Seit Anbeginn der Zivilisation lebt der Hund an der Seite des Menschen, und so hielt er im Laufe der vergangenen Jahrhunderte auch in der Literatur Einzug. Ob in Romanen oder Fantasiegeschichten, zumeist spielt der Hund darin die gleiche Rolle, die er auch im wirklichen Leben an der Seite des Menschen innehat. In jüngster Zeit entstanden – häufig für Kino und Fernsehen verfilmte – Comics, in denen der Hund zum Helden stilisiert wurde. Auch in Presse und Werbung wurde das Bild des Hundes und sein äußerst starker Einfluss auf die Leser genutzt.

In der Literatur hat der Hund, wie im richtigen Leben, die Funktion eines Schutzengels und treuen Gefährten des Menschen.

Freund und Beschützer

Bereits in der Odyssee hob Homer die Rolle des Hundes Argos hervor, der seinen Herrn Odysseus als einziger nach seiner gefährlichen Reise wiedererkannte. Die Kinderliteratur legt den Schwerpunkt auf den Hund als Beschützer und macht ihn häufig zur Hauptfigur, wie im französischen Roman Belle und Sébastien von Cécile Aubry, der von den Abenteuern einer Pyrenäenschäferhündin und ihres kleinen Freundes im Hochgebirge handelt, oder dem Roman Lassie von Eric Knight, der Geschichte eines treuen Collie und seines jungen Herrchens Joe. Die Handlung solcher Romane ist stets die selbe: Ein Kind befindet sich in einer schwierigen Lage und wird von einem treu ergebenen Hund gerettet. Die Rassen dieser vierbeinigen Romanhelden erreichen oft eine solch außerordentliche Popularität, dass beispielsweise ein Collie häufig nicht als Collie, sondern als "Lassie" bezeichnet wird.

 

Häufig spielt der Hund jedoch nicht die Hauptrolle in der Literatur, sondern er dient lediglich zur Unterstützung der Hauptperson. In den Werken von Jules Verne (1828-1905) begleitet ein kleiner Hund die Protagonisten auf ihren Reisen und rettet sie Dank einer seiner Haupteigenschaften, dem ausgeprägten Geruchssinn, aus bisweilen schwierigen Situationen. Beispiele hierfür sind "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Zwei Jahre Ferien" und "Die geheimnisvolle Insel".

 

Schließlich kann die Rolle des Hundes rein symbolisch, ja sogar hyperbolisch sein. Er kann dabei helfen, eine Situation oder ein Gefühl aufzudecken. In seinem Werk "Von Menschen und Mäusen" führt John Steinbeck dem Leser den Egoismus, die Ungerechtigkeit und die Einsamkeit der Menschen vor Augen, indem er den langen Todeskampf eines alten Hundes beschreibt. Dieser ist der unglückliche Gefährte eines armen Zeitungshändlers, der sich nicht dazu entschließen kann zu sterben. So kurz, wie derartige Vorstellungen auch sein mögen, sie sind weit davon entfernt, lediglich Anekdoten zu sein.

Zwischen Hund und Wolf

Der Wolf, wilder Verrwandter des Hundes, ist ebenfalls häufig in der Literatur vertreten. So wie der Hund den treuen, respektvollen Diener seines Herrn darstellt, so verkörpert der Wolf Freiheit, Wildheit und Ablehnung jeglicher Beschränkungen, selbst wenn dies für ihn Lebensgefahr bedeutet. Lieber möchte er in Freiheit sterben als in Gefangenschaft leben, genau so, wie es Jean de la Fontaine in seiner Fabel "Der Wolf und der Hund" darstellt.

 

Dieser Gegensatz der beiden Spezies ist in der Tat Synonym für den ewig währenden Konflikt des Menschen: Ist es besser, als "guter" Sklave zu leben oder aber zu sterben, weil man kein Sklave sein wollte? Dies war das bevorzugte Thema von Jack London, einem leidenschaftlichen Humanisten, der mit seinen Zeitgenossen den Goldrausch von 1891 in Alaska erlebte. Er verteidigte in seinen Werken zwar die Situation der Tiere gegen die Barbarei der Menschen, ist hinsichtlich der Lösung des gestellten Problems jedoch nicht festgelegt: Welcher Weg soll in Der Ruf des Waldes eingeschlagen werden? Der des Wolfshundes, der sich für ein Leben mit den Menschen entschieden hat, oder der von Buck, dem domestizierten Hund, der auszieht, um mit den Wölfen zu leben? Bedeutet dies, dass jeder Mensch je nach Situation ein bisschen Hund oder ein bisschen Wolf ist?

Die Bestie

Anubis war ein ägyptischer Gott; Zerberus wurde hingegen von den Römern dazu beauftragt, über die Unterwelt zu wachen. Dieser beunruhigende Aspekt hat zahlreiche Autoren inspiriert. Bei den Dichtern und Romanciers schlich eine Bestie umher, sie war eine wilde, teuflische Kreatur, die Leichen oder kleine Kinder fraß... Sir Arthur Conan Doyle benannte sogar eines der berühmtesten Abenteuer von Sherlock Holmes nach ihr, "Der Hund von Baskerville", in dem ein riesiger Hund die Bewohner finsterer schottischer Landstriche verschlingt.

 

Und eine Hündin lief unruhig dort hinterm Steine,
Uns traf ihr böser Blick,
Erspähend den Moment, zu reißen vom Gebeine
Das aufgegebne Stück.

 

In diesem Auszug aus "Das Aas" von Baudelaire (Die Blumen des Bösen) wird wieder einmal das Finstere im Wesen des Hundes deutlich. Jedoch, stellt er nicht eine Metapher dar und lässt sich hinter der Vorstellung des Hundes nicht sein denkendes Alter Ego, der Mensch vermuten?

Die Zukunft des Hundes

Das Schicksal von Mensch und Hund scheinen für immer untrennbar miteinander verbunden zu sein, ein Phänomen, dessen sich die Sciencefiction-Literatur selbstverständlich angenommen hat. Der Hund ahnt, was seinem Herrn widerfährt bzw. widerfahren wird. In Stephen Kings "Friedhof der Kuscheltiere" wird daher ein toter Hund wieder zum Leben erweckt.

 

Frank Herbert widmete einem solchen Hund sogar eine ganze Novelle in seiner Sammlung "Die verschwundenen Hunde": Eine Epidemie dezimiert die Hundepopulation und zieht eine Kollektivhysterie nach sich und hat eine sowohl für den Menschen als auch für den Hund katastrophale Situation zur Folge. Hiermit hat der Autor ein finsteres Bild der Zukunft gezeichnet, in der Hund und Mensch auf fatale Weise das gleiche Schicksal teilen.

 

Ob Freund oder Feind, der ewige Gefährte Hund taucht weiterhin in der Literatur auf. Er ist ein unschuldiger Spiegel der Schande und der Unzulänglichkeit des Menschen, Eigenschaften, die so abgeschieden sind, dass sie selbst in niedergeschriebener Form einen vierbeinigen Gefährten benötigen.

 

 

DER HUND DER HAHN UND DER FUCHS

Ein Hund und ein Hahn hatten sich einander angeschlossen und gingen zusammen auf Wanderschaft. Als der Abend nahte, setzte sich der Hahn in einen Baum, um zu schlafen, und der Hund legte sich am Baumstamm des hohlen Baums nieder. Bevor der neue Tag anbrach, hatte der Hahn, wie es seine Gewohnheit war, bereits gekräht. Dies hörte ein Fuchs. Er kam angelaufen, blieb vor dem Baum stehen und bat den Hahn, zu ihm herunter zu kommen, weil er ein Tier mit solch einer schönen Stimme küssen wollte. Der Hahn antwortete ihm, er solle den Portier wecken, der am Fuße des Baums schlief; er würde dann herunter kommen, wenn er geöffnet hätte. Als der Fuchs versuchte, mit dem Portier zu sprechen, sprang der Hund unvermittelt auf und riss ihn in Stücke. Diese Fabel zeigt, dass der vernünftige Mensch seinen Feind, der ihn anzugreifen versucht, dadurch abwehrt, indem er ihn an einen Stärkeren verweist.


Äsop, Fabeln.

Übersetzung aus dem Griechischen von Émile Chambry,
Geschichte der Hunde. Sortilèges, Paris.

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