HUNDESPORTMEDIZIN – ES GIBT SIE
Der Hundesport entwickelt sich stets weiter; einige Disziplinen sind gar auf dem Weg, Teil der olympischen Spiele zu werden (in Anbetracht dessen, dass Menschen und Hunde sich mittlerweile gleichsam sportlich betätigen, erscheint dies für Pulka und Schlitten nur logisch). Andere Hundesportarten wiederum stellen ein einzigartiges Mittel zur gemeinsamen spielerischen Erziehung von Hund und Kind dar (sie brauchen nur einmal bei einem Agility-Wettbewerb teilzunehmen), während uns die schönen alten Werte der Natur durch Hirtenhunde wieder näher gebracht werden. Daraus folgt, dass die Anzahl an Hunde-sportlern mit dem Bekanntheitsgrad der Disziplinen und dem daraus herrührenden Professionalismus (im wahrsten Sinne des Wortes) ansteigt. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, fand in der Tierärztlichen Fakultät Maisons-Alfort 1985 das erste internationale Forum der Hundesportmedizin statt. Das, was anfänglich lediglich ein Konzept war, endete 1996 mit der Gründung des Verbands für Zucht- und Sportmedizin, dem Klinik- und Forschungsverband der tierärztlichen Fakultät Maisons-Alfort, der seine Aktivitäten in den Dienst der professionellen Hundeführer. Der sportmedizinische Zweig dieses für eine tierärztliche Fakultät neuen Verbands (lediglich in den beiden amerikanischen Universitäten Auburn und University of Florida gibt es einen gleichwertigen Verband) verfügt über eine an drei Tagen der Woche geöffnete Praxis, eine Einrichtung für funktionelle Physiotherapie und Heilgymnastik und ein Forschungslabor (Labor für Pathophysiologie von Fetten und freien Radikalen), das sich mit den biologischen und zellularen Auswirkungen von Belastungsstress beim Hund beschäftigt. Darüber hinaus ist der Verband für Zucht- und Sportmedizin eine Einrichtung, die auch im Feld arbeitet, denn die Tierärzte sind an zahlreichen Veranstaltungsorten von Hundewettbewerben offiziell beteiligt, und dies auf internationaler Ebene.
Die Hundesportmedizin, die vor einigen Jahren noch in den Kinderschuhen steckte, wird allmählich zu einem anerkannten Spezialgebiet. Sie wird somit der realen Nachfrage seitens der Hundebesitzer gerecht und sorgt sowohl für die Vorbereitung des Sporthundes als auch für die Behandlung spezieller Krankheiten und beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Dopingproblem.
Die unaufhörliche Entwicklung des Hundesports, vor allem jedoch die zahlreichen Wettbewerbe in verschiedenen Klassen haben zur Notwendigkeit einer richtigen, auf den Hund zugeschnittenen Sportmedizin geführt, um Problemen, die sich aufgrund einer äußerst spezifischen Sportpathologie stellen, entgegenwirken zu können.
Die Unversehrtheit des Bewegungsapparats ist für jeden Sport- oder Gebrauchshund selbstverständlich Voraussetzung, denn ein Lahmen weist auf Schmerzen hin und macht gute Leistungen unmöglich.
Dies ist häufig auf Verletzungen am Ballen oder den Zwischenzehenräumen zurückauführen, denn dies sind die einzigen Stellen des Körpers, an denen der Hund schwitzt. Diesen Verlekungen, Jägern und Mushern wohlbekannt, kann vorgebeugt werden, indem man die Pfotenballen mit einem gerbenden Spray und Fett (einer Mischung aus Lanolin und Holzteer) behandelt oder, noch besser, indem man die Zehenzwischenräume mit einem kräftig mit Sauerstoff angereicherten Fettsäurebalsam einreibt, denn dieses wirkt stark entzündungshemmend. In bestimmten Fällen (Schlittenhunde) ist es außerdem sehr empfehlenswert, auf Booties zurückzugreifen.
Durch Abtasten der Gliedmaßen lassen sich einige der für die eine oder andere Sportart typischen Veränderungen an Knochen, Gelenken, Sehnen und Bändern erkennen. Ebenso wie der Mensch leidet auch der Sport- und Gebrauchshund unter solch gängigen Krankheiten wie Verstauchungen oder Verrenkungen und sogar Knochenbrüchen. Gleiches gilt für die Muskeln; beim aktiven Hund können Beschwerden auftreten, die vom einfachen Krampf über Überdehnung oder Zerrung bis zum Riss reichen. Sehnenscheidenentzündungen und Myositis kommen ebenfalls vor. Mittlerweile werden fortschrittliche Diagnosemethoden wie Ultraschall und Thermografie (Ermitteln der Wärme- und Kältezonen des Hundes mit Hilfe einer Wärmekamera) eingesetzt. Sie ermöglichen es, die angemessensten Behandlungsmethoden zu wählen, wobei die Heilgymnastik sich der so genannten Physiotherapie bedient.
Im Hinblick auf Sportverletzungen von Hunden ist die Vorbeugung von größter Bedeutung. Hierbei sind folgende Punkte zwingend einzuhalten:

WISSENSCHAFTLICHE EXPEDITION "LICANCABUR-GIPFELHUNDE" 1996
Erforschung der biologischen Auswirkungen sowie der Auswirkungen auf die Ernährung bei in Höhenlagen arbeitenden Suchhunden.Die Expedition "Gipfelhunde", die im April 1996 im Norden von Chile auf dem Gipfel des 5980 Meter hohen Vulkans Licancabur stattfand, hatte zum Ziel, die biologischen Auswirkungen bei der Arbeit von Hunden, die nach verschütteten Menschen suchen, in Höhenlagen zu erforschen (Sauerstoffmangel und geringerer Luftdruck). In der Tat muss ein Suchhund nach Erdbeben oder Erdrutschen in höher gelegenen Gebieten (Kordilleren in den Anden, Asien) oder Lawinenabgängen in den Bergen häufig Menschenleben retten. Hunde und Menschen haben hierbei keine Möglichkeit, sich allmählich an die Höhe zu gewöhnen, da ihr schneller Einsatz gefragt ist.Zur besseren Vorbereitung, zur Vermeidung der berüchtigten Höhenkrankheit und um somit unter schwierigen Bedingungen problemlos tätig werden zu können, haben Hunde und Menschen der Berufsfeuerwehr von Paris und der Polizei von Chile an diesem Manöver "unter lebensechten Bedingungen" teilgenommen und ohne vorherige Akklimatisierung in den Inkaruinen entlang der Abgründe des Vulkans Licancabur nach verschütteten Opfern gesucht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Expedition haben deutlich die Bedeutung einer optimalen Ernährungsvorbereitung aufgezeigt. Bei den Hunden basierte diese auf einem äußerst energiereichen und proteinreichen Komplett-Trockenfutter, dem antioxidierende Vitamine (E und C) und essentielle Fettsäuren aus der Reihe Omega 3 (Fischöle) beigegeben wurden. Parallel dazu wurde eine ähnliche, vergleichende Studie beim Menschen durchgeführt. Weitere Expeditionen dieser Art werden in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Verband für Zucht- und Sportmedizin der Tierärztlichen Fakultät Maisons-Alfort und dem Forschungszentrum des Unternehmens Royal Canin stattfinden.
Dr. Fathi Driss,
Universitätsklinik Paris-West
SCHLITTENHUNDE VERFÜGEN ÜBER IHRE EIGENE INTERNATIONALE TIERMEDIZINISCHE STRUKTUR
Die International Sled Dog Veterinary Medical Association (Internationale Tiermedizinische Vereinigung für Schlittenhunde) ist ein Fachrerband für Tierärtze, dem über 400 Mitglieder aller fünf Kontinente angehören, aus so unterschiedlichen Ländern wie Neuseeland, Grönland, Japan oder Südafrika. Er wurde 1991 gegründet und hat zum Ziel, Aktionen, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Schlittenhundes dienen, aktiv zu fördern und zu unterstützen sowie wissenschaftliche Forschungen zum besseren Verständnis dieser außergewöhnlichen Hunde durchzuführen. Die ISDVMA veranstaltet alljährlich ein Symposium und Versammlungen auf der ganzen Welt, um die Tierärzte über die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen auf diesem Gebiet zu informieren. Darüber hinaus gibt sie regelmäßig eine Zeitschrift und andere Schriften heraus, die einen ständigen Informationsaustausch ermöglichen.
Sie unterhält eine Datenbank, die jedes Jahr aktualisiert wird und der sich alle wissenschaftlichen oder technischen Veröffentlichungen zum Schlittenhund befinden. Weiterhin trägt sie zur Ausbildung der Musher bei, indem sie ihnen ausführliche Kenntnisse zu ihren Hunden vermittelt und stellt internationalen Vereinigungen und Organisationen spezielle Tierärzte bereit, damit die ungefähr 4500 jährlich weltweit stattfindenden Hundeschlittenrennen weiterhin bestehen bleiben. Schließlich vergibt die ISDVMA Stipendien an zahlreiche Tiermedizinstudenten, die sich für diesen Bereich der Tiermedizin begeistern.
Professor Jérôme A. Vanek University of Minnesota Saint-Paul, Minnesota, USA
LASERVERFAHREN WERDEN IN DER HUNDESPORTMEDIZIN HÄUFIG EINGESETZT
Um die Heilung von Muskel- oder Sehnenproblemen bei Sporthunden zu fördern, können verschiedene Arten von Lasern eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit hängt natürlich von ihren technischen Eigenschaften ab. Schwache Laser werden im Allgemeinen zur Akupunktur des Hundes eingesetzt; mittelstarke Laser finden bei Muskel- oder Gelenkproblemen und starke Laser in der Chirurgie Anwendung, wobei die Bezeichnungen "schwach", "mittel" und "stark" der Intensität und der Stärke des Laserstrahls entsprechen. Der therapeutische Effekt des Lasers ermöglicht es, gegen Entzündungen und Ödeme vorzugehen und Schmerz zu lindern (analgetischer Effekt). Im Falle von Verletzungen oder Rissen wird der Vernarbungsprozess beschleunigt. Der Laser, eine nicht-invasive Behandlungsmethode beim Sporthund, gehört heute zu den Standardinstrumenten von Spezialtierärzten, selbst wenn er nach wie vor recht kostspielig in der Anschaffung ist.
Dr. Petra Horvatic-Peer
Tierärztin, Universität Wien