Der Wolf, wilder Verrwandter des Hundes, ist ebenfalls häufig in der Literatur vertreten. So wie der Hund den treuen, respektvollen Diener seines Herrn darstellt, so verkörpert der Wolf Freiheit, Wildheit und Ablehnung jeglicher Beschränkungen, selbst wenn dies für ihn Lebensgefahr bedeutet. Lieber möchte er in Freiheit sterben als in Gefangenschaft leben, genau so, wie es Jean de la Fontaine in seiner Fabel "Der Wolf und der Hund" darstellt.
Dieser Gegensatz der beiden Spezies ist in der Tat Synonym für den ewig währenden Konflikt des Menschen: Ist es besser, als "guter" Sklave zu leben oder aber zu sterben, weil man kein Sklave sein wollte? Dies war das bevorzugte Thema von Jack London, einem leidenschaftlichen Humanisten, der mit seinen Zeitgenossen den Goldrausch von 1891 in Alaska erlebte. Er verteidigte in seinen Werken zwar die Situation der Tiere gegen die Barbarei der Menschen, ist hinsichtlich der Lösung des gestellten Problems jedoch nicht festgelegt: Welcher Weg soll in Der Ruf des Waldes eingeschlagen werden? Der des Wolfshundes, der sich für ein Leben mit den Menschen entschieden hat, oder der von Buck, dem domestizierten Hund, der auszieht, um mit den Wölfen zu leben? Bedeutet dies, dass jeder Mensch je nach Situation ein bisschen Hund oder ein bisschen Wolf ist?