WALTHAM Standpunkt


Ernährungsphysiologie

Chronische Niereninsuffizienz (Chronic Renal Failure) ist ein relativ häufiges Krankheitsbild bei älteren Katzen und stellt das Endstadium einer Reihe von Nierenerkrankungen dar. Chronische Niereninsuffizienz ist eine progrediente Erkrankung, die normalerweise schleichend beginnt, wobei die Schädigung der Nieren irreversibel ist.

Die Nieren verfügen über beträchtliche funktionelle Kapazitätsreserven. In dem Maße, wie Nierengewebe fortschreitend zerstört wird, übernehmen die überlebenden Nephrone durch Hypertrophie und Hyperplasie ihre kompensatorische Aufgabe. Erst wenn mindestens 65-75 % des Nierengewebes zerstört sind, ist dieser Kompensationsmechanismus überfordert. Dann kommt es zur Verminderung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und der tubulären Transportfunktion, sowie zur Entwicklung von Azotämie. Klinische Krankheitszeichen werden erst in diesem Stadium erkennbar, weshalb die chronische Niereninsuffizienz in ihrem Frühstadium meist unentdeckt bleibt. Die Nieren sind für viele lebenswichtige Funktionen zuständig, die bei Erkrankung an CRF alle beeinträchtigt sind. Dennoch ist man allgemein der Ansicht, daß die meisten klinischen Krankheitszeichen der CRF mit der Akkumulation der toxischen Proteinkataboliten und dem Unvermögen, Phosphor auszuscheiden, in Zusammenhang stehen. Diese klinischen Symptome umfassen:

  • Polydipsie
  • Gewichtsverlust
  • Anorexie
  • Polyurie
  • Lethargie
  • Vomitus
  • Depression

Durch diätetische Maßnahmen ist es möglich, das Fortschreiten und die Auswirkungen der Erkrankung günstig zu beeinflussen. Die dabei zu verfolgenden Ziele können so zusammengefaßt werden:

  • Deckung des Nährstoffbedarfs des Tieres
  • Besserung der klinischen Symptome der Urämie
  • Minimierung der Störungen im Bereich des Elektrolyt-, Vitamin- und Mineralstoffhaushalts
  • Versuch, das Fortschreiten der Krankheit zu hemmen.

Die Zusammensetzung von ROYAL CANIN Renal wurde so gewählt, daß diesen Therapiezielen voll entsprochen wird. Dazu wurden die Gehalte an folgenden Futterkomponenten entsprechend angepaßt bzw. verändert: Phosphor, Eiweiß, Kalium, Kalzium, Natrium, Vitamine des B-Komplexes, Vitamin E und Fett.

 


Phosphor

Die Phosphorzufuhr mit der Nahrung sollte reduziert sein

 

Hyperphosphatämie ist eine im Zusammenhang mit verminderter glomerulärer Filtrationsrate (GFR) häufige Diagnose bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz. Dies spiegelt die wichtige Aufgabe wider, die die Nieren bei der Phosphorexkretion innehaben. Einer der Schlüsseleffekte erhöhter Serumphosphorwerte ist die Aktivitätshemmung des Enzyms 1-alpha-Hydroxylase in der Niere, was zu einer verminderten Produktion von 1,25-Dihydroxycholecalciferol führt. Die Folge davon (und von der eventuell bestehenden Hypokalzämie) sind erhöhte Parathormonspiegel im Serum.25

In einer kürzlich durchgeführten Studie zeigte sich, daß die Gesamtprävalenz von renalem sekundären Hyperparathyreoidismus bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz (CRF) 84 % beträgt. Von den klinisch gesunden Katzen mit nur aufgrund der Labordaten diagnostizierten CRF lag bei 47 % ein renaler sekundärer Hyperparathyreoidismus vor, während dies bei 100 % aller Katzen im Endstadium der CRF der Fall war.2 Bei diesen Untersuchungen wurde auch eine signifikante Korrelation zwischen den Serumkonzentrationen von Parathormon und Phosphor beobachtet. Dennoch lagen bei einigen der Katzen mit kompensierter wie auch urämischer Niereninsuffizienz und sekundärem Hyperparathyreoidismus die Phosphorkonzentrationen absolut im Referenzbereich.2 Die Studie belegt, daß renaler sekundärer Hyperparathyreoidismus eine häufige Folge von chronischer Niereninsuffizienz ist. Der Schweregrad des renalen sekundären Hyperparathyreoidismus ist der Verschlechterung der Nierenfunktion proportional. Dennoch kann renaler sekundärer Hyperparathyreoidismus auch bei Katzen mit normalen Serumphosphorkonzentrationen beobachtet werden.

Renale Osteodystrophie ist eine bei vielen Spezies wohl bekannte Begleiterkrankung bei renalem sekundären Hyperparathyreoidismus und wird auch bei Katzen mit fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz diagnostiziert.19 Es wird vermutet, daß Parathormon (PTH) auf viele Körpersysteme und metabolische Prozesse wie z.B. Herz-Kreislauf-System, Nervensystem, Fett- und Glukosestoffwechsel einen nachteiligen Effekt ausüben kann.22 Erhöhte PTH-Spiegel können auch an der Entwicklung von Anämie und Immunsuppression beteiligt sein.31 Darüber hinaus kann PTH eine Erhöhung des Kalziumgehalts im Zytosol der Nierenzellen bewirken, was zum Untergang dieser Zellen führt. Möglicherweise stellt dies einen der Mechanismen für das Fortschreiten der Nierenschädigung dar.24,25 Diese potenziell schädliche Rolle des PTH als urämisches Toxin und als für das Fortschreiten einer CRF verantwortlicher Faktor ist allerdings nicht unumstritten.

Die Ergebnisse einer Studie von Ross et al.30 mit teilweise nephrektomierten Katzen bestätigen die positive Wirkung einer Phosphorrestriktion, allerdings ohne die dafür verantwortlichen Mechanismen genauer zu beleuchten. In dieser Studie wurden über einen Zeitraum von bis zu 343 Tagen die Auswirkungen einer phosphorarmen Diät (0,42 % i. d. T.S. das sind etwa 0,33 g/400 kcal) und einer Diät mit normalem Phosphorgehalt (1,6 % i. d. T.S. ca. 1,2 g/400 kcal) verglichen. Es zeigte sich, daß die Serumphosphorkonzentrationen in der Gruppe der normal phosphorhaltigen Diät signifikant höher waren. Bei den Tieren der gleichen Gruppe waren die Serum-PTH-Spiegel nach sechs Wochen deutlich erhöht und stiegen weiter an. In der Gruppe der phosphorarmen Diät waren die Serum-PTH-Spiegel gegenüber den klinischen Normalwerten nur geringfügig erhöht. Keine der beiden Diäten zeigte bei den Tieren dieser Studie einen signifikanten Einfluß auf die Nierenfunktion. Bei den Katzen, welche die Diät mit dem höheren Phosphorgehalt erhielten, entwickelten sich allerdings renale Verkalkung und Fibrose sowie Zellinfiltration der Niere. Im Gegensatz dazu waren an den Nieren der Katzen mit der phosphorredu-zierten Diät keine oder nur unwesentliche Veränderungen zu beobachten.

Die Aussage dieser Studie ist, daß die Reduzierung des Phosphorgehalts der Nahrung bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz therapeutisch sinnvoll ist, da die Entwicklung renaler Läsionen gehemmt wird. Eindeutige klinische Zeichen einer ausdrücklichen Wirkung auf das Fortschreiten der Krankheit (gemessen an Veränderungen der Nierenfunktion) konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

Kontrollierte klinische Studien haben belegt, daß durch Fütterung von ROYAL CANIN Renal nicht nur die Serum-Phosphor- und PTH-Konzentrationen gesenkt werden können, sondern daß auch die Überlebenszeiten von Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz signifikant verlängert werden.3,4,11,21 In dieser sowie in einer weiteren klinischen Studie sprach vieles dafür, daß die Restriktion des Phosphor- und Proteingehaltes eine Verlangsamung der Progredienz der CRF bewirken konnte, während dies bei den Tieren der Kontrollgruppe (normale Phosphor- und Eiweißgehalte) nicht der Fall war.11,15,16,21

Die Reduzierung des Phosphorgehaltes der Diät ist somit ein wesentlicher Bestandteil der diätetischen Therapie von chronischem Nierenversagen und kann auf das Fortschreiten der Erkrankung positiven Einfluß nehmen.6,27 Ziel der diätetischen Therapie ist die Normalisierung der Serumphosphorkonzentrationen und die Behandlung des sekundären Hyperparathyreoidismus. Alle Katzen mit Hyperphosphatämie oder Hyperparathyreoidismus als Folge einer chronischen Niereninsuffizienz sollten diese Diät erhalten.20

  • Der Phosphorgehalt von ROYAL CANIN Renal wurde so gewählt, daß er den Erkenntnissen aus diesen Studien entspricht.

Protein

Der Eiweißgehalt der Nahrung sollte reduziert werden

 

Wie beim Hund ist auch bei der Katze die verminderte Fähigkeit der Niere, die stickstoffhaltigen und nicht-stickstoffhaltigen Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels auszuscheiden, eine der Hauptursachen der bei Niereninsuffizienz bestehenden Urämie und der abnormen Laborwerte. Untersuchungen haben bestätigt, daß die verminderte Zufuhr von Protein mit der Nahrung eine Reduzierung der Harnstoff- und Kreatininkonzentrationen im Blut herbeiführen und eine Besserung der klinischen Krankheitszeichen der an CRF leidenden Katze bewirken kann.15,16 Zusätzlich zur Verringerung der Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels hat die verminderte Eiweißzufuhr mit der Nahrung auch den positiven Effekt, daß a) die Phosphorzufuhr reduziert wird und b) die Belastung mit gelösten Stoffen aus dem Eiweißstoffwechsel verringert wird, wodurch der Schweregrad von Polydipsie und Polyurie gemildert wird.

Das potenzielle Risiko einer reduzierten Eiweißzufuhr mit der Nahrung ist bei der Katze jedoch wesentlich größer als beim Hund. Die Katze ist nicht in der Lage, die mit dem Eiweißstoffwechsel in Zusammenhang stehende Enzymaktivität in der Leber einer niedrigen Eiweißzufuhr anzupassen,29 weshalb die Gefahr einer Entwicklung von Proteinmangelerscheinungen besonders groß ist.

Derzeit herrschen hinsichtlich der Frage, ob eine verminderte Eiweißzufuhr mit der Nahrung die Progredienz der Nierenfunktionsstörungen bei der Katze günstig beeinflussen kann, unterschiedliche Auffassungen.1,12 Adams et al. wiesen nach, daß eine Restriktion der Eiweißzufuhr (auf ca. 2,7 g/kg/Tag) sowie eine reduzierte Energiezufuhr (auf ca.56 kcal/kg KM/Tag) bei Katzen mit experimenteller Niereninsuffizienz eine geringere Schädigung der Niere bewirkte als dies bei einer Ernährung mit etwa 6,8 g Protein/kg/Tag und 75 kcal/kg KM/Tag der Fall war.1 Finco et al. stellten keine unterschiedliche Wirkung verschiedener Proteingehalte fest (ca. 5,3 g bzw. 9 g/kg/Tag). Auch die Auswirkung einer geringeren Energiezufuhr auf das Fortschreiten der Nierenschädigung konnte in dieser Studie nicht beobachtet werden.12 Gemessen an der glomerulären Filtrationsrate wurde in keiner Studie eine progressive Verschlechterung der Nierenfunktion vermerkt.

Angesichts der mangelnden Schlüssigkeit all dieser Untersuchungsergebnisse bleibt unklar, ob die Restriktion des Eiweißgehaltes bei nicht-urämischen Katzen im Frühstadium einer Nierenerkrankung von Nutzen ist. Fütterungsstudien mit "Renal" haben bestätigt, daß der Eiweißgehalt dieser Diät ausreichend hoch ist, um den Proteinbedarf von Katzen mit CRF zu decken, so daß das Risiko einer Unterver-sorgung mit Eiweiß minimal ist. Solange keine anderslautenden Untersuchungsergebnisse bekannt sind, wird für Katzen mit Niereninsuffizienz ohne Urämie eine mäßige Restriktion des Eiweißgehaltes in der Art, wie dies bei der ROYAL CANIN Renal erfolgt ist, empfohlen. Für urämische Katzen ist die Zufuhr von biologisch hochwertigem Eiweiß in einer Menge von mindestens 3,3 – 3,8 g/kg KM/Tag empfohlen worden.26 Bei einer Energiezufuhr von ca. 60 kcal/kg KM/Tag entspricht dies in etwa 22 – 25 g Protein/400 kcal, bzw. 19 – 22 g/400 kcal bei 70 kcal/kg KM/Tag.

Katzen, die eine eiweißarme Diät erhalten, sollten stets sorgfältig auf eventuelle Anzeichen von Eiweißmangelerscheinungen untersucht werden

  • Der Eiweißgehalt von ROYAL CANIN Renal wurde in der Weise reduziert, daß er eine bestehende Azotämie mildern kann, aber dennoch den in Studien nachgewiesenen Proteinbedarf von Katzen voll deckt11,15,16,21
  • Das in ROYAL CANIN Renal enthaltene Eiweiß ist von besonders hoher Qualität und stammt aus Hühnerfleisch, Ei und Rindfleisch.

Kalium

Eine leichte Erhöhung des Kaliumgehaltes erscheint in den meisten Fällen angezeigt. Regelmäßiges Überprüfen der Kaliumspiegel ist jedoch wichtig.

 

Hypokaliämie ist bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz erfahrungsgemäß die häufigste Form einer Elektrolytstörung. In einer Untersuchungsreihe bestand in etwa 30% der Fälle Hypokaliämie.7Man ist der Ansicht, daß erhöhte Kaliumverluste mit dem Harn eine für Katzen mit CRF typische, primäre Nierenstörung darstellen, die in der Folge zu Kaliumdepletion führen kann, wenn gleichzeitig nur geringe Mengen an Kalium mit der Nahrung zugeführt werden. Der Kaliumgehalt, der in der genannten Studie als Untersuchungsgrundlage herangezogen wurde und anhand dessen diese Beobachtungen gemacht wurden, betrug 0,34 % i. d. T.S.8 Dies läßt den Schluß zu, daß derartige Kaliumgehalte im Futter für Katzen, die an chronischer Niereninsuffizienz leiden, ungeeignet sind.

Dennoch besteht nicht bei allen Katzen mit CRF Hypo- oder Normokaliämie. Laut einem kürzlich veröffentlichten Untersuchungsbericht über 116 Fälle von CRF bei Katzen fand sich zwar bei 30 % Hypokaliämie, jedoch bei immerhin 13 % Hyperkaliämie.19 Dies unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit, den Kaliumstatus bei Katzen mit CRF regelmäßig zu überprüfen und die Kaliumzufuhr individuell dem jeweiligen Bedarf des Tieres anzupassen, d.h. gegebenenfalls Kalium ergänzend dem Futter zuzusetzen.

In einer klinischen Studie anhand von 35 Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz zeigte sich,15,16 daß zwei von drei Tieren mit Hyperkaliämie die am schwersten erkrankten Tiere dieser Untersuchung darstellten (Serumkreatininspiegel von 477 und 530 nmol/l). Es ist somit denkbar, daß die Hyperkaliämie ein Indikator für den Schweregrad der Niereninsuffizienz ist.

  • Der Kaliumgehalt von ROYAL CANIN Renal wurde auf mehr als das Doppelte der vom NRC empfohlenen Mindestmenge erhöht

Der Kaliumgehalt der Diät sollte ausreichend hoch sein, um Hypokaliämie zu vermeiden, doch ist der Kaliumstatus bei allen Katzen mit CRF unbedingt regelmäßig zu kontrollieren.

 


Kalzium

Kalziumspiegel sollten individuell angepaßt werden

 

Kalzium an sich hat keinen Einfluß auf das Fortschreiten einer Nierenerkrankung, obwohl – wie schon erwähnt – eine Abnahme der ionisierten Serumkalziumkonzentration eine vermehrte PTH-Ausschüttung fördern kann.25 Eine Vielzahl von Faktoren kann für die Entwicklung einer Hypokalzämie verantwortlich sein. Dazu zählt unter anderem Hyperphosphatämie, unzureichende gastrointestinale Resorption in Verbindung mit verringertem 1,25-Dihydroxycholecalciferol-Spiegel, sowie niedrige Kalziumzufuhr aufgrund von bestehender Anorexie.

  • Der Kalziumgehalt von ROYAL CANIN Renal ist nicht erhöht und liegt innerhalb des unteren Bereichs der für gesunde Katzen empfohlenen Norm

Dies läßt dem Tierarzt die Möglichkeit offen, bei Bedarf zusätzliches Kalzium zu verabreichen und die Kalziumgaben den jeweiligen Veränderungen in Blutwerten und anderen klinischen Parametern anzupassen.

 


Natrium

Der Natriumgehalt des Futters sollte mäßig vermindert sein

 

Die Natriumhomöostase wird hauptsächlich durch die Nieren aufrechterhalten. Im Krankheitsfall, wenn die glomeruläre Filtrationsrate sinkt, steigern die überlebenden Nephrone ihre fraktionierte Natriumsekretion, um mit der größeren Last fertigzuwerden. Im allgemeinen reicht diese Reaktion bis zum weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium aus, um den Natriumhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Dennoch verringert sich die Fähigkeit der Niere, sich Veränderungen in der Natriumzufuhr anzupassen, schrittweise.28

Es gibt Berichte über das Bestehen von systemischer Hypertonie bei Katzen im Zusammenhang mit chronischer Niereninsuffizienz.5,10 In einer dieser Studien wurden bei 15 von 52 Katzen (28,8 %) mit stabiler CRF systolische arterielle Blutdrucke von über 175 mmHg gemessen.10

Der Hypertonie kommt deshalb Bedeutung zu, weil sie nicht nur zu einer Vielfalt von pathophysiologischen Veränderungen wie Hypertrophie des linken Ventrikels, neurologischen Störungen oder Augenerkrankungen führen kann,23 sondern auch das Fortschreiten einer Nierenschädigung beschleunigen kann.

  • Der Natriumgehalt von ROYAL CANIN Renal ist insofern eingeschränkt, als den Produkten kein Natrium zugesetzt wurde. Das vorhandene Natrium beschränkt sich auf die in den Rohmaterialien natürlich vorkommenden Mengen.

Der Vitamin-B-Komplex

Der Gehalt an Vitaminen des B-Komplexes sollte ausreichend hoch sein, um eventuelle Verluste zu kompensieren

Zu einem Mangel an wasserlöslichen Vitaminen kann es bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz aus folgenden Gründen kommen:

  • Zu geringe Zufuhr mit der Nahrung (z.B. durch Inappetenz)
  • Vermehrte Verluste über den Harn bei Polyurie
  • Gesteigerter Bedarf während Rekonvaleszenzphasen

In solchen Fällen ist eine Ergänzung des Futters mit Vitamin-B-Komplex-Zusätzen sicherlich von Nutzen.

  • ROYAL CANIN Renal enthält alle Vitamine des B-Komplexes in erhöhten Mengen.

Vitamin E

Oxidative Schädigung des Gewebes kann bei Nierenkrankheiten eine wichtige Rolle spielen

 

Bei Nierenerkrankungen kann es zur Beschleunigung oxidativer Vorgänge kommen. Reaktive Formen des Sauerstoffs sind offenbar an der Pathogenese bestimmter Formen von Nierenkrankheiten beteiligt.14 Untersuchungen bei Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz haben ungewöhnlich niedrige Vitamin-E-Konzentrationen im Serum nachgewiesen.17 Da die mit der Nahrung zugeführten Mengen an Vitamin E bei diesen Patienten ausreichend hoch waren, muß davon ausgegangen werden, daß ein erhöhter Verbrauch vorliegt. Studien an Ratten mit induzierter Niereninsuffizienz haben gezeigt, daß eine Supplementierung des Futters mit Vitamin E offenbar in der Lage ist, eine bereits bestehende tubulointerstitielle Schädigung und Glomerulosklerose zu bessern.13 Obwohl vergleichbare Untersuchungen mit Katzen noch nicht durchgeführt wurden, scheint es dennoch vernünftig davon auszugehen, daß eine oxidative Schädigung sehr wohl einen ätiologischen Faktor bei Nierenerkrankungen der Katze darstellen kann.

  • ROYAL CANIN Renal weist einen erhöhten Gehalt an Vitamin E auf.

Energie

Die Energiezufuhr sollte aus Nicht-Protein-Quellen stammen und ausreichend hoch sein, um den Bedarf des Tieres zu decken.

 

Bei Katzen, die an chronischer Niereninsuffizienz leiden, ist eine Minimierung des Eiweißstoffwechsels (von Protein aus der Nahrung oder aus endogenen Quellen) deshalb wichtig, weil damit den geschädigten und in ihrer Ausscheidungsfunktion bereits über-forderten Nieren eine zusätzliche Belastung erspart bleibt. Ziel jeder für dieses Krankheitsbild geeigneten Diät muß daher die Deckung des Energiebedarfs aus Nicht-Protein-Quellen sein.

Sowohl Kohlenhydrate als auch Fett erfüllen dieses Kriterium, wobei Fett zusätzliche Vorteile bietet: Es liefert etwa doppelt so viel Energie pro Gramm und verbessert die Schmackhaftigkeit des Futters entscheidend.

ROYAL CANIN Renal hat einen relativ hohen Fettgehalt.

 


Klinische Studien

 

(1) Die Langzeitbehandlung von Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz mittels diätetischer Therapie mit "Renal Support"11,21



Fünfzig Katzen mit stabiler chronischer Niereninsuffizienz (CRF), die an einer der drei Tierkliniken Patienten waren, wurden in die Studie aufgenommen. CRF war aufgrund persistierender Azotämie (Serumkreatininkonzentrationen über dem Referenzbereich von 180 nmol/l) und dem Verlust der Harnkonzentrierungsfähigkeit diagnostiziert worden. Katzen mit Symptomen extrarenaler Erkrankungen oder mit prärenaler Azotämie wurden ebenso von der Studie ausgeschlossen wie Katzen, bei denen die Niereninsuffizienz Folge einer glomerulären Störung mit hochgradiger Nephropathie und Eiweißverlust war. Allen Tierbesitzern war die kostenlose diätetische Therapie mit "Renal" (RSD) (n=29) angeboten worden, aber nicht alle waren in der Lage oder willens, die Fütterung dieser Diät über vier Wochen konsequent durchzuführen. Diese Tiere wurden der Kontrollgruppe mit "normalen" Phosphor- und Eiweißgehalten zugeteilt (NPD) (n=21) und erhielten weiterhin handelsübliches Katzenfutter sowie unterschiedliche Mengen an frischem Fleisch und Fisch.

Alle Katzen wurden in der ersten Zeit der Studie monatlich und später, nach Stabilisierung, etwa alle zwei Monate untersucht. Bei jeder Kontrolle wurden die Tiere gewogen und einer vollständigen Allgemeinuntersuchung unterzogen. Blut- und Harnwerte wurden ebenfalls erhoben. Die Katzenbesitzer wurden regelmäßig nach dem Befinden ihrer Tiere, nach etwaiger Medikation und nach der Akzeptanz der Diät gefragt. Auch die Phosphor- und Parathormonkonzentrationen im Serum wurden in beiden Versuchsgruppen regelmäßig überprüft. In der Gruppe, die "Renal"erhielt, wurde die Therapie immer dann individuell angepaßt, wenn einerseits die Serumphosphorkonzentration signifikant gestiegen war oder über einen längeren Zeitraum, also während mehrerer Kontrolluntersuchungen, leicht erhöht blieb, und andererseits die PTH-Konzentration nicht sank, sondern eher anstieg. Die Phosphorreduktion erfolgte anfänglich nur durch die Fütterung mit "Renal". Erwies sich dies aber als unzureichend, erhielten die betroffenen Katzen Aluminiumhydroxid-Gel als oralen Phosphatbinder, wobei die Dosis individuell berechnet wurde. In der Kontrollgruppe (NPD) wurden keine Phosphatbinder verabreicht. Komplikationen der chronischen Niereninsuffizienz (Hypokaliämie, Hypertonie, Harnwegsinfektionen) wurden bei deren Auftreten entsprechend therapiert.

Körpergewicht und Serumkreatininkonzentrationen zeigten zu Beginn der Studie keine signfikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen von Katzen. Auch zur Halbzeit der Studie hatten sich bei diesen Parametern keine wesentlichen Veränderungen ergeben. Allerdings zeigte sich bei den Tieren der NPD-Gruppe eine Tendenz zu steigenden Kreatininkonzentrationen (durchschnittlicher Anstieg 25 ± 19 nmol/l), während diese Werte bei den Katzen der "Renal" um durchschnittlich 29,3 ± 16,6 nmol/l sanken. Diese Veränderungen blieben jedoch bei beiden Gruppen unterhalb der statischen Signifikanz.

Auch die Serumphosphorkonzentrationen zeigten bei der Eingangsuntersuchung keine signifikanten Unterschiede (Abb. 1). Zur Halbzeit waren die Serumphosphorkonzentrationen der Katzen der NPD-Gruppe deutlich höher als bei den Tieren, die "Renal" erhielten (Abb. 1). Zu diesem Zeitpunkt waren auch die Veränderungen in den Serumphosphorkonzentrationen der Diätgruppe ("Renal", RSD) von statistischer Signifikanz.

 

Die PTH-Konzentrationen im Serum wiesen zu Beginn der Studie kaum wesentliche Unterschiede in den beiden Gruppen auf (Abb. 2). Nur bei zwei Katzen in jeder der beiden Gruppen lagen die Serum-PTH-Konzentrationen bei der Eingangsuntersuchung im Referenzbereich. Der Grad des Hyperparathyreoidismus war jedoch unterschiedlich. Zur Halbzeit der Studie waren die Serum-PTH-Konzentrationen bei 69 % der Katzen, die "Renal" erhielten, gesunken, während sie in der Kontrollgruppe (NPD) um 62 % gestiegen waren. Während dieser Anstieg statistisch signifikant war, lag der Abfall der Werte bei der Gruppe, die "Renal" erhielt, knapp unter der statistischen Signifikanz (P=0,021). Bei zehn Katzen (34 %) der Diätgruppe ( "Renal") war zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Untersuchungszeitraumes die Gabe von Phosphatbindern erforderlich. Nach vier Monaten Diät brauchten nur noch vier dieser Katzen Phosphatbinder; bei diesen Patienten war man zu dem Schluß gekommen, dass die Phosphorrestriktion allein durch die Diät nicht ausreichend war.

 

Zum Zeitpunkt der Datenanalyse waren 76,2 % (16 von 21 Katzen) der NPD-Gruppe und 72,4 % (21 von 29 Katzen) der Gruppe, die mit "Renal" gefüttert worden war, bereits gestorben. Die mittleren Überlebenszeiten betrugen bei der NPD-Gruppe 264 Tage, während die Katzen der "Renal"-Gruppe (P=0,0036) durchschnittlich 633 Tage überlebten. Die Kaplan-Meier-Überlebenskurven für die Katzen beider Untersuchungsgruppen sind in Abb. 3 dargestellt.

 


Aus den Ergebnissen dieser Studie kann man schließen, dass mit Hilfe der diäte-tischen Therapie mit "Renal" in Verbindung mit der Verabreichung von Phosphatbindern nicht nur die Hyperphosphatämie erfolgreich behandelt, sondern auch die Häufigkeit von renalem sekundären Hyperparathyreoidismus reduziert werden kann. Der signifikanteste Erfolg lag jedoch bei den deutlich längeren Überlebenszeiten der Katzen, die mit "Renal" gefüttert wurden.

 

 

 

(2) Bewertung von Low Protein Diet zur Behandlung von chronischer Niereninsuffizienz bei Katzen

 

Eine an der Ecole Nationale Vétérinaire d´Alfort, Paris, durchgeführte klinische Studie untersuchte die therapeutische Wirkung von Low Protein Diet als Teil der Behandlung von Katzen mit Niereninsuffizienz.15,16

Bei den 35 Katzen, die für die Studie herangezogen wurden, war in allen Fällen eine Niereninsuffizienz diagnostiziert worden. Das angewandte Diagnose-kriterium war eine bestehende Azotämie bei gleichzeitiger Unfähigkeit zur Harnkonzentration. Dies wurde durch folgende Laborwerte angezeigt:

  • Serumkreatinin >20 mg/l
  • und/oder Serumharnstoff >60 mg/dl
  • Spezifisches Gewicht des Harns < 1.036

Die Blut- und Harnwerte wurden bei der Erstuntersuchung, also vor Beginn der diätetischen und medikamentellen Therapie ermittelt.

Die Katzen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Kontrollgruppe erhielt eine Diät mit einem Phosphorgehalt von 0,80 g/400 kcal U.E. und einem Eiweißgehalt von 39,5 g/400 kcal U.E.. Diese Diät sollte in ihrer Zusammensetzung den unteren Bereich der "normalen" Eiweiß- und Phosphorspiegel der Nahrung repräsentieren.

Die Versuchsgruppe erhielt Low Protein Diet mit einem Phosphorgehalt von 0,39 g/400 kcal U.E. und einem Eiweißgehalt von 25,8 g/400 kcal U.E.. Außer frischem Wasser, das stets bereitstand, stellten diese Diäten während der gesamten Dauer der Studie die einzige Nahrungsquelle dar.

Die Messung des Körpergewichts, hämatologische und blutchemische Untersuchungen sowie Harnanalysen erfolgten in den ersten vier Wochen jeweils wöchentlich und danach in Woche 8, 12 und 24.

Die Akzeptanz der Low Protein Diet war aufgrund der besonderen Schmackhaftigkeit der Diät bei allen Katzen gut. Im Laufe der Studie kam es – gemessen am durchschnittlichen Körpergewicht der Gruppe der Low Protein Diet – zu Gewichtsverlusten bei den Katzen der Kontrollgruppe. Auch der allgemeine Körperzustand der Katzen der Testgruppe war laut Beurteilung von Besitzern und Tierärzten besser als jener der Tiere der Kontrollgruppe. Trotz des vergleichbaren klinischen Status, den alle Tiere vor Aufteilung in die beiden Gruppen zu Beginn der Studie gezeigt hatten, litten die Katzen der Kontrollgruppe an Halitosis, Gingivitis, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, was hingegen bei den Tieren, die mit der Low Protein Diet gefüttert wurden, kaum oder in weit geringerem Ausmaß der Fall war.

Zusätzlich zeigten die Tiere der Gruppe, die Low Protein Diet erhielt, Besserungen in einer Reihe von blutchemischen und hämatologischen Parametern, die mit chronischer Niereninsuffizienz in Zusammenhang stehen. So sanken z.B. die durchschnittlichen Serumharnstoff-, Kreatinin- und Serumphosphorkonzentrationen innerhalb der ersten 24 Wochen signifikant ab, während diese Werte bei den Katzen der Kontrollgruppe mit "normaler" Diät im Durchschnitt anstiegen (Abbildungen 4 – 6).

 

Auch die Blutparameter der mit Low Protein Diet gefütterten Katzen waren im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich besser, wo es unter anderem zu einer Nettoabnahme des Hämatokritwertes kam. Die positive Aussage der Laborwerte wurde durch die Beobachtungen der Katzenbesitzer und Tierärzte bekräftigt, die das Allgemeinverhalten und die Farbe der Schleimhäute zu beschreiben hatten. Da Urämie die Lebensdauer der roten Blutkörperchen verringert und auch deren Produktion beeinträchtigt, kann man davon ausgehen, dass die Besserung der Blutwerte, die bei den mit Low Protein Diet gefütterten Katzen beobachtet werden konnte, die Abschwächung des Schweregrads der Urämie widerspiegelt.

Der Eiweißgehalt der Low Protein Diet erwies sich als ausreichend hoch, um den Proteinbedarf von Katzen mit CRF zufriedenstellend zu decken. Dies zeigte sich dadurch, dass das Körpergewicht aufrechterhalten (oder sogar erhöht) werden konnte und die Serumalbumin- und Gesamteiweißspiegel der Tiere im Normbereich blieben.

Die Ergebnisse dieser Studie beweisen, dass Low Protein Diet eine geeignete therapeutische Diät zur Milderung der klinischen Symptome der Urämie und zur Normalisierung der Laborparameter darstellt, aber gleichzeitig auch die adäquate Versorgung der Katzen mit Eiweiß sicherstellt.

Low Protein Diet war im Vergleich zur Kontrolldiät offenbar auch wirksamer in der Verlangsamung der Progredienz der Niereninsuffizienz und der damit verbundenen klinischen Verschlechterung des Zustandes der betroffenen Katzen. Dies bestätigten sowohl die behandelnden Tierärzte, als auch die Katzenbesitzer.

Diese Studie belegt, wie wichtig es bei der Behandlung von an chronischer Niereninsuffizienz erkrankten Katzen ist, den Phosphor- und Eiweißgehalt der Nahrung zu reduzieren. Die positive Wirkung dieser diätetischen Maßnahme auf den klinischen Status und den Krankheitsverlauf war offensichtlich.21

 


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