An der Bildung und Ausscheidung von Urin sind bei beiden Geschlechtern die gleichen Organe beteiligt. Der Harn wird in den Nieren gebildet, von denen zwei Harnleiter in die Blase führen. Aus dieser leitet die Harnröhre den Urin nach außen ab.
Alle Organe des Harnsystems liegen im Bauchbereich des Hundes. Die bohnenförmigen Nieren befinden sich unter der Lendenwölbung gegenüber den ersten Lendenwirbeln, die linke Niere liegt etwas weiter hinten als die rechte. Die beiden Harnleiter vereinigen sich über der Blase, die sich direkt vor dem Becken befindet.
Die Harnröhre verläuft beim Rüden und bei der Hündin unterschiedlich. Bei der Hündin ist sie kürzer und in der Regel breiter. Sie mündet in einer kleinen warzenförmigen Erhebung in den Scheidenvorhof. Beim Rüden ist die Harnröhre länger und von geringerem Durchmesser und besteht aus drei Abschnitten: der Pars prostatica, der Pars membranacea und der Pars spongiosa.

1. rechte Niere
2. hintere Hohlvene
3. Bauchschlagader
4. linke Niere
5. Nierenarterie und Nierenvene
6. Harnleiter

1. Faserkapsel
2. Nierenrinde
3. Nierenmark
4. Nierenbecken
5. Harnleiter
Die Niere besteht aus der Nierenrinde, dem Nierenmark unter der Rinde und dem Nierenbecken, das den Harn auffängt und in den Harnleiter übergeht.
1. Gefäßknäuel (Arteriolen)
2. Bowman-Kapsel
3. 4. gewundenes Nierenkanälchen
5. gerades Nierenkanälchen
6. Überleitungszone
7. kortikales Sammelrohr8. medulläres Sammelrohr
9. Henle-Schleife
10. aufsteigender Ast
11. absteigender Ast
Die Harnbildung erfolgt in mehreren Etappen in den Nieren, genauer gesagt in den Nierenkörperchen (Glomerula), und dient dem Körper u. a. als Entsorgungsmechanismus für einen Teil der Abfallstoffe. Außerdem übernehmen die Nieren auch bestimmte Steuerungsfunktionen, vor allem für das Ionen- und das Säuren-Basen-Gleichgewicht.
Nach dieser Filterung erfolgt eine Reabsorption. Diese findet in den gewundenen Nierenkanälchen statt, vor allem im proximalen Tubulus. Durch die Reabsorption werden wertvolle Moleküle und Ionen dem Organismus wieder zugeführt. Gleichzeitig wird auch Wasser zurückgewonnen; während die Ionen- und Molekültransporte Zellenergie verbrauchen, handelt es sich bei der Wasserresorption jedoch um einen passiven Vorgang.
An Ionen werden hauptsächlich Chlorid-, Natrium- und Kaliumionen erneut aufgenommen. Bei den absorbierten Molekülen handelt es sich um sämtliche im Primärharn enthaltene Glukose- und Proteinmoleküle sowie einen Teil der Aminosäuren und der organischen Säuren.
Schließlich finden sich im Harn bestimmte Substanzen, die im proximalen Tubulus ausgeschieden werden. Dieser Vorgang betrifft im Blut enthaltene Fremdsubstanzen (beispielsweise Kontrastmittel für funktionelle Untersuchungen oder auch Medikamente wie Penicillin) oder Substanzen, die vom Tubulusepithel gebildet werden (z. B. Ammoniak). Auch hier finden sich aktive und passive Vorgänge sowie Austauschmechanismen.
Im letzten Teil des Nephrons (funktionelle Einheit der Niere), dem Sammelkanälchen, schließt ein letzter Vorgang die Harnbildung ab: Hier wird der Harn durch Steuermechanismen mehr oder weniger stark konzentriert und weiter angesäuert.
1. Anus
2. Damm
3. Scheidenvorhof
4. Vulva
5. Mastdarm (Rektum)
6. Gebärmutterkörper
7. Blase
8. linkes Gebärmutterhorn
9. breites Mutterband (Ligamentum latum uteri)
10. absteigendes Kolon
11. linker Eileiter
12. linker Eierstock
13. linke Niere
14. Halteband der Eierstöcke (Ligamentum suspensorium ovarii)
1. Mastdarm (Rektum)
2. Steißbeinmuskel
3. Anusheber
4. Afterschließmuskel
5. Anus
6. Schwellkörpermuskel (Musculus bulbospongiosus)
7. äußerer Genitalmuskel (Musculus ischiocavernosus)
8. Linker Hoden
9. Linker Nebenhoden
10. Musculus retractor penis
11. Peniskörper (Schaft)
12. Eichel
13. Blase
14. Linker Samenleiter
15. Absteigendes Kolon
16. Linker Harnleiter
17. Linke Niere
Die Sammelkanälchen, die den Endharn enthalten, münden in das Nierenbecken, einen kleinen Hohlraum, von dem ein Harnleiter wegführt. Der Harn wird auf diese Weise in die Blase geleitet, ein stark dehnungsfähiges, wasserdichtes Auffangorgan, in dem der Urin zwischen den Entleerungen gesammelt wird. Ein Schließmuskel an der Verbindungsstelle zwischen Harnröhre und Blase sorgt für die Rückhaltung des Harns. Sobald die Blase voll genug ist, kann eine Entleerung stattfinden. Der Blasenkörper, der aus zahlreichen glatten Muskelfasern besteht, zieht sich zusammen, während der Blasenschließmuskel erschlafft; in diesem Moment wird der Urin unter Druck ausgeschieden.
Diese Vorgänge werden vom Nervensystem gesteuert: Die willentliche, bewusste Kontrolle über die Entleerung findet im Gehirn statt, und in der Lenden-Kreuzbein-Region entspringende Nerven steuern die Kontraktion des Blasenkörpers und des Blasenschließmuskels.
URIN
Ausgeschiedene Tagesmenge:
25 bis 40 ml pro kg Körpergewicht.
pH-Wert: 5 bis 7.
Harnstoff: 300 bis 800 mg/kg
Körpergewicht/Tag.
Die meisten Beeinflussungen des Harnsystems betreffen die Niere. Solche Beeinflussungsfaktoren können verschiedener Natur sein. Zum einen gibt es äußere Faktoren, die die Nierenfunktion beeinflussen können, besonders bestimmte Faktoren des Blutkreislaufs. Tatsächlich hängt die Menge des von den Nieren gebildeten Harns hauptsächlich von der gefilterten Blutmenge ab. Bei einer Verminderung des Blutvolumens im Organismus wird also weniger Urin ausgeschieden und umgekehrt.
Auch nervliche Faktoren spielen eine Rolle. Sie beeinflussen zum einen die Nierenfunktion und zum anderen den Entleerungsvorgang, d. h. die Blase. Zahlreiche Nerven führen zur Niere und kontrollieren die versorgenden Gefäße. Sie können ganz direkt die Durchströmung der Niere verringern und so die Menge des ausgeschiedenen Harns herabsetzen.
Am stärksten wird das Harnsystem jedoch von Hormonen beeinflusst. Bei der Steuerung der Wasser- und Ionenausscheidung sind zahlreiche Hormone beteiligt; die meisten davon kommen jedoch nur im Krankheitsfall zum Einsatz. Das wichtigste Hormon ist dabei das Vasopressin, auch antidiuretisches Hormon (ADH) oder Adiuretin genannt. Es wird von der Hypophyse produziert, einer kleinen Drüse an der Schädelbasis. Es wirkt auf den letzten Teil der Nephronen, nämlich das Ende des distalen Tubulus und auf das Sammelkanälchen. Das Hormon wird ausgeschieden, wenn der osmotische Druck im Blut ansteigt, d. h. wenn die Wassermenge im Blut im Verhältnis zu den molekularen Bestandteilen sinkt oder der Arteriendruck abfällt. Es gibt auch noch weitere Auslöser: Stress, Abfall der Umgebungstemperatur oder auch körperliche Betätigung können die Ausschüttung von ADH verursachen.
Rezeptoren an der Oberfläche der Zellen im Sammelkanälchen nehmen das Hormon auf, und als Reaktion wird in diesem Teil des Nephrons mehr Wasser zurückgewonnen. Dieser Mechanismus ermöglicht es dem Körper, einen Teil des Zellwassers zu konservieren.