Ernährungsphysiologie

Der Terminus "Erkrankungen der ableitenden Harnwege der Katze" (FLUTD) umfaßt eine Vielzahl von klinischen Krankheitsbildern, die ähnliche Symptome zeigen. Zu diesen klinischen Krankheitszeichen gehören unter anderen:

  • Hämaturie
  • Dysurie
  • Pollakisurie
  • Harnabsatz an unerwünschten Stellen
  • Obstruktion der Harnwege

Kommt es zur Obstruktion der Harnwege – mit potenziell letalem Ausgang – kann sich binnen kürzester Zeit eine akute postrenale Niereninsuffizienz entwickeln.

Als Ursache der FLUTD sind viele Faktoren (einzeln oder in Kombination miteinander) identifiziert4,17,18,25 oder vermutet worden, z.B. Viren, Bakterien, Urethrapfropfen oder Steinbildung, obwohl in einem beträchtlichen Teil der Fälle überhaupt keine konkrete Ursache für die klinischen Symptome gefunden werden konnte. Diese Fälle werden derzeit als "idiopathische Zystitis" eingestuft. In einer Studie mit 109 Katzen, die an nicht-obstruktiver FLUTD litten,4 hat sich gezeigt, daß bei 64 % der Tiere eine idiopathische Zystitis vorlag. Das typische Krankheitsbild manifestiert sich in diesen Fällen mit akuten Symptomen, die nach 5 bis 7 Tagen von selbst verschwinden, jedoch in bestimmten unregelmäßigen Intervallen wieder auftreten.

Urolithiasis und die Verlegung der Harnröhre mit Pfropfen sind weitere wichtige Erkrankungen der unteren Harnwege (FLUTD). In einer prospektiven Studie hat sich gezeigt, daß diese Ätiologien jeweils über 20 % der Fälle von FLUTD ausmachen.25 Die bei Katzen gefundenen Harnsteine sind verschiedenster mineralischer Zusammensetzung: Struvit, Kalziumoxalat, Kalziumphosphat, Harnsäure und Urat, Zystin und Silikat. Die am häufigsten gefundenen Urolithe sind jedoch Struvitsteine, obwohl neueste Untersuchungen belegen, daß in Nordamerika mittlerweile ebenso viele Kalziumoxalatsteine wie Struvitsteine diagnostiziert werden.4,26 Auch in Europa scheint die Inzidenz der Kalziumoxalatsteine im Steigen begriffen zu sein, obwohl hier Struvit immer noch die vorherrschende Steinart ist.12 Bei Urethrapfropfen ist Struvit ebenso die weitaus häufigste mineralische Komponente.24,25

 


Relative Übersättigung des Harns (Relative Supersaturation/RSS)

Bildung, Wachstum und Auflösung der Struvitkristalle im Harn sind abhängig vom Aktivitätsprodukt, d.h. der Lösungsaktivität der mineralischen Komponenten (Lösungsaktivität ist jene Konzentration, bei der eine Reaktion mit anderen gelösten Stoffen einer Lösung erfolgen kann). Man unterscheidet hierbei:

  • Labile Übersättigung (Aktivitätsprodukt liegt über dem Löslichkeitsprodukt). Es kommt zur spontanen Kristallbildung und die schon vorhandenen Kristalle wachsen rasch.
  • Metastabile Übersättigung (in diesem metastabilen Bereich kommt es nicht zur spontanen Kristallbildung, doch lösen sich vorhandene Kristalle nicht auf und können sogar weiterwachsen).
  • Untersättigung (Aktivitätsprodukt liegt unter dem Löslichkeitsprodukt). Es kommt zu keiner Kristallbildung und schon bestehende Kristalle können sich auflösen (Abb. 1).3,5,17,32

Die Fähigkeit, das Kristallisationspotential des Harns vorherzusagen, stellt ein nützliches diagnostisches Element dar, mit dessen Hilfe die Steinentwicklung erkannt werden kann und bei bereits bestehender Urolithiasis gezielte therapeutische Maßnahmen gesetzt werden können.29 Auch in der Humanmedizin wird auf dem Gebiet der Urolithiasis die relative Übersättigung (RSS) als Parameter zur Beurteilung der Harnsättigung verwendet. Bei jeder Harnprobe werden die Gesamtkonzentrationen von etwa 12 Substanzen sowie der Harn-pH gemessen. Diese Daten werden in einen Computer eingegeben, der daraus die Konzentrationen einer Vielzahl von interaktiven Komplexen zwischen den einzelnen Ionen berechnet.37 Dieses Programm berechnet auch die Aktivitätskoeffizienten der einzelnen Ionen und kombiniert die relevanten Ionenkonzentrationen und Aktivitätskoeffizienten, um somit für jedes Salz oder jede Säure, die in den Steinen vorkommen kann, das Aktivitätsprodukt zu bestimmen. Das Aktivitätsprodukt für jedes Salz und jede Säure, die an der Steinbildung beteiligt sind, wird durch das jeweils bekannte thermodynamische Löslichkeitsprodukt dividiert, wodurch man das relative RSS-Verhältnis erhält. Die Messung der RSS der verschiedenen Salze und Säuren im Harn kann dann dazu herangezogen werden, das Kristallisationspotential des Harns vorherzusagen.

Der Einsatz einer solchen technischen Methode war solange in der Veterinärmedizin nicht von zentraler Bedeutung, als sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Krankheiten der ableitenden Harnwege der Katze nur auf die Struvitsteinbildung konzentrierte. Dies liegt daran, daß hinsichtlich des Aktivitätsproduktes von Struvit der Harn-pH jener entscheidende Faktor ist, der einen weit größeren Einfluß auf die Übersättigung ausübt als die Ionenkonzentration einzelner Steinkomponenten. Die Messung des Harn-pH-Wertes liefert somit einen aussagefähigen Parameter für die Einschätzung der Steinentwicklung sowie die Entwicklung und Optimierung von Diäten, die eine Struvitkristallisation verhindern sollen.

Anders verhält es sich allerdings bei der Einschätzung des Kristallisationspotentials des Harns hinsichtlich Kalziumoxalat. Hier ist der Harn-pH von nur unwesentlicher Bedeutung. In der humanmedizinischen Forschung hat man festgestellt, daß sich Kalziumoxalatsteine bei pH-Werten von 4,8 bis 7,4 bilden können.29 Der Haupteinfluß des pH-Wertes des Harns beschränkt sich auf die Bestimmung des möglichen Co-Präzipitates von Kalziumoxalat; so bildet sich z. B. Kalziumphosphat bei pH-Werten von über 6,3, während Harnsäure bei Steinen zu finden ist, die sich bei niedrigen Harn-pH-Werten von unter 5,3 entwickeln. Die zunehmende Bedeutung von Kalziumoxalatsteinen bei den Erkrankungen der ableitenden Harnwege der Katze (FLUTD) hat den Einsatz von Methoden zur Bestimmung der relativen Übersättigung (RSS-Bestimmung) notwendig gemacht, um speziell auf dieses Krankheitsbild zugeschnittene Diäten entwickeln zu können.

Das Prinzip der Behandlung von struvitassoziierter FLUTD besteht darin, eine Harnzusammensetzung zu produzieren und aufrechtzuerhalten, die eine Untersättigung mit Struvit aufweist. Man kann davon ausgehen, daß sich unter diesen Bedingungen vorhandene Struvitsteine auflösen und neue Struvitkristallisation verhindert wird. Neben dieser Vermeidung von Steinrezidiven wird auch die Bildung der mineralischen Komponente von Urethrapfropfen verhindert, wodurch das Risiko einer erneuten Verlegung der Harnröhre deutlich reduziert wird.

Auch die Bildung von Kalziumoxalatkristallen kann nicht erfolgen, wenn der Harn eine Untersättigung mit den entsprechenden mineralischen Komponenten aufweist. Noch bei metastabiler Übersättigung ist die Kalziumoxalatsteinbildung unwahrscheinlich. Ob es in vivo bei einer physiologisch sinnvollen Untersättigung des Harns zu einer Auflösung von Kalziumoxalatsteinen kommt, ist noch ungeklärt. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung wird ein chirurgisches Entfernen klinisch aktiver Steine und eine nachfolgende, dauerhafte, möglichst niedrige Sättigung des Harns mit Kalziumoxalat empfohlen. Ideal ist eine Untersättigung des Harns mit Kalziumoxalat, doch wird dies nicht bei allen empfäng-lichen Tieren möglich sein, sodaß eine möglichst geringe metastabile Übersättigung angestrebt werden sollte. Dadurch lässt sich die Kristallisation von Kalziumoxalat vermeiden und eine Rezidivierung der Urolithiasis kann verhindert werden.

 


Faktoren, welche die Harnsättigung mit Struvit beeinflussen

Auf der Grundlage experimenteller und theoretischer Daten bezüglich der Ausbildung von Struvitkristallen haben sich folgende Faktoren als wesentlich für die Untersättigung des Harns mit Struvit herausgestellt:

  • Der Harn muß im sauren Bereich gehalten werden
  • Das Harnvolumen muß möglichst groß sein und das spezifische Gewicht des Harns gering
  • Restriktion der Zufuhr kristalloider Substanzen

Der pH-Wert des Harns sollte im Bereich von 6,0 bis 6,5 gehalten werden.

Der pH-Wert des Harns stellt den Schlüsselfaktor zur Struvitsteinbildung dar. Er bestimmt den Anteil des Gesamtharnphosphats in Form des zweiwertigen Anions HPO42- , welches für die Ausbildung von Struvitkristallen notwendig ist.

Steigender Harn-pH erhöht die HPO42- -Konzentration, da das monovalente Anion, H2PO4- , des Protons beraubt wird (Abb. 2). Während der Kristallisation von Struvit wird ein weiteres Proton abgestoßen.2

 

Die relativ größere Bedeutung, die dem Harn-pH im Vergleich zu anderen Faktoren wie z.B. der Magnesiumkonzentration zukommt, kann theoretisch nachgewiesen werden3,17,22 und wurde von Wissenschaftlern im Experiment gezeigt.3,5 Dennoch konnte in experimentellen Studien der für die Auflösung der Struvitsteine ideale Harn-pH nicht exakt definiert werden. Fest steht jedoch, daß Struvitkristalle nur selten bei pH-Werten unter 6,5 gefunden werden,28 so daß man davon ausgehen kann, daß das Struvitlöslichkeitsprodukt etwa diesem Wert entspricht.3 Darunter liegende pH-Werte sind daher mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Untersättigung mit Struvit in Verbindung zu bringen und führen nach gewisser Zeit zur Auflösung schon bestehenden kristallinen Materials.

  • ROYAL CANIN Urinary sorgt dank ihrer speziellen Rezeptur für die Bildung sauren Harns mit einem durchschnittlichen pH-Wert von weniger als 6,5. Wie Messungen mit dem Harn-pH-Meßgerät (Abb.3) des WALTHAM Zentrums für Heimtierhaltung und -ernährung bestätigen, beträgt der durchschnittliche Harn-pH-Wert der Katzen bei Fütterung der Frischebeutel mit Huhn 6,3, und bei Fütterung der Frischebeutel mit Rind 6,5.6,19,34

Dies wird dadurch erreicht, daß ROYAL CANIN Urinary durch die besondere Kombination der Futterinhaltsstoffe und den Zusatz von harnansäuernden Mitteln (Ammoniumchlorid oder Kalziumsulfat und DL-Methionin) dem Organismus eine Säurelast zuführt, die die Ansäuerung des Harns bewirkt.

Große Harnvolumina tragen zur Vermeidung der Steinbildung bei.

Die Bildung großer Harnmengen ist ein weiteres therapeutisches Ziel, das es anzustreben gilt, weil dadurch die für jede Kristallbildung nötigen Konzentrationen verdünnt werden. Zusätzlich wird die Frequenz des Harnabsatzes gefördert, so daß der Harn seltener die Möglichkeit hat, längere Zeit in der Blase zu "stehen". Es bleibt somit keine Zeit zur Kristallisation. Der praktische Nutzen einer Erhöhung des Wasserumsatzes wurde nachgewiesen,13 indem gezeigt wurde, daß eine bei Katzen durch zu hohe Magnesiumgehalte des Futters entstandene signifikante Hämaturie fast vollständig dadurch behoben werden konnte, daß man den Wasserumsatz durch Aufbereitung des normalen Futters zu Flüssigbrei unter Zusatz von 80 % Wasser drastisch erhöhte.

  • Die hohe Verdaulichkeit von ROYAL CANIN Urinary trägt zur Minimierung der Flüssigkeitsverluste über den Kot bei18 und fördert dadurch die Bildung großer Harnmengen.
  • ROYAL CANIN Urinary (Feuchtnahrung) weist einen hohen Feuchtigkeitsgehalt auf.

Der Gehalt an bestimmten Mineralstoffen sollte begrenzt sein.

Die Einflußnahme auf kristalloides Material im Harn erscheint im Vergleich zur Kontrolle des Harn-pH und des Harnvolumens von relativ geringerer Wichtigkeit.3,5,17 Dennoch haben klinische Studien nachgewiesen, daß erhöhte Mineralstoffzufuhr mit der Nahrung zur Bildung von kristalloidem Material und/oder Obstruktion der ableitenden Harnwege der Katze führen kann.7,11,14,16,27 Eine sorgfältige Überprüfung der Ergebnisse mancher dieser Untersuchungen erscheint jedoch angezeigt, bevor man darangeht, diese Daten auf Krankheitsfälle in der Praxis zu übertragen. Es ist denkbar, daß Faktoren wie sehr hohe Magnesiumgehalte oder die Wahl des Magnesiumsalzzusatzes (was die Ergebnisse aufgrund der Wirkung auf den Harn-pH ebenfalls beeinflußt haben könnte) ebenso mit in Betracht gezogen werden sollten.

Die Restriktion der Phosphorzufuhr mit der Nahrung hat für Diäten zur Behandlung von FLUTD mit Struvitsteinbildung theoretischen Wert, weil eine Verringerung der Harnphosphate das Struvitaktivitätsprodukt reduziert.5 Eine Verminderung des Phosphorgehalts auf 125 mg/ 100 kcal würde in Einklang mit den empfohlenen Mindestmengen für den Erhaltungsbedarf von heranwachsenden23 und adulten Katzen9 sowie mit den Untersuchungsergebnissen über Struviturolithiasis bei Katzen stehen.16 In einer der letztgenannten Studien lagen jedoch die Serumphosphorkonzentrationen durchschnittlich bei 3,4 ± 1,5 mg/dl (1,1 ± 0,48 mmol/l), also nahe des unteren Normbereichs. Überdies hat sich gezeigt, daß Diäten, die ansäuernde Mittel enthalten, die Phosphorbilanz bei ausgewachsenen Katzen beeinträchtigen. Aus diesem Grund sollte eine extreme Restriktion des Phosphors vermieden werden.

Trotz dieser Bedenken sind die Magnesium- und Phosphorkonzentrationen des Harns – wie schon erwähnt – in der Lage, das Struvitaktivitätsprodukt zu beeinflussen. Den Gehalt der Nahrung an diesen Mineralstoffen einzuschränken, um so zu versuchen, die harnpflichtigen Mengen zu reduzieren, stellt somit einen vernünftigen, zusätzlichen Aspekt in der Behandlung von Katzen, die zu Struvitsteinbildung neigen, dar.

  • Der Phosphorgehalt von ROYAL CANIN Urinary ist im Vergleich zu anderem Katzenfutter mäßig verringert.

Eine übermäßige Reduzierung des Magnesiumgehalts der Nahrung kann unter Umständen auch weniger sinnvoll sein. Es liegen Berichte vor, nach denen bei anderen Spezies Magnesium als hemmender Faktor bei der Ausbildung von Kalziumoxalatkristallen fungierte.25

  • Der Magnesiumgehalt von ROYAL CANIN Urinary wurde auf entsprechende Mengen reduziert.

Faktoren, die die Sättigung des Harns mit Kalziumoxalat beeinflussen

Die am WALTHAM® Zentrum für Heimtierhaltung und -ernährung laufende Forschungsarbeit ist damit befasst, jene Faktoren näher zu untersuchen, die die Kalziumoxalatsättigung des Harns beeinflussen können. Dazu zählen:

  • Harn-pH
  • Förderung großer Harnvolumina
  • Kontrollierte Gehalte an Kalzium und Oxalat

Ein mäßig saurer Harn-pH ist optimal zur Vermeidung von Kalziumoxalat- und Struvitsteinbildung.

Eine am WALTHAM® Zentrum für Heimtierhaltung und -ernährung durchgeführte Studie hat den Einfluß des Harn-pH auf die relative Übersättigung (RSS) mit Struvit und Kalziumoxalat untersucht.35 Sechs Katzen wurden nach dem Zufallsprinzip drei Testgruppen zugeordnet, die zwei Wochen lang unterschiedliches Futter erhielten, nämlich eine mit Ammoniumchlorid (NH4Cl), einem Harnsäurer, angereicherte Ration, eine mit Natriumbikarbonat (NaHCO3), einer harnalkalisierenden Substanz, versetzte Diät sowie eine Kontrollration. Für jede Katze wurde jeweils der Harn-pH und die RSS bestimmt.

  • Das Ergebnis zeigte, daß der Zusatz eines harnsäuernden Mittels zu einer Diät, die aufgrund ihrer Zusammensetzung bereits mäßig sauren Harn produziert, zu Harn-pH-Werten um die 5,8 führt, was zu einer Erhöhung der Kalziumkonzentration und der Kalziumoxalat-RSS führt. Dies legt die Vermutung nahe, daß eine Übersäuerung des Harns einen Risikofaktor für die Kalziumoxalatsteinbildung bei Katzen darstellt, obwohl sich der Grad der Übersättigung bei diesem pH-Wert nur im metastabilen Bereich bewegte.
  • Der Zusatz von alkalisierenden Substanzen zum Futter führte zu einem Harn-pH von etwa 6,8 und konnte die relative Übersättigung mit Kalziumoxalat nicht senken, erhöhte aber erwartungsgemäß die Struvit-RSS erheblich (Abb. 4).

Dies bedeutet, daß schwach saurer (beinahe neutraler) Harn-pH die Kalziumoxalatsättigung nicht verringert, aber unter Umständen das Risiko der Struvitpräzipitation fördern kann. Man schloß daraus, daß ein mäßig saurer Harn einen optimalen Mittelweg zur Kontrolle von Struvit- und Kalziumoxalatsteinbildung darstellt

  • Die Zusammensetzung von ROYAL CANIN Urinary wurde so gewählt, daß ein mäßig saurer Harn produziert wird. Die RSS-Werte für Kalziumoxalat von Katzen, die diese Diät erhielten, sind in Tabelle 1 zusammengefaßt.

Tabelle 1:


Durchschnittliche relative Übersättigung (RSS) des Harns mit Struvit und Kalziumoxalat nach Fütterung von ROYAL CANIN Urinary.

 

Diätart Struvit-RSS Kalziumoxalat-RSS
Frischebeutel mit Huhn 0,06 0,58
Frischebeutel mit Rind el mit Rind 0,34 0,68

Große Harnvolumina tragen zur Vermeidung der Steinbildung bei.

Wie schon bei der Diskussion der Struvitsteine erwähnt, ist auch hier die Produktion größerer Harnmengen anzustreben, um die Harnkonzentrationen von Kalzium und Oxalat und somit die Sättigungswerte zu reduzieren.

 


Kontrollierte Kalzium- und Oxalatgehalte des Futters sind zu empfehlen.

Je höher die harnpflichtigen Kalzium- bzw. Oxalatmengen, desto höher auch die Sättigung des Harns mit diesen Substanzen. Die Restriktion nur einer dieser Futterkomponenten kann jedoch zu vermehrter Resorption der anderen führen.

  • ROYAL CANIN Urinary enthält kontrollierte Gehalte an Kalzium und Oxalat.

Oxalat induziert durch die Produktion von freien Radikalen eine oxidative Schädigung der Nierenzellen. Dieser Schaden kann durch den Zusatz von Antioxidanzien zum Futter begrenzt werden.

Während des renalen Transportes kommt es zur intrazellulären Akkumulation von Oxalat, was nachweislich zu einer Schädigung der betroffenen Zellen führt.31 In geringen Konzentrationen kann Oxalat eine Zellproliferation verursachen, während es bei größeren Konzentrationen zur Zellschädigung und sogar zum Untergang der Zellen kommen kann. Sowohl die Zellproliferation als auch die toxischen Wirkungen des Oxalats sind auf oxidative Veränderungen zurückzuführen, die die Produktion von freien Radikalen und die Induktion der Fettperoxidation bewirken.15,30,36

Diese Veränderungen in der Zellfunktion können auf vielerlei Art zur Steinbildung beitragen, so zum Beispiel durch die Bereitstellung von Material für das Wachstum und die Aggregation von Kristallen.

  • ROYAL CANIN Urinary wurde mit Taurin und Vitamin E supplementiert, so daß die oxidativen Zellschäden und die Entstehung freier Radikale so gering wie möglich gehalten werden.

Weitere Nährstoffe, die bei ansäuernden Diäten von Bedeutung sind

Erhöhter Kaliumgehalt

Diäten, die der Ansäuerung dienen, können die Kaliumbilanz von Katzen beeinträchtigen. Berichte über Hypokaliämie bei Katzen, die Diäten mit Kaliumgehalten im unteren Grenzbereich erhielten, liegen vor.8

  • ROYAL CANIN Urinary hat einen Kaliumgehalt, der über den für normales Katzenfutter empfohlenen Richtwerten liegt.

Klinische Studien am WALTHAM Zentrum für Heimtierhaltung und -ernährung haben bewiesen, daß der Kaliumgehalt von "Urinary" ausreichend hoch ist.

 


Die Struvitsättigung des Harns bei Katzen mit ROYAL CANIN Urinary

In Studien zur Untersuchung der Struvitsättigung des Harns bei Katzen erhielten die Tiere "Urinary". Das Feuchtfutter wurde 10 Tage lang gefüttert und zwar bei Aufteilung der jeweiligen Tagesration in drei Portionen. Der Harn-pH wurde laufend mittels der schon beschriebenen Methode bestimmt.19,34 Während 48 Stunden in der zweiten Woche der Studie wurde das pH-Meßgerät durch einen mit Trockeneis gekühlten Container ersetzt, in dem der von allen Katzen abgesetzte Urin gesammelt wurde. Die Harnproben wurden danach analysiert und die Konzentrationen in den PC eingegeben. Das Computerprogramm EQUIL 2 berechnete dann die entsprechenden Ionenkonzentrationen und die relative Übersättigung mit den steinbildenden mineralischen Komponenten.21,37 Der Wert 1,00 entsprach dabei dem Sättigungspunkt des Harns. Darunterliegende Werte drückten eine Untersättigung aus, bei der eine Auflösung der Struvitsteine in einem Maße, das dem Grad der Untersättigung proportional ist, erfolgt. Die durchschnittlichen RSS-Werte sind in Tabelle 1 zusammengefaßt.33

  • ROYAL CANIN Urinary produziert einen Harn, der mit Struvit untersättigt ist. Dies ist die Voraussetzung für die Auflösung von bereits bestehenden Struvitsteinen.

Die Kalziumoxalatsättigung des Harns bei Katzen mit ROYAL CANIN Urinary

In einer weiteren Untersuchung wurde bei Katzen, die mit "Urinary" gefüttert wurden, die Sättigung des Harns mit Kalziumoxalat gemessen. Die Untersuchungsmethode war ähnlich der vorstehend beschriebenen. Die durchschnittlichen RSS-Werte für Kalziumoxalat sind in Tabelle 1 enthalten.33

  • Katzen, die ROYAL CANIN Urinary als Feuchtfutter erhalten, produzieren einen mit Kalziumoxalat untersättigten Harn.

Klinische Studien

Der Einsatz von "Urinary" bei der Behandlung von Erkrankungen der ableitenden Harnwege der Katze (FLUTD)

Die Ergebnisse einer Reihe von Studien belegen die Wirksamkeit von "Urinary" in klinischen Situationen und die besondere Eigenschaft der Diät, die Schlüsselparameter einer Behandlung von Katzen mit verschiedenen Formen von Erkrankungen der ableitenden Harnwege, nämlich Schaffung und Aufrechterhaltung von relativ verdünntem und saurem Harn, zu gewährleisten.

(1) In einer an der University of Queensland über 48 Wochen durchgeführten klinischen Studie10 wurde an 21 Katzen, die an spontan aufgetretenen Erkrankungen der ableitenden Harnwege (FLUTD) litten, "Urinary" (Feuchtnahrung) verfüttert.
Bei elf Tieren der Gruppe lag eine Obstruktion der Harnwege vor, bei zehn nicht. Die während der Diät mit "Urinary" aufgezeichneten durchschnittlichen Werte für Harn-pH und spezifisches Gewicht des Harns lagen bei 6,15 ± 0,36, beziehungsweise 1.032 ± 0,011.

Zu Beginn der Studie wurde bei fünf Katzen aus der Gruppe mit vorliegender Obstruktion der Harnwege das verstopfende Material untersucht. Dabei fanden sich bei drei Tieren Pfropfen aus Harngrieß, bei einer Katze ein nicht-kristalliner Matrixpfropfen und beim fünften Patienten Mikrocalculi. Bei den restlichen der elf Tiere aus der Gruppe mit Harnwegsobstruktion konnte das Material deshalb nicht identifiziert werden, weil die Katzen erst nach der Erstversorgung zur Wiederherstellung des Harnflusses mittels Entfernen der behindernden Konkremente durch den behandelnden Tierarzt unserer Studie zur Verfügung gestellt wurden. Acht der Katzen hatten in den vorangegangenen 18 Monaten 2 – 4 Anfälle durchgemacht.

Nach Umstellung der Ration auf "Urinary" kam es während der gesamten Dauer der Studie von 48 Wochen zu keinem Rückfall; bei zwei Tieren dauerte die bestehende Strangurie noch bis Woche 4 an, und eine Katze zeigte noch bis Woche 2 Symptome einer postrenalen Niereninsuffizienz.

In Anbetracht der Krankengeschichte dieser Katzen und der in epidemiologischen Studien38 für diese Erkrankungen beobachteten hohen Wahrscheinlichkeit von Rückfällen belegt diese Studie, dass die diätetische Therapie mit "Urinary" offenbar in der Lage ist, in vielen Fällen von FLUTD einem Rückfall wirksam vorzubeugen.

Weitere interessante Ergebnisse fanden sich bei den 10 Katzen mit FLUTD, bei denen keine Harnröhrenobstruktion vorlag. Eine Katze litt an rezidivierender Struviturolithiasis und ein zweites Tier zeigte signifikante Struvitkristallurie. Bei den restlichen Katzen konnte jedoch keine spezifische Ursache identifiziert werden (die positiven Bakterienkulturen zweier Katzen wurden vom Autor der Studie als sekundär betrachtet, da die bakteriologischen Harnuntersuchungen aus vorangegangenen Anfällen negativ gewesen waren). Die meisten Fälle waren daher als idiopathisch einzustufen. Fast alle Katzen dieser Gruppe hatten vor Beginn der Studie multiple Krankheitsschübe (bis zu 10) durchgemacht.

Trotz dieser Krankengeschichte kam es während der 48-wöchigen Dauer der Studie nur bei drei Katzen zu einem Rückfall. Eine Katze hatte sogar drei Koliken in dieser Zeit, was also heißt, dass hier die Diät keinerlei Wirkung zeigte. Von den anderen beiden rückfälligen Katzen ist bekannt, dass sie unmittelbar vor den Anfällen Zugang zu anderem Futter hatten. Bei den restlichen sieben Katzen dieser Gruppe zeigten sich während der Studie keinerlei klinische Krankheitszeichen.

Es scheint daher, dass bei den meisten Katzen der Gruppe mit idiopathischer FLUTD die diätetische Versorgung mit "Urinary" der Prävention eines Rückfalls diente. Die Ursachen dafür konnten nicht klar festgestellt werden. Viele der Katzen hatten bereits vor der Studie harnansäuernde Mittel erhalten, so dass die durch die Umstellung auf "Urinary" bewirkte Änderung des durchschnittlichen pH-Wertes des Harns nur geringfügig sein konnte. Was jedoch auffällig war, war die deutliche Abnahme des spezifischen Gewichts des Harns in dieser Patientengruppe, und es scheint, als hätte dieser Effekt der Diät die größte Bedeutung gehabt.

(2) Die Rolle von "Urinary" (Feuchtnahrung) bei der Behandlung von spontan auftretender FLUTD wurde auch in einer anderen Studie anhand von 17 Katzen untersucht.
Der Einsatz der diätetischen Therapie mit "Urinary" führte zu einem signifikanten (p<0,05) Absinken der Werte sowohl für Harn-pH als auch für das spezifische Gewicht des Harns und war bei den meisten der Patienten mit einer Remission von Hämaturie und Kristallurie verbunden.

In den Harnproben, die von 16 der Katzen während Woche 4 oder 5 zur Verfügung standen, fanden sich keine Struvitkristalle, während zu Beginn der Studie bei 12 (von 16 getesteten) Katzen Struvitkristallurie bestand. Diese Ergebnisse beweisen, dass "Urinary" ein wirksames therapeutisches Mittel zur Kontrolle der Struvitkristallurie darstellt.

(3) Weitere Untersuchungen bezüglich Harn-pH und spezifischen Gewichts erfolgten im Rahmen einer 60 Tage dauernden Studie anhand von 25 Katzen, deren Krankengeschichte die Diagnose "FUS" ("Felines Urologisches Syndrom") enthielt
(A. Gillick und R. Sanderson, persönl. Mitteilung). Bereits vor der Studie hatten die meisten Katzen harnsäuernde Diäten erhalten. Der durchschnittliche Harn-pH betrug zu Beginn der Studie 6,64; sieben Katzen zeigten Werte von >7,0 . Nach Beendigung des Diätversuchs lag der Harn-pH im Durchschnitt bei 6,13, und nur eine einzige Katze wies einen Wert von 7,0 auf. Ebenso war bei 96 % der Tiere das spezifische Gewicht des Harns gesunken, und zwar von anfänglich 1.049 (Ø) auf 1.035 nach Abschluß der Diätstudie.

4) Fallstudie zum Einsatz von "Urinary" zur Rezidivprävention bei Kalziumoxalaturolithiasis Ein 6 Jahre alter kastrierter Kater wurde in einer Tierklinik mit den typischen Symptomen einer Erkrankung der ableitenden Harnwege (FLUTD) vorgestellt.
Im Röntgen zeigte sich eine Urethraobstruktion, die chirurgisch behoben wurde. Mehrere kleine, scharfkantige Urolithen wurden entfernt. Die Analyse mittels Infrarotspektrometer wies nach, dass die Steine zu 100 % aus Kalziumoxalat bestanden (Abb. 5). Vier Tage nach der Operation und noch bevor eine Umstellung der Diät erfolgt war, wurde der 24-Stunden-Harn dieser Katze gesammelt und untersucht. Dabei konnte ein neutraler Harn-pH und eine Übersättigung des Harns mit Kalziumoxalat festgestellt werden (Abb. 6). Die Katze wurde daraufhin auf "Urinary" umgestellt. Nach drei Monaten wurde erneut eine Harnuntersuchung durchgeführt. Der Harn war nun geringgradig sauer und wies eine Untersättigung mit Kalziumoxalat auf (Abb.6). Die Katze wurde weiterhin mit "Urinary" gefüttert und zeigte bei einer zwei Jahre später durchgeführten Untersuchung keinerlei klinische Anzeichen einer erneuten Steinbildung.

(5) An der Ohio State University wurde eine Studie durchgeführt, bei der anhand von 54 Katzen mit idiopathischer Zystitis das rezidivierende Auftreten von Symptomen einer Erkrankung der ableitenden Harnwege untersucht wurde.20

Die Diagnose einer idiopathischen Zystitis war aufgrund der in der Krankengeschichte angeführten Miktionsstörungen, der auffälligen Harn-, Röntgen- und/oder Zystoskopiebefunde sowie in Ermangelung einer alternativen Diagnose gestellt worden. Die Katzen wurden zwei Gruppen zugeteilt; eine erhielt "Urinary" als Feuchtfutter, die andere Gruppe bekam die Diät als Trockenfutter. Gründliche Kontrolluntersuchungen erfolgten nach zwei und 16 Wochen, bzw. nach 6 und 12 Monaten. Dazwischen bestand regelmäßiger telefonischer Informationsaustausch zwischen Katzenbesitzern und Tierärzten. Als Endpunkt der Studie wurde der Ablauf eines Jahres bei Fütterung von "Urinary" gewählt bzw. ein Rezidivieren der FLUTD-Symptome.

Die Rezidivrate vor Beginn der Studie hatte 96 % betragen, wobei bei 52 von den 54 Katzen mehr als ein Rezidiv im Jahr davor aufgetreten war. Im Rahmen der Studie kam es bei 89 % der Katzen, die die Dosendiät erhielten, zu keinem erneuten Auftreten von Symptomen einer Erkrankung der unteren Harnwege, während bei den Katzen, die die Diät als Trockenfutter bekamen, 61 % symptomfrei blieben. Der Anteil der Katzen, bei denen klinische Krankheitszeichen zu beobachten waren, war deutlich geringer in der Gruppe mit Feuchtdiätfutter. Die Rückfallrate bei den Katzen, die das Trockendiätfutter erhalten hatten, war ähnlich der in einer anderen Studie verzeichneten Rezidivrate.20 Dies läßt den Schluß zu, dass die Trockendiät keinen Einfluß auf das biologische Verhalten der idiopathischen Zystitis hatte, während hingegen die Feuchtdiät das erneute Auftreten von Symptomen während der 12-monatigen Nachuntersuchungsphase signifikant verringern konnte.

Die genaue wissenschaftliche Grundlage für den besseren therapeutischen Effekt von "Urinary" in der Form von Feuchtfutter konnte nicht geklärt werden. Sowohl die Dosen- als auch die Trockenfuttervariante der Diät hatten während des gesamten Untersuchungszeitraumes einen mäßig sauren Harn produziert. Unterschiedliche Veränderungen hatten sich nur beim spezifischen Gewicht des Harns ergeben, das bei den Katzen der Feuchtfuttergruppe signifikant niedriger war als bei jenen der Trockenfuttergruppe. Auch im Vergleich zu den Ausgangswerten war das spezifische Gewicht des Harns gesunken. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass ein geringeres spezifisches Gewicht des Harns einen Faktor darstellt, der bei der Rückfallprävention der FLUTD von Bedeutung ist. Andere mögliche Mechanismen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Sicher scheint in jedem Fall zu sein, dass die Fütterung von "Urinary" Feuchtdiät die Rezidivrate bei Katzen mit idiopathischer Zystitis deutlich senken kann.

 


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