Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte wird der Hund in der Malerei häufig als der treueste Gefährte des Menschen dargestellt. Bereits in der Urgeschichte, um 4500 v. Chr., waren Hunde auf Wandmalereien abgebildet. Gewiss war der Hund weniger häufig vertreten als Wild, die Hauptquelle der Inspiration für die Maler, und er war als Jagdhund von nicht eindeutig erkennbarer Rasse abgebildet. Erst im alten Ägypten entstanden Gemälde mit Hunden, die sich den heutzutage bekannten Rassen zuordnen lassen.
Im der römischen Antike entwickelte sich der Status des Hundes in der Gesellschaft weiter, er wurde als vollwertiges Haustier anerkannt – ein Hüter des Hauses und unentbehrlicher Jagdgefährte, ein ständiger Begleiter, seinem Herrn stets treu ergeben. Es handelte sich vor allem um gewaltige Fleischerhunde, die ebenso eindrucksvoll wie wild waren und so Eindringlinge vom Haus fernhielten.
Im frühen Mittelalter wurden fast keine Hunde mehr abgebildet, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass aufgrund all der streunenden, angriffslustigen und gefährlichen Hunde jener Zeit, die stets ausgehungert waren und daher Aas fraßen, die Maler sehr wenig
Gelegenheit hatten, den Hund auf ihren Bildern darzustellen. Von den Moslems wird er als unrein und verachtungswürdig angesehen und symbolisiert die Kräfte des Bösen und den Tod.
Der Einsatz des Hundes bei der Jagd trug jedoch dazu bei, dass ein Großteil der Bevölkerung seine Einstellung zu ihm änderte, wobei der Mensch zu Beginn des Mittelalters sich lediglich die Aggressivität des Hundes zu Nutze machte. So finden sich wieder zahlreiche Darstellungen des Hundes in der Malerei, und zwar selten als Einzeltier, sondern zumeist im Rudel. In den Gemälden aus jener Zeit ist der König auf der Jagd in
Begleitung seiner Hunde dargestellt, wobei diese oftmals sehr zahlreich waren: Eine Hundemeute bestand bisweilen aus bis zu tausend Tieren.
Die bildliche Darstellung näherte sich mehr und mehr der Realität an. Es war nicht immer genau erkennbar, welche Rasse Modell gestanden hatte, möglicherweise handelte es sich um Hunde, die aus Kreuzungen verschiedener Rassen hervorgegangen waren. Es gab verschiedene Kategorien von Hunden, die über bestimmte Eigenschaften verfügten. Laufhunde jagten ausschließlich Fellwild, indem sie es aufscheuchten und anschließend verfolgten. Die Rassen waren miteinander verwandt, unterschieden sich jedoch in ihren Farben: Es gab die "Bluthunde des Heiligen Hubertus", die "Weißen Hunde des Königs"(Vorläufer des Griffon Vend�en), die "Fauves de Bretagne" und die "Gris de Saint-Louis", wobei die Namen immer auf den Besitzer verwiesen. Vorstehhunde wurden zusammen mit Falken bei der Jagd auf Großwild dargestellt, sie wurden vor der Erfindung der Feuerwaffe eingesetzt und hatten die Aufgabe, die zu töten.
Gegen Ende des Mittelalters fanden sich vermehrt Darstellungen des Hundes als Hausgenosse. In der Nähe von Damen, auf ihrem Schoß sitzend oder zu ihren Füßen, handelte es sich hierbei eher um Tiere kleinerer Rassen, nicht um Jagdhunde. Jene kleinen Windhunde oder anderen Zwerghunde waren bei ihren Herrinnen sehr beliebt und sie überschütteten sie mit Zärtlichkeiten. In der Renaissance geizten die Maler weniger mit Darstellungen von Hunden: Von den kleinen Schosshunden der Damen und jungen Mädchen über Windhunde und fein gepflegte Hunde bis hin zu größeren Tieren, treue Gefährten ihres Herrn, findet man in Bildern aus dem 16. Jahrhundert verschiedene Arten von Hunden. Damals begann auch die "Vermenschlichung" des Hundes. Bei Festbanketten lag er unter den Tischen und aß, was die Gäste ihm reichten, nach und nach wurde er zum Begleithund. Hunde wurden von Künstlern aus aller Welt gemalt. In Venedig beispielsweise wurden Malteser dargestellt, die sich, auf Kissen gebettet, während einer Gondelfahrt von ihrer Herrin verwöhnen lassen. Der Hund war jedoch auch weiterhin ein unverzichtbarer Gefährte bei der Jagd, wobei die Maler die Unterschiede zwischen den verschiedenen Jagdhundtypen immer deutlicher herausarbeiteten: Laufhunde, Vorstehhunde, usw.
Ab dem 17. Jahrhundert stieg die Zahl der Rassen deutlich an, eine Entwicklung, die ebenfalls - zumindest zu Anfang - der Jagd zuzuschreiben war, denn die verschiedenen Methoden der Jagd und die verschiedenen Arten von Jagdwild erforderten unterschiedliche Hundemeuten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts nahm man von den gängigen Jagdhunden mehr und mehr Abstand und gab kleineren Hunden wie beispielsweise den King Charles den Vorzug, die besonders von Königen und Adligen geschätzt wurden.
Inzwischen wurden Hunde auch einzeln in Bildern dargestellt bzw. als Hauptmotiv herangezogen. Einige Maler spezialisierten sich auf die Tiermalerei, wie Francois Desportes (1661-1743), Hofmaler des Sonnenkönigs, Paul de Vos (1596-1678) und Jean-Baptiste Oudry (1686-1755). Bemerkenswert, ist die äußerst realistische Darstellung der Hunde, sowohl im Hinblick auf die Anatomie als auch auf ihren Gesichtsausdruck. Die für die jeweilige Rasse typische Körperhaltung und Mimik wurde vollkommen naturgetreu nachempfunden.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurden kaum noch große Jagdhundemeuten gemalt. Stattdessen wurden fast ausschließlich Begleithunde und, in selteneren Fällen, Hüte- und Wachhunde dargestellt. Die Darstellungen des Hundes erhielten einen romantischen, oft sogar sentimentalen Akzent. Das Interesse der Maler und demnach der gesamten Gesellschaft am Hund wurde immer größer. Im Verlaufe der Zeit wurde der Stil abstrakter. Der Hund wurde als Symbol angesehen und es war nicht mehr erkennbar, von welcher Rasse sich die Maler inspirieren ließen. Inzwischen wurde dem Hund Bewunderung und Wertschätzung entgegengebracht, auch zeitgenössische Maler ließen sich von ihm inspirieren.