Der Hund ist seit jeher der bevorzugte Held in Comics und Zeichentrickfilmen, sowohl der Kinder als auch der Erwachsenen. Der erste Comic, der Anfang des 20. Jahrhunderts entstand und in einer New Yorker Tageszeitung veröffentlicht wurde, handelte von einer Hundeausstellung. Hiermit nahm die Berühmtheit der Comic-Hunde ihren Lauf, und sie wurden zu richtigen Cartoon-Helden. Sie nahmen einen immer größeren Stellenwert ein und wurden manchmal sogar zu den Hauptfiguren der Geschichte.

Der Held des Alltags

Einige Hunde haben ihre eigentliche Rolle als echte Hunde beibehalten und dienen im Wesentlichen dazu, den Comic-Helden auszuzeichnen. Der erste von ihnen war Pluto, der Hund von Micky Maus, an dem sich später die Produzenten von Zeichentrickfilmen inspirierten. In seiner Rolle als Begleithund der kleinen Maus sorgt er für Katastrophen oder auch für ein glückliches Ende. Ein weiteres Beispiel ist der Foxterrier Struppi, treuer Gefährte von Tim. Ohne wirklich zu sprechen, äußert er sich durch Bellen, wenn er seinem Herrn etwas mitzuteilen hat oder zum Leser "spricht". Er ist so berühmt, dass seine Abenteuer in Zeichentrickfilmen, ja sogar zu einem richtigen Film verarbeitet wurden. Andere Hunde nehmen eine ähnliche Stellung ein: Rantanplan, der Hund von Lucky Luke, ist ein Hund von beschränkter Intelligenz, der dem Cowboy folgt, ohne zu sprechen. Bisweilen jedoch führt er Selbstgespräche, die die anderen jedoch nicht verstehen können – er ist das Pendant zu Jolly Jumper, dem intelligenten Pferd. Des weiteren ist auch Idefix zu nennen, der winzige Bastard, untrennbar verbunden mit seinem imposanten Herrchen Obelix. Er ist ein sanftmütiger kleiner Hund, der deshalb so liebenswert erscheint, weil er nie für Katastrophen verantwortlich ist. In allen diesen Beispielen ist der Hund in die menschliche Gesellschaft integriert, behält aber dabei seinen ursprünglichen Status.

Der Hund als Mensch

Sobald der Hund jedoch als Hauptfigur auftritt, nimmt er menschliche Eigenschaften an. Bei Snoopy zum Beispiel, dem Hund von Charlie Brown, äußert sich dieser menschliche Wesenszug in philosophischen Überlegungen. Dennoch bleibt er ein Tier, er schläft in (bzw. auf) einer Hütte, frisst Hundefutter und lebt wie ein ganz normaler Hund. Cubitus hingegen tritt als Moralist auf. Hätte diese wohlmeinende Figur nicht die Gestalt eines Bobtail, könnte er auch ein Mensch sein: Er läuft auf den Hinterbeinen und spricht wie die anderen Personen, denen er in diesem Comic begegnet.

 

In "Boule & Bill" nimmt der Cocker - zweifellos der erste Rassehund in einem Comic - gegenüber anderen Hunden ein menschliches Verhalten an, bleibt jedoch in seinem Heim ein Tier. Die Dummheiten, die er begeht, könnten gut und gerne von einem verspielten Welpen stammen. Während seiner Spaziergänge flirtet er jedoch mit Hundedamen, die ihm gefallen und schlägt sich mit seinen Rivalen. Auf diese Weise ahmt er das Leben seiner Herrschaften und der anderen Menschen nach.

 

Andere Hunde haben sich von ihrem Hundedasein losgelöst: Witzbold (frz.: Gai Luron), der vom Zeichner Gotlib geschaffene stets traurig aussehende Hund, steht den Ereignissen seiner Umgebung gleichgültig gegenüber.

Comic-Hunde im Kino

Einige der Comic-Hunde waren derart erfolgreich, dass ihre Abenteuer in Form von Zeichentrickfilmen, manchmal sogar richtigen Filmen auf die Leinwand gebracht wurden. Ein Beispiel hierfür ist Goofy, ein Hund mit menschlichen Zügen. Er wird als aufrecht gehendes Wesen dargestellt, trügt jedoch nach wie vor einen Hundekopf mit langen Schlappohren. Oftmals fungiert er als Sprachrohr für erzieherische Botschaften: Im Rahmen einer Kampagne zur Vorbeugung von Verkehrsunfällen sollte er kleine Kinder auf die Gefahren des Straßenverkehrs hinweisen. Droopy, der unglückliche Hund im Zeichentrickfilm von Tex Avery, bringt sich dem Zuschauer immer wieder mit seinem berühmten Spruch "You know what? I'm happy!" in Erinnerung.

 

Andere Filmhunde leben mit den Menschen, bleiben jedoch weiterhin Begleit- oder Wachhunde. Dies gilt für Susi und Strolch, die bei Kerzenlicht gemeinsam zu Abend essen und ihr eigenes Leben leben, ihren Status im Haus ihrer Herrschaften jedoch beibehalten. Nach der Geburt des "Babys" wird Susi von ihrer Familie vernachlässigt und durch das Tragen eines Maulkorbs erniedrigt. Auf diese Weise erinnern ihre Herrschaften sie auf brutale Art und Weise daran, dass sie ein Tier ist.

 

Gleiches gilt für die 101 Dalmatiner, die wahrscheinlich berühmtesten Hunde des Zeichentrickfilms. Sie sind gleichzeitig Gefährten und Freunde der Menschen. Perdita und Pongo, die beiden Dalmatiner, leben ihre Liebesgeschichte parallel zu der ihrer Herrschaften.

 

Des weiteren darf Nana nicht unerwähnt bleiben, die Bernhardinerhündin, die im Zeichentrickfilm "Peter Pan" zum Kindermädchen gemacht wird, jedoch trotzdem ein Leben führt, das dem der anderen Hunde ähnlich ist.

 

Andere Hunde sind eher als Karikatur gedacht, und selbst wenn sie ihr Aussehen beibehalten, werden körperliche Merkmale übertrieben dargestellt. Nur selten sind sie der eigentliche Held in der Geschichte; sie treten vielmehr als Beschützer auf, entweder ihres Herrn oder eines anderen Tieres. So kommt es häufig vor, dass in Zeichentrickfilmen, in denen eine Katze und eine Maus vorkommen (wie z. B. Tom und Jerry), ein nicht gerade Vertrauen erweckender Hund mit übermäßig herunterhängenden Lefzen vom Typ Bulldogge auftaucht. Seine Aufgabe besteht darin, die Maus zu verteidigen und dabei so zu handeln, dass die Katze stets den Kürzeren zieht. Auch bei Walt Disney kommen häufig Hunde vor, die Panzerknacker gehören einer internationalen Organisation von Gaunern an, die alle nicht besonders gerissen sind, tolpatschig, jedoch ständig neue teuflische Pläne entwickeln, um Dagobert Duck seines Goldes zu berauben.

 

Ob im Comic oder im Zeichentrickfilm, die Autoren haben ganz offensichtlich den Hund mit allen positiven und negativen Eigenschaften des Menschen dargestellt, um der Gesellschaft und ihrer Entwicklung einen Spiegel vor Augen zu halten.

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