Die meisten Leute halten einen Hund einfach als Begleithund. Für einige ist er aber ein Freund in allen Lebenslagen, der ihnen wertvolle Hilfe im täglichen Leben leistet. Diese außergewöhnlichen Hunde werden ausgebildet, um als Behindertenhund, Schwerhörigenhund oder Blindenhund Behinderte zu unterstützen. Die Ausbildung dieser Hunde wird durch private Vereine ermöglicht, die von begeisterten, großzügigen Mitgliedern getragen werden.

Der französischer Verband ANECAH besteht seit 1989. Damals begann er mit der Ausbildung von Hunden, die Personen helfen sollten, die teilweise oder völlig in ihrer Mobilität eingeschränkt waren. Seit der Gründung dieses Verbandes ist eine wachsende Zahl von Hunden ausgebildet worden ? im Jahre 1996 etwa fünfzig Hunde. Diese Tiere gehören zwei Rassen an, Labrador und Golden Retriever, die dank ihrer Ruhe, ihrer Fügsamkeit und ihrer Fähigkeit, Befehlen zu gehorchen, für diese Aufgabe besonders geeignet sind. Die Ausbildung erfolgt in mehreren Phasen. Die erste besteht aus dem Einbringen eines Welpen in eine Familie, die sich um seine Erziehung bemüht. In einem zweiten Stadium wird der Hund im Rahmen des Verbandes ausgebildet. Er wird abgerichtet und lernt, auf etwa fünfzig verschiedene Befehle anzusprechen.

Die Rolle der Aufnahmefamilie ist entscheidend und bestimmt die weitere Ausbildung. Im Alter von drei Monaten werden die Welpen vorausgebildet, das heißt, sie lernen in Gemeinschaft zu leben und die Familie bemüht sich, ihnen Gehorsam beizubringen. Alle drei Wochen finden sich die Hunde und ihre provisorischen Herren im Zentrum ein, das die Ausbildung der Welpen überwacht, Erziehungsratschläge gibt und sich auch darum kümmert, die Hunde frühzeitig auszumustern, die einen Charaktermangel aufweisen, der sie für die Arbeit als Behindertenhund untauglich macht. Diese Phase dauert bis zum Alter von 18 Monaten. Der Hund erhält anschließend die Ausbildung, die es ihm ermöglicht, einer in der Mobilität eingeschränkten Person zu helfen. Während eines Zeitraums von ungefähr sechs Monaten ist der Hund die ganze Zeit über im Zentrum untergebracht, wo er im Verlauf von zwei Ausbildungswochen seinen zukünftigen Herrn kennen lernt. In diesem Zeitraum wird das Duo Herr und Hund entsprechend ihrer Affinitäten ausgesucht. Die Ausbildung findet täglich statt. Ein Ausbilder beschäftigt sich etwa eine halbe Stunde pro Tag mit dem Hund. Am Ende der 24 Monate wird ein Drittel der Hunde wegen körperlicher Mängel (Hüftdysplasie) oder wegen Verhaltensfehlern ausgemustert. Das Wesentliche ist eine perfekte Anpassung der beiden Teampartner: Es muss eine gute gegenseitige Verständigung geben und eine gute Verwendung des Hundes durch die behinderte Person. Der Behinderte nimmt an einem zweiwöchigen, relativ anstrengenden Praktikum teil, in dessen Verlauf er den Umgang mit dem Hund und das Erteilen von Befehlen erlernt. Im übrigen sind schriftliche und mündliche Kontrollen sowie ein Abschlussexamen vorgesehen. Die vollständige Ausbildung eines Hundes kostet etwa 8.000 Euro, was die Anzahl der Praktikanten und vor allem die Anzahl der Hunde, die ausgebildet werden können, beschränkt.

Am Ende der Ausbildungszeit sind die Hunde in der Lage, auf etwa 50 verschiedene Befehle anzusprechen, wie: einen auf den Boden gefallenen Gegenstand aufzuheben, Gegenstände (Telefon) zu apportieren, die Türen zu öffnen und zu schließen, das Licht ein- und auszuschalten, dabei zu helfen, mit dem Rollstuhl schwer zugängliche Stellen zu erreichen usw.

Der Behindertenhund führt zahlreiche Aufgaben an Stelle seines Herrn aus. Aber er spielt auch ? vor allem bei Kindern ? bei verschiedenen Krankheiten eine Rolle in der therapeutischen Entwicklung. Die Hunde spielen dort fast die Rolle eines echten Mediziners. Neben den Aufgaben, für die er eigentlich ausgebildet worden ist, stimuliert der Hund die behinderten Kinder. Sie finden in ihrem neuen Begleiter eine echte Stärkung. Das erlaubt es ihnen, sich gegenüber anderen zu öffnen und Vertrauen zu ihnen zu fassen. Die Kinder führen Bewegungen aus, die sie vorher für unmöglich gehalten hätten. Die von dem Hund erbrachte Hilfe stößt sie dazu an, "ihre Grenzen zu überschreiten". Dieses Phänomen der Therapie durch das Tier ist Gegenstand von Forschungen, vor allem im Bereich des Autismus, dessen Ursache unbekannt ist, und für den es im Augenblick keinerlei Behandlung gibt.

Die Hunde erleichtern und verbessern auch den Kontakt zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten.

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