Wie man sieht, ist der Arbeitsbereich des allgemeinbehandelnden Tierarztes sehr vielfältig. Das ist der Grund, warum er selten alleine arbeitet; seine Praxis ist wie ein Kleinunternehmen mit Hilfskräften (SekretärInnen, ArzthelferInnen usw.) und häufig als Praxisgemeinschaft geführt.
Gegenwärtig entsteht eine ganze Reihe großer Hundezuchtbetriebe. In ihrem Umfeld leistet der Tierarzt natürlich auch Pflegearbeit, darüber hinaus gehört es zu seiner Aufgabe, die einzelnen Bereiche einer Hundezucht genau zu überwachen. Dies reicht von der Einrichtung der Räumlichkeiten und Überprüfung der Hygienebedingungen (Belüftung, Stickstoffgehalt, Halte-fläche pro Hund usw.) bis hin zur Zusammensetzung der Futtermittel für die einzelnen Tiergruppen (Zuchttiere, säugende oder tragende Hündin, Welpen).
Um bestmögliche Zuchtergebnisse zu erzielen, begibt sich der Tierarzt vor Ort, erstellt genaue Berichte über die Zuchtentwicklung und liefert damit dem Züchter die nötigen Anhaltspunkte für die Haltung seiner Tiere.
Genau wie in der Humanmedizin sind bestimmte Fachbereiche im Verlauf der Forschung und des technischen Fortschritts von zunehmender Spezialisierung gekennzeichnet. Aus diesem Grund widmen sich einige Vertreter der Tierärzteschaft – Universitätsprofessoren oder niedergelassene Tierärzte – diesen ganz spezifischen Aufgaben.
Kardiologie
In der Kardiologie geht es darum, Erkrankungen im Herzbereich nachzuweisen. Dies geschieht durch klinische Untersuchungen, aber auch unter Einsatz hochentwickelter medizinischer Geräte (Röntgen, Ultraschall, EKG).
Neurologie
Die Vertreter dieser Fachdisziplin sind auf Bewegungsstörungen spezialisiert, die außerhalb des Muskelbereiches angesiedelt sind, und befassen sich mit den Nervenzentren des Hundes (Rückenmark, Gehirn). Auch hier kann mit Hilfe von Röntgenaufnahmen (z.B. im Falle eines Bandscheibenvorfalls) eine Diagnose gestellt werden, daneben kommen auch die Elektromyographie zum Einsatz.
Dermatologie/Parasitologie
Hierbei handelt es sich vorrangig um die Behandlung von Hauterkrankungen des Hundes. Bei der fachspezifischen Untersuchung werden Abstrichproben erstellt, welche eingefärbt und unter dem Mikroskop untersucht werden. Manche Hautkrankheiten lassen sich sofort diagnostizieren, andere können nur in Labortests ermittelt werden.
Augenheilkunde
Wie beim Menschen kann es auch beim Hund vorkommen, dass er zum Augenarzt muss. Der Anlass sind beispielsweise Augenverletzungen (Kratzwunden u.ä.). Die Vertreter dieses Fachgebietes müssen daneben auch operative Eingriffe am Auge vornehmen, wie im Falle eines Stars oder einer Dislokation der Linse.
Knochenchirurgie
Bei einem Unfall sind Frakturen beim Hund nicht selten. Je nach Schwere des Bruchs dauert die Operation mehr oder weniger lang, die Behandlung ist dementsprechend aufwendig. In diesen Fachbereich fallen chirurgische Eingriffe bei Dysplasie, Störungen des Knochenwachstums usw.
In den meisten dieser Fachbereiche werden sehr teure medizinische Geräte benötigt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum allgemeinbehandelnde Tierärzte über keine derartige Ausstattung verfügen und Fälle mit spezifischem Behandlungsbedarf an Fachkollegen weiterleiten.
Mobile Tierärzte
Sie sind auf der ganzen Welt tätig und begleiten Expeditionen, bei denen Hunde zum Einsatz kommen, wie beispielsweise Schlittenhunderennen. Sie überwachen die körperliche Kondition der Hunde, um sicherzustellen, dass die Tiere in der Verfassung sind, das Rennen fortzusetzen. Diese Veterinäre sind meist für die Behandlung des Muskelapparates (Dehnungen, Muskelversteifung, Krämpfe usw.) und der Sehnen (Zerrungen u.ä.) zuständig. Gleichzeitig achten sie auf eine Ernährung, die diesen Anforderungen gerecht wird. Die Tierärzte selbst nehmen nicht an den Wettläufen teil, sondern sind entlang der Strecke an obligatorischen Kontrollpunkten postiert.
Die auf Tiermedizin spezialisierten Hilfskräfte - kurz Tierarzthelfer - sind eine für die Arbeit des Tierarztes unerlässliche Hilfe. In der Mehrheit sind es Tierarzthelferinnen (ca. 99%).
Eine wertvolle Hilfe am Empfang...
Dank ihrer Hilfe ist der Tierarzt von verschiedenen Aufgaben befreit. Durch ihre Fähigkeiten und den Empfang, den sie den Patienten und ihren Begleitern bereiten, prägen sie den Eindruck, den diese von der Praxis haben.
Dabei müssen die Tierarzthelfer auf die Eigenheiten jedes Besuchers Rücksicht nehmen, ob dieser nun fordernd, zurückhaltend oder in Eile, gelassen usw. ist. Darüber hinaus kommt ihnen eine "Filterrolle" zwischen Kunde und Tierarzt zu, was z.B. bei Telefonaten, je nachdem, ob es um eine einfache Anfrage oder einen Notfall geht. Sie küm-mern sich auch um die Patientenunterlagen, erledigen die Eintragungen in die Impfpässe oder verschicken Erinnerungsschreiben für die Auffrischungsimpfung. Sie kontrollieren auch den Medikamentenbestand in der Praxis, geben Bestellungen auf und räumen Lieferungen nach den Anweisungen des Tierarztes ein. Die Tierarzthelfer erfüllen auch eine wichtige Rolle während der Untersuchung, wo es manchmal schwierig ist, das Tier ruhig zu halten. Als Tierarzthelfer ersetzt man nicht das Reinigungspersonal, beteiligt sich aber dennoch an der Wartung und Desinfektion der Räumlichkeiten, weshalb man auch mit möglichen Infektionsrisiken vertraut sein muss. In der Regel betraut der Tierarzt die Helfer mit der Überwachung der Patientenstation; nach den Anweisungen des Arztes stel-len sie die laufende Behandlung der Tiere sicher. Sie sind auch dafür verantwortlich, den Tierarzt im Notfall zu verständigen, damit dieser sofort eingreifen kann.
... und bei Operationen
Die Tierarzthelfer assistieren im Allgemeinen auch bei Operationen, genauer: vor und nach dem Eingriff. Sie sterilisieren die chirurgischen Instrumente und bereiten dies oder jenes für den operativen Eingriff vor. Sie bereiten die Tierpatienten, an denen operiert werden soll, auf die Operation vor, entfernen das Haarkleid rund um die betreffenden Stellen und desinfizieren sie mit entsprechenden Lösungen; schließlich legen sie den Patienten auf den Operationstisch. Während der Operation ist der Tierarzthelfer für die Überwachung der Narkose zuständig; bei Bedarf überreicht er dem Tierarzt mitunter die benötigten Instrumente. Anschließend gilt es, die Aufwachphase zu überwachen, die Operationswunde zu behandeln und wenn nötig einen Verband anzulegen. Gegebenenfalls verabreicht der Helfer Infusionen. Eine weitere Aufgabe ist das Assistieren bei biologischen und klinischen Untersuchungen. Tierarzthelfer müssen mit der Röntgentechnik vertraut sein und selbständig Aufnahmen machen. Auch diverse Untersuchungen wie Blutabnahmen, Urinuntersuchungen oder Hautabstriche gehören zu ihren Aufgaben.
Eine Rolle als Berater
Beim Empfang des Kunden muss sich der Tierarzthelfer über den Grund des Kommens erkundigen. Möchte der Kunde eine Auskunft oder Futter und Medikamente kaufen, sollte man ihn nicht unnötig lange warten lassen. Der Arzthelfer ist in der Lage, praktische Tipps und Auskünfte zu erteilen, wie z.B. für den Impfschutz von Begleittieren, die Entwurmung, Ernährung oder auch die Hygiene. Der Verkauf von Arzneimitteln ist auf nicht rezeptpflichtige Medikamente sowie Produkte gegen Parasitenbefall beschränkt. Der Tierarzthelfer kann beispielsweise auch ein Rezept für eine lebenslange Behandlung erneuern. Daneben hat er das Wartezimmer und den Verkaufsraum für Futter und Medikamente in Ordnung zu halten. Das Wartezimmer vermittelt den Tierhaltern den ersten Eindruck von der Tierarztpraxis.
Die Ausbildung zum Tierarzthelfer am Beispiel Frankreichs
In Frankreich erfolgt die Ausbildung zum Tierarzthelfer in eigenen Ausbildungseinrichtungen, die unter ministerieller Aufsicht stehen. Sie umfasst zwei Bereiche: theoretische Ausbildung, die in der Schule erteilt wird, sowie eine praktische Ausbildung in Form von Praktika. Der theoretische Teil macht nur 25% der Ausbildung aus, die damit nach wie vor hauptsächlich durch "praktisches Lernen" bestimmt ist. Ausschlag gebend sind dabei die Anforderungen, die der Tierarzt, bei dem man einen Ausbildungsplatz gefunden hat, an den Auszubildenden stellt. Nicht in jedem Fall mündet die Ausbildung in einem Angestelltenverhältnis in einer Praxis, doch ist dies das erste Berufsziel der meisten angehenden Tierarzthelfer. Der Ausbildungsteil im Lernzentrum ist zweigeteilt. Ein Bereich ist der Mithilfe bei Verwaltungsaufgaben und dem Umgang mit den Kunden in der Praxis gewidmet: Empfang, Kommunikation (Englischunterricht), Verkauf, Sekretariatsaufgaben, EDV, Buchhaltung. In weiterer Folge befasst sich die Ausbildung mit dem Assistieren bei der Tierpflege, dem Umgang mit dem Tier und den Pflegeaufgaben. Die angehenden Tierarzthelfer lernen also alles, was mit der Hygiene in der Praxis, der Tierbiologie, der Anatomie, der Physiologie, der Fortpflanzung und der Ernährung von Haustieren zusammenhängt; sie lernen Tiere zu unterscheiden, mit ihnen umzugehen und die Rassen zu erkennen, außerdem erwerben sie ein Grundwissen in Ethologie. Nach der Ausbildung sind sie mit dem Halten der zukünftigen Patienten während der Behandlung vertraut und können Tätowierungen vornehmen. Außerdem absolvieren Tierarzthelfer ein chirurgisches Propädeutikum, das heißt, sie eignen sich Grundkenntnisse der Chirurgie und der verschiedenen Pflege- und Untersuchungsformen an. Darüber hinaus beinhaltet die Ausbildung Pharmazie und Veterinärrecht. Der erste Studienplan wurde in Frankreich 1979 ausgearbeitet; 1987 wurde ein erstes großes Ausbildungszentrum eröffnet (das CNFA), in dem von Beginn an eine Ausbildung mit der Kombination Theorie & Praktikum vorgesehen war.
Die Ausbildung zum Tierarzthelfer in verschiedenen Ländern
Überall auf der Welt findet man vergleichbare Ausbildungsstätten für den Beruf des Tierarzthelfers. In Großbritannien beispielsweise gibt es seit ca. 30 Jahren eine Ausbildung, die zu einem "Schwesterndiplom" führt. Bevor sie in einer entsprechenden Schule Unterricht erhalten, machen die künftigen "Tierkrankenschwestern" ein Praktikum in einer Tierarztpraxis. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und endet mit der Verleihung eines staatlichen Diploms.
In Dänemark dauert die Ausbildung drei Jahre und erfolgt nicht in einer Schule, sondern durch eine Vereinigung. An die dreißig Studenten werden pro Jahr ausgebildet. Die Ausbildung in den Niederlanden und in Deutschland verläuft ähnlich.
In den USA besuchen die angehenden "Veterinärtechniker" einen zweijährigen Kurs in einem Institut, das einer Hochschule für Veterinärmedizin angeschlossenen ist. So lassen sich die im theoretischen Teil erworbenen Kenntnisse direkt auf die Patienten übertragen. Der Schulabschluss wird durch ein Bundeszeugnis sowie ein Zertifikat des betreffenden Bundesstaates bestätigt. In bestimmten Staaten besteht die Verpflichtung zur berufsbegleitenden Weiterbildung.