Der Zirkushund

Ja, in unserer Zeit bieten nur noch wenige Zirkusse oder Musikhallen Vorführungen mit Hunden an. Das war in der Vergangenheit, insbesondere im letzten Jahrhundert, anders.

 

Das Phänomen begann in den Straßen der Großstädte, in denen Hunde in Menschenkleidern ihre Vorbilder nachahmten. Ihnen folgten Truppen von ziehenden Gauklern, die übrigens im wesentlichen Hunde verwendeten, die man in jener Zeit "Promenadenmischungen" nannte.

 

Im Jahre 1896 präsentierte Miss Dore im Olympia in Paris erstmalig eine Vorstellung mit Hunden als Seiltänzern. Aber schon seit 1850 hatten Künstler "gelehrte" Hunde gezeigt, wie den berühmten Hund Munito, der auf Fragen antwortete, indem er Kartons auswählte, auf denen Buchstaben standen!

 

Übrigens, wie es Alain Dupont in seinem dem Hund gewidmeten Werk beschrieb, hatte jeder Dompteur seine Favoriten: Man kannte die Pekinesen von David Rosaire, die Malteser der Truppe Yb�s, die russischen Windhunde von Barbara Hochegger, die Collies von Ewa Oppeltowa, die Fox-Terrier von Fredy Knie junior, und die Gruppe verschiedener Rassen von Gabriella (Berhardiner, Greyhounds, Pinscher, Papillon-Spaniels, Spitze, Afghanen und Fox-Terrier). Ebenso traten die deutschen Schäferhunde der Fischers als Jockeys auf, die Fußballhunde von Lupescu Schoberto, der Clochard Max von Philippe Gruss, die Komödiantenhunde der Old Regnas, die Trapezhunde der Palacys und die Seiltanzhunde von Eric Baddington. Die Zahl der gelehrten Hunde nahm zu, denn in Wirklichkeit waren alle ihre mathematischen Erfolge oder Rätselkünste schlaue Abrichtungsübungen, die dem Publikum vollkommen verborgen blieben.

 

Es muss jedoch gesagt werden, dass im vergangenen Jahrhundert die Methoden, mit denen man die armen Hunde "unterrichtete", selten auf irgendeiner Kenntnis der Psychologie oder des Verhaltens des Hundes aufgebaut waren. Zwang, Brutalität, Leiden, ja sogar Hunger waren die barbarischen Methoden, die es ermöglichten, durch Angst das zu erzielen, was man vom Tier verlangte.

 

Um dieser Situation zu begegnen, wurde im Jahre 1929 in London der Club Jack London gegründet, dessen Zielsetzung die endgültige Abschaffung jeder Vorführung oder Ausstellung mit Tieren, und insbesondere mit Hunden, war.

 

Seither entwickelten sich die Dinge sehr schnell, und die Dompteure erkannten die Tatsache, dass ein Hund in einem Vertrauensklima und mit Belohnungen viel mehr aus sich selbst herausholen konnte, als unter dem Druck des Schreckens. Sie erkannten schnell, dass der Hund während der Vorführungen selbst zum "Schauspieler" werden wollte, dass er den Applaus liebte und dass er, wenn er nicht mehr "arbeiten" durfte, traurig und melancholisch wurde.

 

Egal in welchem Tätigkeitsbereich, ein Hund lernt nur gut, wenn er Lust dazu hat, und es auf eine fröhliche Weise und um seinen Herrn zu erfreuen tun kann, mit dem er schließlich ein echtes Team wird.

 

 

 

 

Seinem Hund das Zählen beibringen.
Entliehen bei Alain Dupont, dem bekannten französischen Hundefreund und Vorbild in der Ausbildung eines "gelehrten" Hundes. Es ist relativ einfach, seinem Hund das Zählen beizubringen
Um dies zu tun, genügt es, sein Bellen mit einer Geste abzubrechen, die unbemerkt bleibt, aber vom Hund als Befehl wahrgenommen wird. Wenn man dem Hund einen Leckerbissen oder seine Nahrung gibt, kann man mit der Hand eine Bewegung von unten nach oben machen und damit das Bellen befehlen. Wenn der Hund bellt, wird er belohnt, und man befiehlt ihm mit dem Senken der Hand, mit dem Bellen aufzuhören. Sehr schnell wird es genügen, den Arm zu heben (zum Beispiel um seine Krawatte zu ordnen), um den Hund bellen zu lassen, und den Arm zu senken, um ihn damit aufhören zu lassen. Dann kann man in Gegenwart von Freunden diese einfach bitten, dem Hund eine einfache "mathematische" Frage zu stellen (zum Beispiel eine kleine Addition oder Subtraktion): Man gibt dem Hund die Aufgabe und hebt dabei unmerklich den Arm, was das Bellen auslöst. Wenn der Hund so oft gebellt hat, wie es der Antwort entspricht, senkt man den Arm vorsichtig, und der Hund hört auf zu bellen. Er muss dann nur noch belohnt werden. Um mit diesem "Trick" Erfolg zu haben, ist es jedoch erforderlich, selber zählen zu können!

 

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